Samstag, 22. Dezember 2012

Wochenrückblick zu Wetter, Schneedecke und Lawinen

Ab dem 14.12. gelangte vom Atlantik her unter einer Südwestströmung deutlich mildere Luft als zuvor an den Alpenraum. Dazu wehte kräftiger Südföhn.
 
Ein Blick von Innsbruck Richtung Süden. Die Serles ist bereits in dichte Wolken gehüllt. Auf den Bergen weht stürmischer Wind aus Süden (Foto vom 14.12.2012)
 
Gleitschneelawinen waren und bleiben ein Thema in Tirol, v.a. in den schneereicheren Regionen. Spektakulär ein Bild von der Streif in Kitzbühel…
 
Streif, Kitzbühel (Foto vom 14.12.)
 
Es herrschte unbeständiges Wetter, wobei es am Samstag, den 15.12. meist bis auf etwa 1500m hinauf regnete.
 
Am 15.12. regnete es verbreitet bis meist etwa 1500m hinauf (Nordkette)
 
Regenbeeinflusste Schneedecke am Weg zum Schwarzkogel in den Kitzbüheler Alpen (Foto vom 16.12.2012)
 
Auch hier gut zu erkennen: Oberflächennahe Regenkruste vom 15.12.
 
Anschließend kam Tirol in eine Westströmung mit unbeständigem Wetter in Nordtirol.
 
Anfangs kräftige Südströmung, dann drehend auf West.
 
Unterhalb des Gaislachkogels lösten damals drei Variantenfahrer im offensichtlich frisch eingewehten und zudem extrem steilen Gelände eine 500m lange und bis 50m breite Schneebrettlawine aus. Eine Person wurde verletzt.
 
Gaislachkogel: Der Einfahrtsbereich wurde zufällig kurz vor dem Lawinenabgang von einem Bediensteten der Bergbahnen aufgenommen. (Foto: 16.12.2012)
 
Ebenso am 16.12. wurde ein Filmteam im Bereich der Gampernunalpe (Arlbergregion) von einer spontanen Lawine überrascht. Die Lawine erfasste einen einheimischen Jäger, der schwerste Verletzungen erlitt. Die anderen beteiligten Personen konnten sich hinter einer Hütte in Sicherheit bringen (sh. roten Kreis am folgenden Foto). Im Zuge unserer Erhebungen mit der Alpinpolizei näherten wir uns über kupiertes und maximal mäßig steiles Gelände vom Grat in Richtung Anrissbereich. Dort nahmen wir ein Setzungsgeräusch war. Wie sich nach unseren Erhebungen herausstellte, lösten wir dadurch eine weitere Schneebrettlawine neben der Unfalllawine, aber auch auf der anderen Hangseite aus: Wieder einmal ein Indiz für den teilweise sehr ungünstigen Schneedeckenaufbau oberhalb etwa 2200m im Sektor W über N bis O in den Regionen südlich einer Linie vom Außerfern über die Nordalpen bis zu den Kitzbüheler Alpen.
 
Lawinenunfall Gampernunalpe: gelber Pfeil (Abstieg der Gruppe); roter Kreis (einige Personen konnten sich hinter einer Hütte in Sicherheit bringen; blaue Linie (spontane Lawine); roter Pfeil (Profilstandort); blaue, strichlierte Linie (Fernauslösung); violetter Pfeil (weitere Fernauslösung auf anderer Hangseite; Wechtenkeil gebrochen).
 
Am folgenden Bild sieht man die zweite Fernauslösung. Die Schwachschicht war offensichtlich bis zum Gratbereich vorhanden. Der dadurch gebrochene Wechtenkeil riss dann den Schnee auf der anderen Gratseite mit.
 
Blick Richtung Westen, im Hintergrund der Riffler (Foto vom 19.12.2012)
 
Am 16.12.2012 wurde dann auch noch im Sassgalunkar, einem Variantengebiet der Silvretta Skiarena eine Lawine ausgelöst. Verletzt wurde niemand.
 
Lawine Sassgalunkar (Foto vom 16.12.2012)
 
Bis zum 19.12. schneite es in Nordtirol täglich, mit Konzentration im Nordwesten des Landes.
 
Schneefall im Skigebiet Hochzillertal (Foto: 18.12.2012)
 
Wetterbegünstigt war Osttirol…
 
Der schöne Süden - Sandboden (Zentralosttirol, Foto vom 16.12.2012)
 
Ab dem 19.12. sah man häufig traumhafte Winterlandschaften mit einer häufig lockeren, kalten Pulverschneeauflage.
 
Im Halltal (Foto vom 20.12.2012)
 
Der lockere Schnee überdeckte einerseits kürzlich entstandene Triebschneepakete, andererseits konnte dieser in windexponierten Lagen leicht verfrachtet werden und somit neue, störanfällige Triebschneepakete bilden. (sh. dazu vorige Blogeinträge zu den weiteren tödlichen Lawinenunfällen im Törli am 18.12. und unterhalb der Hohen Munde am 20.12.). Am 21.12. wurden übrigens die Einsatzkräfte noch zu einem weiteren Lawinenereignis im Bereich des Schimmel Eggs (Rendl, Arlberg) gerufen. Offensichtlich wurde bei diesem Lawinenabgang jedoch niemand verschüttet.
 

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