Dienstag, 24. April 2012

Eine lawinenaktive Zeit steht bevor...

Nach dem seit Anfang April pünktlich eingesetztem, entsprechend wechselhaftem Aprilwetter bleibt es während der kommenden Tage niederschlagsfrei. Die Lufttemperatur steigt markant an und erreicht Werte deutlich über dem Durchschnitt. Es wird somit frühsommerlich warm, in tiefen Lagen für die Jahreszeit richtiggehend heiß. Dies wird nicht ohne Auswirkungen auf die Lawinengefahr bleiben...
 
Die oberen Linien zeigen den vorhergesagten Temperaturverlauf auf ca. 1500m dar (rote Linie = Mittelwert). Die unteren Linien weisen auf niederschlagsfreies Wetter während der kommenden Tage hin.
 
Am 25.04. erwarten wir zahlreiche, meist noch eher harmlose Lockerschneelawinen aus extrem steilem, v.a. besonnten Gelände, die in den neuschneereichen Regionen entlang des Alpenhauptkammes teilweise mittlere Größe erreichen können. Ein Durchreißen in tiefere Schneeschichten ist am 25.04. noch nicht zu erwarten. Vereinzelt können sich am 25.04. im kammnahen, besonnten Gelände auch kleine spontane Schneebrettlawinen lösen. Schuld daran hat der durch Windeinfluss gebundene, gerade erst entstandene Triebschnee.
 
 
 
Spannend wird es dann vermutlich ab Donnerstag, spätestens ab Freitag, wenn es von Tag zu Tag wärmer und die Temperaturreserven innerhalb der Schneedecke immer geringer werden. Dies bedeutet, dass die Schneedecke dann auch in größeren Höhen zunehmend nass wird und deutlich an Festigkeit einbüßt. Wir erwarten dann v.a. oberhalb etwa 2100m spontane, nasse Lockerschneelawinen, die sich in der Sturzbahn deutlich verbreitern, vermehrt die nasse Altschneedecke mitreißen und dann mitunter auch größer werden können.
 
Spontane Schneebrettlawinen sind u.a. an eher schneearmen Stellen im schattigen, sehr steilen Gelände zwischen etwa 2300m und 2500m vermehrt in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes zu erwarten. Als Gleitfläche wird bodennaher Schwimmschnee dienen. In der selben Exposition und Höhenlage können Schneebrettlawinen auch auf einer dünnen kantigen Schicht auf Schmelzharsch abgehen. Dies sollte nicht vor Freitag der Fall sein.
 
Zusätzlich wird man wieder vermehrt Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen insbesondere dort, wo sich bereits Risse in der Schneedecke gebildet haben, beobachten können.
 
Fraglich ist noch, ob die Schneedecke am Wochenende durch die vorhergesagte, hohe und mittelhohe Bewölkung und die folglich diffuse Strahlung hochalpin (also oberhalb etwa 3000m) derart geschwächt wird, dass vereinzelt auch bodennaher Schwimmschnee vom Frühwinter als Gleitfläche für zum Teil auch größere Schneebrettlawinen dienen kann? Da sollten Schneedeckenuntersuchungen, die wir im Laufe der Woche durchführen werden, Klarheit verschaffen.
 
Als Vorteil muss angeführt werden, dass der Schneedeckenaufbau außer dem erwähnten bodennahen Schwimmschnee sowie einer eher oberflächennahen, dünnen kantigen Schicht in Summe als recht stabil mit wenig Schwachschichten charakterisiert werden kann. Einen Kollaps der Schneedecke auf großen Flächen an zahlreichen Stellen wird es somit nicht geben. Vorstellbar ist allerdings, dass das in die Schneedecke eindringende Schmelzwasser an bestehenden Schmelzharschkrusten abfließen und dort aufgrund der verminderten Reibung zu einem Abgleiten der darüber gelagerten Schneeschichten führen kann.
 
Für den Wintersportler gilt auf alle Fälle: Je höher und früher man unterwegs ist, desto besser! Zu bedenken ist auch immer die sichere Rückzugsmöglichkeit ins Tal bzw. zur Hütte! Sicherheitsverantwortliche werden gegen Ende des Winters mancherorts nochmals gefordert sein und die Situation besonders sorgfältig beobachten.

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