Header

Donnerstag, 3. Mai 2012

Temperaturrekorde Ende April; in hohen und hochalpinen Lagen meist noch recht günstige Tourenbedingungen

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) meldete am 28.04. und 29.04.: „Subtropische Luft aus der Sahara sorgt für außergewöhnlich heißes Wetter in Österreich…Das letzte Wochenende im April brachte neue Hitzerekorde: Am Freitag 31,5 Grad in Salzburg-Freisaal (Sbg), am Samstag 32,0 Grad in Waidhofen/Ybbs (Nö), am Sonntag 31,4 Grad in Krems (Nö). Das sind die höchsten, jemals in Österreich im April gemessenen Temperaturen. Betrachtet man die Höchstwerte auf Bundesland-Ebene, so gab es an diesem Wochenende für Wien, das Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg neue April-Landes-Rekorde."

 

Die Temperaturrekorde stechen hervor...

 

Wie man aus obiger Wetterstationsgrafik erkennen kann, war es nicht nur heiß, sondern es wehte auch stürmischer Wind aus südlicher Richtung.

 

Hier der stürmische Wind nochmals im Überblick

 

Durch die Südströmung wurde einiges an Saharastaub nach Tirol transportiert.

 

Anraum mit Saharastaub am Gipfel der Schaufelspitze, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 30.04.2012)

 

Die Lawinenaktivität hat inzwischen deutlich nachgelassen und beschränkt sich auf nasse Lockerschneelawinen im extrem steilen Gelände. Dies betrifft v.a. noch hohe und hochalpine Regionen.

 

Kürzlich abgegangene Lockerschneelawinen (Foto: 02.05.2012)

 

Die in Summe stabile Altschneedecke zeigt sich anhand von - für diese Jahreszeit - untypischen Bildern...

 

Blick vom Inntal Richtung Nördliche Stubaier Alpen (Normalerweise sieht man um diese Jahreszeit in diesen Hängen große Schneebrettanrisse auf einer frühwinterlichen Schwimmschneeschicht. Heuer sind es nur Lockerschneelawinen...) (Foto: 02.05.2012)

 

In Nordtirol liegt zum Teil noch viel Schnee.

 

Jamtal während eines Erkundungsflug mit dem Hubschrauber des Bundesheeres (Foto: 03.05.2012)

 

Arlberg während eines Erkundungsflug mit dem Hubschrauber des Bundesheeres (Foto: 03.05.2012)

 

Die Bedingungen im Frühjahr sind umso besser, je trockener die Luft, je klarer die Nacht, je geringer die Temperatur und je stärker der Wind (Voraussetzung: kein Neuschnee und fehlende Verfrachtung. Wind führt dann zu einer Abkühlung der Schneedecke.).

 

Nach klaren Nächten am frühen Vormittag in größeren Höhen durchwegs gute Bedingungen (Foto: 02.05.2012)

 

Nach bewölkten Nächten ungünstigere Verhältnisse mit meist auch schlechter Schneequalität (Foto: 29.04.2012)

 

Beliebt sind derzeit auch „Pistenskitouren".

 

Axamer Lizum (Foto: 28.04.2012)

 

Und nicht vergessen: Im Frühjahr muss man zeitig unterwegs sein!

 

Unser „Doktor"-Praktikant Mike beginnt seine Tour rechtzeitig... Übrigens: Herzliche Gratulation zur baldigen Hochzeit!

Freitag, 27. April 2012

Zahlreiche Lawinenabgänge...

Die für die Jahreszeit überdurchschnittlichen Temperaturen sowie die intensive Sonneneinstrahlung wirken sich, wie angekündigt, auf die Lawinengefahr aus.

 

Hier ein paar Bilder der vergangenen zwei Tage, die auf die wichtigsten Gefährdungsbereiche hinweisen.

 

An eher schneearmen, schattigen, sehr steilen Hängen typischerweise zwischen etwa 2300m und 2600m können sich Schneebretter auf einer bodennahen Schwimmschneeschicht lösen; Südliche Ötztaler Alpen (Foto: 26.04.2012)

 

Hochalpin lösten sich durch die enorme Zusatzbelastung des durch den Föhnsturm verfrachteten Schnees im sehr steilen, kammnahen, schattigen Gelände einige größere Schneebrettlawinen. Rotmoostal, Südliche Ötztaler Alpen (Foto: 26.04.2012)

 

Spontane Schneebretter auf einer dünnen kantigen Schicht auf Schmelzharsch (sh. Unfalllawine Mutsattel) in einem Höhenbereich zwischen etwa 2300m und 2600m in besonnten Hängen, Südliche Ötztaler Alpen (Foto: 26.04.2012)

 

Die Hauptzahl der Lawinenabgänge betrifft nasse Lockerschneelawinen aus extrem steilem, derzeit v.a. noch besonnten Gelände. Vereinzelt dürften wohl auch einige Gleitschneelawinen abgegangen sein.

 

Eine Lockerschneelawine während des Abgangs. (Foto: 26.04.2012)

 

Nasse, frische Lockerschneelawinen auf der Nordkette; unterhalb von Rissen können Gleitschneelawinen abgehen, Westliche Nordalpen (Foto:.27.04.2012)

Tödlicher Lawinenunfall unterhalb des Mutsattels, Rotmoostal, Ötztaler Alpen

Am 26.04.2012 fuhren zwei Skitourengeher zur Bergstation der Hohen Mut Bahn. Von dort gingen sie taleinwärts bis zum Mutsattel, wo sie ins Rotmoostal fahren und anschließend zum Eiskögele aufsteigen wollten. Als beide in den 35° steilen W-Hang querten lösten sie eine Schneebrettlawine aus. Beide Personen wurden erfasst. Eine Person wurde nur oberflächig verschüttet und blieb unverletzt. Die zweite Person wurde total verschüttet. Da sie keine Notfallausrüstung bei sich hatten musste eine planmäßige Suche gestartet werden. Nach 1,5 Stunden Verschüttungszeit konnte die Person durch einen Lawinenhund geortet werden. Sie war ca. 1m tief verschüttet und bereits verstorben.

 

Die Unfalllawine: Die Personen gingen entlang des Rückens und lösten bei der Hangquerung das Schneebrett aus. Die getötete Person wurde im unteren Drittel im Bereich einer Engstelle verschüttet (Foto: 26.04.2012)

 

Die Spur der Betroffenen führt in den Lawinenhang. Der Lawinenhund fand die Person (Foto: 26.04.2012)

 

Während der Suche lösten sich spontane Lawinen; im Hintergrund erkennt man über dem Talboden eine Staubwolke von einem gerade (von rechts) abgehenden Schneebrett; rechts ebenso frische, nasse Lockerschneelawinen (Foto: 26.04.2012)

 

Zufällig war ich bei diesem Einsatz unmittelbar vor Ort und führte nach der Suche mit Norbert Brunner, dem einheimischen Hundeführer, dessen Hund den Verschütteten gefunden hat, die Erhebungen durch. Das Schneeprofil zeigt eine dünne kantige Schicht auf einem Harschdeckel, darüber lagen meist zwischen 30-50cm frischer Triebschnee.

 

 

Als Schwachschicht diente eine dünne, kantige Schicht, die durch das Gefahrenmuster „kalt auf warm" erklärt werden kann.

Donnerstag, 26. April 2012

Frischer Triebschnee und markanten tageszeitlichen Anstieg beachten!

Als Ergänzung zum letzten Blogeintrag hier ein paar aktuelle Eindrücke der Situation:

 

Große Schneefahnen im ganzen Land (hier in Osttirol) deuten auf große Verfrachtungen hin. Am Bild ein spontanes Schneebrett, das die Störanfälligkeit der Schneedecke beweist. (Foto: 25.04.2012)

 

...ein ähnliches Bild aus der Silvretta...

 

Schneefahnen samt spontanem Brett in der Silvretta (Foto: 25.04.2012)

 

Triebschneeansammlungen lassen sich zumindest oberhalb etwa 2300m leicht durch geringe Zusatzbelastung stören; Silvretta (Foto: 25.04.2012)

 

Unterhalb des Daunjochs in den Stubaier Alpen löste gestern ein Wintersportler kammnah ein Schneebrett aus, blieb jedoch unverletzt. Ansonsten wurde uns von einigen spontanen Lawinen im hochalpinen Gelände (also oberhalb von 3000m) berichtet, wo Lawinen vereinzelt auch in tieferen Schichten brachen (u.a. in den Südlichen Ötztaler Alpen). Ebenso gab es sehr gute Sprengerfolge am Kaunertaler Gletscher, wo Lawinen bis zum Eis brachen.

 

Aus besonnten, extrem steilen Hängen wurden zudem zahlreiche Lockerschneelawinen beobachtet...

 

Silvretta (Foto: 25.04.2012)

 

Der Wind weht weiterhin stark aus südlicher Richtung...

 

 

Die Temperaturprognosen bestätigen weiterhin einen markanten Anstieg.

 

 

Es bleibt spannend. Eine gute Nachricht: Die Prognosen zeigen nun, dass die Luft am Wochenende deutlich trockener werden sollte, als bisher angenommen. Die Durchnässung und der Stabilitätsverlust können dadurch deutlich verlangsamt werden. Wir werden sehen...

 

Dienstag, 24. April 2012

Eine lawinenaktive Zeit steht bevor...

Nach dem seit Anfang April pünktlich eingesetztem, entsprechend wechselhaftem Aprilwetter bleibt es während der kommenden Tage niederschlagsfrei. Die Lufttemperatur steigt markant an und erreicht Werte deutlich über dem Durchschnitt. Es wird somit frühsommerlich warm, in tiefen Lagen für die Jahreszeit richtiggehend heiß. Dies wird nicht ohne Auswirkungen auf die Lawinengefahr bleiben...

 

Die oberen Linien zeigen den vorhergesagten Temperaturverlauf auf ca. 1500m dar (rote Linie = Mittelwert). Die unteren Linien weisen auf niederschlagsfreies Wetter während der kommenden Tage hin.

 

Am 25.04. erwarten wir zahlreiche, meist noch eher harmlose Lockerschneelawinen aus extrem steilem, v.a. besonnten Gelände, die in den neuschneereichen Regionen entlang des Alpenhauptkammes teilweise mittlere Größe erreichen können. Ein Durchreißen in tiefere Schneeschichten ist am 25.04. noch nicht zu erwarten. Vereinzelt können sich am 25.04. im kammnahen, besonnten Gelände auch kleine spontane Schneebrettlawinen lösen. Schuld daran hat der durch Windeinfluss gebundene, gerade erst entstandene Triebschnee.

 

 

 

Spannend wird es dann vermutlich ab Donnerstag, spätestens ab Freitag, wenn es von Tag zu Tag wärmer und die Temperaturreserven innerhalb der Schneedecke immer geringer werden. Dies bedeutet, dass die Schneedecke dann auch in größeren Höhen zunehmend nass wird und deutlich an Festigkeit einbüßt. Wir erwarten dann v.a. oberhalb etwa 2100m spontane, nasse Lockerschneelawinen, die sich in der Sturzbahn deutlich verbreitern, vermehrt die nasse Altschneedecke mitreißen und dann mitunter auch größer werden können.

 

Spontane Schneebrettlawinen sind u.a. an eher schneearmen Stellen im schattigen, sehr steilen Gelände zwischen etwa 2300m und 2500m vermehrt in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes zu erwarten. Als Gleitfläche wird bodennaher Schwimmschnee dienen. In der selben Exposition und Höhenlage können Schneebrettlawinen auch auf einer dünnen kantigen Schicht auf Schmelzharsch abgehen. Dies sollte nicht vor Freitag der Fall sein.

 

Zusätzlich wird man wieder vermehrt Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen insbesondere dort, wo sich bereits Risse in der Schneedecke gebildet haben, beobachten können.

 

Fraglich ist noch, ob die Schneedecke am Wochenende durch die vorhergesagte, hohe und mittelhohe Bewölkung und die folglich diffuse Strahlung hochalpin (also oberhalb etwa 3000m) derart geschwächt wird, dass vereinzelt auch bodennaher Schwimmschnee vom Frühwinter als Gleitfläche für zum Teil auch größere Schneebrettlawinen dienen kann? Da sollten Schneedeckenuntersuchungen, die wir im Laufe der Woche durchführen werden, Klarheit verschaffen.

 

Als Vorteil muss angeführt werden, dass der Schneedeckenaufbau außer dem erwähnten bodennahen Schwimmschnee sowie einer eher oberflächennahen, dünnen kantigen Schicht in Summe als recht stabil mit wenig Schwachschichten charakterisiert werden kann. Einen Kollaps der Schneedecke auf großen Flächen an zahlreichen Stellen wird es somit nicht geben. Vorstellbar ist allerdings, dass das in die Schneedecke eindringende Schmelzwasser an bestehenden Schmelzharschkrusten abfließen und dort aufgrund der verminderten Reibung zu einem Abgleiten der darüber gelagerten Schneeschichten führen kann.

 

Für den Wintersportler gilt auf alle Fälle: Je höher und früher man unterwegs ist, desto besser! Zu bedenken ist auch immer die sichere Rückzugsmöglichkeit ins Tal bzw. zur Hütte! Sicherheitsverantwortliche werden gegen Ende des Winters mancherorts nochmals gefordert sein und die Situation besonders sorgfältig beobachten.