Donnerstag, 6. Mai 2021

Auf den Bergen teils noch recht winterlich - sehr warmes Wochenende steht bevor - Gefahr von Nassschneelawinen steigt

Wärmeimpuls birgt erhöhtes Potential an Nassschneelawinen


Auf den Bergen liegt noch viel Schnee


Die ZAMG-Wetterdienststelle wies heute in einer Aussendung auf die zwischen Sonntag, 09.05. und spätestens Mittwoch 12.05. zu erwartende starke Erwärmung mit vermehrter Schneeschmelze hin. Dies hat unmittelbar mit den für die Jahreszeit noch beachtlichen Schneemengen zu tun. Gerade in Schattenhängen liegt bis zumindest in mittlere Lagen hinunter für die Jahreszeit überdurchschnittlich viel Schnee. Ähnlich ist es in in großen Höhen in allen Hangrichtungen. 



Überblick der Gesamtschneehöhe vom 06.05.2021



Sehr bezeichnendes Foto für die Schneelage in mittleren Höhenlagen: Südseitig aper, nordseitig sind Abfahrten teils noch bis zu den Ausgangspunkten von Touren möglich. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 30.04.2021)


Die seit 1961 im Flachen gemessenen Rekordschneehöhen in Obertilliach sind inzwischen Geschichte... 


Vorsicht! Lawinengefahr steigt mit Erwärmung und vorhergesagtem Regen!


Für die Lawinengefahr bedeutet diese Wetterprognose eine erhöhte Lawinenaktivität. 



Erwärmung wird während der kommenden Tage zu vermehrten Lawinenabgängen führen. Bild stammt aus dem Defereggental vom 29.04.2021


Nach der von heute, 06.05. während der Nachtstunden über Tirol ziehenden Kaltfront, die zwischen 10 und 30cm Neuschnee bringen soll, werden spätestens am Samstag, mit rascher Wetterbesserung zahlreiche Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände zu beobachten sein. 



Neuschneeprognose vom 06.05. auf den 07.05.2021


Insbesondere in kammnahen Windschattenhängen steigt dann kurzfristig in großen Höhen auch die Wahrscheinlichkeit an, dass Wintersportler Schneebrettlawinen in Form von frischen Triebschneeansammlungen auslösen können. Ab Sonntag, 09.05., an jenem Tag, wenn sommerliche Temperaturen bei einer 0°-Grenze von 3900m (!) vorhergesagt werden, schreitet die Durchfeuchtung der Schneedecke voran. Insbesondere in Schattenhängen, wo bisher die Durchnässung noch nicht bis in tiefere Schichten vorgedrungen ist, können Lawinen auch in tiefere Schichten brechen und mitunter gefährlich groß werden. (Vorsicht zum Teil auch im Bereich von Forststraßen oder Wanderwegen unterhalb von höher gelegenen Einzugsgebieten!) Die Gefahr solcher Lawinen verschärft sich voraussichtlich ab Montag abends (10.05.), wenn es von Süden, den Alpenhauptkamm noch betreffend, bis etwa 3000m regnen soll. Anbruchgebiete von Schneebrettlawinen sollten sich grob ab etwa 2400m aufwärts befinden.


In großen Höhen schattseitig ev. heimtückische Lawinensituation durch gm.4 (kalt auf warm)?


Ein Lawinenabgang in der Steilflanke der Petersenspitze im hinteren Pitztal deutet auf eine oberflächennahe Schwachschicht hin, deren Entstehung eventuell mit einer raschen Entwicklung des Gefahrenmusters "kalt auf warm" zu tun haben könnte. Es handelt sich um einen Höhenbereich um 3000m. Ebenso möglich, aber in diesem Fall etwas unwahrscheinlicher ist eine massivere Graupeleinlagerung während der kürzlichen Schneefälle. Aktuell fehlen uns Schneedeckenuntersuchungen aus diesem Höhenbereich, die nähere Rückschlüsse zuließen.


Die Schneebrettlawine löste sich während der Abfahrt von Wintersportlern. Die scharfe Höhengrenze mitten im Hang kann mit erhöhter Wahrscheinlichkeit gm.4 (kalt auf warm) zugeordnet werden.




Rückschau auf die vergangene Woche


Wechselhaft


Mehrmals in Folge - so auch diesmal - charakterisieren wir die vergangene Woche als wechselhaft. Wechselhaft war sowohl das Wetter, wechselhaft waren auch die Lawinenverhältnisse. 



Für die Jahreszeit meist zu kühl, immer wieder Niederschlag, zwei Schönwettertage, auf den Bergen meist sehr windig


Lockerschnee- und Schneebrettlawinen, aber auch gute Verhältnisse mit Pulverschnee


Freitag, 30.04., kann zumindest in Nordtirol als anfangs recht "dampfinger" Tag charakterisiert werden. Wolken zogen nach nächtlichen Niederschlägen ab. Die Strahlung war diffus, der Wärmeimpuls in die Schneedecke hoch. Im Nachhinein betrachtet ein Tag mit vermehrten Lawinenabgängen - u.a. auch Schneebrettlawinen in den damals vorhergesagten Höhenbereichen. Häufig wurden Schneebrettlawinen auch von Lockerschneelawinen ausgelöst.


Wolkenbänke an den Hängen führen zu dieser Jahreszeit bei Sonneneinstrahlung zu vermehrter langwelliger Rückstrahlung und dadurch rascherer Durchfeuchtung der Schneedecke. Grießkogelgruppe (Foto: 30.04.2021)



Bald nach Aufnahme des obigen Fotos lösten sich Lawinen von selbst. Anfänglich Lockerschnee-, dann Übergang in Schneebrettlawine. Grießkogelgruppe (Foto: 30.04.2021)



Schneebrett- und Lockerschneelawinen. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 30.04.2021)



Am 01.05.2021 löste sich unmittelbar unterhalb von Felsen schattseitig aufgrund fortschreitender Durchnässung eine Schneebrettlawine, die zu einer Suchaktion führte. Niemand wurde verschüttet. Axamer Lizum (Foto: 01.05.2021)



Das Foto stammt auch von der Axamer Lizum und wurde am 04.05. aufgenommen. Die Lawinenabgänge dürften vom 30.04. und 01.05. stammen.


Eine Kaltfront brachte am 02.05. und 03.05. Neuschnee - zum Teil auch (sehr kurzfristig) guten Pulver in großen Höhen...



48h Differenz der Schneehöhe: Schneefälle ab 01.05. abends



Nicht, dass der falsche Eindruck entsteht: Die vergangene Woche stand häufig auch im Zeichen recht guter Bedingungen. Pulvertraum in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto. 03.05.2021)



Bezeichnend für die Jahreszeit: Zahlreiche Lockerschneelawinen nach Schneefällen. Defereggen (Foto: 03.05.2021)


Starker Westwind auf den Bergen führte zu Verfrachtungen. Mieminger Kette. (Foto: 05.05.2021)



Einstellung des täglichen Lawinenreports ab kommendem Wochenende


Wir zitieren hier den Text aus dem Blog unserer Südtiroler Kollegen: "Am kommenden Wochenende erscheinen die letzten Lawinenreporte der Saison. Kein Lawinenreport bedeutet aber nicht, keine Lawinengefahr. Auf den Bergen liegt momentan noch viel Schnee, dementsprechend gilt es die Lawinengefahr zu berücksichtigen. Informationen über Schnee- und Lawinenlage werden besonders bei großen Änderungen weiterhin im Blog veröffentlicht."

Donnerstag, 29. April 2021

Eher ungünstige Lawinenverhältnisse mit häufig schlechter Schneequalität

Durchnässung schreitet voran - Wahrscheinlichkeit von spontanen Lawinen steigt

Während der vergangenen Tage war es bei wechselhaftem Wetter recht warm. Die Schneedecke wurde dadurch auch in größeren Höhen immer feuchter bzw. auch tiefgreifender durchnässt. Ein tragfähiger Harschdeckel bildete sich über Nacht nur mehr in hohen Lagen und im Hochgebirge. Im Süden war dies kürzlich aufgrund des tendenziell schlechteren Wetters kaum der Fall. Ähnlich war es auch während der vergangenen Nacht vom 28.04. auf den 29.04. in Teilen Nordtirols, wo die Ausstrahlung der Schneedecke gebietsweise stark eingeschränkt war.


Bilder von Webkameras helfen bei der Einschätzung der Wolkenbedeckung während der Nachtstunden


Lawinenabgänge hielten sich bisher noch in Grenzen. Fast ausschließlich handelte es sich dabei um (vereinzelte) nasse Lockerschneelawinen.


Lockerschneelawine im Bereich des Zuckerhütls in den Stubaier Alpen (Foto: 23.04.2021)


Am Sonntag, 25.04. bewirkten die warmen Temperaturen in Schattenhängen gebietsweise eine oberflächige Durchfeuchtung der Schneedecke. Dadurch aktivierten sich im extrem steilen Gelände einige Lockerschneelawinen. (Grießkogelgruppe)


Seit gestern, 28.04. wurden uns erstmals wieder spontane Lawinenabgängen gemeldet. Dies scheint auch ein Signal dafür zu sein, dass die spontane Aktivität während der kommenden Tage zunehmen wird. Am meisten davon betroffen werden Schattenhängen sein, insbesondere jene, bei denen bisher noch keine tiefergreifende Durchnässung stattgefunden hat. Wir gehen aktuell von einem Höhenbereich um 2400m mit entsprechenden Abweichungen nach oben und unten aus. Aber auch in Sonnenhängen gibt es Potential für Schneebrettlawinen. Vermehrt können diese in oberflächennahen Schichten brechen. Dort bildet ein noch vorhandener Schmelzharschdeckel, der auf lockeren, nassen Schmelzformen lagert, das für eine Schneebrettlawine notwendige Brett.


Spontane Schneebrettlawine auf 2300m, West, im hinteren Pitztal bei einer Moräne (Foto: 28.04.2021)


Am Bild zu erkennen: Noch tragfähiger Schmelzharschdeckel, darunter eine durchnässte, lockere Schicht - eine mögliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen. Kaunertal. (Foto: 28.04.2021)


Gleitschneelawinen schattseitig auf 1600m im Tannheimertal (Foto: 28.04.2021)


Die Schneequalität ist aktuell meist schlecht. Erst oberhalb etwa 2700m/2800m wird diese tendenziell besser.


Ein schmaler Grat zwischen "Durchbrechen", Bruchharsch und tragfähig. Stellen, wo man durchbricht werden nun immer häufiger. (Foto: 28.04.2021)


Kurzer Rückblick


Die vergangene Woche stand wieder einmal im Zeichen des Aprils mit meist wechselhaftem Wetter. In Nordtirol war das Wetter föhnbedingt freundlicher als in Osttirol. Richtig gut wars nur am vergangenen Wochenende, insbesondere am Samstag, 24.04., als kurzfristig sehr trockene Luft eingedrungen ist. Trotz der warmen Temperaturen wurde die Schneedecke damals kaum geschwächt. Es dominierten günstige Verhältnisse mit einem Tagesgang der Lawinengefahr.


Der beste Tag während der vergangenen Woche war der Samstag, 24.04. Man erkennt die trockene Luftmasse. Die Schneedecke konnte damals über Nacht gut ausstrahlen. Inzwischen ist die Schneedecke nass, der Taupunkt bei 0°. Wasser kann nun ungehindert in tiefe Schichten vordringen.



Ein ähnliches Bild vom Eselrücken im nördlichen Osttirol.

Laut ZAMG-Wetterdienststelle zählt der vergangene April übrigens zum kühlsten April seit 1997 und zu einen der acht trockensten der Messgeschichte (seit 1858!).


Vorschau für die kommenden Tage


Von heute, 29.04. auf morgen, 30.04. überquert uns laut ZAMG-Wetterdienststelle eine schwache Kaltfront. Die Temperatur wird nur um 1-2°C kühler. Auf den Bergen weht in den Föhnstrichen kräftiger Südwind. Wechselhaft gehts durch den Freitag, 30.04.. Es könnte ein "dampfiger" Tag mit viel diffuser Gegenstrahlung werden, der die Durchnässung der Schneedecke weiter voranschreiten lässt. Der 01.05. dann eher wieder zweigeteilt - freundlicher im Norden als im Süden. Nochmals mild, bevor es am Sonntag, 02.05. mit einer Kaltfront deutlich abkühlt. Schneefallgrenze im Süden höher als im Norden, zwischen etwa 1200m und 2000m. Schneemengen ca. 20-30cm. auf den Bergen. Die Nassschneeproblematik wird somit kurzfristig abnehmen. Dafür gibt es in großen Höhen, meist kammnah ein meist recht überschaubares Triebschneeproblem.


12h-Neuschneeprognose 29.04. auf 30.04.2021





Donnerstag, 22. April 2021

Frühjahrsverhältnisse mit zunehmend markantem Anstieg der Lawinengefahr - Gute Zeiteinteilung erscheint immer wichtiger!

Ein sonniges Wochenende steht bevor - Nassschneelawinen im Tagesverlauf beachten!


Nach typischem, wechselhaften Aprilwetter, das uns heute am 22.04. v.a. im Norden des Landes gebietsweise Regen bis häufig um 2000m gebracht hat, bessert sich nun das Wetter. Schon während der Nachtstunden beginnt es aufzuklaren. Freitag bis Sonntag versprechen sehr sonnige und zunehmend warme Tage zu werden. Am Sonntag, 25.04., kann es aus Quellwolken gebietsweise etwas Niederschlag geben.


Die vergangene Woche war für die Jahreszeit zu kalt und sehr wechselhaft. Blick von den Tuxer Alpen Richtung Karwendel (Foto: 22.04.2021) 


Tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr beachten!


Warme Temperaturen und intensiver Strahlungseinfluss werden während der kommenden Tage zu einer zunehmenden Schwächung der Schneedecke während des Tages führen. Sonnen- und Schattenhänge sind dabei differenziert zu betrachten.



Sonnenhänge


In Sonnenhängen werden vermehrt oberflächennahe Schichten (Ablagerung ab 05.04.2021) vom Festigkeitsverlust betroffen sein. Dünne Schwachschichten finden sich v.a. oberhalb von kürzlich gebildeten Schmelzkrusten. Durch Schmelzprozesse eindringendes Wasser kann dort zu einer erhöhten Störanfälligkeit der Schneedecke samt spontaner Lawinenabgängen führen. Möglich erscheint auch die Auslösung von Schneebrettlawinen durch Impulse nasser Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände.


Spontane Schneebrettlawine vom 21.04. nachmittags in einem Südhang auf ca. 2500m in den Stubaier Alpen. Nasse Lockerschneelawine als möglicher Auslöser. Das Brett brach auf einer bis zum 12.04. entstandenen Schmelzkruste, auf der sich am 12.04. auch Saharastaub ablagerte. (Foto: 21.04.2021) 


Davon betroffen sind auch hochalpine Sonnenhänge. 


Schneebrett, welches auf ca. 3000m in einem Südhang in der Granatspitzgruppe fernausgelöst wurde (Foto: 21.04.2021)



Zusätzlich zu beachten: Vereinzelte Gleitschneelawinen auf steilem, glatten Untergrund. (Die meisten Gleitschneelawinen sind bereits während intensiver Wärmephasen Ende Februar, teilweise auch Ende März abgegangen.) Stubaier Alpen. 20.04.2021



Repräsentatives Profil für einen Sonnenhang in hohen Lagen. Oberhalb einer dicken Schmelzkruste, die sich ab dem 03.04. gebildet hat, findet man eine Abfolge von dünnen Krusten und speziell bei Wassereintrag zu störenden Schwachschichten. 2130m, W, Tuxer Alpen, 21.04.2021


Nordhänge


Nordhänge wurden diesen Winter in Nordtirol bis maximal 2400m, in Osttirol bis etwa 2000m etwas tiefergreifender durchfeuchtet. Dies war am 02.04.2021, als es regnete. Zahlreiche spontane Lawinenabgänge - vermehrt nasse Lockerschneelawinen, zum Teil auch Schneebrettlawinen waren die Folge. Mit dem heutigen Regeneintrag (22.04.2021) und dem Anfang des Tages zum Teil massiven, diffusen Strahlungseinflusses wurde die Schneedecke im Norden des Landes zumindest oberflächennah wieder feucht.



Niederschlag vom 22.04.2021 bis 19:00 Uhr



Temperaturreserven gibt es inzwischen kaum mehr. Wärmeeinfluss und diffuser Strahlungseinfluss können deshalb recht rasch zu einem tiefergreifenden Wassereintrag führen. Dies wird die Schneedecke schwächen und sowohl durch Wintersportler leichter stören lassen, als auch zu spontanen Lawinenabgängen führen.



Schneeprofil NO 2335m zeigt einen eher flachen Temperaturverlauf (der heute am 22.04. sicher noch abgeflacht wurde.). Beachtenswert u.a. auch die bodennahe, leicht verkrustete Schicht. Speziell an schneeärmeren Stellen ist in diesem Höhenbereich vermutlich ab Samstag späteren Nachmittag mit einer Durchnässung zu rechnen. Die Folge können Schneebrettlawinen sein, die bodennah brechen.  



Schattseitig aktuell noch oberflächennahe Lockerschneelawinen, zunehmend zumindest unterhalb etwa 2400m sind dann im Tagesverlauf auch Schneebrettlawinen möglich. (Foto: 21.04.2021)



Snowpack, ein von uns verwendetes Schneedeckensimulationsmodell zeigt, dass die Schneedecke während der kommenden Tage in Nordhängen zunehmend bis zum Boden durchfeuchtet werden. Rosa Punkte rechts unten auf der linken Darstellung. Rechts: Simuliertes Profil am Gallreideschrofen im Gschnitztal: Oberflächennah dominieren Schmelzkrusten, bodennah aufbauend umgewandelte Schichten.



Übersicht über simulierte "Lawinenaktivitätsindizes" für heute 22.04.2021 15:00 Uhr. Über "1" spricht für zunehmende Schwächung.



Im Vergleich dazu: Prognose für Samstag, 24.04. 15:00 Uhr



Ebenso berichtenswert: In den Zillertaler Alpen wurden entlang des Alpenhauptkammes spontane Schneebrettlawinen in extrem steilen Nordhängen um 3000m beobachtet. Abgangszeitpunkt nicht ganz klar, eher jüngeren Datums. Die Anbrüche sollen zum Teil beachtlich gewesen sein. Dies dürfte am ehesten mit anderen Rückmeldungen zusammenpassen, als uns Wintersportler speziell aus höheren, eher windgeschützten Lagen von einer aufgebauten Schneeoberfläche berichteten (von viel "Grieß").


Am Morgen überwiegend günstige Verhältnisse - Absturzgefahr beachten


Während klarer Nächte wird die Schneedecke oberflächig gefrieren. Zumindest in hohen Lagen gehen wir von einem tragfähigen Harschdeckel während der Morgenstunden in Sonnenhängen und unterhalb etwa 2200m auch in Schattenhängen aus. Vorsicht: Im Steilgelände besteht eine nicht zu unterschätzende Absturzgefahr. Harscheisen bzw. Steigeisen sollten deshalb in keinem Rucksack fehlen.





Conclusio - gute Zeiteinteilung


Für die kommenden Tage ist eine gute Tourenplanung, vor allem eine gute Zeiteinteilung sehr wichtig! Lawinen können im Tagesverlauf mit zunehmender Durchfeuchtung immer leichter von Wintersportlern ausgelöst werden bzw. spontan abgehen. Besondere Vorsicht auch in Schattenhängen unterhalb etwa 2400m, wo Schneebrettlawinen zunehmend auch in bodennahen Schichten brechen können. Diesbezüglich günstiger einzuschätzen ist dabei v.a. das südliche Osttirol, wo das Schneedeckenfundament kompakt ist.

Bei guter Zeiteinteilung wird man häufig von tollem Firn belohnt werden!

Montag, 19. April 2021

Nach Pulvertraum nun auch erhöhte Vorsicht in Schattenhängen

Diffuser Strahlungseinfluss erhöht die Störanfälligkeit der Schneedecke in Schattenhängen - Vorsicht v.a. in einem Höhenband zwischen etwa 2200m-2600m


Wie aus den vergangenen Blogeinträgen zu entnehmen, konnte man während der vergangenen Woche schattseitig bei kühlen Temperaturen vielerorts lockeren Pulverschnee genießen. Mit dem heutigen Tag, dem 19.04., kam ab den Nachmittagsstunden häufig die Sonne zwischen den Wolken zum Vorschein. Dies führte einerseits zu einem erhöhten diffusen Strahlungseinfluss, andererseits zur einer oberflächennahen Bindung des Pulverschnees. Kurz gesagt: Es bildete sich ein Brett.


Blick von der Seegrube in Richtung Süden. Am Nachmittag hat es meist schon aufgelockert. Zwischen Wolken kommt die Sonne zum Vorschein.


Schneebrettlawinen können immer nur dann abgehen, wenn eine Schwachschicht samt einem Brett vorhanden sind. Eine Schwachschicht mit guter Bruchfortpflanzung findet man in Nordhängen aktuell am ehesten in einem schmalen Höhenband zwischen etwa 2200m und 2600m. Dort bildete sich Anfang April aufgrund von Regeneinflusses eine dünne Schmelzkruste. Diese überlagert wiederum vielerorts eine dünne kantige Schicht - die potentielle Schwachschicht.


Spontanes Schneebrett unterhalb der Sommerwand in den Stubaier Alpen. Nord, 2400m. Abgangszeitpunkt: 19.04.2021 13:15 Uhr



Vorsicht v.a. in den Regionen in Nordtirol mit kürzlich viel Neuschnee


Betroffen ist v.a. Nordtirol und hier jene Regionen, bei denen es vom 12.04. auf den 13.04. am meisten geschneit hat. Es handelt sich dabei um die Tuxer, nördlichen Zillertaler, östlichen Stubaier und Ötztaler Alpen, sowie das Karwendel und das Mieminger Gebirge.



24h-Schneedifferenz vom 12.04. auf den 13.04.2021



Unsere Einschätzung basiert auch auf Rückmeldungen, die wir heute am 19.04. erhalten haben. So wurde uns sowohl aus den Stubaier, als auch aus den Zillertaler Alpen von spontanen Schneebrettlawinen ab den Nachmittagsstunden in diesem Höhenband berichtet. Vorerst muss also dort von einer erhöhten Störanfälligkeit der Schneedecke ausgegangen werden.


Heimtückische Situation gebietsweise auch in Sonnenhängen


Je nach Strahlungseinfluss und Wärmeinput könnten morgen am 20.04. in den oben erwähnten Regionen sowie im südlichen Osttirol auch Sonnenhänge etwas störanfälliger werden. Spannend wirds in Sonnenhängen dann spätestens am kommenden Wochenende mit vorhergesagtem schönen Wetter bei steigenden Temperaturen. Mehr dazu spätestens am Donnerstag, 22.04.2021.

Sonntag, 18. April 2021

Lawinenunfall Großer Zunig in Osttirol fordert ein Todesopfer und einen Schwerstverletzten

Am 17.04. ging kurz nach 13:00 Uhr ein Notruf bei der Leitstelle Tirol über einen Lawinenunfall am Großen Zunig südlich von Matrei in Osttirol ein. Zwei Skitourengeher wurden dort von einem Schneebrett während der Abfahrt erfasst und über felsdurchsetztes Gelände mitgerissen. Eine Person verstarb noch an der Unfallstelle, die zweite Person wurde mit schwersten Verletzungen in die Innsbrucker Klinik geflogen.


Die rote Ellipse markiert die Unfallstelle nördlich des Großen Zunigs. Am oberen Bildrand befindet sich Matrei in Osttirol (c) tiris


Das Schneebrett löste sich im extremen Steilgelände in einem Nordhang auf einer Seehöhe von etwa 2550m. Dem Lawinenabgang liegt ein oberflächiges Triebschneeproblem aufgrund kürzlichen, zum Teil starken Windeinflusses zugrunde. Nähere Erhebungen vor Ort werden primär aufgrund der Exponiertheit des Geländes unsererseits nicht durchgeführt.


Der Pfeil markiert den Einfahrtsbereich (Foto: 17.04.2021)


Zwei Einfahrtsspuren in das Schneebrett. Die Anrissmächtigkeit variiert und wird zwischen etwa 30cm und 70cm geschätzt. (Foto: 17.04.2021)



Der Pfeil markiert die obere Anbruchkante des Schneebretts (Foto: 17.04.2021)


Ergänzende Infos zur aktuellen Situation

Wir haben einige Beobachtungen über die Ausbildung von gm.4 (kalt auf warm) erhalten. Gebietsweise betroffen erscheint besonntes, sehr steiles Gelände beginnend von etwa 2200m aufwärts. Einen "Ausreißer" gabs in den Stubaier Alpen, der sich auf einen Südhang auf 2050m bezog. Setzungsgeräusche sind häufig ein Indiz für dieses Altschneeproblem. 

Die Schneequalität im besonnten Gelände ist aktuell schlecht. Es überwiegt Bruchharsch.

Während der vergangenen Tage wurden sehr viele, auch extrem steile Abfahrten in Nordhängen absolviert. Dies zeigt auch, dass Gefahrenbereiche im Nordsektor nicht allzu häufig vorhanden sind.

Problembereiche im Nordsektor gibt es am ehesten:  
  • in Nordtirol in einem schmalen Höhenband um 2300m. Dort findet man eine dünne Regenkruste vom 02.04., darunter eine dünne kantige Schicht. Diese bildete sich während der Schönwetterphase bis Anfang April aus. 
  • an schneearmen Stellen in größeren Höhen, wo man "Schwimmschneenester" antrifft
  • in Form von frischen Triebschneepaketen im extrem steilen Gelände