Montag, 14. Januar 2019

UPDATE: Sehr große Lawinengefahr auch in der Glockturmgruppe, dem Karwendel, den Zillertaler Alpen und der Venedigergruppe


Im Karwendel fiel deutlich mehr Schnee als erwartet. Von unseren Beobachtern wurden auf der Seegrube oberhalb von Innsbruck 95cm Neuschnee gemessen. Dies bedingt in Verbindung mit dem stürmischen Wind einen Gefahrenanstieg auf die Stufe "sehr groß". Ebenso muss die Gefahr inzwischen in der Glockturmgruppe, den Zillertaler Alpen und dem nördlichen Teil der Venedigergruppe als "sehr groß"  eingestuft werden. Wir erwarten in den mit Stufe 5 beurteilten Regionen weiterhin sehr große, vereinzelt auch extrem große spontane Lawinenabgänge. Besonders exponierte Gebäude sowie exponierte Verkehrswege können gefährdet sein.

Update des Lawinenreports für Montag, den 14.01.2019

Bis in die Nachtstunden kommen nochmals bis zu 50cm Neuschnee hinzu. Dies vor allem erneut im Karwendel, in den Nördlichen Zillertaler Alpen und den Hohen Tauern, aber auch in der Silvretta.

Große Neuschneemengen werden auch heute, 14.01. noch erwartet

Sonntag, 13. Januar 2019

Sehr große Lawinengefahr im Westen Nordtirols

Im Westen Nordtirols sind bis Dienstagmorgen, 15.01. bis zu 150cm Neuschnee prognostiziert. Ansonsten fallen verbreitet 50-90cm. Der Niederschlag fällt mit hoher Intensität und wird begleitet von stürmischem Nordwestwind.

Neuschneeprognose bis Dienstagmorgen, 15.01. inklusive Setzung.

Hohe prognostizierte Neuschneemengen in der Region Silvretta. Der Wind weht stark.

Stürmischer Nordwestwind sorgt im ganzen Land für umfangreiche Verfrachtungen des Neuschnees.

Vorübergehender Temperaturanstieg in der Nacht auf Montag, 14.01. (©meteoblue)

An der Wetterstation Plojen in der Samnaungruppe sind heute Sonntag, 13.01. bis 17 Uhr bereits annähernd 50cm Neuschnee gefallen. Der Wind bläst teilweise stark. 

Mit Zunahme der Schneefallintensität sowie einer vorübergehenden Erwärmung ist insbesondere in der Nacht auf Montag, 14.01. mit hoher spontaner Lawinenaktivität zu rechnen. Vor allem in den niederschlagsreichen, mit Lawinengefahrenstufe 5, sehr groß bewerteten Gebieten, sind sehr große, vereinzelt extrem große Lawinen möglich. Dies besonders aus hohen Einzugsgebieten, welche im Windschatten liegen. Beobachter aus dem Außerfern meldeten bereits eine vermehrte spontane Lawinenaktivität in den Abendstunden des 13.01.

Mit dem Anstieg der Schneefallgrenze auf rund 1400m erwarten wir zudem in tiefen und mittleren Lagen eine markante Zunahme der Gleitschneeaktivität.

Schneedeckenaufbau

Das kurzzeitige Schönwetterfenster am Freitag, 11.01. erlaubte uns, unser Bild des derzeitigen Schneedeckenaufbaus etwas zu schärfen.

Wie bereits in früheren Blogeinträgen erwähnt, sind im unteren Teil der Schneedecke keine großflächigen, störanfälligen Schwachschichten vorhanden. Einzig eine Schicht aus kantigen Kristallen im Bereich einer Schmelzkruste vom 06. Dezember könnte vereinzelt zwischen etwa 2200 und 2700m noch vorhanden sein. In Nordtirol sowie im Norden Osttirols sollte diese Schwachschicht jedoch mächtig überdeckt und nur mehr durch die Auflast einer abgehenden Lawine gestört werden können.

In einer Höhe von ca. 30cm über Grund sind kantige Kristalle im Bereich einer Schmelzkruste (06.12.2018) zu erkennen. Diese Schwachschicht ist mächtig überdeckt, aber bei sehr großer Auflast potenziell noch störbar.

Im oberen Teil der Schneedecke haben sich im Südsektor zwischen 1600m und etwa 2100m nach dem Gefahrenmuster 4 (kalt auf warm - warm auf kalt) ebenfalls kantige Kristalle (zum Teil im Bereich einer Schmelzkruste) gebildet. Dies vermutlich um den 8. Jänner. Diese Schwachschicht wurde während der vergangenen Niederschlagsperiode eingeschneit. Ein Anbrechen von Schneebrettlawinen in dieser Schwachschicht aufgrund der Auflast durch Neuschnee ist durchaus denkbar.

Abgesehen von den oben beschriebenen kantigen Schwachschichten ist für Schneebrettlawinen insbesondere der von Freitag, 11.01. auf Samstag, 12.01. gefallene Wildschnee von Bedeutung: Dieser stellt eine besonders störanfällige Schwachschicht dar und kann in allen Höhenlagen (auch unterhalb der Waldgrenze) und Expositionen sehr leicht gestört werden!

Die geringen Niederschlagsmengen in der Nacht auf Samstag, 12.01. fielen als lockerer Wildschnee. Überschneit stellt dieser derzeit eine besonders störanfällige Schwachschicht dar.

Spontane Lawinen auf Hausdächern in St. Johann in Tirol. Der Wildschnee dient hier als Schwachschicht für den in der Nacht auf Sonntag, 13.01. gefallenen Neuschnee. (Foto: 13.01.2019)

Am gestrigen Samstag, 12.01. versuchte unser LWD- Teammitglied Christoph die Fortpflanzungsfähigkeit des Wildschnees unter Triebschnee auf der Seegrube zu testen:


Allgemein sind die Bedingungen für Wintersport im freien Gelände derzeit ausgesprochen ungünstig. In Hängen unter 30 Grad besteht im knietiefen Schnee derzeit kein Abfahrtsgenuß. Im Wald kommt zusätzlich die Gefahr von umfallenden Bäumen oder abstürzenden Ästen hinzu. Zu bedenken ist auch die "Tiefschneegefahr", wie im letzten Blogeintrag bereits erwähnt. In den schneereichen Gebieten droht man besonders im Nahbereich von Bäumen metertief einzusinken.

Viele Bäume sind in einen Mantel aus Schnee gehüllt, welcher dem Wind viel Angriffsfläche bietet. Der derzeitige Sturm wird vermutlich einiges an Waldschäden anrichten. (Foto: 11.01.2019)

Das Positive: die Lawinensituation wird sich nach dem derzeitigen Niederschlagsereignis sehr rasch entspannen. Dann erwarten uns aller Voraussicht nach relativ sichere und gute Skitourenbedingungen!

Folgend noch einige Eindrücke der vergangenen Tage:

Härtetest für die Wetterstationen. (Foto: 11.01.2019)

Die Lawinenverbauungen sind mancherorts bereits zur Gänze gefüllt. Region Wilder Kaiser. (Foto: 11.01.2019)

Tief winterlich zeigt sich die Seegrube (1905m) oberhalb von Innsbruck. Die Schneehöhe liegt hier bereits über 4 Meter. (Foto: 11.01.2019)

Die Hochgebirgskapelle St. Valentin im Zillergrund ist kaum zu erkennen (Foto: 12.01.2019)

Viel Windeinfluß oberhalb der Waldgrenze. Füssener Jöchle, Allgäuer Alpen. (Foto: 12.01.2019)

Mächtiger Anraum auf einem Wegkreuz unter dem Pfoner Kreuzjöchl. (Foto: 12.01.2019)

Anriss einer sehr großen Lawine in den östlichen Lechtaler Alpen. Die Lawine löste sich spontan während des Niederschlagserignisses vom 9. bis 11. Jänner (Foto: 12.01.2019)

Die Lawine überspülte die Lawinengalerie Brand-Mitteregg auf der Landstraße zwischen Berwang und Namlos und verursachte Waldschäden. (Foto: 12.01.2019)

Schneebrettlawine am Schartenkogel, Nordseitig, 2200m. Das Triebschneepaket löste sich vermutlich aufgrund eines Wechtenbruchs. (Foto: 12.01.2019)
 
Vermutlich eine Gleitschneelawine, welche als Staublawine abging. Nördl. Zillertaler Alpen. (Foto: 12.01.2019)
 
Viele überschneite Gleitschneelawinen-Anrisse im Norden des Landes. (Foto: 11.01.2019)

Sehr hohe Gleitschneeaktivität auch in den Allgäuer Alpen. (Foto: 12.01.2019)

Donnerstag, 10. Januar 2019

Viel Neuschnee und Wind verursachen heikle Lawinensituation

Aktuelle Situation

Die Lawinensituation ist derzeit insbesondere in Nordtirol aber auch im Norden Osttirols als heikel einzustufen. Die Gefahr geht von umfangreichen Triebschneepaketen aus, welche an allen Expositionen im Bereich der Waldgrenze und darüber, insbesondere in Rinnen, Mulden und hinter Geländekanten, anzutreffen sind. In den Bergen ist es weiterhin kalt, der Triebschnee bleibt dadurch störanfällig und ist bereits von einzelnen Wintersportlern leicht auslösbar. Da der Wind seit gestern Abend, 09.01. allmählich abgeflaut ist, sind die Triebschneeansammlungen zudem oft überschneit und schwierig zu erkennen.

Der morgige Freitag, 11.01. verspricht in Nordtirol zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder etwas sonniger zu werden. In Kombination mit dem oben beschriebenen Schneedeckenaufbau erwartet uns ein durchaus risikoreicher, unfallträchtiger Tag. Wir empfehlen bei Wintersport abseits der gesicherten Pisten, möglichst defensiv unterwegs zu sein. Unerfahrene Personen sollten unbedingt auf den gesicherten Pisten bleiben.

Weiterhin sind mit der morgigen Sonneneinstrahlung aus sehr steilen Sonnenhängen (speziell der Sektor SW über S bis SO) vereinzelt noch spontane Lawinen zu erwarten. Diese können in den Hauptniederschlagsgebieten entlang der Grenze zu Bayern auch groß bis sehr groß werden (Lawinengrößen). 

Die Schneedecke bleibt weiterhin störanfällig  (Nordkette) (Foto: 09.01.2019)

Die Schneedecke ist bis in die Tallagen für diese Jahreszeit meist überdurchschnittlich mächtig. Gleitschneelawinen auf steilen Grashängen können deshalb durchaus beachtlich groß werden und sowohl eine Gefahr für Wintersportler, aber auch für Verkehrswege und Gebäude darstellen. Das Problematische dabei: Gleitschneelawinen sind unberechenbar und können zu jeder Uhrzeit am Untergrund abgleiten. Zonen unterhalb von Gleitschneerissen sollten gemieden werden.

Hohes Gefährdungspotenzial durch Gleitschneelawinen  in weiten Teilen Tirols, wie hier in den Tuxer Alpen. Der Gleitschneeriss ist entgegen einer weit verbreiteten Meinung kein Entspannungszeichen, sondern ganz im Gegenteil, in den meisten Fällen eine Vorankündigung einer Gleitschneelawine. (Foto: 08.01.2019)

In Osttirol, südlich des Alpenhauptkammes und nördlich der Drau, ist neben störanfälligen Triebschneepaketen immer noch ein Auslösen von Lawinen im Altschnee denkbar. Potenziell aktiv ist hier weiterhin vor allem eine Schwachschicht aus kantigen Kristallen, welche sich an der Schmelzkruste vom 6. Dezember gebildet hat (GM4). Gefahrenstellen liegen an allen Expositionen zwischen etwa 2200m und 2700m und allgemein in sehr steilem Gelände. Die Schwachschicht kann meist nur noch mit großer Zusatzbelastung gestört werden. Schneearme Stellen können jedoch sogenannte "hotspots" darstellen, wo eine Auslösung auch bei geringer Belastung möglich erscheint.

Der viele Schnee birgt zur Zeit nicht nur als Lawine eine Gefahr für den Wintersportler: Unfälle in Salzburg und der Schweiz haben gezeigt, wie schnell ein Skiunfall im metertiefen, ungebundenen Neuschnee in einer Tragödie enden kann. Beim Sturz im Tiefschnee kann es schwierig sein, sich selbst zu befreien. Ist der Kopf unterhalb des Schnees, kommt die Erstickungsgefahr hinzu. Hier gilt es, sich gegenseitig im Auge zu behalten, um im Fall der Fälle schnell reagieren zu können. Wie in einer Lawine, bleiben den Verunfallten hier oft nur wenige Minuten. Und sollte eine Person nicht mehr auffindbar sein, dann hilft das Lawinenverschüttungsgerät bei der Suche.

Sperren müssen unbedingt beachtet werden! (Foto: 10.01.2019)

Rückblick

Neuschneereiche und stürmische Tage liegen hinter uns. Seit neuerlichem Einsetzen der Schneefälle am Dienstagmorgen, 07.01. ist in weiten Teilen Tirols viel frischer Schnee dazugekommen. Am meisten geschneit hat es im Nordstau, von den Lechtaler und Allgäuer Alpen über das Karwendel bis hin zum Wilden Kaiser. Wie so oft im bisherigen Winter wurde der Niederschlag von teils stürmischem Wind begleitet.

Gesetzte Neuschneemenge von Montag, 07.01. bis Donnerstag 10.01.

Stürmischer Wind aus nordwestlichen Richtungen.

Stürmisch: Stubaier Gletscher. (Foto: 07.01.2019)

Interessante Auswirkungen der extremen Schneehöhen: Seit 05.01. wurde der Temperatursensor auf der Seegrube eingeschneit. Dieser liegt offenbar schon 108cm unterhalb der Schneeoberfläche.

Am intensivsten war der Schneefall in der Nacht auf Mittwoch, 09.01. sowie in den darauffolgenden frühen Morgenstunden. In diesen Zeitraum fällt auch der Höhepunkt der spontanen Lawinenaktivität. Der lockere Neuschnee wurde in der Sturzbahn von Schneebrettlawinen mitgerissen, sodass sich diese in extrem steilem Gelände oftmals zu imposanten Staublawinen entwickelten.

Alle, uns bisher bekannten Lawinen, welche auf Straßen abgingen, waren Gleitschnee- oder Lockerschneelawinen. Am morgigen Freitag, wenn die Sicht besser wird, bekommen wir dann ein umfassenderes Bild der Situation.

Eine Gleitschneelawine verlegte eine Gemeindestraße im Ortsteil "Astegg" in Finkenberg. (Foto: 07.01.2019)

Am Mittwoch, 09.01. kam es zudem zu einem Lawinenunfall im Zammermoos unterhalb des Galzigs im freien Skiraum des Skigebiets St. Anton am Arlberg. Ein 16-jähriger Australier verlor dabei sein Leben. Die Lawine war ca. 140m lang, durchschnittlich etwa 45m breit und löste sich in 45 Grad steilem Gelände. Der Anriss der Lawine variierte zwischen etwa 20cm und etwas über 1m (Details wie immer auf LAWIS). Als Schwachschicht diente eine sehr dünne Schicht aus kantigen und filzigen Kristallen, welche sich erst kürzlich aufgrund von Temperaturunterschieden während des Schneefalls gebildet hatte (Gefahrenmuster gm.4 - kalt auf warm). Zudem konnte in oberflächennahen Schichten auch Graupel ausfindig gemacht werden, jedoch nicht so ausgeprägt, als dass sie als primäre Schwachschicht in Frage gekommen wären.

Lawinenabgang Zammermoos vom 09.01.2019. Eingezeichnet ist die Verschüttungsstelle. (Foto: 10.01.2019) 

Bei der relativ nahe der Unfallstelle gelegenen Wetterstation Ulmerhütte erkennt man sehr gut Temperatursprünge während der vergangenen Woche, eine Voraussetzung für das Gefahrenmuster kalt auf warm.

Während Nordtirol gebietsweise im Schnee versank, war der Süden extrem benachteiligt. Wenn auch die Niederschläge der letzten Tage zum Teil bis in die Dolomiten durchdrangen, so waren die Neuschneemengen in diesen Gebieten sehr bescheiden. (Connyalm: 7cm; Porzehütte: 2cm).

Sehr niederschlagsarm: Unser Beobachter in Obertilliach wartet weiterhin auf den ersten großen Schneefall des Winters.

Sehr niederschlagsreich: In den vergangenen 7 Tagen wurden am Pillersee in den Waidringer Alpen an die 140mm Niederschlag gemessen.

Ausblick

Wie bereits oben kurz erwähnt, kommt es am morgigen Freitag, 11.01. zu einer vorübergehenden Wetterberuhigung. Der Wind bläst meist schwach bis mäßig aus nördlichen Richtungen, am Alpenhauptkamm sowie in Osttirol nördlich der Drau etwas stärker. Aufgrund der kalten Temperaturen kommt es jedoch zu keiner wesentlichen Entspannung der Lawinensituation, bevor sich am Samstag mit leichtem Schneefall und zunehmendem Wind die nächste Front ankündigt.
Ernst wird es aus heutiger Sicht vor allem wieder am Sonntag und Montag. Es erwarten uns aller Voraussicht nach erneut heftige Schneefälle, welche insbesondere am Arlberg sowie entlang des Alpenhauptkammes zu großen Neuschneemengen führen könnten.

Ein Update folgt in den nächsten Tagen...


Die Schneedecke wird Anfang der nächsten Woche weiter anwachsen. Nordkette (Foto: 10.01.2019)

Montag, 7. Januar 2019

Anhaltend große Lawinengefahr in Nordtirol und im nördlichen Osttirol

Die Lawinensituation in den Ostalpen ist derzeit angespannt. Von den Ybbstaler Alpen in Niederösterreich bis zum Bregenzerwald in Vorarlberg herrscht oberhalb der Waldgrenze verbreitet große Lawinengefahr (Stufe 4).

Große Lawinengefahr, Stufe 4 in weiten Teilen Österreichs (www.lawinen.at)

Es fielen in den vergangenen Tagen in Nordtirol verbreitet 100cm Neuschnee. In manchen Gebieten,  wie in den Waidringer und Kitzbüheler Alpen, den Hohen Tauern oder im Karwendel auch deutlich mehr. In den südlicheren Teilen Osttirols waren es nur wenige cm. Die Schneefallgrenze lag meist im Talboden. Der Niederschlag wurde von stürmischem Wind aus nordwestlichen Richtungen begleitet, welcher oberhalb der Waldgrenze zu massiven Verfrachtungen des lockeren Neuschnees führte.

Die Schneehöhe in Nordtirol ist in den letzten acht Tagen verbreitet um 100cm angewachsen.

An den Beobachterstationen in Boden und auf der Nordkette liegt man derzeit weit über den langjährigen Mittelwerten der Schneehöhe (seit 1960, resp. 1973). Auf der Nordkette kamen seit dem 30. Dezember über 2 Meter an Schnee dazu. So früh im Winter wurden seit 1973 dort noch nie solch große Schneemengen verzeichnet.

Bezeichnend für die Wettersituation in Nordtirol in den vergangenen Tagen: Viel Neuschnee und starker Wind. Wetterstation Breiter Grieskogel, Grieskogelgruppe.

Intensiver Schneefall war in den vergangenen Tagen bis in die Niederungen zu beobachten. (Foto: 04.01.2019)

Winterliche Bedingungen auch in den Westlichen Tuxer Alpen (Foto: 06.01.2019)

Als Folge der intensiven Schneeverfrachtungen stieg auch die Lawinengefahr in ganz Nordtirol sowie in den Hohen Tauern auf die Stufe 4, groß an. Es wurden zahlreiche Straßen gesperrt. Auch Liftanlagen mussten aufgrund des Sturms geschlossen werden.

Die uns bekannten, größeren Lawinenabgänge (wie z.B. in den Zillertaler Alpen) dürften vermutlich innerhalb des Neu- und Triebschnees angebrochen sein. Am 05.01. ging die Meldung über einen Lawinenabgang auf die Fernpassstraße ein. Dabei handelte es sich bei näherer Lagebegutachtung um einen Schneerutsch, verursacht durch die Entleerung der Schneelast von angrenzenden Bäumen.

Massive Schneeverfrachtungen führten im Bereich der Waldgrenze und darüber zur Bildung von umfangreichen Triebschneeansammlungen. Schneebrettlawinen brachen oft spontan innerhalb der Neu- und Triebschneeschichten an. Gurglergruppe (Foto: 07.01.2019).

Das nächste markante Frontensystem erreicht uns bereits morgen Dienstag, den 08.01.2019. Mit ergiebigen Niederschlägen von Dienstagmittag bis Donnerstagmorgen sind 50cm bis 120cm Neuschnee zu erwarten. Am meisten Niederschlag soll nördlich des Inns sowie im Westen Nordtirols fallen. Die Schneefallgrenze liegt dabei zunächst bei rund 1000m, sinkt in der Nacht auf Mittwoch jedoch in Tallagen. Die Niederschläge werden erneut von stürmischen Winden aus nordwestlichen Richtungen begleitet, welche neuerlich  für massive Schneeverfrachtungen sorgen werden.

Viel Schnee und Wind: An Graten werden sich durchaus mächtige Wechten bilden. (Foto: 04.01.2019)

Mit dem Eintreffen der nächsten Front ändert sich am bestehenden Gefahrenmuster nur wenig: Mit dem einsetzenden Niederschlag und dem stark bis stürmischen Nordwestwind werden sich ab Dienstagmorgen, 08.01.2019 neuerdings frische, störanfällige Triebschneeansammlungen bilden. Diese werden insbesondere im Windschatten hinter Graten und Geländekanten als mittelgroße, in den Hauptniederschlagsgebieten auch als große Lawinen, sehr vereinzelt nur als sehr große Lawinen spontan abgehen.

Extrem große Lawinen erscheinen aufgrund des derzeitigen Schneedeckenaufbaus als sehr unwahrscheinlich, da keine großflächigen, tiefer liegenden Schwachschichten vorhanden sind, wo  Schneebrettlawinen anbrechen könnten.

Auf steilen Wiesenhängen sind zudem jederzeit Gleitschneelawinen zu erwarten. Diese können aufgrund der großen Schneemächtigkeit auch groß werden. Zonen unterhalb von Gleitschneerissen sollten derzeit besonders konsequent gemieden werden.

Schneeblock glitt als Folge eines Wechtenbruchs ab. (Foto: 07.01.2019)
Die derzeitige Schnee- und Lawinensituation ist auf eine ungünstige, recht stabile Großwetterlage zurückzuführen: Ein markantes Hoch über Westeuropa und dem Atlantik sowie ein Tief im Norden sorgen dafür, dass aus Nordwesten feuchte Luftmassen vom Atlantik in Richtung der Alpen gelenkt werden, welche intensiven Niederschlag mit sich bringen. Laut Meteorologen erscheint es durchaus wahrscheinlich, dass uns dieses Muster in den kommenden Wochen erhalten bleibt und noch mehr Fronten in unsere Richtung abgeleitet werden.

Vorerst ist keine wesentliche Entspannung der Situation in Sicht.

Donnerstag, 3. Januar 2019

Stürmische, schneereiche Tage - zum Teil große Lawinengefahr

Ende 2018 / Anfang 2019: Stürmisch und neuschneereich

Der Start ins neue Jahr verlief in ganz Tirol zumindest stürmisch (Windspitzen von bis zu 180 km/h in den Südlichen Ötztaler Alpen), vielerorts war auch einiges an Neuschnee dabei. Für die kommenden Tage sind seitens der ZAMG-Wetterdienststelle weitere, zum Teil sehr intensive Neuschneefälle vorhergesagt: Schwerpunkt östlich des Wipptals und nördliches Osttirol.

Bezeichnend für die vergangene Woche: Wetterstation Hahnenkamm-Ehrenbachhöhe in den Kitzbüheler Alpen. Ab 30.12. Wetterverschlechterung mit Niederschlag und viel Wind

Das südliche Osttirol ging wieder so gut wie leer aus.

Schneefahnen zeugten von umfangreichen Schneeverfrachtungen im ganzen Land, wie hier in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 01.01.2019)

Matreier Tauernhaus in der Venedigergruppe während starken Schneefalls und stürmischem Wind. Interessant ist derzeit auch der starke Gradient bezüglich der Schneehöhe Richtung Süden. Während es hier am Südportal des Felbertauerns  vom 01.01. auf den 02.01. ca. 40cm schneite, waren es in Matrei in Osttirol gerade mal 5cm. (Foto: 02.01.2019)

Extrem interessant und so wohl nur sehr selten zu beobachten: Die in Kals auf freier Fläche (auch hinter der Kirche) zu sehenden Schneeknollen müssen durch den stürmischen Wind entstanden sein. (Foto: 31.12.2018)

Schneedeckenentwicklung

Wichtig vor intensiven Niederschlagsereignissen ist immer ein möglichst gutes Bild über den Schneedeckenaufbau: Derzeit scheinen sich Problembereich innerhalb der Schneedecke vermehrt auf  oberflächennahe Schichten zu konzentrieren. Eine nicht unwesentliche Rolle kann eingelagerter Graupel spielen.

Gestern am 02.01. hat sich während der Schneefälle zum Teil eine mehrere Zentimeter dicke Graupelschicht abgelagert, die als mögliche Schwachschicht für die folgenden Schneefälle in Frage kommt. Graupel wurde in ganz Tirol beobachtet. Kaiserbachtal (Foto: 02.01.2019)

Weiters kommt überwehter Pulverschnee als (kurzfristige) Schwachschicht für darüber gelagerte Triebschneepakete in Frage. Dies ist während intensiver Neuschneefälle bei eher kalten Temperaturen regelmäßig zu beobachten.

Oberflächennahes Schneebrett auf einer abgleitenden Schneedecke, erkennbar an den Gleitschneemäulern). Außerfern (Foto: 29.12.2018)

Das in den vergangenen Blogeinträgen immer wieder erwähnte Altschneeproblem in mittleren Schichten der Schneedecke scheint sich inzwischen auf relativ schmale Höhen- und Expositionsbänder reduziert zu haben. Am meisten betroffen sind weiterhin die inneralpinen Regionen (sowie das zentrale Osttirol), wo wir von möglichen Problembereiche im Südsektor zwischen etwa 2400m und 2600m und im Nordsektor zwischen etwa 2200m und 2600m (gebietsweise noch bis 2800m) ausgehen. Die betroffenen Flächen sind eher selten über größere Bereiche zusammenhängend.

Ein Skitourengeher befand sich im Aufstieg, als sich die Lawine löste. Die Person blieb unverletzt. Gaishörndl, Villgratental. Kleinräumiges Altschneeproblem (Foto: 01.01.2019)

Die Störanfälligkeit der Schneedecke hat in diesen Bereichen aufgrund der vergangenen Temperaturentwicklung mit wärmeren Phasen abgenommen. Nichtsdestotrotz müssen wir zumindest in den besonders niederschlagsreichen Gebieten im Osten des Landes mit dem möglichen Durchbrechen bis in diese Schichten rechnen. Bodennahe Schwachschichten, welche sich im Herbst im Nordsektor auf Gletschern ausgebildet haben, sollten nur in ganz besonderen Ausnahmefällen (Zusatzbelastung einer oberhalb abgehenden Lawine) in den außergewöhnlich niederschlagsreichen Regionen zu stören sein.

Typisch für die vergangenen Tage: Ein auf und ab der Temperatur. Besonders markant war dies im Norden des Landes, wo es kurzfristig und sehr lokal sogar bis etwa 2200m nieselte.

Die Schneeoberfläche wurde während der vergangenen Woche mehrmals oberflächig angefeuchtet: Lockerschneelawinen vom 27.12.2018 im Nahbereich der Pleisenspitze im Karwendel . In Summe hatte dies einen positiven Einfluss auf die Schneedeckenstabilität. (Foto: 28.12.2018)

Ausblick

Die ZAMG-Wetterdienststelle hat für 04.01. vormittags bis 07.01.2019 früh eine Starkschneemeldung ausgegeben, weil gebietsweise über 100cm Neuschnee zu erwarten ist.

Am meisten betroffen von den Neuschneefällen ist der  Osten des Landes.

Die Lawinengefahr steigt in den betroffenen Regionen auf groß an. Wir erwarten vermehrte spontane Lawinenaktivität, besonders aus windabgewandten, sehr steilen kammnahen Bereichen bzw. unterhalb von Felszonen. Die Lawinen können durchwegs großes (Größe 3 von 5), z.T. auch sehr großes Ausmaß (Größe 4 von 5) annehmen.

Detailprognose für die Venedigergruppe: Ständiger Schneefall und weiterhin starker Wind.

Bereits gestern am 02.01. abends sowie heute am 03.01. vormittags lösten sich einige größere Lawinen von selbst. Betroffen waren vermehrt die Regionen entlang des östlichen Teils des Alpenhauptkammes.

Spontaner Lawinenabgang im Zillergrund. Weitere Lawinen sind während der kommenden Tage in diesen, besonders neuschneereichen Regionen zu erwarten. (Foto: 03.01.2019)

Fest steht, dass es während der kommenden Tage zu massiveren Verkehrsbehinderungen kommen wird.

Zudem ein Appell an alle Wintersportler: Wer in den neuschneereichen Regionen im freien Skiraum unterwegs sein will, sollte über sehr gutes lawinenkundliches Wissen verfügen und sehr defensiv unterwegs sein. Unerfahrenen Personen raten wir während der kommenden Tage auf den gesicherten Pisten zu bleiben.

Gebietsweise wird noch viel mehr Schnee dazukommen... Lampsenspitze, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 03.01.2019)