Freitag, 29. März 2013

Gedanken zum Osterwetter samt Impressionen der vergangenen Tage

Hüttenwirte wissen davon ein Lied zu singen: Sobald wechselhaftes Wetter während der Osterferien vorhergesagt ist, führt dies zu entsprechenden Absagen. Wir beobachten aber auch heuer ein ähnliches Muster, wie fast alle Jahre bei vergleichbaren Wetterbedingungen: Die Sonne zeigt sich in Summe deutlich häufiger, als von vielen angenommen…
 
Traumhaftes Wetter während eines Zwischenhochs am 27.03. (Blick auf die Jamtalhütte in der Silvretta).
 
In Osttirol klarte es am 27.03. hingegen nur in größeren Höhen auf. Im Tal hielt sich hartnäckig Nebel.
 
Ein Blick von den Osttiroler Tauern in Richtung Süden (Foto vom 27.03.2013)
 
Am 27.03. beobachteten wir entsprechend den Vorhersagen zahlreiche Lockerschneelawinen vermehrt aus besonntem Gelände.
 
Zahlreiche Lockerschneelawine aus felsigem Gelände (Foto vom 27.03.2013)
 
Unterhalb des Lisener Fernerkogels entwickelte sich eine Lockerschneelawine zu einer Staublawine, allerdings mit geringer Wucht (Foto vom 27.03.2013)
 
Kurzfristig hatten wir traumhaften Kanada-Pulverschnee, am meisten davon im Westen des Landes. Interessant dabei: Die Neuschneehöhe wuchs sehr kleinräumig in größeren Höhen mitunter kräftig an (Tirolweit schneite es meist um 10cm, in der Silvretta, im Kaunertal sowie am Arlberg waren es bis zu 40cm.).
Ein Pulvertraum am Arlberg (Foto vom 27.03.2013)
 
Ein Pulvertraum auch in der Silvretta (Foto vom 27.03.2013)
 
Ein Pulvertraum aber auch in den Zillertaler Alpen (Foto vom 27.03.2013). Am Foto erkennt man Rutsche, die im kammnahen Gelände ausgelöst wurden.
 
Inzwischen findet man auch durch den zunehmenden Windeinfluss auf den Bergen immer häufiger eine unregelmäßige Schneeoberfläche: In tiefen und mittleren Lagen besteht diese vermehrt aus harten, im Osten des Landes eher tragfähigen, im Westen des Landes eher brüchigen Schmelzharschkrusten, in hohen Lagen vermehrt aus Bruchharsch, schattseitig mitunter noch aus Pulverschnee und hochalpin zunehmend aus Windkrusten.
 
Wir konnten am 27.03. noch ein interessantes Phänomen beobachten, was ev. mit den vorhergesagten Schneefällen, die wir am Ostersonntag erwarten, kurzfristig zum Tragen kommen könnte: Während des Spurens im kanadischen Pulvers merkten wir in besonnten Hängen, dass die Felle aufzustollen begannen, obwohl die Schneeoberfläche trocken und locker blieb.
 
Kanadapulver in der Früh des 27.03.2013
 
Die Erklärung dafür liegt darin, dass die kurzwellige Sonnenstrahlung bei sauberem, sehr lockerem Schnee in die Schneedecke eindringt und diese erst einige cm unterhalb der Schneeoberfläche zu durchfeuchten beginnt. Dadurch entstehen sehr große Temperaturunterschiede auf kleinem Raum, also ideale Voraussetzung für das Gefahrenmuster gm.4 („kalt auf warm, warm auf kalt“), bei dem sich relativ rasch kantige Kristalle im Nahbereich dieser unterschiedlich temperierten Schneeschichten ausbilden können. Je flächiger und ausgeprägter diese kantigen Kristalle entstehen, desto eher kommen sie als Schwachschicht für Schneebrettlawinen in Frage.
 
Am späteren Nachmittag beobachteten wir dann, wie sich unterhalb der immer noch lockeren Schneeoberfläche ein dünner Schmelzharschdeckel ausbildete. Unter diesem befand sich eine ca. 3cm dicke, nasse Schicht. Was war nun geschehen? Die Schneedecke wurde durch die Sonneneinstrahlung unterhalb der Schneeoberfläche nass und begann sich am späteren Nachmittag wieder auszukühlen. Dies hängt damit zusammen, weil Schnee ein idealer schwarzer Körper ist, der vergleichbar einem Ofen, Wärme abgibt. Dadurch kühlte sich die nasse Schneeschicht (bei immer noch wolkenlosem Wetter und sehr geringer Luftfeuchtigkeit) ab und begann zu frieren.
 
Am Nachmittag des 27.03. lag an der Schneeoberfläche immer noch Pulverschnee, unmittelbar darunter fand man einen dünnen Schmelzharschdeckel (entstanden durch langwellige Abstrahlung), die weiteren 3 cm darunter war die Schneedecke nass. In Summe also Voraussetzungen, die dem Gefahrenmuster gm.4 („kalt auf warm bzw. warm auf kalt“) entsprechen und mitunter Schwachschichten ausbilden können.
 
In der englischen Literatur wird dieses Phänomen übrigens als „radiation recrystallization“ beschrieben.
 
Was bedeutet das für die Praxis? In steilen besonnten Hängen könnten sich vermutlich in einem Höhenbereich zwischen 2300m und 2800m nahe der Schneeoberfläche vermehrt kantigen Kristalle ausbilden. Ob diese flächig und ausgeprägt genug entstehen, wissen wir derzeit noch nicht. Dies lässt sich einzig durch einen raschen Blick in die Schneedecke im unmittelbaren Nahbereich der Schneeoberfläche machen. Um mehr über diese Entwicklung zu erfahren sind wir derzeit über entsprechende Rückmeldungen besonders dankbar!
 

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