Freitag, 21. Oktober 2016

Mögliche Lawinengefahr v.a. im schattigen, vergletscherten, sehr steilen Gelände – Neuschnee in Osttirol

Dank einiger Rückmeldungen und eigener, erster Geländeerkundungen konnten wir unser Bild der Lawinensituation auf Tirols Bergen etwas schärfen. Derzeit kristallisiert sich als mögliches Problemfeld für Lawinenereignisse v.a. hochalpines, vergletschertes, schattiges und zudem sehr steiles Gelände heraus. Wir haben es dort mit einem beginnenden Altschneeproblem mit einer dünnen, kantigen Schicht im Nahbereich des Gletschereises zu tun. Diese Schicht hat sich ab der zweiten Septemberhälfte auszubilden begonnen und ist mitunter störanfällig. Eine Lawinenauslösung ist derzeit dort insbesondere durch große Belastung v.a. an schneeärmeren Stellen denkbar.

Ein Blick auf die Wetterstation Pitztaler Gletscher hilft, die Entstehung der teilweise beobachteten Schwachschicht besser zu verstehen. Man erkennt den durchwachsenen Sommer mit viel Niederschlag. Schönwetterperioden werden anhand der Temperatur- und Taupunktlinien ersichtlich (je weiter rot und blau auseinander liegen, desto trockener die Luft und somit schöner das Wetter). Entscheidend scheinen die Schneefälle ab Mitte September und die nachfolgende Schönwetterphase gewesen zu sein. Damals bildete sich an der Schneeoberfläche eine Harschkruste aus, unter der sich während klarer Nächte die Schneedecke umzuwandeln begann, sprich lockerer wurde. Dieser Prozess dauerte während der anschließenden Kältephase an.

Die Zusatzbelastung des Pistenfahrzeuges führte am 15.10.2016 unterhalb der Schwarzen Schneid in den Südlichen Ötztaler Alpen kurz nach 18:00 Uhr zum Abgang der am Bild eingezeichneten Schneebrettlawinen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war hier eine Schwachschicht aus aufbauend umgewandelten Kristallen im Spiel. © panomax. (Nachtrag vom 01.11.2016: Die Lawine wurde durch eine Lawinensprengung und nicht durch das Pistenfahrzeug ausgelöst.)

Im Vergleich dazu die Situation vom 14.09.2016, zwei Tage bevor Neuschnee die Berge wieder in ein winterliches Kleid verwandelte. © panomax

Ein glimpflich verlaufener Lawinenabgang am Kaunertaler Gletscher vom 16.10.2016 geht vermutlich auch auf das Konto der erwähnten Schwachschicht.

Die vergangenen Tage waren wieder wechselhaft. Auf den Bergen fiel Schnee, am meisten im südlichen Osttirol. Oberhalb etwa 2400m blieben dort meist um 30cm, lokal bis zu 50cm liegen. Es wehte meist nur schwacher Wind, sodass die Schneedecke derzeit meist recht locker ist. Entsprechend konnten heute am 21.10. dort aus felsigem Gelände auch Lockerschneerutsche beobachtet werden.


Spitzenreiter bei den Neuschneezuwächsen der vergangenen Tage war das südliche Osttirol, hier am Beispiel der Station Connyalm. Der Schnee ist bei sehr wenig Wind gefallen. Anfänglicher Regen, der in Schnee überging, führte zu einer kurzfristigen Vereisung des Windsensors.

Auf grasigem Untergrund lässt es sich schon Skifahren…Ein Blick vom Figerhorn in den Osttiroler Tauern in Richtung Süden. (Foto: 21.10.2016)

Keine allzu große Freude mit dem Schnee dürften diese Schafe am Figerhorn haben… (Foto: 21.10.2016)

Mit dem ab Sonntag zunehmenden Föhneinfluss sollte dann zusätzlich auf frische Triebschneepakete geachtet werden. Dies trifft v.a. für hochalpines, windabgewandtes, vermehrt kammnahes, sehr steiles und schattiges Gelände zu.

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