Dienstag, 22. November 2022

Wintersportler aufgepasst! In der Höhe können Lawinen gebietsweise leicht ausgelöst werden!

Eine Kaltfront bringt Schnee!

Nach einem anfangs warmen, dann wechselhaften November schneit es gerade in weiten Teilen Tirols bis in tiefe Lagen. Der Schneefall wird heute am 22.11. am kräftigsten ausfallen und morgen überall abklingen. Laut ZAMG-Wetterdienststelle liegen die Hauptniederschlagsgebiete in den Tuxer- und Zillertaler Alpen sowie dem nördlichen und südlichen Osttirol. Dort soll es in der Höhe um 40cm  schneien, in den südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen bis 30cm, sonst meist um 20cm.


48h-Neuschneeprognose. Die Hauptniederschlagsgebiete liegen im (Süd-)Osten des Landes


Der Wind hat von südlichen Richtungen auf W-NW gedreht und ist meist mäßig, nimmt aber während der kommenden Tage in der Höhe deutlich zu. Die Hauptwindrichtung bleibt W-NW. 


Windprognose für Mittwoch, 23.11. 20:00 Uhr
Windprognose für Mittwoch, 23.11. 20:00 Uhr


Erhebliche Lawinengefahr in der Höhe


Die Kombination aus Schnee, Wind und dem aktuellen Schneedeckenaufbau führt zu einem deutlichen Anstieg der Lawinengefahr. In der Höhe - dort wo sich eine zusammenhängende Schneedecke halten konnte - muss von erheblicher Lawinengefahr ausgegangen werden. Am vergleichsweise ungünstigsten  sind die Bedingungen in den neuschneereichen Regionen. Die Gefahr nimmt mit zunehmender Seehöhe zu. Schattenhänge sind tendenziell gefährdeter. Sonnenhänge sind v.a. in Kammnähe sowie allgemein in hochalpinem Gelände kritisch zu beurteilen. 


Ein Blick zurück: Wechselhaftes Wetter mit wiederkehrenden Niederschlägen, teilweise auch in Form von Regen.
Ein Blick zurück: Wechselhaftes Wetter mit wiederkehrenden Niederschlägen, teilweise auch in Form von Regen.


Die Schneedecke

Die Schneedecke ist ein Abbild des Wettergeschehens. Entsprechend findet man dort eine Abfolge von Krusten und weicheren Schichten. Letztere sind häufig aus lockeren, kantigen Kristallen, teilweise sogar aus Schwimmschnee aufgebaut. Sie  stellen eine ernst zu nehmende Schwachschicht für das nun darüber gelagerte, vom Wind beeinflusste Schneepaket dar. Die Belastung eines Wintersportlers kann ausreichen, um die Schwachschicht zu stören und Schneebretter auszulösen.


Schneeprofil in der Gurgler Gruppe vom 19.11.2022. 3065m, NW, 34° Mögliche Schwachschichten befinden sich in Oberflächennähe
Schneeprofil in der Gurgler Gruppe vom 19.11.2022. 3065m, NW, 34° Mögliche Schwachschichten befinden sich in Oberflächennähe


Schneeprofil in der Weißkugelgruppe vom 21.11.2022. 3050m, SO, 33°. In großen Höhen findet man auch im besonnten Gelände zumindest eine mögliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen.
Schneeprofil in der Weißkugelgruppe vom 21.11.2022. 3050m, SO, 33°. In großen Höhen findet man auch im besonnten Gelände zumindest eine mögliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen. 


Sehr hilfreich für die Abschätzung, ob vor diesen Schneefällen bereits eine zusammenhängende Schneedecke vorhanden war, sind Bilder von Webkameras. Hier eine kleine Auswahl, wie die Schneelage so war. Mehr Info u.a. auf foto-webcam.eu.   


Blick ins Tuxertal, einem der bisher schneereichsten Gebiete Tirols. Foto vom 15.11.2022
Blick ins Tuxertal, einem der bisher schneereichsten Gebiete Tirols. Foto vom 15.11.2022


Hochalpines Gelände von 2800m aufwärts in der Weißkugelgruppe
Hochalpines Gelände von 2800m aufwärts in der Weißkugelgruppe

Nördliches Osttirol. Südhänge waren bis in große Höhen aper.
Nördliches Osttirol. Südhänge waren bis in große Höhen aper. 


In den Lienzer Dolomiten und am Karnischen Kamm lag vor den Schneefällen schattseitig bereits Schnee. Unseren Infos nach ist dieser oberflächig verkrustet, darunter häufig locker.
In den Lienzer Dolomiten und am Karnischen Kamm lag vor den Schneefällen schattseitig bereits Schnee. Unseren Infos nach ist dieser oberflächig verkrustet, darunter häufig locker.


Appell

Häufig findet man in der Höhe zumindest eine bösartige Schwachschicht, darüber nun vermehrt ein gut gebundenes (Neu-)Schneepaket, somit die "idealen" Voraussetzungen für ein Schneebrett. Aufgrund der nicht allzu mächtigen Überdeckung der Schwachschicht lässt sich diese aktuell recht leicht von Wintersportlern stören. Deshalb: Seid im Gebirge bitte überlegt und zurückhaltend unterwegs!

Übrigens wird man kurzfristig in den neuschneereichen Regionen auf Wiesenhängen vermehrt Gleitschneerutsche beobachten können. Zudem werden Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände abgehen.

Samstag, 5. November 2022

Im hochalpinen Gelände auf frische Triebschneepakete achten - zudem Lockerschnee- und Gleitschneerutsche

Kaltfront brachte Schnee, am meisten in den Nördlichen Zillertaler Alpen

Während der vergangenen 24 Stunden fiel in ganz Tirol Niederschlag, oberhalb etwa 1200m in Form von Schnee. Das Niederschlagsmaximum wurde in den Nördlichen Zillertaler Alpen mit lokal bis zu 40mm gemessen. Verbreitet waren es 10-20mm. Dies entspricht in etwa 10-20cm Neuschnee. In der Höhe wehte zum Teil kräftiger Wind, anfangs aus dem Südsektor, dann aus dem Nordsektor.


Neuschneezuwachs der Kaltfront vom 04.11.2022
Neuschneezuwachs der Kaltfront vom 04.11.2022


Ein ähnliches Bild zeigt die Karte der 24h-Niederschlagssumme (04.11. auf 05.11. 08:00 Uhr) von Hydro Online.
Ein ähnliches Bild zeigt die Karte der 24h-Niederschlagssumme (04.11. auf 05.11. 08:00 Uhr) von Hydro Online.


Nördliche Zillertaler Alpen vor Eintreffen der Kaltfront
Nördliche Zillertaler Alpen vor Eintreffen der Kaltfront



Nördliche Zillertaler Alpen nach Eintreffen der Kaltfront - wohl nur ein kurzer winterlicher Eindruck
Nördliche Zillertaler Alpen nach Eintreffen der Kaltfront - wohl nur ein kurzer winterlicher Eindruck...


Auswirkungen des Schneefalls auf die Lawinengefahr

Eine mögliche Lawinengefahr ist vermehrt in den neuschneereichen Regionen zu beachten. Die Hauptgefahr geht von frischen Triebschneepaketen im schattigen, sehr steilen Gelände, und zwar von etwa 2800m aufwärts, aus. Der Triebschnee lagert dort mitunter auf einer während des Oktobers entstandenen oberflächennahen Schwachschicht aus kantigen Kristallen. Aktuell ist von kleinen bis mittelgroßen Schneebrettlawinen auszugehen. Diese können vereinzelt durch die Belastung von Wintersportlern ausgelöst werden. Vermehrt ist dies wohl im unmittelbaren Kammbereich sowie hinter steilen Geländekanten möglich. Aufgrund der Wetterprognose, die von einer Wetterbesserung und steigenden Temperaturen ausgeht, kann von einer raschen Setzung des Neuschnees und einer raschen Abnahme dieser Gefahr ausgegangen werden.

Zudem wird man an diesem Wochenende vermehrt kleine Lockerschneerutsche aus extrem steilem Gelände sowie kleine Gleitschneerutsche auf steilen Wiesenhängen beobachten können.


Rückblick


Wetter

Laut ZAMG haben wir auf den Bergen gerade den wärmsten Oktober der Messgeschichte erlebt. Die Messreihe geht auf das Jahr 1853 zurück.



Der Oktober 2022 war außergewöhnlich warm...
Der Oktober 2022 war außergewöhnlich warm...


Rückschau bis Anfang Oktober: Ein sonniger, außergewöhnlich warmer und eher niederschlagsarmer Oktober liegt hinter uns. Niederschlag fiel oftmals bis in großen Höhen in Form von Regen. Aktuell erkennt man den Temperaturrückgang aufgrund der Kaltfront samt Schneefall und Winddrehung.
Rückschau bis Anfang Oktober: Ein sonniger, außergewöhnlich warmer und eher niederschlagsarmer Oktober liegt hinter uns. Niederschlag fiel oftmals bis in großen Höhen in Form von Regen. Aktuell erkennt man den Temperaturrückgang aufgrund der Kaltfront samt Schneefall und Winddrehung.


Schneedecke

Vor Eintreffen der Kaltfront vom 04.11. fand man schattig eine mehr oder weniger zusammenhängende Schneedecke meist von etwa 2800m aufwärts, südseitig nur im hochalpinen, vergletscherten Gelände. Aktuell wissen wir wenig über den Zustand dieser Altschneedecke, gehen aber davon aus, dass sich häufig an deren Schneeoberfläche eine Harschkruste ausgebildet hat. Im besonnten hochalpinen Gelände wird es sich um eine tragfähige Schicht handeln, im schattigen Gelände wird diese brüchig sein. Im schattigen Gelände erwarten wir unterhalb dieser oberflächigen Kruste eine während des Oktobers ausgebildete lockere Schicht aus kantigen Kristallen. Diese Schicht sehen wir derzeit als einzige, mitunter bedeutsame Schwachschicht für Schneebrettlawinen an.


Schneeprofil vom 16.10.2022, 3170m, NO, 20° am Daunferner in den Zentralen Stubaier Alpen. Der Pfeil zeigt auf eine mögliche Schwachschicht unterhalb einer dünnen Kruste. (c) Lukas Ruetz
Schneeprofil vom 16.10.2022, 3170m, NO, 20° am Daunferner in den Zentralen Stubaier Alpen. Der Pfeil zeigt auf eine mögliche Schwachschicht unterhalb einer dünnen Kruste. (c) Lukas Ruetz



Blick vom Kaunertaler Gletscher Richtung Süden. Ausgangssituation vom 03.11.. Eine mehr oder weniger zusammenhängende Schneedecke gibt es nur in großen Höhen, vermehrt im schattigen Gelände.
Blick vom Kaunertaler Gletscher Richtung Süden. Ausgangssituation vom 03.11.. Eine mehr oder weniger zusammenhängende Schneedecke gibt es nur in großen Höhen, vermehrt im schattigen Gelände.


Der nächste Blogeintrag wird wieder bei einer markanten Änderung der Schnee- und Lawinensituation publiziert werden.

Sonntag, 2. Oktober 2022

In großen Höhen kurzfristig auf mögliche Lawinengefahr achten - Auf Gletschern besteht nach Schneefällen erhöhte Spaltensturzgefahr!

In großen Höhen: Kleinräumige Triebschneepakete, Lockerschneelawinen und Gleitschneerutsche auf Wiesenhängen beachten


Kühle zweite Septemberhälfte bringt Schnee in großen Höhen


Nach einer sommerlichen und zu warmen ersten Septemberhälfte, war die zweite Septemberhälfte trüb, regnerisch und kühl. Dabei fiel in großen Höhen unter durchwegs kräftigem Windeinfluss häufig Schnee, teilweise in Form von Graupelkörnern.


Die zweite Septemberhälfte erinnerte etwas an den April. Wechselhaft, kühl. Hier ein Blick über Innsbruck Richtung Nordkette (Foto: 27.09.2022)
Die zweite Septemberhälfte erinnerte etwas an den April. Wechselhaft, kühl. Hier ein Blick über Innsbruck Richtung Nordkette (Foto: 27.09.2022)



Aktuell liegen wir in einer Nordwestströmung. Die Schneefallgrenze ist deutlich gestiegen und hat sich zwischen etwa 2600m und 2700m eingependelt. Entsprechend nimmt die Schneehöhe darunter ab, darüber zu.


Erste Septemberhälfte warm, zweite kalt samt Neuschneezuwachs. Kräftiger Wind während der Niederschlagsereignisse. Pitztaler Gletscher
Erste Septemberhälfte warm, zweite kalt samt Neuschneezuwachs. Kräftiger Wind während der Niederschlagsereignisse. Pitztaler Gletscher


In großen Höhen liegt ausreichend Schnee für den Saisonstart der Gletscherskigebiete.
In großen Höhen liegt ausreichend Schnee für den Saisonstart der Gletscherskigebiete.



72h-Neuschneedifferenz. Im Nordwesten witterungsbedingte Schneehöhenabnahme.
72h-Neuschneedifferenz. Im Nordwesten witterungsbedingte Schneehöhenabnahme.



Am meisten Niederschlag fiel während der vergangenen Woche in den typischen Staulagen im Nordwesten des Landes. Aktuell regnet es am Galzig oberhalb von St. Anton. Schnee fällt nur in den Gipfelregionen, darunter schmilzt der vorhin abgelagerte Schnee dahin...
Am meisten Niederschlag fiel während der vergangenen Woche in den typischen Staulagen im Nordwesten des Landes. Aktuell regnet es am Galzig oberhalb von St. Anton. Schnee fällt nur in den Gipfelregionen, darunter schmilzt der vorhin abgelagerte Schnee dahin...


Morgen am 03.10.2022 lässt die Nordwestströmung bei sinkenden Temperaturen nach. Es fällt dann nur mehr wenig Schnee. Danach setzt sich Hochdruckwetter mit steigenden Temperaturen und viel Sonnenschein durch.

Kurzfristig sind meist kleine Lawinen ein Thema...

In großen Höhen, dort wo es während der vergangenen Tage mehr geschneit hat, sollte man kurzfristig auf eine mögliche Lawinengefahr achten. Vorstellbar sind aktuell v.a. kleine Triebschneepakete im kammnahen, windabgewandten, sehr steilen, hochalpinen Gelände. Vorsicht insbesondere auf eine mögliche Mitreiß- und Absturzgefahr. Sobald nach den Neuschneefällen die Sonne zum Vorschein kommt und die Temperaturen steigen, wird man zudem zahlreiche Lockerschneerutsche beobachten können. In den wenigen hochgelegenen Bereichen mit steilen Wiesenhängen und entsprechend Neuschnee kann zudem die Schneedecke auf dem glatten Untergrund abgleiten. Wie gesagt, es handelt sich um ein kurzfristiges Problem. Sonne und warme Temperaturen werden rasch zu einer Stabilisierung (bzw. auch zunehmendem Abschmelzen) der Schneedecke führen.


Erhöhte Spaltensturzgefahr!

Die Gletscher hatten (wieder einmal) ein schwieriges Jahr hinter sich. Nach einem schneearmen Winter mit viel Saharastaub und einem extrem warmen Sommer waren auch die Schmelzraten außergewöhnlich. So schmolz beispielsweise auf der Pasterze unterhalb des Großglockners zwei- bis viermal so viel Eis dahin, wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Eisdicke nahm dabei laut ZAMG selbst schon oberhalb 3000m um -3,7, ab, weiter unten noch viel mehr (!).


Massive Massenverluste auf der Pasterze...
Massive Massenverluste auf der Pasterze...



Zahlreiche offene bzw. wenig überdeckte Gletscherspalten... (11.08.2022)
Zahlreiche offene bzw. wenig überdeckte Gletscherspalten... (11.08.2022)


Nun sind einige der Gletscherspalten überschneit bzw. überweht! Dies bedingt eine z.T. große Spaltensturzgefahr! (Foto: 28.09.2022)
Nun sind einige der Gletscherspalten überschneit bzw. überweht! Dies bedingt eine z.T. große Spaltensturzgefahr! (Foto: 28.09.2022)


Klar, dass dadurch viele Spalten frei gelegt wurden bzw. diese mitunter eine nur mehr geringe Altschneeüberdeckung haben. Mit dem - wie schon erwähnt - unter meist starkem Windeinfluss gefallenen Septemberschnee konnten sich mancherorts dünne, gefährliche Schneebrücken bilden. Diese halten NICHT dem Gewicht von Wintersportlern stand! 

Speziell aufgrund des zu erwartenden, erhöhten Personenaufkommens im Bereich der Gletscherskigebiete möchten wir eindringlich auf dieses Problem hinweisen. Außerhalb des gesicherten Gebietes sollte man im vergletscherten Gelände nur mit entsprechender Erfahrung und Ausrüstung unterwegs sein.


Der nächste Blogeintrag erfolgt, wenn es die Schnee- und Lawinensituation in Tirols Bergen wieder erforderlich macht. Inzwischen wünscht das Team des LWD Tirol einen angenehmen Herbst!

Sonntag, 18. September 2022

In größeren Höhen kurzfristig auf Gleitschneeaktivität, Lockerschneerutsche und kleinräumige Triebschneepakete achten

Erster größerer Schneefall der Saison im Norden des Landes

Ein erster herbstlicher Wintereinbruch brachte oberhalb etwa 1200m-1500m den ersten größeren Schneefall der Saison. Die Hauptniederschlagsgebiete finden sich dabei v.a. in den nördlichen Regionen Tirols vom Arlberg/Außerfern bis in die Kitzbüheler Alpen. Gebietsweise fielen dort bis zu 50mm Niederschlag. In höheren Lagen liegen entsprechend bis zu 50cm Neuschnee.


24-Stunden-Differenz des Niederschlags in Tirol bis heute 18.09. 06:30 Uhr. Die violetten Punkte zeigen Niederschlagsbereiche zwischen 30-60mm, die orangen Punkte solche zwischen 15 und 30mm.  (Quelle: Hydro Online)
24-Stunden-Differenz des Niederschlags in Tirol bis heute 18.09. 06:30 Uhr. Die violetten Punkte zeigen Niederschlagsbereiche zwischen 30-60mm, die orangen Punkte solche zwischen 15 und 30mm. 
(Quelle: Hydro Online)


In höheren Lagen ist der Niederschlag in Form von Schnee gefallen. Auf der Seegrube oberhalb von Innsbruck liegen aktuell 40cm Neuschnee.
In höheren Lagen ist der Niederschlag in Form von Schnee gefallen. Auf der Seegrube oberhalb von Innsbruck liegen aktuell 40cm Neuschnee.


Kurzfristig auf Gleitschneelawinen und Lockerschneerutsche achten - hochalpin kleinräumige Triebschneepakete

Typisch für diese Jahreszeit ist die zu erwartende Lawinenaktivität: In den neuschneereichen Gebieten wird man auf steilen Wiesenhängen zahlreiche Gleitschneerutsche und mittelgroße Gleitschneelawinen beobachten können. Unterhalb von felsdurchsetztem Gelände sind zudem kleine Lockerschneelawinen zu erwarten, dies vermehrt dann, wenn wieder die Sonne zum Vorschein kommt. 

Es sollten deshalb kurzfristig die Sinne für eine mögliche Lawinengefahr geschärft werden. Dies gilt aktuell insbesondere auch für Wanderer, deren Wege unterhalb steiler Wiesenhänge oder felsdurchsetztem Gelände führen.

Alpinisten sollten zudem - ebenso kurzfristig - auf ein weiteres Lawinenproblem, nämlich frische Triebschneepakete achten. Solche Gefahrenbereiche bildeten sich aufgrund des häufig kräftigen Nordwestwindes. Vorsicht v.a. im vergletscherten, sehr steilen, kammnahen Gelände.


Ein nächster Blogeintrag wird wieder nach den nächsten intensiveren Neuschneefällen im Gebirge erscheinen.






Samstag, 7. Mai 2022

Gefahr von Nassschneelawinen

Schneedecke wird rasch feuchter

Laut ZAMG-Wetterdienststelle hinterlässt ein Italientief feuchte Luft in den unteren Schichten der Atmosphäre. Es ist schwach windig, wechselhaft und schaueranfällig. Schnee fällt oberhalb etwa 2300m. Kurz: Aprilwetter im Mai.


"Dampfiges" Wetter mit viel Feuchtigkeit führt zu fortschreitender Durchnässung der Schneedecke im ganzen Land.
"Dampfiges" Wetter mit viel Feuchtigkeit führt zu fortschreitender Durchnässung der Schneedecke im ganzen Land.


Dadurch wird die Schneedecke zunehmend feucht bzw. nass. Betroffen sind alle Hangrichtungen. Auf Schattenhänge richten wir unser besonderes Augenmerk. Oberhalb etwa 2400m-2500m werden diese nun erstmalig während des Jahres bis zum Grund nass und dadurch vergleichsweise besonders instabil.


Eine unserer höchst gelegenen Schneestationen im Skigebiet Sölden. Immer wieder Niederschlag. Geringer Tagesgang der Oberflächentemperatur, welche nahe bei 0°C liegt. Ähnliches gilt für den Taupunkt.
Eine unserer höchst gelegenen Schneestationen im Skigebiet Sölden. Immer wieder Niederschlag. Geringer Tagesgang der Oberflächentemperatur, welche nahe bei 0°C liegt. Ähnliches gilt für den Taupunkt.


Vergleich zu oberen Wetterstationsgrafik: Bei der um 700 Höhenmeter tiefer liegenden Wetterstation bei der Jamtalhütte überschreitet der Taupunkt inzwischen die 0°C-Grenze - ein eindeutiges Zeichen für massive Durchnässung der Schneedecke.
Vergleich zu oberen Wetterstationsgrafik: Bei der um 700 Höhenmeter tiefer liegenden Wetterstation bei der Jamtalhütte überschreitet der Taupunkt inzwischen die 0°C-Grenze - ein eindeutiges Zeichen für massive Durchnässung der Schneedecke. 



Vermehrt Nassschneelawinen

Wie schon ausgeführt, erwarten wir insbesondere in Schattenhängen vermehrt (auch tiefer greifende) Nassschneelawinen. Meist wird es sich dabei um Lockerschneelawinen handeln. Vereinzelt sind auch kleine bis mittelgroße Schneebrettlawinen denkbar. Höhenband etwa 2400m-2600m mit steigender Tendenz während der kommenden Tage.

Oberflächennah wird der kürzliche Neuschnee insbesondere bei (diffusem) Strahlungseinfluss instabil. Wir erwarten zahlreiche Lockerschneerutsche und vereinzelt mittelgroße Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände.

Nicht ganz außer Acht lassen sollte man auch oberflächennahe Schwachschichten, die sich aufgrund von gm.4 (kalt auf warm) hochalpin ausgebildet haben. Bedeutsam sind diese insbesondere dort, wo es während der vergangenen Woche mehr geschneit hat und somit ein mächtigeres "Brett" die Schwachschicht überlagert. Es dürfte sich dabei allerdings nur um ganz vereinzelte Gefahrenstellen handeln. Ein rascher Blick in die Schneedecke samt schnellem Stabilitätstest schafft Klarheit.


Frische Lockerschneelawinen im hinteren Kaunertal (Foto: 05.05.2022)
Frische Lockerschneelawinen im hinteren Kaunertal (Foto: 05.05.2022)


24h-Neuschnee am 30.04.2022. In Osttirol schneite es am meisten. Erhöht war dort kurzfristig auch die Lawinenaktivität
24h-Neuschnee am 30.04.2022. In Osttirol schneite es am meisten. Erhöht war dort kurzfristig auch die Lawinenaktivität


Rasche Reaktion des Neuschnees auf Wärme und Strahlungseinfluss im Frühjahr. Lockerschneelawine in den Deferegger Bergen. (Foto: 01.05.2022)
Rasche Reaktion des Neuschnees auf Wärme und Strahlungseinfluss im Frühjahr. Lockerschneelawine in den Deferegger Bergen. (Foto: 01.05.2022)


Das Frühjahr ist nicht mehr aufzuhalten...

Die ZAMG-Wetterdienststelle prognostiziert für die kommenden Tage anfangs noch wechselhaftes, schaueranfälliges Wetter bei steigenden Temperaturen. Ab Dienstag wird es dann sommerlich warm. Die tiefgreifende Durchnässung der Schneedecke bis in immer höherer Lagen schreitet somit zügig voran. Besondere Vorsicht weiterhin v.a. in Schattenhängen in größeren Höhen.


Unten Frühjahr, oben Frühjahrsverhältnisse, Kleiner Kaserer in den Nördlichen Zillertaler Alpen (Foto: 29.04.2022)
Unten Frühjahr, oben Frühjahrsverhältnisse, Kleiner Kaserer in den Nördlichen Zillertaler Alpen (Foto: 29.04.2022)


Unterwegs in den Zentralen Stubaier Alpen. Ohne Skitragen gehts häufig nicht mehr... (Foto: 04.05.2022)
Unterwegs in den Zentralen Stubaier Alpen. Ohne Skitragen gehts häufig nicht mehr... (Foto: 04.05.2022)


Die Blogbeiträge erscheinen seit Anfang Mai nur mehr in unregelmäßigen Abständen, nämlich dann, wenn sich die Lawinensituation deutlich ändert.