Donnerstag, 31. März 2016

Zunehmende Durchfeuchtung und Festigkeitsverlust der Schneedecke

Während der vergangenen Tage konnte man eine fortschreitende Durchfeuchtung der Schneedecke vermehrt unterhalb etwa 2400m beobachten. Dies hat mit den steigenden Temperaturen, der (diffusen) Strahlung und der zunehmenden Luftfeuchtigkeit zu tun.

Offensichtlich wird die Durchfeuchtung, wenn man im Gelände unterwegs ist. Gut erkennt man diesen Prozess jedoch auch anhand unserer Wetterstationen.

Im Frühjahr konzentrieren wir uns vermehrt auf die Konstellation aus Lufttemperatur, Taupunkt (ein Feuchtemaß) und der Oberflächentemperatur bei der 2. Grafik von oben. Es ist grob ein steigender Temperaturtrend bei steigender Luftfeuchtigkeit und Annäherung der Oberflächentemperatur an 0 Grad Celsius bei stark verminderter nächtlicher Ausstrahlung festzustellen. Im Klartext: An dieser Wetterstation im Defereggental erkennt man, wie die Schneedecke immer feuchter wird. Dieser Prozess ist derzeit verstärkt unterhalb etwa 2400m zu erkennen bei für die nächsten Tage wohl steigender Tendenz.

Die Schneedecke wird immer feuchter. Profil auf der Seegrube oberhalb von Innsbruck am 31.03.2016.

Mit dem vermehrten Wassereintrag in die Schneedecke verliert diese nun an Festigkeit. Bis vorgestern, dem 29.03. beobachtete man nur vereinzelte Lockerschneelawinen aus besonntem, extrem steilen Gelände. Seit gestern, dem 30.03. wurden uns auch Lockerschneelawinen aus Nordhängen unterhalb etwa 2200m gemeldet. Heute am 31.03. erhöhte sich die Anzahl an beobachteten und gemeldeten Lockerschneelawinen deutlich. Meist waren diese klein, sind jedoch aufgrund ihrer Konsistenz rasch gefährlich für den Wintersportler.

Lockerschneelawinen im Rettenbachtal in den Südlichen Ötztaler Alpen im Nordsektor vom 30.03.2016 (Foto: 31.03.2016)

Nasse Lockerschneelawinen lassen sich leicht durch einen externen Impuls auslösen. Nordkette (Foto: 31.03.2016)

Markant ist auch die deutliche Häufung von Gleitschneelawinen während der vergangenen Tage. Bei einem Abgang einer Gleitschneelawine am 28.03. im Schindlerkar im Arlberggebiet wurde anfangs von verschütteten Personen ausgegangen, was sich glücklicherweise nach einer großen Suchaktion nicht bestätigte.

Gleitschneelawine am 28.03. auf einem sehr steilen Wiesenhang im Schindlerkar. Es handelte sich um viel befahrenes Gelände, teilweise um eine Buckelpiste, die als Lawine abging. (Foto: 29.03.2016)

Frische und etwas ältere Gleitschneelawinen im freien Skiraum nahe des Skigebietes Fiss-Ladis-Serfaus (Foto: 29.03.2016)

Frische Gleitschneelawine auf der Nordkette (Foto: 31.03.2016)

Schattseitig muss man sich nun auf die zunehemende Durchnässung bodennaher Schwachschichten v.a. oberhalb etwa 2200m konzentrieren. Noch ist es nicht soweit. Wir erwarten dann vermehrt auch Schneebrettlawinen.

Schattseitiges Profil mit pontentiellen Schwachschichten, wenn diese nass werden.

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