Dienstag, 10. Januar 2012

Die Schneehöhen sind außergewöhnlich - die Lawinensituation war es nicht unbedingt!

Betrachten wir die Statistik so fällt Außergewöhnliches auf: Die Gesamtschneehöhen für diese Jahreszeit haben bei einigen unserer Beobachterstationen die bisher gemessenen Maxima überschritten. (In Boden im Lechtal besteht die längste Messreihe des Lawinenwarndienstes Tirol. Dort misst die Familie Friedl seit 1960 regelmäßig die Schneehöhen. Noch nie war diese seit Beobachtungsbeginn an einem 10.01. so hoch wie jetzt: satte 152cm!).

 

Die violette Linie zeigt den Schneehöhenverlauf des heurigen Winters, die graue oberste Linie das bisherige Maximum, die dunkle Linie den Mittelwert, die untere graue das bisherige Minimum.

 

Für die Jahreszeit bereits tief eingeschneit: Lawinenstützverbauungen oberhalb von Innsbruck (Foto vom 05.01.2012)

 

Was die Lawinensituation anlangt, so erreichen Lawinen während eines Winters des Öfteren Straßen. (Wir waren während der vergangenen zwei Winter diesbezüglich bei unterdurchschnittlichen Schneehöhen nur sehr verwöhnt.). Ich erinnere da an eine deutlich kritischere Situation vor gerade erst drei Jahren: Am 28.02.2009 gingen in ganz Tirol zahlreiche große, zum Teil auch sehr große, Lawinen ab. Der Vergleich mit dem Katastrophenjahr 1999 wird in den Medien zwar immer wieder erwähnt, hinkt jedoch gewaltig! Wir sind und waren deutlich entfernt von einer richtigen Katastrophensituation! Dies hängt u.a. mit der, in den schneereichen Regionen derzeit in Summe meist sehr stabilen, Altschneedecke zusammen, sodass es zu keinen Brüchen in tiefen Schichten kommt bzw. kam.

 

Viel Schnee, jedoch kaum Schwachschichten. Kritische Bereiche sind meist kurzfristig in oberflächennahen Schichten in Form von frischem Triebschnee auf kaltem, lockeren Neuschnee zu finden (Im obigen Profil war der Neuschnee allerdings locker und spannungsarm)

 

Die einzige Ausnahme bilden die hier schon öfters erwähnten Regionen entlang des Alpenhauptkammes, wo die Schneedecke v.a. oberhalb etwa 2500m in einer bodennahen Schwimmschneeschicht kollabieren kann. Lawinen können dort auch größer werden.

 

Außergewöhnlich war laut Statistik einzig die Aufeinanderfolge von Tagen mit großer Lawinengefahr. 4 Tage hintereinander mit allgemeiner Gefahrenstufe groß (Stufe 4) gab es tatsächlich das letzte Mal im Winter 1999.

 

Allgemeine Gefahrenstufenverteilung für Tirol vom 06.01.-10.01.2012

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