Mittwoch, 4. Januar 2012

Es wird spannend...

Umfangreiche Schneedeckenuntersuchungen in Tirol während der vergangenen Zeit ergeben in Summe ein recht gutes Bild über den Schneedeckenaufbau und somit über mögliche Schwachschichten für den kommenden Schneefall: Am ungünstigsten aufgebaut ist die Schneedecke v.a. in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes oberhalb etwa 2500m. Dort ist anfangs im Sektor NW über N bis NO, mit zunehmender Seehöhe dann vermehrt auch in den übrigen Sektoren auf ein bodennahes Schwimmschneefundament zu achten, welches von den Schneefällen im Herbst stammt.

 

Durch den Schneefall vom 02.01. auf den 03.01. samt starkem Höhenwind sind inzwischen bereits einige Schneebrettlawinen spontan abgegangen (Meldungen liegen uns vor vom hinteren Pitztal, Stubaital und Zillertal). Durch weitere Schneeauflast steigt die Wahrscheinlichkeit von spontanen Lawinen dort weiter an!

 

Spontane Lawinen, die vom 02.01. auf den 03.01. im alpinen und hochalpinen Steilgelände abgegangen sind (Südliche Stubaier Alpen)

 

Zusätzlich bildet in ganz Tirol der kalte, lockere Neuschnee, der vom 02.01. auf den 03.01. gefallen ist, eine ideale Gleitfläche zum darüber gelagerten Triebschnee. Die Störanfälligkeit ist derzeit recht hoch. Dies beweisen auch zahlreiche Lawinenabgänge der letzten Tage (03.01.: Aggenstein, Axamer Lizum, Zischgeles; ca. 10 Auslösungen am Pitztaler Gletscher, Lizumer Sonnenspitze; 04.01.: Silleskogel, Pirchkogel; Maienköpfe).

 

Frische Triebschneeansammlungen sind derzeit leicht zu stören. Der kalte, lockere Neuschnee wird während der kommenden Tage als wichtige Gleitfläche für Schneebrettlawinen dienen.

 

In den besonders schneereichen Regionen im Westen und Nordwesten des Landes ist die Altschneedecke zum Glück derart stabil, dass spontane Lawinen auch dort primär im Bereich dieser kürzlich entstandenen Neuschneeschicht brechen werden.

 

In windberuhigten Lagen findet man noch kalten, lockeren Neuschnee, der jedoch bei Windeinfluss leicht zu verfrachten ist. Dort werden während der kommenden Tage einige Lawinen spontan brechen.

 

Vereinzelt ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich in einem Höhenbereich unterhalb von ca. 1900m im Bereich der am Silvester- und beginnenden Neujahrstag vom Regen beeinflussten Schicht inzwischen eine dünne, kantige Schwachschicht gebildet hat. Es handelt sich dabei um ein Phänomen, das nicht großflächig nachgewiesen werden konnte (gm.4: kalt auf wam).

 

Zur Zeit weht kräftiger Wind auf den Bergen. Schnee wird umfangreich verfrachtet. Triebschnee ist allgemein sehr störanfällig (Foto vom 03.01., Obernbergtal)

 

Der Wind wehte während der letzten Tage v.a. aus dem Sektor SW-W.

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