Donnerstag, 21. März 2019

Günstige Lawinensituation und traumhaftes Wintersportwetter in ganz Tirol!

Aktuelle Situation

In ganz Tirol herrscht derzeit geringe Lawinengefahr. Bei strahlend sonnigem und windberuhigtem Wetter könnten die Bedingungen für Wintersportler derzeit kaum besser sein.

Schattseitig sowie in Bereichen mit flacher Sonneneinstrahlung kann noch lockerer Pulverschnee angetroffen werden. Breiter Grieskogel, Südliche Stubaier Alpen (Foto: 20.03.2019).

Die derzeitige Lawinensituation erlaubt auch Steilabfahrten bei besten Bedingungen. Rußkopf, Silvretta (Foto: 20.03.2019).
Es gibt, wie folgt, nur mehr wenige Gefahrenbereiche:

Triebschneeansammlungen nur mehr vereinzelt störanfällig:

Die umfangreichen Triebschneepakete, welche sich Ende letzter und zu Beginn dieser Woche mit Neuschnee und Wind gebildet haben, sollten mittlerweile nicht mehr zu stören sein. Sie haben sich an allen Expositionen sehr gut mit dem Altschnee verbunden. Störanfällig sind derzeit vereinzelt noch die frischen Triebschneeansammlungen, welche sich vor allem am Mittwoch, 20.03. gebildet haben. Diese sind klein und an steilen, kammnahen Schattenhängen im Hochgebirge anzutreffen. Hier sollten besonders die Konsequenzen in Hinblick auf einen möglichen Absturz beachtet werden.

Leichter tageszeitlicher Anstieg der Gefahr:

Entscheidend für die derzeitige Situation ist das Zusammenspiel aus Lufttemperatur, Sonneneinstrahlung und Luftfeuchtigkeit. Aufgrund der sehr trockenen Luftmasse weicht die Schneedecke trotz der milden Temperaturen (Nullgradgrenze über 3000m)  und der intensiven Sonneneinstrahlung vergleichsweise langsam auf. Dies hat auch damit zu tun, weil sich die Schneedecke während sternenklarer Nächte massiv abkühlt und sich deshalb an der (am Vortag feuchten bzw. nassen) Schneeoberfläche ein dicker Harschdeckel bildet. Dieser muss erst aufgeweicht werden, bevor die darunter befindliche Schneedecke (weiter) durchfeuchtet wird. Übrigens ist der Harschdeckel in sehr steilen besonnten Hängen inzwischen bis etwa 2500m hinauf tragfähig. Bei guter Zeiteinteilung steht somit einem perfekten Firnerlebnis nichts im Wege.

Derzeit besteht eine geringe Gefahr von feuchten und nassen Lockerschneelawinen. Am ehesten können diese durch den Impuls von Wintersportlern im extrem steilen Gelände am Nachmittag ausgelöst werden.

Ablagerung einer Nassschneelawine in den Stubaier Alpen. Der Firnspiegel lässt die Schneeoberfläche im Licht der Sonne glänzen (Foto: 17.03.2019).

Vorsicht vor Wechten:

Eine nicht zu unterschätzende Gefahr geht in diesem schneereichen Winter auch von Wechten aus. Diese sind mancherorts sehr groß und können durch Belastung brechen und zu Absturz führen. Ein tödlicher Unfall in Folge eines Wechtenbruchs ereignete sich am Dienstag, 19.03. am Hohen Seeblaskogel im Sellraintal. Mit den warmen Temperaturen und der Sonneneinstrahlung sind auch spontane Wechtenbrüche zunehmend ein Thema. Wie bei den Gleitschneerissen kann man auch hier das Risiko minimieren, wenn man Bereiche unterhalb von Wechten weitestgehend meidet. Zudem sollte man im Kammbereich entsprechend vorsichtig sein.

An Graten gibt es derzeit vielerorts mächtige Wechten (Foto: 17.03.2019).

Bei einem Wechtenbruch kann mitunter auch der Bereich hinter der Geländekante gefährdet sein (©Avalanche Canada).
 
Am Hohen Seeblaskogel in den Stubaier Alpen kam es am Dienstag, 19.03. zu einem tödlichen Unfall infolge eines Wechtenbruchs. Im Bild die Unfallstelle im Gipfelbereich (Foto: 20.03.2019).

Vereinzelt sind Gleitschneelawinen noch ein Thema:

Sehr vereinzelt beobachtet man Gleitschneelawinen, wie hier am Kitzbüheler Horn (Foto: 20.03.2019).


Ausblick

In den nächsten Tagen bis einschließlich  Sonntag, 24.02. bleibt es sonnig und warm. Danach folgt eine Kaltfront. Diese bringt etwas Neuschnee und tiefere Temperaturen. Laut ZAMG-Wetterdienststelle kann sich danach wieder das Hoch zu uns vorarbeiten. Auch die Temperaturen steigen dann wieder an.

Am Montag, 25.03. erreicht uns eine Kaltfront mit etwas Neuschnee in den Bergen (©meteoblue).


Rückblick

Am vergangenen Freitag, 15.03. sowie Samstag, 16.03. schneite es vor allem in Nordtirol und in den Hohen Tauern ergiebig. Mit dem Anstieg der Schneefallgrenze in der Nacht auf Samstag gingen viele Lawinen von selbst ab. Es handelte sich meist um Schneebrettlawinen. In den regenbeeinflussten, tieferen Lagen waren es hingegen vermehrt nasse Lockerschneelawinen. Bei den Schneebrettlawinen lösten sich der frisch gefallenen sowie der vom Wind verfrachtete Schnee. Die Schwachschicht bestand aus lockerem Pulverschnee, welcher in der Nacht auf Donnerstag, 14.03. gefallen war, vereinzelt wohl auch aus Graupel.

Schneebrettlawine im Skigebiet von Fieberbrunn. Diese wurde vermutlich am Morgen nach Regeneintrag mit ansteigender Schneefallgrenze in der Nacht auf Samstag, 16.03. gesprengt. 2000m, Südost (Foto: 16.03.2019).

Spontanes Schneebrett am Gleirscher Rosskogel in den Stubaier Alpen. 2650m, Ost (Foto: 16.03.2019).

Ein Paradebeispiel einer Schneebrettlawine mit einem klar ersichtlichen Stauchwall, welcher Anrissgebiet und Sturzbahn der Lawine voneinander trennt. Lampsenspitze, 2400m, Ost (Foto: 16.03.2019).

Schneebrett, welches sich vermutlich ebenfalls während des Niederschlags in der Nacht auf Samstag, 16.03. oder kurz darauf spontan gelöst hat. Granatspitzsattel, Venedigergruppe. 2460m, Ost (Foto: 17.03.2019).

Mit dem Anstieg der Schneefallgrenze in der Nacht auf Samstag, 16.03. wurde die Schneedecke vielerorts bis auf 2000m hinauf  durchnässt (Foto: 16.03.2019).

Am Wochenende vom 16. und 17.03. war es sehr warm (Nullgradgrenze über 3000m). Neu- und Triebschnee verbanden sich deshalb rasch mit dem Altschnee. Die Lawinengefahr ging entsprechend schnell zurück. In der Folge ging die Hauptgefahr von frisch gebildeten Triebschneeansammlungen aus.

Mit Durchzug einer Kaltfront schneite es am Montag, 18.03. meist bis in Tallagen. Obertilliach, Osttirol (Foto: 18.03.2019).

Mit mäßigem bis starkem Wind wurde der lockere Neuschnee vom Montag, 18.03. stellenweise verfrachtet und es bildeten sich kammnah kleine, störanfällige Triebschneepakete. Schnapfenspitze, Silvretta (Foto: 20.03.2019).
 
Stark vom Wind beeinflusste Schneeoberflächeim Kammbereich am Arlberg (Foto: 16.03.2019).

Donnerstag, 14. März 2019

Ergiebige Neuschneefälle und orkanartiger Sturm: Gefährliche Lawinensituation!

Aktuelle Situation & Ausblick

Eine starke West-, Nordwestströmung führt derzeit in abwechselnder Reihenfolge Kalt- und Warmfronten an die Alpen heran. Bis Samstagmorgen, 16.03. erwarten uns laut ZAMG- Wetterdienststelle zum Teil ergiebige Niederschläge. Auf den Bergen ist mit Neuschneezuwächsen von 50cm bis 100cm zu rechnen. Der Wind bläst stark bis stürmisch, morgen Freitag, 15.03. teils sogar orkanartig.

Bis Samstagmorgen, 16.03. sind an Grenze zu Vorarlberg 60cm bis 100cm, im restlichen Nordtirol sowie den Hohen Tauern verbreitet 30cm bis 50cm Neuschnee zu erwarten.

Teils orkanartiger Sturm wird zu umfangreichen Verfrachtungen des Neuschnees führen.

Bereits stark winterliche Straßenverhältnisse auf der Arlberg Schnellstraße nach Eintreffen der Störung am Donnerstagnachmittag (Foto: 14.03.2019).

Die großen Neuschneemengen in Kombination mit dem starken Wind lassen die Lawinengefahr ansteigen. Diese erreicht in den Hauptniederschlagsgebieten im Westen Nordtirols die Stufe 4, groß. Ansonsten ist oberhalb von 1800m mit verbreitet erheblicher Lawinengefahr zu rechnen, wobei wir uns hier tendenziell eher im oberen Bereich der Skala befinden.

Mögliche Schwachschichten für Schneebrettlawinen finden wir derzeit - mit Ausnahme des südlichen Osttirols - v.a. im oberen Teil der Schneedecke: 
  • Das wechselhafte und mitunter warme Wetter samt Sonneneinstrahlung der letzten Wochen führte zur Bildung von zahlreichen Schmelzkrusten, unter welchen sich zum Teil kantige Kristalle ausbilden konnten. Schneedeckenuntersuchungen zeigten dort zwar keine ausgeprägte Tendenz zur Bruchfortpflanzung, dennoch können Brüche in den besonders niederschlagsreichen Gebieten hier nicht ausgeschlossen werden. Wir gehen derzeit am ehesten von einem Höhenband zwischen etwa 2400m bis 2800m im Sektor Nordost bis Ost aus.  

  • Der in der Nacht auf heute Donnerstag, 14.03. gefallene, kalte, lockere Neuschnee kann vor allem oberhalb etwa 2200m in windberuhigten Hängen im Windschatten eine mögliche Schwachschicht darstellen.   

  • Zudem ist auch der aktuelle Neuschnee als Schwachschicht für Schneebrettlawinen denkbar, sofern sich dieser in windberuhigteren Phasen locker ablagert und anschließend von Triebschnee überdeckt wird.

Während des wechselhaften Wetters der vergangenen Wochen konnten sich zahlreiche Schmelzkrusten ausbilden, unter welchen man stellenweise lockere, kantige Kristalle findet (Foto: 13.03.2019).

Während der Nacht auf Donnerstag, 14.03. schneite es bei kalten Temperaturen verbreitet einige Zentimeter. Dieser Neuschnee stellt eine potenzielle Schwachschicht für Schneebrettlawinen dar.

Neu- und Triebschnee liegen also gebietsweise auf einer schwachen Altschneeoberfläche und können an allen Expositionen vermehrt oberhalb etwa 2200m ausgelöst werden. Die Triebschneepakete sind  dabei durchaus mächtig.

Während der intensiven Niederschlagsphasen erwarten wir auch spontane Lawinenabgänge. Aufgrund der beachtlichen Neuschneemengen können die Lawinen auch groß werden. Die Erwärmung mit Durchzug der Warmfront am Freitag, 15.03. führt zudem zu einer besseren Bindung oberflächennaher Schichten. Dadurch können Brüche leichter fortgepflanzt werden. Zudem steigt zu diesem Zeitpunkt die Lawinenaktivität.

Am Freitagmorgen, 15.03. ist der Schneefall vermutlich am intensivsten. Zeitgleich kommt es zu einer Erwärmung und dem Anstieg der Schneefallgrenze. Hier erwarten wir den Höhepunkt der spontanen Lawinenaktivität.

Ein Anstieg der Schneefallgrenze bedeutet auch vermehrt Regen unterhalb von 2000m. Dort wo dieser intensiver ist, steigt die Auslösewahrscheinlichkeit von nassen Lockerschneelawinen aus extrem steilen Hängen. Zudem ist aufgrund des Regeneintrags, aber auch durch die höhere Auflast des Neuschneepakets mit einer Zunahme der Gleitschneeaktivität zu rechnen. Dies vor allem an steilen Grashängen unterhalb von 2600m, in besonderem Maße unterhalb von 2200m.

In Osttirol gibt es hinsichtlich des kommenden Niederschlags einen starken Gradienten von Nord nach Süd. In den Hohen Tauern schneit es ergiebig und ebenfalls bis zu 70cm. Gegen Süden hin nimmt die Neuschneemenge jedoch rasch ab und südlich der Drau fallen nur noch wenige Zentimeter. Entsprechend ändert sich dort auch die Lawinengefahr nur wenig. Diese bleibt in den Defereggen Alpen, der Schobergruppe und den Lienzer Dolomiten oberhalb von 1800m mäßig. Es besteht eine Gefahr von meist kleinen Triebschneepaketen, welche vor allem in schattigen, sehr steilen, kammnahen Hängen angetroffen werden können.

Nach Ende der Niederschläge am frühen Samstagmorgen, 16.03. kommt es zu einer raschen Wetterbesserung. Das Wochenende verspricht laut ZAMG-Wetterdienststelle viel Sonnenschein und sehr warme Temperaturen. Die Nullgradgrenze soll auf 3000m steigen. Der viele Neuschnee wird insbesondere in mittleren Lagen und an Sonnenhängen rasch feucht werden. Es sind zahlreiche feuchte und nasse Lawinen aus sehr steilen Hängen zu erwarten. Sonneneinstrahlung und Erwärmung führen auch zu einer besseren Bindung des Schneepakets und führen zu einer kurzfristigen Zunahme der Auslösewahrscheinlichkeit von Schneebrettlawinen. Triebschneepakete bleiben vor allem schattseitig störanfällig.

Am kommenden Wochenende sollte man defensiv unterwegs sein. Der erste Schönwettertag nach einer intensiven Schneefall- und Sturmperiode ist bekanntlich immer besonders unfallträchtig.

Samstag, 16.03. und Sonntag, 17.03. versprechen trockenes und warmes Wetter. Am Montag, 18.03. erreicht uns eine Kaltfront mit neuerlichem Niederschlag (©Meteoblue).

Rückblick
Die vergangene Woche war erneut sehr wechselhaft. Insbesondere von Montag, 11.03. auf Dienstag, 12.03. schneite es zum Teil ergiebig (siehe Blog vom 12.03.). In den darauf folgenden Tagen wurde es zwar zeitweise etwas freundlicher, der kräftige Westwind ließ jedoch kaum nach. Es bildeten sich in der Folge vor allem in Schattenhängen immer wieder frische, störanfällige Triebschneepakete.

Wechselhaftes Wetter mit Neuschnee, viel Wind und alternierenden Temperaturen. Wetterstation Falkaunsalpe, Nördl. Ötztaler Alpen.

Mit der ersten Sonneneinstrahlung nach den intensiven Schneefällen in der Nacht auf Dienstag, 12.03. lösten sich zahlreiche Lockerschneelawinen aus felsigen, extrem steilen Sonnenhängen. Nordkette (Foto: 13.03.2019).

Frische Triebschneeansammlungen konnten vor allem schattseitig stellenweise als Schneebrettlawine ausgelöst werden. Stubaier Gletscher (12.03.2019).

Während der vergangenen Tage wehte meist kräftiger Westwind. Schneefahnen in der Grieskogelgruppe (Foto: 12.03.2019).

Der Neuschnee ist offensichtlich noch pulvrig. Dies erkennt man nicht nur an der Schneewolke, welcher der Skifahrer hinterlässt, sondern auch an den Schneefahnen am Hintergrund. Gaiskogel, Stubaier Alpen (Foto: 13.03.2019).

Dienstag, 12. März 2019

Viel Neuschnee im Westen, nun sonnig: Lockerschneelawinen und störanfälligen Triebschnee beachten.

Wechselhaftes Wetter brachte während der vergangenen fünf Tage einiges an Niederschlag, am meisten vom 11.03. auf den 12.03. Anfangs regnete es noch bis häufig etwa 2000m, gebietsweise auch höher hinauf.

Die Messdaten der Wetterstation in Kappl zeugen vom wechselhaften Wettergeschehen der vergangenen Tage. An den Taupunktkurven sieht man den Wechsel von Schönwetterphasen (Taupunkt weit von der Lufttemperatur entfernt) und Schlechtwetterphasen (Taupunkt nahe an der Lufttemperatur).

Mit dem Einzug der Kaltfront ab dem 10.03. abends sank die Schneefallgrenze dann bis in Tallagen. Im Westen des Landes, im Karwendel, den Tuxer und Zillertaler Alpen schneite es meist zwischen 30 und 50cm, lokal auch bis zu 70cm. Starker Wind verfrachtete den Schnee zum Teil intensiv.

Seit Montagmorgen, 11.03. fielen in Tirol zwischen 30 und 50cm Schnee, lokal auch etwas mehr.

Der Niederschlag war - wie von der ZAMG-Wetterdienststelle vorhergesagt - sehr konvektiv. Solche Situationen kennen wir vom Sommer, wenn Gewitterwolken aufziehen und lokal viel Niederschlag bringen können. Dieser konvektive Niederschlag begünstigt die Entstehung von Graupel, welcher in weiten Teilen Tirols beobachtet wurde und nun im Neuschnee eingelagert ist. Graupel stellt eine mögliche Schwachschicht für darüber gelagerten Triebschnee dar, und zwar dann, wenn es sich um dickere Schichten handelt (cm-Bereich).

Vielerorts wurde während der vergangenen Niederschläge auch Graupel beobachtet, wie hier abgebildet in Sölden. Graupel bildet keine persistente Schwachschicht und wird in einigen Tagen kein Problem mehr darstellen (Foto: 10.03.2019).

Weitere mögliche Schwachschichten für Schneebrettlawinen findet man v.a. in sehr steilen Schattenhängen in oberflächennahen Schichten. Am ehesten kommen hier kantige Kristalle unterhalb dünner Schmelzkrusten in Höhenbereichen zwischen etwa 2000m und 2400m in Frage. Zudem kann überwehter Pulverschnee v.a. in großen Höhen kurzfristig gestört werden. Dies ist in allen Expositionen denkbar.

Mögliche Schwachschichten beschränken sich derzeit auf Oberflächennähe. (1) und (4) sind eingelagerte Graupelschichten, bei (2) und (3) handelt es sich um kantig aufgebaute Kristalle.


Durch die teilweise sehr hohen Temperaturen der letzten Wochen konnten sich Schmelzkrusten ausbilden. Darunter findet man oft (durch einen hohen Temperaturgradienten entstandene) kantige Kristalle. Vereinzelt können in dieser Schicht Brüche provoziert werden (wie hier als Teilbruch an der Aifner Spitze, NW, 2130m, 34 Grad). Meist konnte diese Schicht aber nicht mehr angesprochen werden (© LWD Tirol).

Die Wetterbesserung am heutigen 12.03. mit steigenden Temperaturen und Sonneneinstrahlung wird zu einer erhöhten Lawinenaktivität führen. Wir rechnen mit zahlreichen Lockerschneelawinen aus extrem steilen, besonnten Hängen. Wir rechnen aber auch mit einer erhöhten Störanfälligkeit frischer Triebschneepakete, vermehrt hinter Geländekanten im sehr steilen Gelände vom Waldgrenzbereich aufwärts.

Die Schneequalität ist anfangs wohl noch gut (pulvrig). Im Tagesverlauf wird der Schnee zumindest in besonnten Hängen rasch pappig.

Die Schneequalität pendelt zwischen Pulver und nicht mehr ganz so pulvrig... (Foto: 10.03.2019).


Donnerstag, 7. März 2019

Unbeständiger Wettercharakter bestimmt die Lawinengefahr: Achtung vor störanfälligem Triebschnee!

Ausblick

Der stürmische Südföhn, welcher seit gestern Mittwoch, 06.03. über Nordtirol hinwegfegte, war ein Vorbote der Kaltfront, welche vom 07.03. auf den 08.03. über Tirol zieht und in ganz Tirol etwas Niederschlag bringt.

Unterwegs bei Durchzug der Kaltfront im Bereich des Aifners (Foto: 07.03.2019)

Der Schwerpunkt der Niederschläge soll entlang des östlichen Alpenhauptkammes sein. Ab morgen Freitag, 08.03. folgt dann eine Westströmung mit weiterhin feuchten Luftmassen, aber vorerst noch geringen Niederschlagsmengen.

Auflebender Südwestwind kündigte bereits am Mittwoch, 06.03. die nächste Störung an. Östl. Simonyspitze, Venedigergruppe (Foto: 06.03.2019).

Der Südföhn erreichte Orkanstärke mit Windgesschwindigkeiten über 130 km/h an der Windstation am Patscherkofel.

Der Föhnsturm machte sich auch am Stubaier Gletscher bemerkbar (Foto: 07.03.2019).
 
Bis Samstagmorgen, 09.03. fallen verbreitet 5cm bis 15cm Schnee. In den Zillertaler Alpen sowie in den Hohen Tauern ist mit Neuschneemengen von 20cm bis 40cm zu rechnen.

Der Wind lässt während des Niederschlagereignisses zwar nach, bleibt aber vielfach über Verfrachtungsstärke. Es bilden sich daher mitunter leicht auszulösende Triebschneepakete, welche in den niederschlagsreichen Regionen mächtig werden können. Die frischen Triebschneepakete sind v.a. in sehr steilen Schattenhängen, wo die Schneeoberfläche vor den Niederschlägen noch pulvrig und locker war, leicht auszulösen. Über etwa 2800m sind solche Gefahrenstellen vermehrt auch in den übrigen Expositionen zu finden - besonders in Rinnen, Mulden und hinter Geländekanten in Kammhähe. Gegen Ende der Schneefälle werden die Triebschneepakete zum Teil überschneit und damit schwierig erkennbar.

Nach den frischen Triebschneepaketen sind nach wie vor die Gleitschneelawinen die größte Gefahr in Tirols Bergen. Da dieses Problem gefühlt bereits in jedem Blogeintrag in diesem Winter thematisiert wurde, wollen wir hier diesmal nicht näher darauf eingehen. Gleitschneelawinen können zu jeder Tageszeit abgehen und Bereiche unter Rissen sollten nach Möglichkeit gemieden werden. Ein Unfall aus Vorarlberg zeugt von deren Unberechenbarkeit.

Gleitschneelawinen - eine unberechenbare Gefahr. Landeggtal, Glocknergruppe (Foto: 05.03.2019).

Riesige Schollen im Ablagerungsbereich einer Gleitschneelawine an der Jöchelspitze, Allgäuer Alpen (Foto: 06.03.2019).

Der untere Teil der Schneedecke ist derzeit verbreitet gut verfestigt und stabil. Dies gilt auch für das zentrale Osttirol, wo wir in den vergangenen Tagen umfangreiche Schneeedeckenuntersuchungen vorgenommen haben. Das schwache Altschneefundament, welches sich dort aufgrund des schwächelnden Winterbeginns insbesondere in steilen Schattenhängen zwischen 2000m und 2600m ausgebildet hat, konnte sich in den vergangenen Wochen durch die Schneeauflast und die warmen Temperaturen sehr gut verfestigen.

Schneedeckenuntersuchungen in Osttirol. Landeggtal, Glocknergruppe (Foto: 05.03.2019).


Das Schneeprofil aus der Lasörlinggruppe in Osttirol zeigt einen gut verfestigten Schneedeckenaufbau. Es ließen sich keine Brüche in tiefer liegenden Schichten mehr erzeugen. NW; 2570m; 39 Grad (©LWD Tirol).

Weiter im Süden, in den Lienzer Dolomiten scheint im Waldgrenzbereich, in sehr steilen Schattenhängen zwischen etwa 1800m und 2000m noch ein Altschneeproblem zu bestehen. Hier findet sich in Bodennähe eine Schwachschicht aus kantigen Kristallen, welche vereinzelt durch meist große Zusatzbelastung noch gestört werden könnte. Ungünstig sind besonders Übergänge von wenig zu viel Schnee.

Eine ausgeprägte Schicht aus kantigen Kristallen in bodennähe ist im Waldgrenzbereich in den Lienzer Dolomiten potenziell noch störanfällig. Hoher Bösring, Karnische Alpen (Foto: 05.03.2019).

Laut ZAMG-Wetterdienststelle ändert sich am derzeitig unbeständigen Wettercharakter auch in der nächsten Woche nur wenig. Es wird spätwinterlich kalt und es kommt neuerdings zu Niederschlägen. Lediglich am Dienstag soll es vorübergehend nochmals föhnig und milder werden.


Rückblick

Eine Woche mit sehr wechselhaftem Wetter liegt hinter uns. Zwei Kaltfronten, am Freitag, 01.03. sowie am Montag, 04.03. brachten in ganz Tirol etwas Neuschnee. Zwischen den Niederschlagsstaffeln sowie in den darauffolgenden Tagen wechselten sich Sonne und Wolken ab, und es war zeitweise sehr mild.

An der Wetterstationsgrafik lässt sich der wechselhafte Wettercharakter der vergangenen Tage sehr gut nachvollziehen. Am Freitag, 01.03. sowie am Montag, 04.03. sorgten zwei Kaltfronten für einen starken Temperaturrückgang und brachten etwas Neuschnee (rot hervorgehoben). Dazwischen sowie danach stieg die Lufttemperatur (rote Linie) zeitweise stark an.


Am Freitag, 01.03. (links) lag der Schwerpunkt der Niederschläge an der Grenze zu Vorarlberg. Am Montag, 04.03. (rechts) hingegen, schneite es vor allem in den südlichen Landesteilen.

Der Wind, welcher die Schneefälle begleitete, verfrachtete den Neuschnee und führte zur Bildung von kleinen Triebschneepaketen. Diese konnten jedoch meist nur in steilen Schattenhängen in hohen Lagen und im Hochgebirge ausgelöst werden. Dies hat damit zu tun, dass es für eine Schneebrettauslösung immer auch eine Schwachschicht braucht:
Vor den Schneefällen am Freitag, 01.03. war die Schneeoberfläche sehr unregelmäßig (siehe Blog vom 28.02.). Nur  in sehr steilen, schattseitigen Hängen waren zum Teil lockere, kantige Kristalle zu finden, welche eine Schwachschicht für ein darüberliegendes Schneebrett darstellen konnten.
Im Vorfeld der Schneefälle vom Montag, 04.03. war es die Sonneneinstrahlung und die Wärme, welche die Schneeoberfläche beeinflussten. Auch diesmal war eine Schwachschicht - in Form von lockerem Pulverschnee - nur im Nordsektor vorhanden.

Der am Montag, 04.03. auflebende Südwind sorgte neuerdings für Schneeverfrachtungen und zur Bildung von Triebschneepaketen. Venedigergruppe (Foto: 04.03.2019).

Die meist kleinen Triebschneepakete waren besonders in Rinnen, Mulden und hinter Geländekanten an Schattenhängen in hohen Lagen und im Hochgebirge kurzzeitig störanfällig. Rieder Wetterkreuzspitze, Nördl. Stubaier Alpen (Foto: 04.03.2019).

Während der Schönwetterphasen zwischen den beiden Niederschlagsperioden sowie am Mittwoch, 06.03. stiegen die Temperaturen erneut an. Mit der Sonneneinstrahlung kam es zu zahlreichen feuchten Lockerschneerutschen aus steilen Südhängen.

Mit der Sonneneinstrahlung stieg die Auslösebereitschaft von feuchten Lockerschneelawinen an Südhängen. Der verharschte, glatte Untergrund bot eine gute Gleitfläche für den abrutschenden Schnee. Schobergruppe (Foto: 06.03.2019).

Die Schneedecke an Südhängen hat stark unter den hohen Temperaturen der vergangenen Wochen gelitten. Die Gefahr von Gleitschneelawinen hat in Osttirol aus diesem Grund etwas abgenommen (Foto: 06.03.2019).

An Schattenhängen blieb die Schneeoberfläche oberhalb von etwa 2200m weitestgehend trocken. Dort wo der Wind den Schnee nicht beeinflusst hatte, konnten dort gute Tourenbedingungen angetroffen werden.

Abfahrtsgenuss in der Lasörlinggruppe. Unter dem Neuschnee machte sich die alte Schneeoberfläche noch etwas bemerkbar (Foto: 06.03.2019).

Wer derzteit im Gelände unterwegs ist, sollte v.a. Windzeichen erkennen können. Frische Triebschneepakete im sehr steilen, v.a. schattigen und allgemein kammnahen Gelände sollten möglichst gemieden werden. (Foto: 06.03.2019).