Mittwoch, 3. Mai 2023

Der Mai gibt sich wie der April - In der Höhe schwache Schneedecke

 Kurz vorweg

Auch wenn wir uns schon im Mai befinden - das Aprilwetter hält weiter an. Das wechselhafte Wetter der letzten Tage hat die Schneedecke geschwächt. Regen, hohe Temperaturen und wiederum Regen bzw. Neuschnee führten zu einer Schwächung der Schneedecke, v.a. an Schattenhängen oberhalb von 2300m Am Samstag, 29.04., konnten wir eine erhöhte Lawinenaktivität verzeichnen - auch mit Personenbeteiligung. Am Donnerstag, 04.05., und Freitag, 05.05., soll es frühsommerlich warm werden. Die Lawinengefahr unterliegt dann einem starken Tagesgang. Touren sollten rechtzeitig beendet werden. 
 
Große Lawine am 29.04. mit Personenbeteiligung unterhalb der Östlichen Seespitze in den Stubaier Alpen. Höhe ca. 2950m, Exposition Nord. (Foto: 30.04.2023)

Rückblick auf die vergangene Woche
Das Wetter der letzten Tage war v.a. durch verschiedene Niederschlagsereignisse geprägt. Am Freitag, 28.04. setzte in ganz Tirol Niederschlag ein. Zum Teil kamen beachtliche Mengen an Regen bzw. Schnee zusammen:

48h-Summen des Niederschlags gemessen ab Freitag, 28.04.

Verbreitet fielen 30 mm Regen, oberhalb von ca. 2500m fiel dieser als Schnee. Vor allem im Westen und äußersten Nordosten Tirols konnten aber auch größere Mengen an Niederschlag verzeichnet werden. Die Schneefallgrenze lag am Beginn des Ereignisses bei ca. 2000m und stieg in der Folge auf ca. 2500m an.
 
Drei Niederschlagsereignisse mit unterschiedlichen Schneefallgrenzen, gemessen an der Wetterstation am Pitztaler Gletscher und abgeglichen mit Rückmeldungen unserer Beobachter.

Nach dem Niederschlagsende war es am Samstag, 29.04. teils sonnig und sofort sehr mild. Die Nullgradgrenze lag bei ca. 3000m. Die Gefahr von nassen Lawinen stieg deutlich an und war, aufgrund des Regens, der Wärme und der fehlenden nächtlichen Abstrahlung in den darauf folgenden Tagen die Hauptgefahr.

Am Abend des 01.05. setzte nochmals Niederschlag ein. Am 02.05. regnete es in tiefen Lagen den ganzen Tag. Oberhalb von ca. 2300m kamen dabei nochmals einige Zentimeter an Neuschnee hinzu. Der Wind war dabei schwach bis mäßig.

Lawinenaktivität vom verlängerten Wochenende (29.04. bis 01.05.)
Mit Regen und Wärme gingen v.a entlang des Alpenhauptkamms viele, mitunter grosse Nassschneelawinen ab. Wie im letzten Blogeintrag erwähnt waren dafür drei Grundzutaten entscheidend: Höhe der Regengrenze bzw. dessen Intensität, Wärmeeintrag und die damit verbundene erste Durchfeuchtung von bis dahin trockenen Schwachschichten. Da diese tiefer in der Schneedecke waren, ging mitunter die komplette Schneedecke ab. Lawinen konnten deshalb für Skifahrer:innen beachtliche Größen erreichen. Über die Leitstelle Tirol wurden uns zehn Lawinen mit vermuteter Personenbeteiligung gemeldet. In drei Fällen konnte die Personenbeteiligung bestätigt werden. Alle Lawinen gingen glimpflich aus.

Typisches Bild vom Samtag, 29.04.: Aufgrund der Durchfeuchtung reißen Lawinen als Schneebrett bodennah an ...

... und können teilweise beachtliche Größen erreichen. (Foto: 29.04.2023)

Auch in Osttirol gab es die ein oder andere nasse Lawine, wie hier am Vorderen Plattenkogel. (Foto: 29.04.2023)

Große Lawine am Hohen Zahn in den Stubaier Alpen. Nasse Lawinen können oft auch Bahnen nehmen, die man kaum vorhersehen kann. Ablagerungen können massiv sein. (Foto: 03.05.2023)

Ausblick auf die kommenden Tage

Die Nacht vom Mittwoch 03.05. auf Donnerstag 04.05. wird vorwiegend klar sein, die Schneeoberfläche wird gut abstrahlen und es bildet sich eine tragfähige Schmelzkruste aus. Durch die mittlerweile doch sehr starke Sonneneinstrahlung und die hohen Temperaturen wird sich der tragfähige Deckel rasch aufweichen und die Durchfeuchtung wird weiter voranschreiten. Vor allem dort, wo die Schneedecke noch nicht isotherm und durchfeuchtet war, erwarten wir wieder vermehrt Lawinenaktivität. Dies trifft auf sehr steile, schattige Hänge zwischen 2600m und 3000m zu.

Gute Tourenplanung und Zeiteinteilung
Mit zunehmenden Frühjahr können Wetter, Schneedecke und somit auch die Lawinenverhältnisse lokal sehr unterschiedlich sein. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ihr die Verhältnisse vor Ort genau bewertet und eine flexible Tourenplanung macht, die es euch erlaubt auf die unterschiedlichen Verhältnisse zu reagieren. 

In den nächsten Tagen sollten eure Tourenziele mit einer gute Zeiteinteilung ausgesucht werden. Wie oben beschrieben erwarten wir einen starken und schnellen Tagesgang der Lawinengefahr. 

In großen Höhen trifft man auf Gefahrenstellen vermehrt in sehr steilen Schattenhängen in oberflächennahen Schwachschichten (Altschneeproblem aufgrund kalt auf warm seit Ende März). Besonders davon betroffen scheint ein Höhenband zwischen etwa 2600m und 3000m zu sein. Hochalpin, also oberhalb etwa 3000m sind davon vereinzelt auch Sonnenhänge betroffen.

Wer nicht allzu hoch hinauf kommt, der findet aktuell v.a. in den bereits geschlossenen Skigebieten auf den Pisten meist recht gute Verhältnisse.

"Wås duasch'd du då?" Mitunter wird man als Tourengeher:in mit einem langen Piff kritisch in Empfang genommen. (Foto: 03.05.2023)