Freitag, 7. Dezember 2012

Ein erster Überblick über den Schneedeckenaufbau im Land.

DER entscheidende Faktor für die Lawinengefahr ist immer der Schneedeckenaufbau. Wichtig erscheint derzeit v.a. die Unterscheidung, wo vor Ende November, als sich im ganzen Land eine Schneedecke ausbildete, eine Altschneedecke vorhanden, und wo der Boden aper war.
 
Ein Blick Richtung Mieminger Kette auf sonnenexponierte Hänge (Foto: 25.11.2012)
 
Schattseitig schaute das Bild anders aus: Dort blieb der Altschnee oberhalb der Waldgrenze großteils liegen. In den nordöstlichen Regionen Nordtirols waren es meist nur kleine, unzusammenhängende Schneereste.
 
Gleicher Fotostandort wie voriges Bild, diesmal mit schneebedeckten Schattenhängen (Nördliche Stubaier Alpen; Foto vom 25.11.2012)
 
Im südlichen Osttirol sowie in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes ist die Altschneedecke mächtiger als in den übrigen Regionen.
 
Malhalm-Osttiroler Tauern (23.11.2012)
 
Wichtig erscheint dabei, dass sich dort in hohen und hochalpinen Lagen bis Ende Oktober Schmelzharschkrusten ausgebildet haben, die klarerweise mit zunehmender Seehöhe immer dünner wurden.
 
Das Profil vom Gaißkarferner (Südliche Ötztaler und Stubaier Alpen) zeigt Eiskrusten in Bodennähe (30.10.2012)
 
Die Altschneedecke war damals noch stabil. Bedeutsam waren im November zudem Regenfälle bis in große Höhen, am markantesten war jener vom 11.11.2012. Danach haben sich während der meist recht stabilen Wetterlage im November vermehrt zwischen diesen Schmelzharsch- und Regenkrusten kantige, lockere Kristalle gebildet. Unsere Untersuchungen zeigten, dass die Schneedecke derzeit oberhalb etwa 2500m im Bereich dieser Krusten und kantigen Schichten mitunter störanfällig ist. Es handelt sich dabei meist um eher kleinräumige Bereiche, vermehrt im Sektor WNW über N bis ONO.
 
Eines dieser ungünstigen Profile…
 
Vielerorts ist die Altschneedecke hochalpin jedoch vom Wind beeinflusst und somit recht kompakt.
 
Profil vom 27.11. am Rettenbachgletscher
 
Etwas erschwerend kommt noch eine dünne Regenkruste hinzu, die sich am 28.11. v.a. in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes bis zumindest 2800m hinauf gebildet hat. Auch da gilt, dass mancherorts eher kleinräumig im Bereich dieser Kruste kantige Kristalle entstanden sind und somit als Schwachschicht für Schneebrettlawinen in Frage kommen können.
 
Die am 28.11. entstanden Regenkruste als mögliche Schwachschicht (Verwalltal-Südliche Ötztaler Alpen, 05.12.2012)
 
Hier nochmals das Profil vom Verwalltal in den Südlichen Ötztaler Alpen (05.12.2012). Bruch im Bereich der Regenkruste. Tiefere Schichten waren hier nicht zu stören.
 
Rückmeldungen und unsere Nachforschungen ergaben auch, dass sich bis zum 28.11. hochalpin, kammnah und schattseitig ganz vereinzelt ein dünnes Band aus Oberflächenreif (Nigg-Effekt) gebildet haben dürfte. Vermehrt dürfte da wieder der Alpenhauptkamm betroffen gewesen sein.
 
Schneebrettauslösung im Bereich Hochgurgl auf Oberflächenreif (01.12.2012)
 
Nach diesem doch eher längeren Exkurs über die Altschneedecke muss man noch auf den kürzlich gefallenen Schnee eingehen. Durch die derzeit kalten Temperaturen sowie den teilweise kräftigen Wind haben sich frische, spröde Triebschneepakete gebildet, die im Bereich der Schichtgrenze zwischen kaltem, lockeren Neuschnee und Triebschnee brechen. Sofern es die Sichtverhältnisse zulassen lassen sich Bereiche gut erkennen.
 
Frischer Triebschnee: Im sehr steilen Gelände mitunter ein Problem
 
Ebenso wurde uns am 04.12. vom Außerfern bis zu den Stubaier Alpen Graupel gemeldet. Im Außerfern war dieser ausgeprägter, als anderswo. Uns fehlen derzeit allerdings Schneedeckenuntersuchungen, die auf ev. Probleme hinweisen könnten.
 

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