Donnerstag, 10. März 2016

Frischer, gut erkennbarer Triebschnee; beginnende Durchfeuchtung in besonnten Hängen; Altschneeproblem inneralpin; in Summe jedoch günstige Verhältnisse bei teilweise noch gutem Pulverschnee

Der im gestrigen Blogeintrag vom 09.03. bereits erwähnte Föhn bildete mancherorts umfangreichere, spröde und somit störanfällige Triebschneepakete. Am meisten aufpassen heißt es derzeit in kammnahen, sehr steilen Schattenhängen sowie allgemein in größeren Höhen. Die Vorteile: Die Gefahrenstellen sind sehr leicht zu erkennen. Der Triebschnee wird sich relativ rasch mit dem darunter befindlichen, lockeren Pulver verbinden.

Recht starker Windeinfluss samt Schneeverfrachtungen im Außerfern. (Foto: 09.03.2016)

Ein Wintersportler löst bei Fieberbrunn in den Kitzbüheler Alpen ein kleines, frisches Triebschneepaket aus (Foto: 09.03.2016)

Frischer Triebschnee lagert auf kaltem, lockeren Pulverschnee. Kurzfristig ist dieser sehr leicht zu stören, wie hier am Windbichl in den Tuxer Alpen (Foto: 09.03.2016)

In Summe überwiegt jedoch noch guter Pulverschnee, zumindest in flacheren Hängen oder in Schattenhängen oder in hohen Lagen (wegen der zunehmenden Windexposition nicht so sehr in hochalpinen Lagen).

Unterwegs im Bereich der Franz-Senn-Hütte. In windgeschützten Bereichen erfreut man sich über makellosen Pulverschnee (Foto: 09.03.2016)

Man merkt inzwischen das beginnende Frühjahr. Entsprechend kräftig wirkt sich die Sonneneinstrahlung aus. So konnte man aus extrem steilem, besonnten Gelände gestern am 09.03. die erwarteten Lockerschneelawinen beobachten.

Eine Lockerschneelawine während des Abgangs nahe des Zwieselbacher Roßkogels in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 09.2016)

Aus unseren umfangreichen Stabilitätsuntersuchungen der vergangenen Tage sowie aus Rückmeldungen unserer Beobachter zeichnen wir derzeit folgendes Bild der Schneedecke:

Am störanfälligsten ist der bereits erwähnte, frische Triebschnee. Triebschnee der vergangenen Woche sollte hingegen kaum mehr ein Problem darstellen. Eine Ausnahme bildet da am ehesten noch der Bereich um das Defereggental in Osttirol, wo sich auf der Schmelzkruste, die sich vom 20.02. auf den 21.02. gebildet hat, mancherorts eine störanfällige Schicht aus kantigen Kristallen gebildet hat, die noch als mögliche Gleitfläche für Schneebrettlawinen in Frage kommen kann. Das Problem dürfte sich zusehends auf schattige Hänge in Höhenbereichen zwischen etwa 2200m und 2600m verlagern. (Anmerkung vom 10.03. 22:20 Uhr: Das Höhenband ist eine grobe Schätzung und dürfte laut letzten Infos tiefer beginnen, schmäler sein und weniger hoch hinauf reichen).

(Anmerkung vom 10.03.: 22:20 Uhr: Ein Profil vom Zweitausender in den Kitzbüheler Alpen zeigt auf knapp 2000m westseitig ausgeprägtere, kantige Kristalle im Bereich der oben erwähnten Regenkruste. Bei Vergleich mit zahlreichen anderen Profilen (mit meist nur schwach ausgeprägter aufbauender Umwandlung bei den Regenkrusten) dürfte es sich somit eher um ein lokaleres Problem in einem vermutlich recht engen Höhenband (um 2000m-2200m?) kurzfristig in allen Expositionen handeln. Verantwortlich dafür war das Gefahrenmuster 4: "kalt auf warm / warm auf kalt".)


Schwachschichten im Bereich von  Regenkrusten am Zweitausender in den Kitzbüheler Alpen

Ansonsten besteht noch ein gewisses Problem mit bodennahen Schwachschichten aus kantigen Kristallen und Schwimmschnee v.a. in den Tuxer, Zillertaler, Ötztaler und  Stubaier Alpen sowie im Südlichen Osttirol. Tests zeigen stellenweise noch durchgehende Bruchfortpflanzungen. Problematisch ist es derzeit am ehesten noch in sehr steilen Hängen der Exposition NW über N bis NO v.a. oberhalb etwa 2400m (im Südlichen Osttirol weiterhin oberhalb etwa 2200m) an schneearmen Stellen im sehr steilen bis extrem steilen Gelände. Inzwischen sollte man für eine Auslösung allerdings meist große Belastung benötigen.

Ein Schneeprofil auf ca. 2600m Exposition N in den Nördlichen Stubaier Alpen. Beim Handschuh erkennt man eine etwas lockerere Schicht, wo unter ungünstigen Voraussetzungen Brüche initiiert und fortgepflanzt werden können. (Foto: 09.03.2016)

Imposant sind auch Fotos, die wir aus dem hinteren Ötztal erhalten haben. Von Samstag, dem 05.03. auf Sonntag, dem 06.03. sind dort in hochalpinen, vergletscherten Gebieten zum Teil große Lawinen spontan auf bodennahen Schwachschichten vom Frühwinter abgegangen. Die Gefahr solcher spontaner Lawinen ist seit Sonntag in den Morgenstunden vorerst gebannt. Auch erscheint es derzeit unwahrscheinlich, dass Wintersportler in diesen Höhenbereichen Schneebretter in den bodennahen Schwachschichten auslösen können. Dennoch: Es gibt ein nicht unwesentliches Gefahrenpotential in Folge von weiteren, sehr großen Zusatzbelastungen (seien diese durch Schneezuwachs oder oberflächennahe Lawinen), oder in Folge der Durchfeuchtung dieser bodennahen Schwachschichten im späten Frühjahr. Dies gilt hochalpin für alle Expositionen.

Spontane Schneebrettlawinen vom vergangenen Wochenende im Rotmoostal in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 10.03.2016)

Spontane Schneebrettlawine vom vergangenen Wochenende unterhalb des Vorderen Seelenkogels in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 10.03.2016)

Interessant erscheint auch noch, wie die Gesamtschneehöhe im südlichen Osttirol zugenommen hat. Anfang Februar verzeichneten wir dort die seit unseren Aufzeichnungen im Jahre 1960 geringsten Schneemengen. Inzwischen ist die Gesamtschneehöhe dort für die Jahreszeit überdurchschnittlich.

Tief winterlich ist es derzeit am Karnischen Kamm in der Region Südliches Osttirol (Foto: 08.03.2016)

Die obere Grafik zeigt die bisher gemessenen Maxima, Minima, den Mittelwert (dünne magenta Linie) und die derzeitige Gesamtschneehöhe (dicke magenta Linie) bei der Dolomitenhütte in den Lienzer Dolomiten.

Es zeichnet sich somit vorerst ein versöhnlicher Winterverlauf ab

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