Sonntag, 20. Januar 2019

Gebietsweises Altschneeproblem in den südlicheren Landesteilen - tödlicher Lawinenunfall Laserztörl in den Lienzer Dolomiten

In weiten Teilen Tirols überwiegt nach den ergiebigen Neuschneefällen ein günstiger Schneedeckenaufbau. In der Nordtiroler Region "Zentrale Stubaier Alpen" sowie in den Osttiroler Regionen südlich der Venedigergruppe haben wir es allerdings mit einem Altschneeproblem zu tun - je südlicher, desto ausgeprägter.

Dies zeigen umfangreiche Schneedeckenuntersuchungen der vergangenen Tage, aber auch Lawinenereignisse mit Personenbeteiligung sowie spontane Lawinenabgänge.

Das Altschneeproblem hat sich in diesen Regionen aufgrund der relativen Schneearmut im Vergleich zu den übrigen Regionen ausgebildet. Häufig findet man dort in bodennahen Schichten (unterhalb einer Schmelzkruste) kantige, lockere Kristalle, mitunter auch Schwimmschnee. Darüber bildete sich während der vergangenen Schneefälle - häufig unter Windeinfluss - das für Schneebrettlawinen notwendige "Brett".

Die Schmelzkruste wiederum bildete sich durch Wärme- und Strahlungseinfluss (während der langen niederschlagsarmen Phase), aber auch durch Regeneinfluss um Weihnachten. Darunter entwickelten sich (u.a. während Strahlungsnächte) kantige Kristalle, mitunter Schwimmschnee. Die Schmelzkruste begünstigt eine großflächigere Bruchfortpflanzung nach Störung der Schwachschicht.

Im Vordergrund zeigt eine Schneeprofil in der oberen Hälfte das Neuschneepaket, darunter befinden sich zwischen Schmelzkrusten eingelagerte, sehr lockere Schichten. Stabiliätstests zeigten eine sehr hohe Störanfälligkeit. Im Hintergrund lösten sich aufgrund der Zusatzbelastung kürzlich gebildeter Triebschneepakete spontane Lawinen. Defereggen in Osttirol (Foto: 19.01.2019)

Wir grenzen das Altschneeproblem derzeit auf Höhenbereiche beginnend von etwa 1600m aufwärts bis zumindest 2400m hinauf ein. Ausgeprägter ist dieses im Sektor WSW über N bis OSO sowie im flacheren Südsektor. Vorsicht u.a. auch im lichten Waldgrenzbereich.

Als Folge dieses Altschneeproblems löste sich gestern am 19.01.2019 unterhalb des Laserztörls in den Lienzer Dolomiten eine Schneebrettlawine. Eine Person, welche sich im Aufstieg im etwas über 35 Grad steilen Gelände befand, wurde mitgerissen und verstarb an den Folgen des Lawinenunfalls. Eine zweite Person fand hinter einem großen Stein etwas Schutz und blieb unverletzt.

Lawinenunfall Laserztörl. Die Personen befanden sich im Aufstieg im rechten Teil der Lawine. Große Bruchfortpflanzung aufgrund der Existenz einer Schmelzkruste und der darunter befindlichen kantigen Schwachschicht.  (Foto: 20.01.2019)
Heute am 20.01.2019 führten wir gemeinsam mit der Alpinpolizei und mit Unterstützung des Landeshubschraubers Erhebungen durch. Der Hang ist zwischen NO und SO ausgerichtet und meist zwischen 35 und 40 Grad steil. Die Anrissmächtigkeit variiert zwischen etwa 30cm und lokal (kammnah) bis etwa 100cm. Die Lawinenlänge wird auf knapp 300m geschätzt.

Ein Alpinpolizist befindet sich unterhalb des Laserztörls im kammnahen extrem steilen Gelände. Aufgrund von Windeinfluss wurde dort die größte Anrissmächtigkeit gemessen.  (Foto: 20.01.2019)

Blick von der Verschüttungsstelle Richtung Laserztörl (Foto: 20.01.2019)

Die Landeshubschrauber im Anflug. Zudem erkennt man die Aufstiegsspur und das Ende des Lawinenkegels. (Foto: 20.01.2019)

Donnerstag, 17. Januar 2019

In Nordtirol zunehmende Entspannung. Altschneeproblem vor allem in Zentral-Osttirol. Frischen Triebschnee beachten.

Aktuelle Situation

Die Lawinengefahr ist während der vergangenen Tage stetig zurückgegangen. In den Hauptniederschlagsgebieten hat sich die Schneedecke gesetzt, Neu- und Triebschnee haben sich untereinander sowie mit dem Altschnee meist gut verbunden.

Die Setzung der Schneedecke seit Ende der Niederschläge am Dienstag, 15.01. ist enorm. Die Grafik zeigt eine modellierte Setzung.

Auch an der Messstation Sonnbergalm in Sölden kann eine deutliche Setzung der Schneedecke beobachtet werden.

Die Hauptgefahr geht in weiten Teilen Nordtirols sowie im nördlichen Osttirol von meist kleinen, aber störanfälligen Triebschneepaketen aus. Diese können an allen Expositionen vor allem kammnah angetroffen werden. Gefahrenstellen nehmen mit der Höhe an Größe und Anzahl zu. Die schon etwas älteren Triebschneeansammlungen, welche sich während des vergangenen Schneesturms (13. bis 15.01.) gebildet haben und zum Teil auf sehr störanfälligem Wildschnee (vom 12.01.) abgelagert wurden, dürften nur mehr in sehr seltenen Fällen als Lawinen ausgelöst werden können. Denkbar wäre dies noch schattseitig in windberuhigten Gebieten, tendenziell eher in großen Höhen.

Durchaus heikler ist die Situation im zentralen Osttirol, nördlich der Drau und südlich des Alpenhauptkammes. Vor den Schneefällen zu Beginn dieser Woche war die Schneedecke dort eher gering mächtig: Die zahlreichen Frontensysteme seit Jahresbeginn brachten hier meist nur unergiebige Schneefälle. Zum Teil regnete es über die Waldgrenze hinaus. Durch aufbauende Umwandlung bildete sich ein schwaches Altschneefundament mit einer Abfolge von Schmelzkrusten und lockeren, kantigen Kristallen aus. Die etwa 30cm Neuschnee (in der Höhe auch mehr) von Beginn dieser Woche wurden auf dieser Altschneedecke abgelagert und bilden nun sozusagen das "Schneebrett" auf den darunter liegenden Schwachschichten. Der schwache Altschnee kann bereits durch geringe Zusatzbelastung gestört werden. Lawinen können dabei durchaus groß werden. Auch Fernauslösungen wurden uns gemeldet und sind weiterhin möglich. Gefahrenstellen befinden sich an allen Expositionen über etwa 1600m. Vorsicht ist diesbezüglich mit etwas Neuschnee und starkem Wind auch in den Lienzer Dolomiten angebracht. Bereits kleine Triebschneepakete können gefährlich sein.

Von Skifahrern ausgelöste Schneebrettlawine am Gaishörndl in Innervillgraten. Die Lawine brach im schwachen Altschnee. (Foto: 15.01.2019)

An der Wetterstation Mosesgipfel in Innervillgraten war die Schneedecke bis Ende vergangener Woche sehr gering mächtig. Dadurch konnten immer wieder große Temperaturgradienten innerhalb der Schneedecke entstehen, welche die Ausbildung von kantigen Schwachschichten förderten.

Ähnlich gelagert, aber weniger akut ist das Altschneeproblem in den Zentralen Stubaier Alpen sowie der Gurglergruppe. Auch dort war die Schneedecke diesen Winter lange Zeit über eher dünn. Tiefer in der Schneedecke befinden sich daher kantig aufgebaute Schwachschichten im Bereich von Schmelzkrusten, welche gestört werden können. Aufgrund der größeren Schneeüberdeckung ist eine Störung hier meist nur mit großer Zusatzbelastung möglich. Schneearme Bereiche sind jedoch besonders ungünstig: Schwachschichten sind dort stärker ausgeprägt und weniger überdeckt. Eine Auslösung ist hier also wahrscheinlicher (hotspot).


Schneeprofil von der Unterrainsalm in Obernberg vom 14.01.2019; West, 1555m, 32°. Schwachschichten im Altschnee sind stellenweise leicht auszulösen. (© Esther Baum)
 
Rückblick

Mit einer starken Nordwestströmung wurden von Samstag, 12.01. bis Dienstag, 15.01. erneut niederschlagsintensive Frontensysteme aus dem Atlantik an die Alpen herangeführt. Begleitet von starkem bis stürmischem Wind schneite es in ganz Tirol teils kräftig. Sogar in den Dolomiten kamen bis zu 20cm Neuschnee hinzu. Die größten Neuschneesummen wurden auf der Seegrube oberhalb von Innsbruck gemessen: Von Sonntag morgens, 13.01. bis Dienstag morgens, 15.01. kamen dort ca.  215cm Schnee dazu.

Am meisten schneite es in den Allgäuer und Lechtaler Alpen, dem Karwendel, im Wilden Kaiser, den Kitzbüheler Alpen sowie in den Hohen Tauern.

Die Niederschläge waren begleitet von stark bis stürmischem Wind aus nordwestlichen Richtungen.

Die bisherigen Schneefälle seit Jahresanfang sind auch historisch gesehen außerordentlich. Am Felbertauern-Südportal wurde seit Beginn der Messaufzeichnungen 1990 keine so mächtige Schneedecke verzeichnet.
 
Am Montag, 14.01. wurden aufgrund der großen Schneemengen, der hohen Niederschlagsintensität und des anhaltend starken Windes zahlreiche große bis sehr große, vereinzelt auch extrem große Lawinen erwartet. Dementsprechend wurde im Westen Nordtirols, in den Zillertaler Alpen, der Venedigergruppe sowie im Karwendel die höchste Lawinengefahrenstufe (5, sehr groß) ausgegeben (siehe Blog).

Zahlreiche Rückmeldungen, aber auch die Ergebnisse von Erkundungsflügen am Dienstag, 15.01. und Mittwoch, 16.01. zeugten von hoher Lawinenaktivität. Viele große und sehr große spontane Schneebrettlawinen sind abgegangen - dies besonders im Karwendel, im Mieminger Gebirge, im Pitztal und Paznauntal. Auch im Gschnitztal sowie im nördlichen Osttirol sind Lawinen bis in Tallagen vorgedrungen. Einige davon richteten Schäden an Wäldern, Leitungen und Gebäuden an. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Ein großes Thema während dieses sehr schneereichen Winters sind auch Gleitschneelawinen. Deren Abgangsbereitschaft wurden durch Regeneinfluss bis auf etwa 1500m begünstigt. Immer wieder wurden dadurch Straßenabschnitte verlegt, aber auch  Gebäude beschädigt.

Nur durch den ununterbrochenen Einsatz zahlloser Menschen im Dienste der Sicherheit konnte die außergewöhnliche Wetterlage sehr gut gemeistert werden.

Hohe Gleitschneeaktivität in weiten Teilen Tirols, hier am Beispiel der Wildschönau. (Foto: 14.01.2019)

Spontanes Abgleiten einer Gleitschneelawine in Navis. Gleitschneelawinen können nicht künstlich ausgelöst werden und stellen Sicherheitsverantwortliche deshalb häufig vor große Probleme. (Foto: 14.01.2019)

Eine Lawine in Aurach bei Kitzbühel hat einiges an Wald mitgerissen.  Auch hier handelte es sich um eine Gleitschneelawine. (Foto: 15.01.2019)

Gleitschneelawinen und Anriss einer Schneebrettlawine im Außerfern (Foto: 16.01.2019)

Bereits überschneite Gleitschneelawinen nahe Leermoos im Ammergebirge. (Foto: 15.01.2019)

Ablagerung einer großen Schneebrettlawine unterhalb des Großen Zunig an der Felbertauernstraße zwischen Huben und Matrei. (Foto: 16.01.2019)

Durch ein Schneebrett in Mitleidenschaft gezogene Almhütte im Nilltal bei Virgen in Osttirol. Im Hintergrund erkennt man auch die zerstörte Aufzugsstation der Bonn-Matreier-Hütte (Foto: 16.01.2019)

Große spontane Schneebrettlawine an der Bschlaber Kreuzspitze in den Lechtaler Alpen. (Foto: 15.01.2019)
Lawinenabgang bei Piösmes im Pitztal (Foto: 16.01.2019) 

Anrissgebiet einer gesprengten Schneebrettlawine oberhalb der Gletscherstraße zum Skigebiet Stubaier Gletscher (Foto: 2016.01.2019)

Anriss einer spontanen großen Schneebrettlawine am Hochwanner im Mieminger Gebirge. Viele Schneebrettlawinen sind kammnah, in sehr steilem Gelände angebrochen. (Foto: 16.01.2019)

Schneebrücken stützen die Schneemassen und verhindern Lawinenabrüche. Paznauntal (Foto: 16.01.2019)

Regen in tiefen Lagen hat die Schneeoberfläche gezeichnet. (Foto: 16.01.2019)

Ausblick

In der Nacht auf morgen Freitag, 18.01. erreicht uns eine Kaltfront aus Südwesten. Diese bringt unergiebige Schneefälle und eine starke Abkühlung. Am meisten Schnee fällt in den Hohen Tauern sowie den Zillertaler Alpen.

In der Nacht auf Freitag, 18.01. erwarten uns im ganzen Land unergiebige Schneefälle.

Das Wetter in den nächsten Tagen besteht aus einem Mix aus Sonne und Wolken, der Wind weht schwach bis mäßig. Die neuen Triebschneepakete, welche sich mit dem Wind bis morgen, 18.01. noch bilden, sind anfangs zum Teil noch sehr störanfällig (diesbezügliche Rückmeldungen u.a. aus den zentralen Stubaier Alpen).

Am meisten aufpassen heißt es derzeit in den Regionen mit einem ausgeprägten Altschneeproblem (Zentrales Osttirol, Lienzer Dolomiten, ebenso gebietsweise in den Zentralen Stubaier Alpen und der  Gurglergruppe): Wir empfehlen eine vorsichtige Routenwahl, Entlastungsabstände in Auf- und Abstieg sowie das Meiden großer Hänge und generell schneearmer Bereiche! Speziell in Osttirol besteht u.a. auch erhöhte Gefahr von Fernauslösungen!









Montag, 14. Januar 2019

UPDATE: Sehr große Lawinengefahr auch in der Glockturmgruppe, dem Karwendel, den Zillertaler Alpen und der Venedigergruppe


Im Karwendel fiel deutlich mehr Schnee als erwartet. Von unseren Beobachtern wurden auf der Seegrube oberhalb von Innsbruck 95cm Neuschnee gemessen. Dies bedingt in Verbindung mit dem stürmischen Wind einen Gefahrenanstieg auf die Stufe "sehr groß". Ebenso muss die Gefahr inzwischen in der Glockturmgruppe, den Zillertaler Alpen und dem nördlichen Teil der Venedigergruppe als "sehr groß"  eingestuft werden. Wir erwarten in den mit Stufe 5 beurteilten Regionen weiterhin sehr große, vereinzelt auch extrem große spontane Lawinenabgänge. Besonders exponierte Gebäude sowie exponierte Verkehrswege können gefährdet sein.

Update des Lawinenreports für Montag, den 14.01.2019

Bis in die Nachtstunden kommen nochmals bis zu 50cm Neuschnee hinzu. Dies vor allem erneut im Karwendel, in den Nördlichen Zillertaler Alpen und den Hohen Tauern, aber auch in der Silvretta.

Große Neuschneemengen werden auch heute, 14.01. noch erwartet

Sonntag, 13. Januar 2019

Sehr große Lawinengefahr im Westen Nordtirols

Im Westen Nordtirols sind bis Dienstagmorgen, 15.01. bis zu 150cm Neuschnee prognostiziert. Ansonsten fallen verbreitet 50-90cm. Der Niederschlag fällt mit hoher Intensität und wird begleitet von stürmischem Nordwestwind.

Neuschneeprognose bis Dienstagmorgen, 15.01. inklusive Setzung.

Hohe prognostizierte Neuschneemengen in der Region Silvretta. Der Wind weht stark.

Stürmischer Nordwestwind sorgt im ganzen Land für umfangreiche Verfrachtungen des Neuschnees.

Vorübergehender Temperaturanstieg in der Nacht auf Montag, 14.01. (©meteoblue)

An der Wetterstation Plojen in der Samnaungruppe sind heute Sonntag, 13.01. bis 17 Uhr bereits annähernd 50cm Neuschnee gefallen. Der Wind bläst teilweise stark. 

Mit Zunahme der Schneefallintensität sowie einer vorübergehenden Erwärmung ist insbesondere in der Nacht auf Montag, 14.01. mit hoher spontaner Lawinenaktivität zu rechnen. Vor allem in den niederschlagsreichen, mit Lawinengefahrenstufe 5, sehr groß bewerteten Gebieten, sind sehr große, vereinzelt extrem große Lawinen möglich. Dies besonders aus hohen Einzugsgebieten, welche im Windschatten liegen. Beobachter aus dem Außerfern meldeten bereits eine vermehrte spontane Lawinenaktivität in den Abendstunden des 13.01.

Mit dem Anstieg der Schneefallgrenze auf rund 1400m erwarten wir zudem in tiefen und mittleren Lagen eine markante Zunahme der Gleitschneeaktivität.

Schneedeckenaufbau

Das kurzzeitige Schönwetterfenster am Freitag, 11.01. erlaubte uns, unser Bild des derzeitigen Schneedeckenaufbaus etwas zu schärfen.

Wie bereits in früheren Blogeinträgen erwähnt, sind im unteren Teil der Schneedecke keine großflächigen, störanfälligen Schwachschichten vorhanden. Einzig eine Schicht aus kantigen Kristallen im Bereich einer Schmelzkruste vom 06. Dezember könnte vereinzelt zwischen etwa 2200 und 2700m noch vorhanden sein. In Nordtirol sowie im Norden Osttirols sollte diese Schwachschicht jedoch mächtig überdeckt und nur mehr durch die Auflast einer abgehenden Lawine gestört werden können.

In einer Höhe von ca. 30cm über Grund sind kantige Kristalle im Bereich einer Schmelzkruste (06.12.2018) zu erkennen. Diese Schwachschicht ist mächtig überdeckt, aber bei sehr großer Auflast potenziell noch störbar.

Im oberen Teil der Schneedecke haben sich im Südsektor zwischen 1600m und etwa 2100m nach dem Gefahrenmuster 4 (kalt auf warm - warm auf kalt) ebenfalls kantige Kristalle (zum Teil im Bereich einer Schmelzkruste) gebildet. Dies vermutlich um den 8. Jänner. Diese Schwachschicht wurde während der vergangenen Niederschlagsperiode eingeschneit. Ein Anbrechen von Schneebrettlawinen in dieser Schwachschicht aufgrund der Auflast durch Neuschnee ist durchaus denkbar.

Abgesehen von den oben beschriebenen kantigen Schwachschichten ist für Schneebrettlawinen insbesondere der von Freitag, 11.01. auf Samstag, 12.01. gefallene Wildschnee von Bedeutung: Dieser stellt eine besonders störanfällige Schwachschicht dar und kann in allen Höhenlagen (auch unterhalb der Waldgrenze) und Expositionen sehr leicht gestört werden!

Die geringen Niederschlagsmengen in der Nacht auf Samstag, 12.01. fielen als lockerer Wildschnee. Überschneit stellt dieser derzeit eine besonders störanfällige Schwachschicht dar.

Spontane Lawinen auf Hausdächern in St. Johann in Tirol. Der Wildschnee dient hier als Schwachschicht für den in der Nacht auf Sonntag, 13.01. gefallenen Neuschnee. (Foto: 13.01.2019)

Am gestrigen Samstag, 12.01. versuchte unser LWD- Teammitglied Christoph die Fortpflanzungsfähigkeit des Wildschnees unter Triebschnee auf der Seegrube zu testen:


Allgemein sind die Bedingungen für Wintersport im freien Gelände derzeit ausgesprochen ungünstig. In Hängen unter 30 Grad besteht im knietiefen Schnee derzeit kein Abfahrtsgenuß. Im Wald kommt zusätzlich die Gefahr von umfallenden Bäumen oder abstürzenden Ästen hinzu. Zu bedenken ist auch die "Tiefschneegefahr", wie im letzten Blogeintrag bereits erwähnt. In den schneereichen Gebieten droht man besonders im Nahbereich von Bäumen metertief einzusinken.

Viele Bäume sind in einen Mantel aus Schnee gehüllt, welcher dem Wind viel Angriffsfläche bietet. Der derzeitige Sturm wird vermutlich einiges an Waldschäden anrichten. (Foto: 11.01.2019)

Das Positive: die Lawinensituation wird sich nach dem derzeitigen Niederschlagsereignis sehr rasch entspannen. Dann erwarten uns aller Voraussicht nach relativ sichere und gute Skitourenbedingungen!

Folgend noch einige Eindrücke der vergangenen Tage:

Härtetest für die Wetterstationen. (Foto: 11.01.2019)

Die Lawinenverbauungen sind mancherorts bereits zur Gänze gefüllt. Region Wilder Kaiser. (Foto: 11.01.2019)

Tief winterlich zeigt sich die Seegrube (1905m) oberhalb von Innsbruck. Die Schneehöhe liegt hier bereits über 4 Meter. (Foto: 11.01.2019)

Die Hochgebirgskapelle St. Valentin im Zillergrund ist kaum zu erkennen (Foto: 12.01.2019)

Viel Windeinfluß oberhalb der Waldgrenze. Füssener Jöchle, Allgäuer Alpen. (Foto: 12.01.2019)

Mächtiger Anraum auf einem Wegkreuz unter dem Pfoner Kreuzjöchl. (Foto: 12.01.2019)

Anriss einer sehr großen Lawine in den östlichen Lechtaler Alpen. Die Lawine löste sich spontan während des Niederschlagserignisses vom 9. bis 11. Jänner (Foto: 12.01.2019)

Die Lawine überspülte die Lawinengalerie Brand-Mitteregg auf der Landstraße zwischen Berwang und Namlos und verursachte Waldschäden. (Foto: 12.01.2019)

Schneebrettlawine am Schartenkogel, Nordseitig, 2200m. Das Triebschneepaket löste sich vermutlich aufgrund eines Wechtenbruchs. (Foto: 12.01.2019)
 
Vermutlich eine Gleitschneelawine, welche als Staublawine abging. Nördl. Zillertaler Alpen. (Foto: 12.01.2019)
 
Viele überschneite Gleitschneelawinen-Anrisse im Norden des Landes. (Foto: 11.01.2019)

Sehr hohe Gleitschneeaktivität auch in den Allgäuer Alpen. (Foto: 12.01.2019)