Freitag, 14. Februar 2014

In Summe gute Gesamtsituation. Frischen Triebschnee sowie Gleitschneelawinen in den südlichen Landesteilen beachten. Mit Neuschnee am Sonntag (16.02.2014) erhöhte Vorsicht v.a. im Süden

Dank eines Lawinenkommissionskurses in Galtür, dank der Unterstützung des Bundesheerhubschraubers vom Stützpunkt Schwaz, dank unserer Beobachter und weiterer „Informanten“ können wir hier wieder einmal einen sehr guten Überblick über die Gesamtsituation in Tirol geben:

 

Das Wetter war in Summe wechselhaft. Von wolkenlos über bedeckt, windstill bis Sturm, warm bis kalt, Schneefall und Regen war alles dabei.

 

Wetterstationsdaten Thurntaler in der Region Zentralosttirol der vergangenen Woche

 

Interessant sind auch die von unseren Beobachtern aufsummierten täglich gemessenen Neuschneesummen. Gar nicht so wenig, was da im Süden wieder einmal zusammengekommen ist…

 

Die von unseren Beobachtern aufsummierten Neuschneehöhen. Wie könnte es anders sein: Der Süden war wieder einmal Spitzenreiter…

 

Der meist lockerer Pulverschnee wurde (und wird) verfrachtet, sowohl ganz im Norden, als auch im Süden des Landes. Im Süden trifft man vergleichsweise häufiger auf mächtigere Triebschneepakete als weiter im Norden. Vorsicht: Kurzfristig heißt es auch im südexponierten Gelände vermehrt aufpassen, weil der Wind auf W bis N gedreht hat. Dies gilt derzeit allerdings nur mehr für höhere Bereiche, da die Sonneneinstrahlung rasch zu einer Stabilisierung der Triebschneepakete beiträgt.

 

Schneeverfrachtungen am Gaishorn im Außerfern (Foto: 09.02.2014)

 

Wind samt Verfrachtungen am Patscherkofel, Tuxer Alpen (Foto: 10.02.2014)

 

Die Tourengeher erreichten genau zum Höhenpunkt des Windes bei Böen bis zu 100 km/h die Windstation Compedal in Zentralosttirol (Foto: 12.02.2014)

 

Ein Blick aus dem Bundesheerhubschrauber: Schneefahnen in den Osttiroler Tauern (Foto: 13.02.2014)

 

Lawinen konnten in Summe nur wenige beobachtet werden. Es handelte sich dabei fast durchwegs um frischen Triebschnee. Am ehesten sah man künstlich ausgelöste Lawinen, kleine spontane Schneebrettlawinen im extrem steilen, kammnahen Gelände sowie (auch größere) Gleitschneelawinen.

 

Die Vorbereitung zu einer künstlichen Lawinenauslösung während eines Lawinenkommissionskurses im Paznauntal. Im Hintergrund erkennt man die installierten Sprengmasten (Foto: 12.02.2014)

 

Mitunter gute Sprengerfolge, wie hier in der Silvretta Skiarena (Foto:11.02.2014)

 

Ein gewaltiger Anriss einer künstlich ausgelösten Lawine im kammnahen, hochalpinen Gelände am Rettenbachgletscher in den südlichen Stubaier Alpen (Foto: 11.02.2014)

 

Kammnaher Rutsch im Karwendel (Foto: 13.02.2014)

 

Ein Bruch in tiefe Schwachschichten wurde das letzte Mal um den 07.02. in den nördlichen Stubaier Alpen beobachtet, als anhaltend stürmischer Wind zu großen Schneeauflasten und in Folge zum Bruch der Schneedecke führte. Inzwischen sollten solche Lawinen nur mehr unter sehr ungünstigen Konstellationen (große Zusatzbelastung, extremes Steilgelände, schneearme Bereiche) auszulösen sein. Schattseitig ist dies oberhalb etwa 2400m, in den übrigen Expositionen oberhalb etwa 2500-2600m vorstellbar. Als Schwachschicht kommen dabei v.a. kantige Kristalle im Bereich von harten Krusten in Frage.

 

Großer Schneebrettanriss unterhalb der Irzwände in den nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 08.02.2014)

 

Große Schneebrettlawine an der Nordseite des Rietzer Grießkogels in den nördlichen Stubaier Alpen. Das Foto entstand ca. 1km östlich des oben abgebildeten Fotos (Irzwände).  Die Lawine dürfte ebenso um den 07.02. abgegangen sein (Foto: 13.02.2014)

 

 

Unsere Schneedeckenuntersuchungen zeigen Problemschichten v.a. im obersten Bereich der Schneedecke in Form von frischem Triebschnee auf lockerem Pulverschnee. Vereinzelt wurde uns auch von Oberflächenreif berichtet, u.a. in den Tuxer Alpen (Das Foto stammt aus der Silvretta am 12.02.2014)

 

Brüche in der Altschneedecke erfolgen unregelmäßig und rau, was positiv zu werten ist. (Osttiroler Tauern am 13.02.2014)

 

Als „Biester“ bezeichnet unser Beobachter Gerhard Figl treffenderweise die Gleitschneelawinen. Im Süden kommt viel Schnee zusammen - eine wahrlich ernst zu nehmende Gefahr!

 

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Gleitschneelawinen gehören zu jenen Lawinen, die man praktisch nicht vorhersagen kann. Fest steht nur, dass diese bei zunehmender Erwärmung und Durchfeuchtung der Schneedecke häufiger auftreten. Allerdings gleiten sie genauso auch an kalten Tagen während der Nachtstunden ab, wie man es u.a. während der vergangenen Tage beobachten konnte.

 

Details zur Problematik der Gleitschneelawinen in einem ebenso sehr schneereichen Winter im Süden des Landes finden sich übrigens auch in unserem Winterbericht 2008-2009, der im Archiv unter http://lawine.tirol.gv.at verfügbar ist.

 

Die Schneeverteilung bleibt weiterhin sehr ungleich. Extreme Schneehöhen im Süden, wenig bis kein Schnee ganz im Norden.

 

Tiefster Winter am Karnischen Kamm (Foto: 11.02.2014)

 

Gute Schneelage am unmittelbaren Alpenhauptkamm, wie hier in der Silvretta. Übrigens: Dieses Wochenende öffnen einige höher gelegene Hütten ihre Pforten (Foto: 12.02.2014)

 

Ein harter „Kampf“ um so manche Abfahrt (Vorderes Zillertal, Foto am 13.02.2014)

 

Am wenigsten Schnee liegt weiterhin ganz im Norden des Landes (Wetterstein mit Blick nach Deutschland in Richtung Alpenvorland (Foto: 13.02.2014)

 

Was gibt es sonst noch: Rechtzeitig zum Valentinstag blühen im Norden auch schon die ersten Blumen…

 

Schneerosen an der Südseite des Wilden Kaisers (Foto: 07.02.2014)

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