Freitag, 5. Oktober 2018

ISSW2018: Die interessantesten Inhalte für Wintersportler

Die Vorbereitungen für den International Snow Science Workshop der Organisatoren - Bundesforschungszentrum für Wald, Wildbach- und Lawinenverbauung,  Kongesszentrums Innsbruck, Lawinenwarndienst Tirol - sind so gut wie abgeschlossen.

Die Teilnehmer aus der ganzen Welt trudeln derzeit in Innsbruck ein. Viele nutzen noch den goldenen Oktober um die umliegende Bergwelt vor der abwechslungsreichen aber auch intensiven Konferenzwoche zu erkunden. Zeit für uns, das Programm und die Beiträge des ISSW2018 - Innsbruck genauer vorzustellen...

ISSW2018 - Überblick

Programmübersicht ISSW 2018
Die Themenblöcke sind nach Wochentagen gegliedert: Am Montag geht es um Lawinendynamik, Lawinenschutzmaßnahmen und Lawinenverbauungen. Am Dienstag wechselt der Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, Klimawandel & Schnee, Skigebietsmanagement & Schneerzeugung.

Am Mittwoch finden die Exkursionen der Teilnehmer zeitgleich zum Tag der offenen Tür statt.

Am Donnerstag dreht sich alles um die Lawinenwarnung sowie die Schneedecke und ihrer Stabilität. Am Freitag erreicht die Konferenz ihren Höhepunkt für Wintersportler mit Schwerpunkten Lawinenausbildung, Risikostrategien, Lawinenunfallmanagement & Entscheiden im Gelände.
Genauere Infos auf der offiziellen Homepage http://www.issw2018.com/ 

Für Wintersportler

... ist wie bereits vielfach angekündigt der Tag der offenen Tür am Mittwoch, 10.10., besonders hervorzuheben. In diesem Blogeintrag stellen wir darüber hinaus die zusätzlich interessanten Inhalte neben dem Public Day vor.

Die Beiträge

Posterpräsentation einer frühreren ISSW. Foto: Mammut
Bei der Konferenz wird es zu den oben genannten Themengebieten verschiedene Multimedia-Vorträge oder ein Poster mit mündlicher Präsentation geben. 

Geht man die Beiträge durch, fallen grundsätzliche Strömungen auf:

Was in Bezug auf Lawinenschutz durch Verbauungen bereits fest etabliert ist, fasst zunehmend in der Lawinenwarnung Fuß - Computermodelle und ihre Berechnungen bzw. Visualisierungen.
Egal ob zu erwartende Lawinengrößen, ihr Schadenspotential, ihre Auslauflänge, Wettermodelle & darauf basierende Schneedeckenmodelle die den Aufbau der Schneedecke und ihre Schichtung berechnen oder, oder, oder. Die Vorgänge in der Natur werden immer exakter physikalisch und mathematisch beschrieben und können so mit der heute vorhandenen Rechenleistung in Simulationen nachgeahmt werden. Zunehmend fällt auch die Verbindung der einzelnen Rechenmodelle zu Modellketten auf. Ein gutes, bereits etabliertes Beispiel dazu ist SNOWGRID der ZAMG wo Wettermodelle und Schneedeckenmodelle ineinander greifen um die Schneebedeckung zu berechnen.
Eine simulierte Schneebrettlawine aus einem Computermodell. Screenshot: SLF

Im Bereich Lawinenschutzmaßnahmen für Infrastruktur ist man mittlerweile zu "integralen Schutzmaßnahmen" übergegangen. Das heißt, man verbaut nicht nur, sondern lässt gezielt alle Schutzmaßnahmen wie Sprengungen, Schutzwald, Lawinendämme usw. ineinandergreifen und wählt nach lokalen Gegebenheiten die besten Kombinationen.

Ein stark aufstrebendes Thema ist zudem die Fernerkundung - also das Erforschen und Messen der Schneedecke aus größerer Entfernung wie von Satelliten oder mit Lasermessungen, sowie der Einsatz von Drohnen.
Tipp:  
- Poster P 4.5 "Using time lapse photography to document terrain preferences of backcountry skiers" Zeitrafferaufnahmen um Vorlieben im Gelände von Wintersportlern zu dokumentieren
- Vortrag O2.3 "Investigating avalanche interaction with defence structures using unmanned aerial system photogrammetry" - Montag, 10:45 - 11:00 (Lawinenschutzmaßnahmen mit der Hilfe von Drohnen untersuchen)
- Vortrag O4.12 "Operational monitoring of Alpine snow cover within the European Copernicus Programme" - Montag 15:55 - 16:05 (Schneedeckenbeobachtung über Satelliten)

Beim Schneemanagement in Skigebieten dreht sich alles um den Klimawandel und wie man ihm am besten begegnet. Daneben widmen sich viele Forscher mittlerweile den Gleitschneelawinen, wie man diese Lawinenart am besten vorhersagt und wie man ihnen als Sicherheitsverantwortlicher am besten begegnen kann.
Tipp:
- Vortrag O5.1 "Climate change in the Alps and its consequences for snow" - Dienstag, 08:05 - 08:20 (Klimawandel in den Alpen und seine Auswirkungen auf Schnee)
- Poster P6.17 "Snow farming in the Alps: today's and future activities" (Snowfarming in den Alpen: Ist-Stand und Zukunft)
- Poster P5.10 "The contribution of snowmelt to the annual waterbalance in the Tyrolean Alps" (Der Einfluss der Schneeschmelze auf den Wasserhaushalt der Tiroler Alpen)

In der Lawinenwarnung beobachtet man inzwischen stark das Bestreben nach Vereinheitlichung über politische Grenzen hinweg. Dazu werden wissenschaftliche Arbeiten über die Unterschiede der verschiedenen Warnregionen und vor allem die Vorlieben verschiedener Lawinenprognostiker aus Amerika wie Europa vorgestellt. Der LWD Tirol präsentiert in diesem Hinblick das Vorzeigeprojekt Avalanche.report.
Tipp:
-  Vortrag O17.1 "Consistency and bias in avalanche forecasts: a look across borders in the Alps" - Freitag, 13:30 - 13:40 (Konsistenz und Vorlieben in der Lawinenwarnung: Ein Überblick in den Alpen)
- Vortrag O17.8 "Project ALBINA: A conceptual framework for a consistent, cross-border and multilingual regional avalanche forecasting system" - Freitag 15:15-15:25 (Hintergründe zur gemeinsamen Lawinenvorhersage für Nordtirol, Südtirol & Trentino)
Der Saal Tirol im Congress Innsbruck. Foto: CMI

Bei der Risikobeurteilung setzt man ebenfalls immer mehr auf die Hilfe von Computern:
Die auf Munter basierenden Methoden zur Beurteilung des Lawinenrisikos werden zunehmend automatisiert, mit verschiedenen, neu entwickelten Algorithmen verknüpft und mit analytischen Betrachtungsweisen wie den Lawinenproblemen und der Verbreitung verknüpft. Aus der Kombinationen mit Routen-Tracks und einem Geländemodell erhält man Karten, die das Risiko für gewisse Routenabschnitte darstellen.
Tipp:
- Vortrag O15.6 "Do avalanche airbags lead to riskier choices in the backcountry?" - Freitag 09:20 - 09:35 (Erhöhen Airbags die Risikobereitschaft?)
- Poster P15.15 "To go or not to go: Decision making at individual slope" (Einfahren oder nicht: Entscheidungen am Einzelhang)
- Poster P19.3 "Acceptable risk for backcountry skiers and riders: differences in uphill and downhill terrain selection (Akzeptables Risiko für Skifahrer: Unterschiede im Aufstieg und Abfahrt)
- Poster P19.7 "How do experts interpret avalanche terrain from a map?" (Wie interpretieren Experten das Lawinengelände anhand einer Karte?)

In der Lawinenausbildung beobachtet man ebenfalls stark den Trend zur Vereinheitlichung in Europa. In Nordamerika beispielsweise werden Lawinenkurse bereits von jeweils einer Organisation in Kanada und den USA betreut. Auch beim Thema Ausbildung ist der LWD Tirol mit mehreren neuen Konzepten vertreten.
Tipp:
- Poster P16.19 "Avalanche education in Austria - about the current status and a new concept" (Lawinenausbildung in Österreich - über den aktuellen Status und ein neues Konzept)
- Poster P17.3 "How to assess and communicate persistent weak layers" (Wie man aufbauend umgewandelte Schwachschichten einschätzt und kommuniziert)
- Poster P17.4 "Efficacy in communication of avalanche warnings" (Wirksamkeit in der Kommunikation von Lawinenwarnungen)


Eine genaue Liste der Vortrags-Highlights findet ihr in der Pressemitteilung unter https://issw2018.com/images/Press/PRESSE_EXTENDED_D.pdf 
Die Dogana im Congress Innsbruck dient als Zentrum der Veranstaltung mit Postern, Ständen von Ausstellern & Organisatoren und Verpflegungssationen. Foto: CMI

Abstracts als PDF

Allen Vorträgen & Postern gemeinsam ist ein vorher abgegebenes Extended Abstract.  Diese Abstracts sind bereits frei zugänglich unter:


http://arc.lib.montana.edu/snow-science/workshops.php

Bzw. mit Suchfunktion:
http://arc.lib.montana.edu/snow-science/index.php?view=advanced

Noch erwähnenswert: Kickoff für die Öster. Gesellschaft für Schnee & Lawinen (ÖGSL)

Logo ÖGSL

Am Freitag von 12:15 bis 13:15 findet das Kickoff der Österreichischen Gesellschaft für Schnee & Lawinen statt. Einem Verein für den Austausch innerhalb der Schnee- & Lawinencommunity. Mehr Infos unter:

Fazit

Auch wenn die ISSW bei uns noch wenig bekannt ist, in Nordamerika hat sie sich seit der ersten Konferenz 1976 zu dem Treffpunkt von Skigebiets-Betreibern, Lawinenkommissionsmitgliedern, Bergführern, Bergrettern, Lawinenprognostikern, Schneewissenschaftlern und nicht zuletzt von ambitionierten Wintersportlern entwickelt. Darum:

Wir sehen uns vom 07. - 12. Oktober auf der ISSW2018 in Innsbruck...

Mittwoch, 12. September 2018

Einladung & erster Überblick: ISSW 2018 Innsbruck - International Snow Science Workshop


Der weltweit größte Kongress zur Schnee- & Lawinenkunde findet vom 07. - 12. Oktober 2018 erstmals in Innsbruck statt. Egal ob Lawinenprognostiker, Forscher oder Praktiker: die ganze Welt des Schnees wird sich für einige Tage auf Tirol konzentrieren.

Rund 1.000 lokale, nationale und internationale Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis werden auf der ISSW2018 erwartet. Die ISSW fördert wie keine andere Fachkonferenz den internationalen und fachübergreifenden Austausch zwischen Schneeexperten. Unterschiedliche Präsentationsmöglichkeiten, wie Fachvorträge, Posterpräsentationen und Podiumsdiskussionen, sowie die Einbindung einer internationalen Fachmesse, ermöglichen den direkten Kontakt mit einem breiten Fachpublikum.

Wir möchten hiermit alle Interessierten recht herzlich zu dieser Großveranstaltung als Einstimmung auf die kommende Wintersaison einladen. Seid bei dem Event in Sachen Schnee dabei!


Wann und wo findet die ISSW genau statt?


Von
Sonntag Abend
07.10.2018
bis
Freitag Abend
12.10.2018
im Congress-Zentrum Innsbruck

Congress Innsbruck mit Blick auf die Nordkette


Für Schneesportler - Tag der offenen Tür


Am Mittwoch den 10.10.2018 findet erstmals in der Geschichte der ISSW ein Tag der offenen Tür - Public Day statt: 
Der Public Day startet um 12:30 Uhr mit einer Führung durch den Poster- und Messebereich, findet seine Höhepunkt in Vorträgen und einer Podiumsdiskussion (u.a. Rudi Mair mit unserem Projekt ALBINA - Lawinenlagebericht für Nordtirol, Südtirol, Trentino) und findet seinen Ausklang mit einem Public Welcome bei einem Buffet. Er wird auf Deutsch abgehalten.

Der Eintritt ist frei und ein Besuch wird von unserer Seite vor allem für interessierte Schneesportler wärmstens empfohlen.
Mehr Informationen zum Tag der offenen Tür unter: https://issw2018.com/de/programm/public-day.html


Die Themen - das vollständige Programm der ISSW


Das Programm gliedert sich ganz nach dem ursprünglichen Motto der ISSW "A merging of theory and practice", einem Verschmelzen von Theorie und Praxis:


Die Teilnahmegebühren für den "offiziellen" Konferenzteil mit den wissenschaftlichen Vorträgen und Posterpräsentationen der Beitragenden finden sich hier: https://issw2018.com/de/teilnahme/abstracteinreichung-und-registrierung.html

Es gibt Tageskarten, 1/2-Wochenkarten und natürlich welche für die gesamte Kongresswoche sowie Studententarife.
Der Hauptteil besteht aus General Topics die immer vormittags stattfinden (bspw. Lawinenwarnung, künstliche Schneeerzeugung oder Lawinenausbildung) und den Special Topics (bspw. Lawinenunfälle, Lawine und Recht) am Nachmittag.

In den kommenden Wochen werden wir via Blog noch genauer über das Programm und vor allem über die für Wintersportler interessanten Inhalte berichten.

Die Beiträge aus Wissenschaft und Praxis

Ausgeglichene Bewertungen der Beiträge nach Theorie und Praxis
Etwa 400 Beiträge (Extended Abstracts) wurden über den vergangenen Sommer abgegeben - davon beispielsweise 20 unter Mitarbeit des LWD Tirol. Neue Ansätze zu Lawinenschutzmaßnahmen, Lawinen-Ausbildungskonzepte, Auswertungen zur konsistenten Gefahrenbeurteilung benachbarter Warndienste und viele, viele, viele mehr. Aus diesen Beiträgen werden etwa 150 Vorträge gehalten, die die Inhalte der Abstracts in einzelnen Sitzungen (Oral Sessions) zu den jeweiligen Themengebieten kurz präsentieren. Es gibt insgesamt 19 Sitzungen (Sessions) aus Vorträgen oder Postern. Die übrigen Beiträge werden in den Hallen des Congress Innsbruck als Poster (Poster Session) präsentiert. Diese werden über die gesamte Konferenzwoche ausgestellt, wobei es zu jedem Themenblock einen Zeitraum geben wird in dem die Beitragenden bei ihrem Poster anwesend sind um Fragen zu klären und intensiver darüber diskutieren zu können.

Die Abstracts werden nach der ISSW im Internet veröffentlicht, dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr...

Das Rahmenprogramm

Eine Exkursion findet in Kooperation mit der Bergrettung Tirol am Stubaier Gletscher statt
Neben den thematisch geordneten Sitzungen aus den eingereichten Beiträgen gibt es Beitrags-unabhängige, über die ganze Woche verteilte Trainingskurse (Training Courses) , am Mittwoch Exkursionen (Field Trips) und den gemütlichen Teil jeden Abend. Bitte um Beachtung: Am Rahmenprogramm wie auch an den Sitzungen kann man - im Gegensatz zum Tag der offenen Tür - nur mit gültigem Ticket teilnehmen.


Die Sprachen - Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch

Vorträge und Posterpräsentationen zu den meisten Themen finden auf Englisch statt. Dutzende Dolmetscher und hunderte von Headsets stehen bereit um jeweils in alle anderen der vier Konferenzsprachen zu übersetzen. 



Fazit

Die ISSW findet nur alle zwei Jahre statt, wobei sich der Austragungsort zwischen Europa, Kanada und den USA abwechselt. Dieses unvergleichliche Event wird damit bei uns nicht mehr so schnell gastieren - lasst es euch nicht entgehen!


Dienstag, 15. Mai 2018

Hochalpin kurzfristig auf frischen Triebschnee achten

Ein Tiefdruckkomplex bringt Tirol derzeit markanten Neuschneezuwachs mit einer um 2000m schwankenden Schneefallgrenze. Begleitet werden die Niederschläge von auflebendem Wind aus nördlicher Richtung. In hochalpinen Lagen gilt es damit kurzfristig, auf kammnahen, frischen Triebschnee zu achten und diesem auszuweichen.

Durch die intensive, meist diffuse Strahlung erwarten wir in weiterer Folge aus extrem steilen Hängen zahlreiche feuchte Lockerschneelawinen. Hier ist besonders auch auf eine mögliche Mitreiß- und Absturzgefahr zu achten. Die Schneedecke wird sich rasch stabilisieren.

Während der vergangenen 24 Stunden regnete bzw. schneite es vor allem in der nördlichen Hälfte Tirols intensiv.


Auf den höheren Bergen gab es bereits markanten Neuschneezuwachs.

Noch ein kurzer Rückblick auf die erste Mai-Hälfte:

Die Schneedecke zog sich bei anhaltend milden Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit stetig zurück. Die Schneegrenze liegt inzwischen schattseitig im gesamten Land oberhalb der Waldgrenze, sonnseitig etwa 500m höher – bei einer teils für die Jahreszeit unterdurchschnittlichen Mächtigkeit.

Die Schneedecke beginnt inzwischen schattseitig oberhalb der Waldgrenze. Silvretta-Samnaun. Foto: 08.05.2018

Brüche in der Altschneedecke wurden nur mehr sehr vereinzelt beobachtet. Sie besteht inzwischen zumeist aus Sommerfirn mit seiner charakteristisch buckligen Struktur. Schneebrettlawinen, für die durch einen Bruch in einer Schwachschicht ausgelöst werden, sind bei Sommerfirn nicht mehr zu erwarten. Gleitschneelawinen treten bei Sommerfirn jedoch genau so auf.

Stabiler Sommerfirn mit seiner charakteristischen Oberflächenstruktur im Jamtal, Silvretta-Samnaun. Foto: 09.05.2018

Hochalpin findet man noch genug Schnee für Skitouren. Jamtal, Silvretta-Samnaun. Foto: 08.05.2018

Bei guter Zeiteinteilung konnte man vor allem in hoch gelegenen Schattenhängen noch guten Firn fahren.

Perfekte Firnbedingungen bei entsprechend zeitiger Abfahrt von der Liebener Spitze im hinteren Ötztal. Foto: 06.05.2018

Daneben sind Schneefelder durch Lawinenablagerungen bis deutlich unter 2000m noch häufig anzutreffen.

Lawinenablagerungen mit viel mitgerissenem Material findet man heuer besonders häufig. Abfahrt vom Zwieselbacher Rosskogel, Nördliche Stubaier Alpen. Foto: 11.05.2018

Ausblick für den Sommer:

Schneebrettlawinen:
Brüche in bodennahen Schwachschichten sind bei massiver Durchnässung der Schneedecke noch im hochalpinen, vergletscherten, extrem steilen Gelände denkbar, allerdings unwahrscheinlich.
Bei Neuschneefällen während kalter Temperaturen unter Windeinfluss gilt es vor allem auch im Sommer kurzfristig auf kammnahen, frischen Triebschnee im hochalpinen Gelände zu achten.

Lockerschneelawinen:
Stellen ebenfalls vor allem nach Neuschnee im extremen Steilgelände eine Gefahrenquelle dar.

Gleitschneelawinen:
Erwarten wir vereinzelt noch auf schneebedeckten Grashängen, in hohen Lagen auf glatten Felsplatten wie man sie typischerweise im Gletschervorfeld findet (Gletscherschliff).
Frische Gleitschneelawine sowie Gleitschneerisse auf Felsplatten durch Gletscherschliff. Foto: 12.05.2018

Donnerstag, 3. Mai 2018

Häufig trifft man auf stabilen Sommerfirn. Gefahrenstellen am ehesten noch im hochalpinen Gelände.

Laut ZAMG-Wetterdienststelle lag der April 2018 um 4,6 Grad über dem Mittel und zählte damit zum zweit wärmsten April der 251-jährigen Messgeschichte. Dies wirkte sich einerseits auf einen rapiden Schneehöhenschwund, andererseits in einer überdurchschnittlich raschen Umwandlung des Schnees zu stabilem Sommerfirn aus.

Je nach Tourenziel ist zum Teil längeres Skitragen angesagt. Stubaital (Foto: 27.04.2018)

Stabiler Sommerfirn im Südlichen Osttirol  (Foto: 29.04.2018)

Sommerfirn samt Saharastaub bei der Abfahrt von der Weißkugel in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 28.04.2018)

Derzeit liegt die Höhengrenze für Sommerfirn im schattigen Gelände bei etwa 2500m, im besonnten Gelände reicht diese bis über die 3000m-Grenze hinauf.

Dadurch hat auch die Anzahl an Gefahrenstellen weiter abgenommen, die in Summe nur mehr vereinzelt anzutreffen sind.

Dazu zählen:

1) Gleitschneelawinen…
…auf Wiesenhängen oder Felsplatten (auch dort, wo die Schneedecke aus stabilem Sommerfirn besteht).

Frischer Gleitschneerutsch am Stripsenkopf in den Kitzbüheler Alpen (Foto: 29.04.2018)

Frischer Gleitschneerutsch in der Silvretta (Foto: 28.04.2018)

2) Nasse Lockerschneelawinen…
… im extrem steilen Gelände, insbesondere nach Neuschneefällen.

3) Schneebrettlawinen:

Szenario 1:
Am wahrscheinlichsten sind kleinräumige, kammnahe Triebschneepakete im hochalpinen, kammnahen, sehr steilen Gelände unmittelbar nach Neuschneefällen samt Windeinfluss bei kühleren Temperaturen.

Dieses Szenario wurde am 01.05. drei Skitourengeher knapp unterhalb des ca. 3500m hohen Großen Möselers in den Zillertaler Alpen zum Verhängnis. Als sie mit Steigeisen über die extrem steile NW-Wand aufsteigen wollten, löste sich im obersten Bereich ein kleines Schneebrett. Das Schneebrett war ca. 30m breit bei einer Anrissmächtigkeit zwischen 10 und 30cm. Alle Personen wurden in Folge über den Eisbruch in die Tiefe gerissen und blieben unverschüttet, jedoch verletzt (eine Person schwer) am Furtschaglkees liegen. Maßgeblich für den Unfall waren die Niederschläge vom 29.04. auf den 30.04. in Kombination mit dem Südföhneinfluss. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Rückmeldung unseres Beobachters und Bergführers Stefan Wierer, der uns am 01.05. westlich des Unfallgebietes von einer großflächig eisverkrusteten Schneeoberfläche (samt darauf befindlichem Triebschnee) berichtet hat. Es ist fraglich, ob diese Eiskruste im Unfallgebiet in diesem Höhenbereich noch anzutreffen war. Angenommen, dies sei der Fall gewesen, müsste als Voraussetzung für das Schneebrett zwischen Eiskruste und Triebschnee eine Schwachschicht vorhanden gewesen sein. Diese ist uns nicht bekannt, da wir nicht vor Ort waren. Am wahrscheinlichsten sind Graupel, eventuell auch lockerer, überwehter Neuschnee.

Lawinenunfall Großer Möseler am 01.05.2018 in den Zillertaler Alpen. Eingezeichnet ist die ungefähre Aufstiegsspur samt dem Schneebrett. Die Personen wurden über den Eisbruch mitgerissen und blieben im flacheren Gelände darunter zu liegen. (Foto: 01.05.2018)

Bei der Wetterstation Schlegeis wurden vom 29.04. auf den 30.04. knapp über 10mm Niederschlag gemessen. Dies entspricht in großen Höhen um 10cm Neuschnee. Beachtenswert ist der aus südlicher Richtung wehende Wind.

Am Weg zum Hohen Riffler in den Zillertaler Alpen. Markant ist die großflächig, eisverkrustete Schneeoberfläche (Foto: 01.05.2018)

Am Stubaier Gletscher wurde am 29.04. Schneeregen bis 3000m hinauf beobachtet.

Szenario 2:
Insbesondere im sehr steilen, schattigen Gelände oberhalb etwa 2500m, dort wo die Schneedecke den Winter über schneearm war, sind kleinräumige Schneebrettauslösungen denkbar. Meist sollte es dazu großer Zusatzbelastung bedürfen.
Szenario 3:
Eine unmittelbar oberhalb des Gletschereises befindliche Schwachschicht könnte bei massiver Durchnässung noch aktiviert werden. Dies scheint jedoch unwahrscheinlich zu sein. (Die letzte uns bekannte Aktivierung war in den Südlichen Ötztaler Alpen während der Starkschneefälle um den 22.01.2018 im schattigen, sehr steilen Gelände unterhalb der Großen Geige).

Wechten- und Seracbrüche…
…ähnlich wie Gleitschneelawinen vom Abgangszeitpunkt praktisch nicht vorhersehbar. Deren Zusatzbelastung kann vereinzelt als Auslöser für Lawinen dienen.

Das Frühjahr ist nicht mehr aufzuhalten! Südliche Ötztaler Alpen (Foto: 28.04.2018)