Montag, 12. Dezember 2011

Die längste Durststrecke

In Innsbruck wurde zwischen 20. Oktober und 4. Dezember kein Niederschlag registriert - das sind 45 Tage und es war somit die längste Trockenperiode seit Beginn der Aufzeichnungen!

 

Diese Wetterstationsgraphik aus Imst zeigt eindrucksvoll, was sich während des heurigen Novembers im Wettergeschehen abgespielt hat - nämlich gar nichts! Die Tagesgänge von Lufttemperatur, Taupunkt und Globalstrahlung waren jeden Tag gleich und verdeutlichen, dass jeder Tag von ungetrübten Sonnenschein geprägt war. Nur im Nordtiroler Unterland konnte sich in manchen Nächten Hochnebel bilden, der teilweise bis nach Mittag den Himmel verdeckte (Graphik: LWD Tirol, Daten: ZAMG).

 

Skigebietsbetreiber mussten vielfach einen verspäteten Saisonstart hinnehmen oder viel Geld, Energie und Wasser aus den Speicherteichen in intensive Beschneiung investieren, welche jedoch aufgrund der überaus warmen Temperaturen auch nicht überall möglich war. Neben der großen Wärme im Gebirge herrschten dort über Wochen fantastische Fernsichten.

 

Blick vom Ostgipfel der Hohen Munde (Telfs, 2592 m) nach Westen bis zum Großvenediger (3657 m, 99 km entfernt). Im Vordergrund sieht man die fortschreitende künstliche Beschneiung des Skigebiets Rosshütte in Seefeld (Foto vom 30.11.2011).

 

Nur in höher gelegenen Schattenlagen und auf den Gletschern konnte sich der Schnee vom September und Oktober halten. Durch die durchwegs klaren Nächte und die somit starke nächtliche Abkühlung entstand dort ein großer Temperaturgradient im Schnee. Die aufbauende Umwandlung der gesamten Schneedecke schritt dadurch immer weiter voran. Außerdem bildete sich in Schattenlagen flächendeckend Reif - auch in tiefen Lagen, weil dort oft Temperaturinversionen vorherrschten. Mancherorts konnten die Kristalle über Wochen wachsen und beachtliche Ausmaße annehmen.

 

An Schwimmschnee erinnerndes Konglomerat aus Reifkristallen, das sich auf einer schattigen Wiese bei Mittewald (Osttirol) gebildet hat (Foto vom 30.11.2011).

 

Eine weitere Besonderheit dieser Trockenphase stellte die Bildung von ausgedehnten Eisflächen auf Wiesenhängen oder in kleinen Bachläufen dar. Langsam fließendes Wasser ist zu dicken Eispanzern gefroren, die dem ersten Schnee stellenweise als Unterlage dienen. Wenngleich diese Flächen wohl kaum die Lawinengefahr beeinflussen werden, besteht in solchen Bereichen dennoch erhöhte Ausrutschgefahr (vor allem wenn sie eingeschneit sind).

 

Eispanzer über einem kleinen Bach beim Brechten (Inzing, Nordtirol, Foto vom 27.11.2011).

 

Das Ende der Trockenphase wurde durch eine Störung am 3. Dezember eingeleitet. Sie sorgte im Westen Nordtirols für Schneekettenpflichten auf einigen Passstraßen, die Niederschlagsmengen blieben aber gering. Ein paar Tage später wurde die extreme "Durststrecke" dann auch im Rest des Landes beendet.

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