Donnerstag, 7. Mai 2020

Vorsicht: Über Tirol verteilt weitere, zum Teil großflächige Lawinenabgänge im Nordsektor oberhalb von 2800m!

Seit gestern, dem 06.05. wurden wir sowohl von der Leitstelle Tirol als auch von Wintersportlern über weitere, zum Teil großflächige Lawinenabgänge informiert: Saumspitze im Verwall (ca. 3000m, Nord), Mittlerer Spiegelkogel in den Ötztalern (ca. 3300m, Nord), Schrankogel in den Stubaiern (ca. 3000m, Nordost), Taschachferner im Pitztal (ca. 2800m, Nord), Schartenkogel in den Stubaiern (2800m, Nord), Hochgall am Osttiroler Hauptkamm (3270m, Nord), Defereggental (2800m, Nord). Mehrmals waren Personen beteiligt. In einem Fall, und zwar auf der Saumspitze im Verwall wurden zwei Personen verletzt.

Sämtliche Lawinen sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf den von uns im vorigen Blogeintrag beschriebenen Schwachschichten abgegangen, also entweder auf kantig aufgebauten Kristallen aufgrund von gm.4 oder auf Graupel (gm.9). Bestätigt wurde dies u.a. auch bei einer, heute am 07.05. von uns im Kaunertal durchgeführten Geländeerkundung auf 3000m in einem Nordwesthang. Dort fanden wir eine ausgeprägte, aufbauend umgewandelte Schwachschicht auf einer Schmelzkruste, darüber Triebschnee. Bei einem Stabilitätstest konnte ein glatter Bruch erzeugt werden (ECTP14). Sämtliche, uns bekannt gewordenen Lawinen haben sich in dem von uns bereits erwähnten Höhen- und Expositionsbereich gelöst, und zwar im Nordsektor oberhalb von 2800m.

Hier zum Überblick ein paar Fotos zu einigen dieser Lawinenabgänge. Bilder sagen da wohl des öfteren mehr als viele Worte...

Schartenkogel (Foto: 06.05.2020)

Saumspitze Übersicht (Foto: 07.05.2020)

Saumspitze Detailansicht mit Aufstiegsspur (Foto: 07.05.2020)

Niederschlag vom 05.05. auf den 06.05. in Tirol. Maximum war im Westen des Landes

Mittlerer Spiegelkogel (Foto: 07.05.2020)

Taschachferner (Foto: 07.05.2020)

Schrankogel. Lawine wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von Personen fernausgelöst (Foto: 07.05.2020)

Lawinenabgang Defereggental, 2800m, Nord auf Graupel (Foto: 07.05.2020)

Dienstag, 5. Mai 2020

Lawinenabgänge aufgrund oberflächennaher Schwachschichten im Nordsektor in großen Höhen

Einige Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung

Vom vergangenen Sonntag, dem 03.05. sind uns in Summe 4 Lawinenabgänge bekannt, bei denen Personen beteiligt waren. Eine erste Analyse zeigt, dass kürzlich gebildete, oberflächennahe Schwachschichten in Kombination mit darüber gelagertem Triebschnee die Hauptursachen dieser Lawinenabgänge waren. Vorab: Die Schwachschichten bildeten sich aufgrund des Gefahrenmusters 4 (kalt auf warm) sowie des Gefahrenmusters 9 (Graupel). Es handelte sich durchwegs um zumindest sehr steiles Gelände im Nordsektor oberhalb von 2800m. Hier eine kurze Zusammenstellung der Lawinenabgänge.

Das oberste Fähnchen weist auf eine kürzlich abgegangene, spontane Schneebrettlawine unterhalb des Rietzer Grieskogels hin. (mehr dazu später). Die anderen Pfeile markieren die vier erwähnten Lawinenabgänge, bei denen Personen beteiligt waren: Von Norden nach Süden: Zwieselbacher Rosskogel, Westlicher Seeblaskogel, Lüsener Spitze, Östlicher Daunkogel (alle in den Stubaier Alpen)

Lawinenabgang Zwieselbacher Rosskogel

Rot eingekreist: Zwei frische Schneebrettlawinen. 3 gelbe Markierungen: Personen in der Abfahrt. Zwieselbacher Rosskogel, 2850m, Nord (Foto: 03.05.2020)

Das Profil wurde am 04.05. von unserem Beobachter Lukas Ruetz bei der oberen Schneebrettlawine aufgenommen. Die relevante Schwachschicht war Graupel samt kantiger Kristalle oberhalb einer Schmelzkruste.

Lawinenabgang Lüsener Spitze

Oberhalb des Anrisses erkennt man eine Einfahrtsspur, darunter die Ausfahrtsspur. Lüsener Spitze, 3100m, Nordost (Foto: 03.05.2020)

Lawinenabgang Östlicher Daunkogel

Am 03.05. befanden sich 5 Wintersportler unterhalb der Nordrinne, die Richtung Östlichen Daunkogel hinaufführt. Während ihres Aufstieges löste sich eine Schneebrettlawine, aus der 4 Personen seitlich ausfahren konnten. Eine Person wurde teilweise verschüttet. Alle Personen blieben unverletzt. Die Lawine löste sich in einer Seehöhe von etwa 3250m in einem extrem steilen Nordhang. Die Länge der Lawine betrug ca. 700m, deren Breite 250m, die Anrissmächtigkeit meist zwischen 30 und 50cm.

Das Bild wurde vor dem Lawinenabgang aufgenommen, als sich 5 Personen im Aufstieg Richtung Östlichem Daunkogel befanden (rote Kreise). (Foto: 03.05.2020)

Dieses Bild entstand kurz nach dem Lawinenabgang (Foto: 03.05.2020)

Flugaufnahme der Alpinpolizei vom Lawinenabgang am Östlichen Daunkogel (Foto: 03.05.2020)

Das Foto entstand am orographisch linken Lawinenanriss. Der rote Pfeil zeigt auf die, für den Lawinenabgang bedeutsame Schwachschicht. Es handelte sich um kantige Kristalle, die sich unterhalb einer dünnen Schmelzkruste gebildet hatten. (Foto: 04.05.2020)

Detailansicht des Schneeprofils. Der rote Pfeil zeigt auf die Schwachschicht. Der Lawinenanriss war an dieser Stelle 35cm mächtig.

Ursachenforschung für die Lawinenabgänge

Der Grund dieser Lawinenabgänge ist durchwegs in Schwachschichten zu finden, die sich relativ kurzfristig gebildet hatten und unmittelbar mit dem wechselhaften Wettergeschehen zu tun haben.

Daten der relativ hoch gelegenen Station am Pitztaler Gletscher helfen bei der Ursachenforschung: Wechselhaftes Aprilwetter. Ein ständiges Auf und Ab bei den Temperaturen. Immer wieder Schneefall. Kräftiger Wind v.a. ab dem 01.05. (förderte die Brett-Bildung oberhalb der Schwachschichten). Entscheidend für die Lawinenabgänge waren u.a. auch der 27.04. und 28.04., als die Schneeoberfläche feucht wurde. Danach kühlte es bei Schneefall ab. Große Temperaturgegensätze förderten die aufbauende Umwandlung (Gefahrenmuster 4: kalt auf warm)

Hier zum Vergleich die Station Breiter Grieskogel. Die graue Linie in der zweitobersten Grafik bildet die Schneeoberflächentemperatur ab. Anfangs nahe bei Null Grad und somit feucht, dann immer wieder Temperatursprünge bei tendenziell abnehmender Lufttemperatur samt Überlagerung durch Neuschnee.

Eine der kürzlichen Niederschlagsereignisse in Tirol

Bezeichnend: Ein Mix aus Sonne, Wolken und Niederschlag

Die Niederschläge waren häufig konvektiv, also gewitterartig mit kräftigen, vertikalen Luftströmungen. Unter solchen Voraussetzungen bildet sich gerne Graupel (bzw. im Sommer Hagel) aus. Wenn Graupel mächtiger abgelagert wird, kann dieser - sobald überschneit - eine Schwachschicht bilden.

Graupel an der Schneeoberfläche im Defereggental (Foto: 03.05.2020) 

Es folgt ein Bildervergleich von der Nordseite des Rietzer Grieskogels, aufgenommen vom Inntal, der auch aufzeigt, dass die Schwachschichten der kürzlichen Schneebrettlawinen noch eher jung sind:

Foto vom 23.04. als bei trockener Luft keine einzige Schneebrettlawine, sondern nur Lockerschneelawinen zu beobachten waren, so auch dort, wo sich die rote Umrahmung befindet.

Foto vom 03.05.: Im Bereich der beim oberen Foto gezeigten Umrahmung ist unterhalb einer Wechte ein oberflächennahes Schneebrett abgegangen.

FAZIT

Oberflächennahe Schwachschichten können derzeit v.a. oberhalb von etwa 2800m im zumindest sehr steilen Nordsektor mitunter von Wintersportlern gestört werden. In den anderen Sektoren gehen wir davon aus, dass vermehrter Strahlungseinfluss mögliche Schwachschichten bereits zerstört haben dürfte und diese Schwachschichten - wenn überhaupt - am ehesten noch im hochalpinen Gelände nahe dem 3500m-Bereich bedeutsam sein könnten. Gesicherte Infos aus dem Gelände fehlen uns dazu allerdings. Die weitere Entwicklung der Schwachschichten hängt wiederum unmittelbar vom  Wettergeschehen ab. Bei massiverem Wärmeeintrag kann von einer raschen Zerstörung der Schwachschichten ausgegangen werden, umgekehrt, können zumindest kantige Kristalle noch über einen längeren Zeitraum beachtenswert sein.

Sonst noch:

Nach den aktuellen Neuschneefällen vom 05.05. werden morgen am 06.05. wieder zahlreiche Lockerschneelawinen zu beobachten sein.

Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände (Foto: 03.05.2020)

Vorsicht vor Wechten (Foto: 03.05.2020)

Murmeltiere erwachen vom Winterschlaf (Foto: 03.05.2020)

Die Ausaperung schreitet voran (Foto: 03.05.2020)

Eine nächste Aktualisierung dieses Blogs erfolgt erst wieder bei einer gravierenden Änderung der Schnee- und Lawinensituation in Tirols Bergen.

Donnerstag, 30. April 2020

Wechselhaftes Aprilende mit erhöhter Aktivität von Lockerschneelawinen in größeren Höhen

Ende April fängt das Aprilwetter an

Die außergewöhnlich lang anhaltende, sehr niederschlagsarme Schönwetterperiode hat am vergangenen Wochenende (ab dem 25.04.) ein Ende genommen. Seitdem herrscht wechselhaftes Aprilwetter mit dem - von vielen Personen - heiß ersehnten Niederschlag.

Vergangene Woche: Ein Wechsel aus Sonne, Wolken und Niederschlag; Grießkogelgruppe (Foto: 27.04.2020)

Niederschlag vom 28.04. auf den 29.04.2020. Am meisten gab es davon im Nordwesten des Landes

Wechselhafter Wettercharakter: Immer wieder Niederschlag. Abkühlung bringt kurzfristig Schnee bis in mittlere Höhenlagen. Station Hahnenkamm im Außerfern

Ähnliche Situation im nördlichen Osttirol
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Auswirkungen auf die Schneedecke

Die Schneeschmelze schreitet weiter voran, wird allerdings aktuell durch die kühlen Luftmassen gebremst. Somit gibts derzeit in tiefen und mittleren Höhenlagen meist keinen Schnee.

Unten kein Schnee, darüber je nach Exposition wenig bis ausreichend Schnee (Foto: 23.04.2020) 

Darüber findet man ab etwa 1700m aufwärts etwas Neuschnee, der mit zunehmender Seehöhe laut Aussagen eines ambitionierten Skitourengehers aus Osttirol zu "Murmeltierkniehohenzwischenhochpulver" anwächst. Dieser Pulver wurde allerdings inzwischen wieder zerstört, also durch diffusen Strahlungseinfluss feucht. Unter dem Neuschnee findet sich zumindest unterhalb etwa 2500m häufig stabiler Sommerfirn.

Stabiler "Sommerfirn" in den Stubaier Alpen (Foto: 23.04.2020)

Persistente Schwachschichten vom Hochwinter innerhalb der Schneedecke dürften nur mehr in wenigen Ausnahmefällen störanfällig sein. Am ehesten könnte dies (ferndiagnostisch) an schneearmen Stellen im schattigen, sehr steilen Gelände zwischen etwa 2500m und 2800m vorstellbar sein. Insbesondere in einem Höhenbereich um 2700m zeigen Schneedeckensimulationen eine erstmals tiefergreifende Durchfeuchtung der Schneedecke in schattigen Lagen. Hochalpin, also oberhalb von 3000m kann (wiederum nur sehr kurzfristig) frischer Pulverschnee eine mögliche Schwachschicht bilden. Dies ist v.a. dort denkbar, wo mehr Schnee unter wenig Windeinfluss gefallen ist und anschließend Strahlungseinfluss die oberste Schneeschicht bindet und somit "brettig" werden lässt.

Hauptgefahr Lockerschneelawinen

Neuschnee reagiert um diese Jahreszeit sehr rasch auf Wärme- und Strahlungseinfluss. Dies bedingt, dass nach Neuschneefällen immer innerhalb sehr kurzer Zeit im extrem steilen Gelände mit zahlreichen feuchten bzw. nassen Lockerschneelawinen zu rechnen ist. So wurde dies auch heute am 30.04. bei "Saunabedingungen" im Gelände beobachtet. Schneebrettlawinen und Gleitschneelawinen hingegen stellen inzwischen die Ausnahme dar. Kleine Schneebrettlawinen wurden sehr vereinzelt als Folge von Lockerschneelawinen ausgelöst. Gleitschneelawinen dürften die meisten schon abgegangen sein. Dennoch, vereinzelt sind diese auf glattem Untergrund (meist handelt es sich um Grashänge) in großen Höhen nicht auszuschließen

Die Pfeile zeigen einige, der heute am 30.04. auf der Nordkette oberhalb von Innsbruck abgegangenen Lockerschneelawinen.

Fast alle Lawinenablagerungen stammen von Lockerschneelawinen, Als Folge von Lockerschneelawinen wurden kleine Schneebretter ausgelöst (Ellipsen). Mögliches Gefahrenpotential gibts auch von Wechten(brüchen)

Es folgen weitere Niederschläge: Hauptgefahr bleiben Lockerschneelawinen

So schauen die Prognosen für die kommenden Tage aus: Es bleibt kühl. Auf den Bergen fällt Schnee - am meisten ganz im Westen und in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes. Aufgrund der recht stabilen Altschneedecke werden Lockerschneelawinen weiterhin die Hauptgefahr darstellen.

Neuschnee- und Windprognose für die Region der Zentralen Stubaier Alpen

Prognostizierter Neuschnee für die kommenden Tage

Ein riesengroßes Dankeschön...

...möchten wir an dieser Stelle all jenen Personen sagen, die uns während der vergangenen Wintersaison wiederum mit so zahlreichen und wertvollen Informationen versorgt haben!

Weitere Blogeinträge wird es situationsangepasst bei gravierender Änderung der Schnee- und Lawinensituation in Tirols Bergen geben



Donnerstag, 23. April 2020

Nach kurzfristig erhöhter Lawinenaktivität neuerlich meist geringe Gefahr mit leichtem tageszeitlichen Gang

Weiterhin sehr trocken, sonnig und warm

Auswertungen der ZAMG-Wetterdienststelle zeigen, dass der bisherige meteorologische Frühling zu einem der wärmsten und trockensten der Messgeschichte zählt. "In Innsbruck brachte der Frühling 2020 bisher 27 Millimeter Niederschlag (72 Prozent weniger als im Durchschnitt). Trockener war es hier seit dem Messbeginn im Jahr 1877 nur drei Mal: in den Jahren 1879 (12 Millimeter), 1946 (24 Millimeter) und 1976 (24 Millimeter)."

Passend dazu auch das Wetter der vergangenen Woche: Meist war es sonnig, Niederschlag fiel - wenn überhaupt - nur im einstelligen mm-Bereich, und dies am ehesten am Sonntag, den 19.04. sowie am Montag, den 20.04.

Sehr überschaubare Niederschlagsmengen in Tirol vom 19.04. auf den 20.04.

Die Station Inzinger Alm in den Stubaier Alpen ist inzwischen aper. Die kleinen blauen Ausbuchtungen in der oberen Grafik zeigen den Niederschlag der vergangenen Woche an.

Auswirkungen auf die Schneedecke

Die Schneedecke wird auch in höheren Lagen immer feuchter

Bleiben wir vorerst beim Niederschlag: Selbst wenn dieser gering ausfiel, so war die Luftfeuchtigkeit an den Niederschlagstagen absolut gesehen recht hoch. Die Schneedecke "sog" damals die Feuchtigkeit in der Luft quasi wie ein Schwamm auf und wurde rasch entsprechend feucht bzw. nass. Man erkennt das sehr gut an jenen automatischen Wetterstationen, bei denen einerseits noch Schnee liegt, andererseits diese mit Sensoren zur Messung der Oberflächentemperatur sowie der Lufttemperatur und Luftfeuchte ausgestattet sind.

Bedeutsam ist v.a. die Durchfeuchtung der Schneedecke, die man am flachen Verlauf der Schneeoberflächentemperatur bei Werten nahe der 0°C erkennt. Ein zusätzliches, wichtiges Maß ist der Taupunkt, der zeitweise sogar die 0°C-Grenze überstieg.

Bedeutsam war die zunehmende Durchfeuchtung vergangene Woche v.a. in Nordhängen in hohen Lagen, wo die Schneedecke tiefergreifend durchfeuchtet bzw. durchnässt und dadurch geschwächt wurde.

Die Schneemächtigkeit nimmt ab

Der Schnee wurde auch diese Woche weniger, einerseits durch Schmelzprozesse, anderseits durch Sublimation (direkter Übergang von festem in gasförmigen Zustand). Ersteres war v.a. zwischen dem 18.04. und 21.04. der Fall (als die Luft feucht war), zweiteres v.a. am 17.04. und 22.04. (als die Luft sehr trocken war).

Der Schnee wurde nicht nur weniger, teilweise "kratzen" wir auch am Minimum von längeren Messreihen.

Zum Vergleich: Schneehöhe am Furkajoch (im Bregenzerwald) am 08.03.2020 ...

...und hier am heutigen 23.04...

Interessant auch eine Zusammenstellung von foto-webcam.eu dieser Station, welche Vergleichswerte der vergangenen Winter zeigt:

Sehr unterschiedliche Ausaperung während der verganenen Winter...

...auch das passt zur fortschreitenden Ausaperung (Foto: 22.04.2020)

"Sommerfirn"

Das bereits oftmalige Gefrieren und Auftauen der Schneedecke führte inzwischen auch zur Umwandlung des Schnees in Richtung eines stabilen "Sommerfirns". Dies betrifft v.a. mittlere Lagen aller Expositionen (sofern dort überhaupt noch Schnee liegt) und vermehrt besonnte Hänge in etwas höheren Lagen.

Kurzfristig erhöhte Lawinenaktivität am 19.04. und 20.04.

Die bereits erwähnte zunehmende Durchfeuchtung der Schneedecke während der Tage mit etwas Regen und wolkenverhangener Nächte führte in Folge zu einer erhöhten Lawinenaktivität. Bezeichnenderweise beobachtete man fast ausschließlich Lockerschnee- und Gleitschneelawinen. Sehr vereinzelt waren es meist nur kleine Schneebrettlawinen.

Lockerschneelawinen am Nederkogel im Ötztal: Aufnahme am 20.04. 16:30 Uhr

Weitere Lockerschneelawinen am Nederkogel im Ötztal: Aufnahme am 20.04. 2 Stunden später, also um 18:30 Uhr

Ablagerungen von Lockerschneelawinen im Zemmgrund (Foto: 22.04.2020)

Ähnliches Bild in den Kalkkögeln (Foto: 21.04.2020)

Wie geht es weiter?


Die Luft wurde nach den feuchteren Tagen wieder viel trockener. Die Lawinengefahr unterliegt deshalb neuerlich nur einem leichten tageszeitlichen Gang. Mit der Labilisierung der Luftmassen und vermehrtem Wolkenaufzug wird die Luft während der kommenden Tage gebietsweise feuchter, die Situation dort etwas ungünstiger.

Gefahrenstufenkarte für den 24.04.2020