Montag, 6. März 2017

Nach Südföhn und neuerlichen Niederschlägen häufig heikle Lawinensituation für den Wintersportler!

Der Südföhn vom vergangenen Wochenende (03.03. und 04.03.) war außergewöhnlich. Der Sturm wütete verbreitet mit Orkanstärke. Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden am 04.03. bei der Station Elferspitze in den Südlichen Stubaier Alpen mit 187 km/h gemessen.





187km/ war die am 04.03. maximal gemessene Windgeschwindigkeit in Tirol. Mit Nachlassen des Föhns setzte Niederschlag ein.

Durch die hohen Windgeschwindigkeiten wurde der Niederschlag aus den Stauregionen teils weit nach Norden verfrachtet. Die höchsten Intensitäten traten aber nur direkt am Hauptkamm auf.


Blick vom Inntal Richtung Osten. Man erkennt die Föhnmauer, die weit nach Norden gedrückt wurde. (Foto: 04.03.2017)


Schneefahnen auf den Bergen, hier am Beispiel der Lechtaler Alpen (Foto: 04.03.2017)


Windeinfluss auch im Tal. Hier am Beispiel der Osttiroler Tauern (Foto: 04.03.2017)

Eine weitere Front aus Westen brachte am 05.03. neuerlich Niederschlag. In Summe kamen in den Südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen somit 40-75cm zusammen, im übrigen Tirol waren es meist zwischen 10 und 30cm. Montagfrüh (06.03.) schneite es dann insbesondere in den westlichen Teilen Nordtirols noch ein paar Zentimeter.


Neuschneesummen der vergangenen Tage. Am meisten schneite es in den Südlichen Stubaier und Ötztaler Alpen.

Klar, dass sich die Kombination aus Sturm und Schneefall neuerlich auf die Lawinengefahr auswirken musste, die kurzfristig am 04.03. in den Südlichen Ötztaler Alpen die Stufe 4 erreichte (und derzeit am 06.03. vielerorts mit einer kritischen Stufe 3 beurteilt wird).



Offensichtlich wurde dies auch durch vermehrte Rückmeldungen über Setzungsgeräusche, Rissbildungen, spontane Lawinenabgänge und Lawinenereignisse, bei denen Personen beteiligt waren. Seit dem 04.03. meldete uns die Leitstelle Tirol 11 solcher Lawinenereignisse (seit 01.03. waren es in Summe: 19). Unserem derzeitigen Wissensstand wurde dabei eine Person verletzt. Die Lawinen ereigneten sich in Höhenbereichen von 2000m aufwärts, fast ausschließlich im Sektor Nord bis Ost.

Ärgerlich war der Umstand, dass bei einigen dieser Lawinen jene Wintersportler, die diese ausgelöst hatten und entkommen konnten, dies nicht an die Leitstelle meldeten (Notrufnummer 140). So waren zum Teil unnötige und kostspielige Suchaktionen erforderlich.


Lawinenabgang Schermerspitze am 05.03. in den Südlichen Ötztaler Alpen. Der Pfeil zeigt die Einfahrtsspur. Gut zu erkennen sind die unterschiedlichen Schwachschichten: Primär dürfte frischer Triebschnee (vermutlich auf lockerem Pulver oder Graupel) ausgelöst worden sein. Sekundär erfolgte der Bruch bis in bodennahe Schwachschichten. Von dort breitete sich der Bruch dann weiter fort. In Folge löste sich dann die zweite Lawine links im Bild. Die Person entkam der Lawine und meldete diesen Vorfall nicht! 2800m, Nord, 40 Grad. (Foto: 05.03.2017)

Am Axamer Kögele in den Nördlichen Stubaier Alpen erlitt ein Wintersportler nach einem Lawinenabgang am 05.03. eine Beinverletzung und wurde in Folge mit dem Notarzthubschrauber abtransportiert. Es handelte sich um ein sehr hartes und sprödes Schneebrett.


Lawinenabgang Axamer Kögele vom 05.03. Der Pfeil zeigt die Einfahrtsspur, der Kreis die Verschüttungsstelle. 2150m, NO bis O (Foto: 06.03.2017)


Lawine Axamer Kögele. Fotostandpunkt etwas oberhalb des Einfahrtsbereiches. Im Vordergrund erkennt man harte, große Schollen, im Hintergrund die Sekundärlawine. (Foto: 06.03.2017)


Blick zum Axamer Kögele einen Tag vor dem Lawinenabgang am 04.03. Schneefahnen bis in den Waldgrenzbereich…


Schneeprofil Axamer Kögele. Hartes Schneebrett auf einer bodennahen Schwachschicht, die an einer schneearmen Stelle gestört wurde. Entscheidend für den Abgang war die negative Veränderung des Brettes durch Sturm und Schneefall oberhalb der Schwachschicht.


Ebenso in der Axamer Lizum wurde am 06.03. ein Schneebrett ausgelöst. Es waren zwei Personen beteiligt. Sie blieben unverletzt. Der Pfeil zeigt den Einfahrtsbereich. 2200m, ONO (Foto: 06.03.2017)


Ein Skitourengeher löste am 06.03. am Weg zum Goisele (Zettersfeld, Zentralosttirol) das Schneebrett im Vordergrund aus. aus. In Folge lösten sich auch die zwei Lawinen im Hintergrund! 2300m ONO. Er blieb unverletzt. (Foto: 06.03.2017)


1,7 km entfernt von der oben abgebildeten Lawine beim Goisele löste ebenso am 06.03. ein Skitourengeher diese Lawine im Nahbereich der Faschingalmbahn (Zettersfeld) aus. Er blieb unverletzt. 2100m, ONO (Foto: 06.03.2017)

Es bleibt spannend! Denn: Der März setzt sich fort, wie er begonnen hat: turbulent!

Am Montagabend (06.03.) überquert uns die nächste Front und anschließend stellt sich am Dienstag eine feuchte Nordwestströmung ein, die insbesondere in Staulagen bis Mittwochfrüh zu anhaltenden und teils intensiven Schneefällen führt. Von der Silvretta über Arlberg und Außerfern bis in die Westlichen Nordalpen sind oberhalb von 2000 m verbreitet 30 bis 60 cm und lokal auch etwas mehr zu erwarten. In den Östlichen Nordalpen in den Kitzbüheler Alpen, generell südlich des Inns und in den Osttiroler Tauern 20 bis 40 cm zusammen. Geringer fallen die Neuschneemengen in den Südlichen Ötztalern und Stubaiern sowie auch im Sellrain und im südwestlichen Teil der Zillertaler Alpen mit 10 bis 20 cm aus. In Osttirol schneit es abseits des Alpenhauptkammes maximal wenige Zentimeter. Die Schneefallgrenze liegt durchwegs in den Tälern, im Inntal ist zeitweise Schneeregen dabei.

Am Mittwoch stellt sich vorübergehender Zwischenhocheinfluss ein, es ziehen aber schon bald Wolken der nächsten Front heran, die Sichtverhältnisse nehmen im Tagesverlauf deutlich ab. Abends setzt von Nordwesten her erneut Niederschlag ein und die Schneefallgrenze steigt auf 1700 bis 2000 m. Der Donnerstag bringt vor allem in Nordtirol teils kräftige Niederschläge, in höheren Lagen kommen aus heutiger Sicht verbreitet 30 bis 50 cm, im Nordstau lokal auch bis zu 70 cm zusammen. Am Freitag und Samstag stellt sich sehr mildes und trockenes, und zumindest zeitweise sonniges Wetter ein, die Nullgradgrenze steigt allerdings bis auf rund 2800 m an. Am Sonntag deutet sich die nächste Kaltfront mit Neuschnee an, im Detail ist die Lage aber noch unsicher.




Wir erwarten deshalb eine (nicht nur für den Wintersportler) angespannte Lawinensituation und raten zu besonderer Vorsicht und Zurückhaltung!


Spontane Schneebrettlawinen, wie hier zwei davon im Rotmoostal in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 06.03.2017), werden während der kommenden Zeit wohl vermehrt an der Tagesordnung stehen.


Viele Schneeprofile zeigen beginnend von etwa 2100m aufwärts (anfangs in Schattenhängen, dann zunehmend auch besonnten Hängen) ein weicheres Fundament, das bei zu großer Belastung brechen kann. In neuschneereichen Regionen können Lawinen deshalb mittelgroß bis groß werden.

(Die Wetterinfos stammen von unserem Praktikanten Alexander Radlherr.)

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