Montag, 15. April 2013

Kurzanalyse des tödlichen Lawinenunglücks am Hochschober in Zentralosttirol vom 13.04.2013

Drei erfahrene Skitourengeher planten am 13.04.2013 eine Skitour über das Ralftal auf den Hochschober in Zentralosttirol. Als sie beim Skidepot angelangt waren, entschloss sich einer der Personen, dort zu bleiben, während die Kollegen den Gipfel des Hochschobers bestiegen. Als die Kollegen vom Gipfel zurückkehrten, sahen sie einen Lawinenanriss. Ihr Kollege wurde offenbar von einer Lawine erfasst und total verschüttet (einzig seine Hand ragte noch aus dem Schnee). Die Kameradenrettung kam zu spät. Die Person verstarb noch am selben Tag.
 
Links oben im Bild der Hochschober. Rechts davon der Kleinschober. Der dortige Pfeil zeigt, wo die Lawine angerissen ist. Der Kreis weist auf die Verschüttungsstelle hin. Am Foto erkennt man auch den Rettungshubschrauber. (Foto vom 13.04.2013)
 
Die gestern gemeinsam mit der Alpinpolizei durchgeführte Unfallanalyse brachte ein unglaubliches Zusammenspiel unglücklicher Umstände ans Tageslicht. Wie sich herausstellte, wählte einer der Kollegen bei der Rückkehr vom Gipfel im Bereich des Kleinschobers eine von der Aufstiegsspur leicht abweichende Abstiegsspur. Er merkte bald, dass das Gelände unterhalb merklich steiler wurde (bis zu 45°) und beschloss dann, wieder zurück zu gehen und der ursprünglichen Aufstiegsspur zu folgen. Er hat dabei, ohne es zu merken, knapp unterhalb seiner Spur eine kleine Schneebrettlawine ausgelöst. Durch das Gewicht der Schneemassen löste sich unterhalb eine zweite Schneebrettlawine. Die Person am Skidepot hatte offensichtlich inzwischen beschlossen, dieses zu verlassen und den Kollegen entgegenzugehen. Er befand sich dabei unmittelbar im Randbereich der abgehenden Lawine, wurde von dieser erfasst und am Hangfuß verschüttet.
 
violett: Aufstiegsspur; gelb: Abstiegsvariante. Am unteren Endpunkt der gelben Linie(Umkehrpunkt der absteigenden Person) dürfte die erste Lawine ausgelöst worden sein. Die untere Lawine wurde dann als Folge der ersten Lawine ausgelöst. Die ursprünglich am Skidepot wartende Person befand sich dann gerade im Aufstieg im Randbereich der zweiten Lawine. (Foto vom 13.04.2013)
 
Im Vordergrund das Skidepot. Roter Pfeil: Sturzbahn der ersten Lawine. Efasste Person muss sich knapp oberhalb der am Bild befindlichen Personen befunden haben. (Foto vom 14.04.2013)
 
Unten ein weiteres Bild von der Abzweigung der beiden Spuren. Am Ende der gelben Spur, dort wo die Person steht, kehrte der Skitourengeher zur Aufstiegsspur zurück.
 
violett: ursprüngliche Aufstiegsspur; gelb: Abstiegsvariante mit Auslösepunkt der Lawine
 
rot: Skidepot, blau: Lawinenkegel
 
Unsere Stabilitätstests zeigten eine unterschiedlich ausgeprägte dünne kantige Schicht im Bereich von Schmelzharschkrusten. Die Auslösebereitschaft war mäßig, reichte jedoch im extrem steilen Gelände offensichtlich für eine Bruchfortpflanzung aus.
 
 
 

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