Samstag, 2. Februar 2013

Eine außergewöhnliche Eiskruste und deren Auswirkung auf die Lawinengefahr

Selten dürfte es während eines Winters so oft geregnet haben wie heuer… Neuerlich regnete es vom 30.01. auf den 31.01. häufig bis etwa 2200m, vereinzelt bis 2500m, vom 01.02. auf den 02.02.2013 bis knapp 2000m hinauf. Das südliche Osttirol bekam vergleichsweise nur geringe Mengen ab. Hervorzuheben ist insbesondere der Regen vom 30.01. auf den 31.01., weil der Niederschlag bei stürmischem Wind fiel und der Himmel noch während der Nachtstunden aufklarte. Deshalb bildete sich eine teilweise extrem harte Eiskruste. In diesen Bereichen war die Absturzgefahr kurzfristig wesentlich höher einzuschätzen als die Lawinengefahr!
 
 
Zum Teil extrem harte Eiskrusten, die sich in der Nacht vom 30.01. auf den 31.01. gebildet haben (Rofan, am 31.01.2013)
 

Eiskruste in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto vom 31.01.2013)
 
Anhand der Wetterstationsgrafik vom 02.02. bei der Muttekopfhütte in der Region Arlberg-Außerfern kann man dieses Phänomen anhand der zweiten Grafik von oben sehr gut nachvollziehen: Die Lufttemperatur (rot) und der Taupunkt (blau) triften am 31.01. nachts auseinander. Es strömt also deutlich trockenere Luft ein. Der Himmel war dann verbreitet sternenklar. Dadurch sowie durch den Wind konnte sich die Schneeoberfläche deutlich abkühlen, was man am Abfallen der Schneeoberflächentemperatur (grau) gut erkennt. Dadurch gefror die vorhin nasse Schneeoberfläche.
 
Zudem zu erkennen: In Tirol hat es in höheren Lagen zu schneien begonnen. Die Temperatur geht deutlich zurück, der Wind beginnt auf nördliche Richtung zu drehen.
 
Nun hört man immer wieder, dass harte Krusten eine ideale Gleitfläche für Schneebrettlawinen seien und somit als schlechtes Vorzeichen für folgende Schneefälle gelten. Dies stimmt in den meisten Fällen nur bedingt. So gut wie immer brechen Schneebrettlawinen in dünnen Schwachschichten unmittelbar oberhalb bzw. unterhalb von Harschkrusten oder aber an Schichtgrenzen. Letzteres ist der Fall, wenn auf dem Schmelzharschdeckel lockerer Pulver und darüber Triebschnee lagert. Der Bruch erfolgt an der Schichtgrenze zum Triebschnee, nicht am Schmelzharschdeckel!
 
Schnee kann nur dann auf Eiskrusten abgleiten, wenn das Gelände steil genug und die Eiskruste besonders glatt ist. Dieses Phänomen ist dem Abgleiten von Schnee auf steilen Wiesenhängen bei Gleitschneelawinen ähnlich. (Es erfolgt dann also kein Bruch in einer Schwachschicht!). Problematisch könnte diese Eiskruste mitunter bei fortschreitender Durchnässung der Schneedecke im Frühjahr werden, wenn diese das eindringende Schmelzwasser staut, und dadurch die Reibung zum darüber lagernden Schnee massiv vermindert wird.
 
Langer Rede kurzer Sinn: Wir gehen derzeit aufgrund der körnigen Struktur der Eiskruste nicht davon aus, dass unmittelbar darauf, sondern nur darüber im Bereich von Schichtgrenzen Schneebrettlawinen brechen. (Zusatz vom 02.02. um 14:15 Uhr: Oberhalb von ca. 2100m, dort wo die Schmelzharschkruste dünn ist, könnte v.a. in schattigen, sehr steilen Hängen ein Bruch unterhalb der Kruste auf noch lockerem, kalten Pulverschnee erfolgen.) Dies wird für die besonders niederschlagsreichen Regionen im Westen und Nordwesten des Landes zutreffen. Lawinen können dann v.a. im kammnahen, windabgewandten und zudem sehr steilen, bis extrem steilen Gelände spontan abgehen.
 

Der erste „Schwung“ an Neuschnee. Es folgt noch weiterer. Die Lawinengefahr steigt deshalb an.

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