Mittwoch, 13. Februar 2019

Vorsicht vor frischem Triebschnee im sehr steilen, schattigen und allgemein kammnahen Gelände - Zudem Lockerschnee- und Gleitschneelawinen beachten!

In Tirol ist neuerlich einiges an Neuschnee dazugekommen. Am meisten schneite es ganz im Westen, Norden und Osten Nordtirols sowie in den östlichen Zillertaler Alpen. Häufig waren es zwischen 30 und 50cm. Spitzenreiter war (wieder einmal) die Messstation auf der Seegrube oberhalb von Innsbruck mit knapp 100cm.



Neuschnee ab Sonntag, dem 10.02. abends, starker, Wind, der inzwischen nachgelassen hat. Wetterstation "Am Adamsberg" im Paznauntal

Bei kalten Temperaturen und starkem Wind bildeten sich umfangreiche, zum Teil störanfällige Triebschneeansammlungen.

Schneefahnen in den Lienzer Dolomiten (Foto: 12.02.2019)

Ungemütlich: Starker Wind verfrachtet Schnee. Unterwegs in den Nördlichen Stubaier Alpen. (Foto: 12.02.2019)

Am ehesten lassen sich die frischen Triebschneeansammlungen derzeit im sehr steilen, bisher unverspurten, schattigen Gelände sowie allgemein im sehr steilen kammnahen Gelände stören. Als Schwachschichten für Schneebrettlawinen kommen schattseitig unterhalb der Waldgrenze gebietsweise Oberflächenreif, ansonsten häufig der schon etwas ältere Pulverschnee ("Noppenpulver") in Frage. Zudem kann der von Triebschnee überlagerte frische, kalte Pulverschnee eine Schwachschicht bilden (Dies v.a. auch im besonnten Gelände, wo sich bis zum 10.02. häufig eine Schmelzkruste gebildet hatte). Zu beachten sind gebietsweise noch die im vorigen Blogeintrag erwähnten, oberflächennahen kantigen Schwachschichten in Höhenbereichen zwischen etwa 2300m und 2600m. Im zentralen und südlichen Teil Osttirols besteht unverändert ein latentes Altschneeproblem in bodennahen Schichten. Vermehrt betroffen ist dort inzwischen der Nordsektor.

Speziell in tiefen und mittleren, schattigen Höhenlagen beobachtete man vergangene Woche Oberflächenreif. Obernbergtal (Foto: 05.02.2019)

"Noppenpulver" als mögliche (allerdings nicht allzu reaktive) Schwachschicht. Kitzbüheler Alpen (Foto: 07.02.2019)


In besonnten Hängen wurde die Schneeoberfläche vergangene Woche feucht. Kitzbüheler Alpen (Foto: 07.02.2019)

Ab heute, den 13.02. steht eine lang anhaltende Schönwetterperiode mit strahlendem Sonnenschein und zunehmend steigenden Temperaturen vor uns. Der dadurch bedingte Wärme- und Strahlungsimpuls wird heute am 13.02. zu zahlreichen Lockerschneelawinen aus extrem steilem, besonnten Gelände führen. Zudem sind vereinzelt, insbesondere aus besonntem, kammnahen Gelände spontane Abgänge des frisch gebildeten Triebschnees nicht ganz auszuschließen. Zu beachten ist auch der auf steilem, glatten Untergrund abgleitende Schnee: Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen, aber auch - wie während der vergangenen Tage vermehrt beobachtet - Dachlawinen.

Lockerschneelawinen aus felsigem Gelände. Dieses Foto wurde in den Mieminger Bergen am 04.02.2019 aufgenommen. Ähnliches wird heute am 13.02. zu beobachten sein.

Kammnahes Schneebrett im Vordergrund und abgleitender Schnee im Hintergrund. Inzwischen haben sich im kammnahen Gelände zum Teil recht mächtige Triebschneepakete gebildet. Kitzbüheler Alpen (Foto: 07.02.2019)

Schneebrett im Villgratental, welches in bodennahen Schichten gebrochen ist. (Foto: 07.02.2019)

Schneebrett im Defereggental. Bodennahe Schwachschicht als primäre Ursache (Foto: 12.02.2019)

Wir raten heute am 13.02. noch zu Zurückhaltung. Frischer Triebschnee im sehr steilen Gelände sollte möglichst gemieden werden.

Positiv: Wir rechnen mit einer relativ raschen Stabilisierung der Schneedecke, überall dort, wo wir kein latentes Altschneeproblem haben. Zunehmend werden sich frühjahrsähnliche Verhältnisse einstellen.

Ein Pulvertraum in weiten Teilen Tirols. Defereggental (Foto: 12.02.2019)