Mittwoch, 1. Dezember 2021

Wir mahnen zu Vorsicht und Zurückhaltung - Schneedecke ist stellenweise sehr störanfällig - einige Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung!

Einige Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung - Zum Teil hohe Auslösebereitschaft von Lawinen durch WintersportlerInnen - "Gespannter" 3-er! 


Am heutigen 01.12.2021 wurden einige Lawinen von WintersportlerInnen ausgelöst, eine Person wurde dabei leicht verletzt. Ebenso haben wir zahlreiche Rückmeldungen von Setzungsgeräuschen, Rissbildungen, zum Teil auch von Fernauslösungen, alles Indizien für eine durchaus sehr störanfällige Schneedecke. Dies zeigen auch Stabilitätsuntersuchungen, die am heutigen 01.12. im ganzen Land durchgeführt wurden. 

Gefahrenstellen findet man v.a. dort, wo vor den kürzlichen Schneefällen bereits eine zusammenhängende Schneedecke vorhanden war. Vermehrt ist dies im Sektor WNW über N bis ONO vom Waldgrenzbereich aufwärts der Fall. Mit zunehmender Seehöhe sind dann zunehmend auch die anderen Sektoren davon betroffen (in Abhängigkeit der Neigung und der Seehöhe.).

 

Kurzes Fazit (vor einem umfassenderen Blogeintrag morgen am 02.12.2021 abends):


Wir befinden uns nahe an einem "Wintersportler"-Groß. D.h. gebietsweise (vermehrt in Schattenhängen oberhalb der Waldgrenze) muss von einer recht hohen Wahrscheinlichkeit einer Lawinenauslösung durch WintersportlerInnen ausgegangen werden. Wir mahnen deshalb weiterhin zu großer Zurückhaltung im Steilgelände. Zudem ist lawinenkundliches Wissen im freien Gelände aktuell unbedingt angebracht.

Kammnahes, spontanes Schneebrett im Arlberggebiet (Galzig). Im Nahbereich dieses Lawinenabgangs konnten wir im flachen bis mäßig steilen Gelände Risse und Setzungsgeräusche beobachten. (Foto: 01.12.2021)
Kammnahes, spontanes Schneebrett im Arlberggebiet (Galzig). Im Nahbereich dieses Lawinenabgangs konnten wir im flachen bis mäßig steilen Gelände Risse und Setzungsgeräusche beobachten. (Foto: 01.12.2021)

Freitag, 26. November 2021

Es wird verbreitet winterlich - Lawinengefahr steigt - Start des täglichen EUREGIO-Lawinenreports ab 01.12.2021!

Nach einem "goldenen" Herbst folgt der Winterauftakt

Die Meteorologen sind sich einig: Das Wetter stellt sich nun längerfristig um. Rechtzeitig zum meteorologischen Winterbeginn wird es in ganz Tirol bei winterlichen Temperaturen weiß sein. Anfangs wird es im Süden bzw. Südosten des Landes mehr schneien, dann soll sich der Niederschlag Richtung Norden bzw. Nordwesten verlagern. 


48-Stunden Neuschneeprognose vom 26.11.2021. Am meisten Schnee wird von den südlichen Stubaier Alpen (süd)ostwärts fallen.
48-Stunden Neuschneeprognose vom 26.11.2021. Am meisten Schnee wird von den südlichen Stubaier Alpen (süd)ostwärts fallen.


Mit Neuschnee gebietsweise Anstieg der Lawinengefahr - besondere Vorsicht in Schattenhängen!

In den niederschlagsreicheren Gebieten Tirols muss während der kommenden Tage mit einem sogar deutlichen Anstieg der Lawinengefahr für den Wintersportler gerechnet werden. Dies betrifft v.a. Bereiche, wo aktuell bereits eine geschlossene Schneedecke vorhanden ist. Schauen wir uns dazu die Wetterentwicklung während des Novembers samt damit zusammenhängender Prozesse innerhalb der Schneedecke näher an. So können Problemzonen besser herausgefiltert werden.

November 2021: Drei markantere Niederschläge - sonst sonnig und trocken

Während des Novembers 2021 (Stand: 26.11.) schneite es dreimal intensiver, und zwar vom 01.11. auf den 02.11., vom 03.11. auf den 04.11 sowie vom 13.11. auf den 14.11. Dazwischen dominierte ruhiges, schönes Herbstwetter.


Wetter im November anhand der Wetterstation am Pitztaler Gletscher: Schönwetter dominierte. Drei markantere Niederschlagsereignisse
Wetter im November anhand der Wetterstation am Pitztaler Gletscher: Schönwetter dominierte. Drei markantere Niederschlagsereignisse

Der Schwerpunkt der letzten intensiveren Niederschläge (13.11. auf den 14.11.) lag in den Ötztaler-, Stubaier-, Tuxer- und Zillertaler Alpen.


Niederschlagsverteilung 13.11. auf 14.11.2021. Hotspot mit 40cm Neuschnee lag damals in der Axamer Lizum in den Stubaier Alpen.
Niederschlagsverteilung 13.11. auf 14.11.2021. Hotspot mit 40cm Neuschnee lag damals in der Axamer Lizum in den Stubaier Alpen.


Schönwetter förderte Bildung von Schwachschichten

So angenehm die niederschlagsfreie Zeit im November war, so sorgenvoll verfolgen  wir Lawinenprognostiker solche Wetterentwicklungen. Denn während längerer Schönwetterperioden mit sternenklarem Himmel strahlt die Schneedecke aus und kühlt dadurch deutlich ab. Aufgrund großer Temperaturgegensätze bei einer tendenziell eher geringmächtigen Schneedecke werden Schneekristalle größer und lockerer. (aufbauende Umwandlung). Aktuell finden wir deshalb speziell in oberflächennahen Schichten vermehrt lockere, kantige Kristalle bzw. zum Teil auch Oberflächenreif - beides mögliche Schwachschichten für die kommenden Schneefälle. Die ganze Angelegenheit muss jedoch noch etwas differenzierter betrachtet werden. Wichtig erscheint gerade zu Saisonbeginn immer auch ein Blick auf die aktuelle Schneeverteilung, denn noch nicht überall lag ja bereits Schnee. Oder aber, dieser ist bereits wieder abgeschmolzen.

Schneeverteilung im Land

Webcam-Bilder erleichtern unsere Arbeit enorm. So bekommen wir ein noch umfassenderes Bild der Schneeverteilung im Land: 


Blick Richtung Großglockner: In sehr steilen Sonnenhängen ist es bereits wieder bis in hohe Lagen aper.
Blick Richtung Großglockner: In sehr steilen Sonnenhängen ist es bereits wieder bis in hohe Lagen aper.

Die Kitzbüheler Alpen bekamen in Summe am wenigsten Niederschlag (Neuschnee) ab. Es gibt kaum  mehr eine zusammenhängende Schneedecke.
Die Kitzbüheler Alpen bekamen in Summe am wenigsten Niederschlag (Neuschnee) ab. Es gibt kaum  mehr eine zusammenhängende Schneedecke.


Sehr gut zu erkennen: Schneeverteilung um diese Jahreszeit ist stark expositions- und höhenabhängig. [Ausnahme Kunstschnee :-)]
Arlbergregion: Sehr gut zu erkennen: Schneeverteilung um diese Jahreszeit ist stark expositions- und höhenabhängig. [Ausnahme Kunstschnee :-)]


Eindrucksvoll: Schattig winterlich und genügend Schnee zum Skifahren, sonnseitig großteils aper. Kalkkögelgruppe (Foto: 24.11.2021)
Eindrucksvoll: Schattig winterlich und genügend Schnee zum Skifahren, sonnseitig großteils aper. Kalkkögelgruppe (Foto: 24.11.2021)


Intensive Schneedeckenuntersuchungen

Bereits im Frühwinter ist es essentiell, die Entwicklung der Schneedecke sehr gut zu verfolgen. Wir waren mehrmals mit einigen unserer Beobachter im Gelände, hatten aber auch die Möglichkeit, mit Unterstützung des Landeshubschraubers gezielt Schneedeckenuntersuchungen durchzuführen.

Unterwegs mit dem Landeshubschrauber zur systematischen Schneedeckenuntersuchung an neuralgischen Stellen (Foto: 23.11.2021)
Unterwegs mit dem Landeshubschrauber zur systematischen Schneedeckenuntersuchung an neuralgischen Stellen (Foto: 23.11.2021)

Unsere Untersuchungen zeigen ein mehrschichtiges Bild der Situation: 


Szenario 1: Schattseitig mit bereits vorhandener, geschlossener Schneedecke

Die Schneedecke ist an der Oberfläche aufbauend umgewandelt, also locker und stellt deshalb eine ideale Schwachschicht für darüber gelagerten gebundenen Schnee dar. In der Schneedecke sind zumindest bis etwa 2700m immer wieder auch dünne Krusten eingelagert. In den neuschneereicheren Gebieten (insbesondere mit Windeinfluss) können sich rasch sehr störanfällige Triebschneepakete bilden. Es reicht im Steilgelände die Zusatzbelastung eines einzelnen Wintersportlers aus, um ein Schneebrett auszulösen. Hinter windbeeinflussten, steilen Geländekanten ist zudem mit kleinen bis mittelgroßen spontanen Schneebrettlawinen zu rechnen.


Schneeprofil in der Axamer Lizum in den Stubaier Alpen vom 25.11.2021. Nord, 1980m, 30°: Problematisch für die kommenden Schneefälle sind oberflächennahe, lockere Schichten.
Schneeprofil in der Axamer Lizum in den Stubaier Alpen vom 25.11.2021. Nord, 1980m, 30°: Problematisch für die kommenden Schneefälle sind oberflächennahe, lockere Schichten.


Szenario 2: Besonnte Hänge mit einer bereits vorhandenen, geschlossenen Schneedecke

Hier spielt insbesondere auch die Höhenlage und Steilheit eine entscheidende Rolle. Dort wo es sehr steil ist, findet man oberflächennah häufig sehr harte, mitunter auch dickere Schmelzkrusten. Obwohl darunter zum Teil auch mögliche Schwachschichten eingelagert sind, ist eine Störung der Altschneedecke eher unwahrscheinlich. Hingegen in höheren Lagen bzw. in Sektoren, die nur wenig Sonne erhalten, findet man entsprechend dünnere Schmelzkrusten, darunter dann häufig ausgeprägte lockere Kristalle (kantige Formen) - eine durchaus ungünstige Voraussetzung für die kommenden Schneefälle.


Schneeprofil in der Nähe des Steinernen Lamms in den Nördlichen Zillertaler Alpen vom 23.11.2021. Süd, 2675m, 34°. Kantige Schwachschicht aufgrund Gefahrenmuster 4 (gm.4: kalt auf warm), darüber jedoch ein massiver Harschdeckel. Zudem nur kleinräumig zusammenhängende Schneedecke. Geringes Gefahrenpotential für kommende Schneefälle.
Schneeprofil in der Nähe des Steinernen Lamms in den Nördlichen Zillertaler Alpen vom 23.11.2021. Süd, 2675m, 34°. Kantige Schwachschicht aufgrund Gefahrenmuster 4 (gm.4: kalt auf warm), darüber jedoch ein massiver Harschdeckel. Zudem nur kleinräumig zusammenhängende Schneedecke. Geringes Gefahrenpotential für kommende Schneefälle.



Schneeprofil in der Axamer Lizum in den Stubaier Alpen vom 25.11.2021. Südost, 2090m, 36°. Ausgeprägte Schwachschicht unterhalb eines dünnen Schmelzharschdeckels. Allerdings auch hier: Schneedecke in dieser Höhenlage nur kleinräumig zusammenhängend.
Schneeprofil in der Axamer Lizum in den Stubaier Alpen vom 25.11.2021. Südost, 2090m, 36°. Ausgeprägte Schwachschicht unterhalb eines dünnen Schmelzharschdeckels. Allerdings auch hier: Schneedecke in dieser Höhenlage nur kleinräumig zusammenhängend.


Hier ein Bild, passend zu obigem Profil. Vermehrt wird man hier auf ca. 2300m im Sektor OSO bis O eine dünne Schmelzkruste an der Oberfläche, darunter kantige Kristalle finden.
Hier ein Bild, passend zu obigem Profil. Vermehrt wird man hier auf ca. 2300m im Sektor OSO bis O eine dünne Schmelzkruste an der Oberfläche, darunter kantige Kristalle finden.


Szenario 3: Hochalpin bodennahe Schwachschicht

Nach den Schneefällen Anfang November offenbarte sich das von uns angedeutete Altschneeoproblem mit einer bodennahen Schwachschicht in Form von zum Teil großflächigen Schneebrettlawinen im hochalpinen Gelände, ausschließlich auf Gletschern.


Großflächige Schneebrettlawinen beim Schalfkogel in den Ötztaler Alpen (Foto: 06.11.2021)
Großflächige Schneebrettlawinen beim Schalfkogel in den Ötztaler Alpen (Foto: 06.11.2021)


Drei spontane und eine durch Fernauslösung ausgelöste Schneebrettlawinen am Linken Fernerkogel (Foto: 09.11.2021)
Drei spontane und eine durch Fernauslösung ausgelöste Schneebrettlawinen am Linken Fernerkogel (Foto: 09.11.2021)


Bodennahe Schwachschicht vom Frühwinter. Untergrund Gletschereis. Daunferner, Stubaier Alpen. Nordost, 3060m, 40°.
Bodennahe Schwachschicht vom Frühwinter. Untergrund Gletschereis. Daunferner, Stubaier Alpen. Nordost, 3060m, 40°. 

Inzwischen gehen wir davon aus, dass diese Schwachschichten nur mehr durch große Belastung, insbesondere an Übergängen von wenig zu viel Schnee im sehr steilen Gelände ausgelöst werden können. Die prognostizierten Neuschneefälle sollten für spontane Lawinen, die in bodennahen Schwachschichten brechen tendenziell nicht ausreichen.


Hier ein Bild einer bodennahen Schwachschicht am Tiefenbachferner in den Ötztaler Alpen (Foto: 09.11.2021)
Hier ein Bild einer bodennahen Schwachschicht am Tiefenbachferner in den Ötztaler Alpen (Foto: 09.11.2021)


Szenario 4: Apere Bereiche - Auf steilen Wiesenhängen vermehrte Gleitschneeaktivität

Dort, wo es aktuell aper ist kann Schnee auf glatten Wiesenhängen bzw. Felsplatten abgleiten. Dies wird dort umso mehr der Fall sein, wo es intensiver schneit. Doch auch bei geringeren Mengen können bereits vermehrt Rutsche abgehen.


Hier ein Bild vom Stubaital vom 17.11.2021. Der kurz zuvor gefallene Neuschnee rutschte auf sehr steilen Grashängen ab. Zum Teil lösten sich auch kleine feuchte Lockerschneelawinen - ein auch nach den kommenden Schneefälle wohl gehäuft zu beobachtendes Bild.
Hier ein Bild vom Stubaital vom 17.11.2021. Der kurz zuvor gefallene Neuschnee rutschte auf sehr steilen Grashängen ab. Zum Teil lösten sich auch kleine feuchte Lockerschneelawinen - ein auch nach den kommenden Schneefälle wohl gehäuft zu beobachtendes Bild.


CONCLUSIO

Demnächst nimmt die Zahl an Gefahrenstellen für Lawinenabgänge rasch zu. Wintersportler, die sich im freien Gelände bewegen, sollten über Erfahrung in der Lawinenbeurteilung verfügen, aber auch entsprechend zurückhaltend sein. Vorsicht weiterhin vor möglichem Steinkontakt und der daraus resultierenden Verletzungsgefahr.


In niederschlagsreichen bzw. vermehrt windbeeinflussten Gebieten sollte auch im Pistennahbereich auf eine mögliche Lawinengefahr geachtet werden. Hier ein Bild eines Lawinenabgangs am Stubaier Gletscher  vom 15.11. aufgrund eines frischen Triebschneeproblems. (Foto: 17.11.2021)
In niederschlagsreichen bzw. vermehrt windbeeinflussten Gebieten sollte auch im Pistennahbereich auf eine mögliche Lawinengefahr geachtet werden. Hier ein Bild eines Lawinenabgangs am Stubaier Gletscher  vom 15.11. aufgrund eines frischen Triebschneeproblems. (Foto: 17.11.2021)


Steine bzw. Felsen, eine im Frühwinter nicht zu unterschätzende Sturz- und Verletzungsgefahr (Foto: 17.11.2021)
Steine bzw. Felsen, eine im Frühwinter nicht zu unterschätzende Sturz- und Verletzungsgefahr (Foto: 17.11.2021)


START DER TÄGLICHEN EUREGIO-LAWINENREPORTE ab 01.12.2021

Hier nochmals der Hinweis: Wir starten gemeinsam mit den Südtiroler und Trentiner Kollegen mit der täglichen Ausgabe unseres gemeinsamen EUREGIO-Lawinenreports am 30.11.2021. Um 17:00 Uhr erscheint dann der Bericht für den 01.12.2021. Wir freuen uns auf den kommenden Winter!

Freitag, 5. November 2021

Vorsicht: Hochalpin bereits Altschneeproblem mit Potential für Schneebrettlawinen! Zudem kann Schnee auf Grashängen abgleiten.

Vorab: Wintersportler können hochalpin Schneebrettlawinen auslösen! Problembereiche findet man von etwa 2800m aufwärts


Bis zu einem Meter Neuschnee

Der Wintereinbruch auf Tirols Bergen, der in zwei Staffeln, nämlich vom 01.11. auf den 02.11. sowie vom 03.11. auf den 04.11. gebietsweise bis zu 100cm Neuschnee brachte, führte zu einem für den Wintersportler beachtenswerten Anstieg der Lawinengefahr!


24h-Neuschnee der ersten Niederschlagsstaffel (01.11. auf den 02.11.2021)
24h-Neuschnee der ersten Niederschlagsstaffel (01.11. auf den 02.11.2021)

24h-Neuschnee der zweiten Niederschlagsstaffel (03.11. auf den 04.11.2021)
24h-Neuschnee der zweiten Niederschlagsstaffel (03.11. auf den 04.11.2021)

Gebietsweise schwache Altschneedecke

In hochalpinen Regionen, das betrifft v.a. die Regionen entlang des Alpenhauptkammes, kam dieser Neuschnee nämlich mancherorts bereits auf eine schwache Altschneedecke zu liegen. Schwachschichten befinden sich unmittelbar in Bodennähe und sind häufig zwischen dünnen Krusten eingelagert. ("Krusten-Sandwich). Problembereiche befinden sich unserem aktuellen Wissensstand von etwa 2800m aufwärts. Anfangs betrifft dies schattiges Steilgelände. Mit zunehmender Seehöhe sind dann auch weitere Expositionen, insbesondere der Sektor SW über N bis SO betroffen. (Anmerkung vom 05.11. 09:25Uhr: Inzwischen ist uns aus vergletschertem Gelände bekannt, dass auch der reine Südsektor davon betroffen sein kann.) Dies hat mit dem im Frühwinter gefallenen Schnee zu tun, der dort liegen geblieben ist und sich insbesondere auch während der Schönwetterperiode im Oktober aufbauend umgewandelt hat.


Schneeprofil im Nahbereich des Wurmkogels in den südlichen Ötztaler Alpen. Man erkennt im Bereich des Handschuhs eine bodennahe, lockere Schicht. Darüber lagert Neuschnee, der außer in Oberflächennähe gut gebunden ist (Wind ließ gegen Ende des Schneefalls deutlich nach.)  (Foto: 04.11.2021)
Schneeprofil im Nahbereich des Wurmkogels in den südlichen Ötztaler Alpen. Man erkennt im Bereich des Handschuhs eine bodennahe, lockere Schicht. Darüber lagert Neuschnee, der außer in Oberflächennähe gut gebunden ist (Wind ließ gegen Ende des Schneefalls deutlich nach.)  (Foto: 04.11.2021)


Hier das zu oberem Foto dazugehörige Schneeprofil: Schwache Schichten zwischen dünnen Krusten in Bodennähe, darüber das "Brett", dann lockerer, vom Wind unbeeinflusster Neuschnee.  Nord, 2800m



Lockere, aufbauend umgewandelte Schneekristalle wurden u.a. auch am Hintertuxer Gletscher in Bodennähe in großen Höhen gefunden. (Foto: 21.10.2021) 


Vorsicht! Schneebrettlawinen

Bereits Anfang Oktober, nach ergiebigeren Neuschneefällen, wurden die ersten Schneebrettlawinen der Saison beobachtet. Dies war im Bereich der Wildspitze in den Ötztaler Alpen der Fall.

Spontane, gering mächtige Schneebrettlawinen. Wildspitze (Foto: 09.10.2021)
Spontane, gering mächtige Schneebrettlawinen. 3200m, Nord Wildspitze (Foto: 09.10.2021)


Spontanes, kammnahes Schneebrett Großglockner. 3550m OSO (Foto: 02.11.2021)
Spontanes, kammnahes Schneebrett Großglockner. 3550m, OSO (Foto: 02.11.2021)


Ein durch Fernauslösung oberhalb des Gletschereises abgegangenes Schneebrett am Rettenbachferner in den Ötztaler Alpen (Foto: 04.11.2021)
Ein durch Fernauslösung oberhalb des Gletschereises abgegangenes Schneebrett am Rettenbachferner in den Ötztaler Alpen. 2900m, Nord (Foto: 04.11.2021)


Etwas heimtückisch: Die Schneeoberfläche ist oftmals locker. 

Da gegen Ende der vergangenen Niederschläge der Wind eingeschlafen ist, findet man aktuell in großen Höhen tendenziell eher eine wenig vom Wind beeinflusste Schneeoberfläche. Dies kann den Eindruck erwecken, dass der gesamte Neuschnee locker sei, was aber, wie schon kurz angedeutet, nicht der Fall ist! Dies erkennt man sehr gut auch an folgender Wetterstationsgrafik vom Stubaier Geltscher.

Zum Teil stürmischer Wind am 03.11. der in Folge deutlich nachgelassen hat.
Zum Teil stürmischer Wind am 03.11. der in Folge deutlich nachgelassen hat.


Schlussfolgerung: Zurückhaltung und Erfahrung abseits des gesicherten Skiraums

Wintersportler, die sich in großen Höhen abseits des gesicherten Skiraums aufhalten, sollten über Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr verfügen und zurückhaltend unterwegs sein. Neben der Verschüttungsgefahr ist gerade auch während des Frühwinters immer auch auf eine mögliche Verletzungsgefahr durch herausragende Steine zu achten. 


Zudem Vorsicht im Bereich von Wiesenhängen - Gleitschneerutsche und -lawinen möglich

Typisch für den Frühwinter, nach ergiebigeren Schneefällen, sind Gleitschneelawinen auf Grashängen, sowie Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände. Diese Lawinen konnte man während der vergangenen Tage vielerorts beobachten. Dies wird auch noch während der kommenden Tage mit abnehmender Tendenz der Fall sein. Insbesondere unterhalb von steilen Grashängen in schneereichen Gebieten also auch darauf achten. Hier ein paar Fotos...

Gleitschneerutsche und -lawinen im Defereggental (Foto: 02.11.2021)
Gleitschneerutsche und -lawinen im Defereggental (Foto: 02.11.2021)


Gleitschneerutsche auf einem Damm in der Axamer Lizum (Foto: 04.11.2021)
Gleitschneerutsche auf einem Damm in der Axamer Lizum (Foto: 04.11.2021)


Lockerschneelawine in der Schlick (Nördliche Stubaier Alpen) (Foto: 03.11.2021)


Freitag, 8. Oktober 2021

Wintergruß im Hochgebirge - Sinne für winterliche Gefahren schärfen

Kaltfront brachte Schnee im Hochgebirge

Nach einer stürmischen Südföhnlage und einer Kaltfront wurde es auf Tirols Bergen entlang des Alpenhauptkammes winterlich. Zwischen dem 04.10. und 07.10.2021 kamen bei den Messtationen meist zwischen 20 und 80mm Niederschlag zusammen, vereinzelt waren es über 100mm. Aufgrund der anfänglich noch überdurchschnittlich warmen Temperaturen fiel allerdings etwa die Hälfte des Niederschlags in Form von Regen, sodass in den "hotspots" aktuell um 40cm Schnee liegen. Die "hotspots" betreffen v.a. den Bereich zwischen den südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen und dem westlichen Teil der Zillertaler Alpen entlang des Alpenhauptkammes.


72h-Differenz der Schneehöhe 05.10.-08.10.2022
72h-Differenz der Schneehöhe 05.10.-08.10.2022


Nach der Kaltfront mit Schneefall reißt es nun auf. Blick Richtung Weißkugel. Interessant v.a. die Spalten am Hintereisferner, die großteils noch gut sichtbar sind, vereinzelt - zumindest kleine davon - aber auch schon von Neuschnee überweht sein können.
Nach der Kaltfront mit Schneefall reißt es nun auf. Blick Richtung Weißkugel. Interessant v.a. die Spalten am Hintereisferner, die großteils noch gut sichtbar sind, vereinzelt - zumindest kleine davon - aber auch schon von Neuschnee überweht sein können.


Lawinen stellen noch kein größeres Problem dar

Wir gehen aktuell davon aus, dass aufgrund des Neuschneefalls Lawinen nur in kleinem Ausmaß ein Thema sein können. Primär ist kurzfristig von kleinen Lockerschneelawinen aus felsdurchsetztem Gelände in hochalpinen Lagen auszugehen, insbesondere heute am 08.10., sobald die Sonne zum Vorschein kommt.

Hochalpin, also oberhalb etwa 3000m, in schattigen, sehr steilen Lagen, dort, wo Altschneefelder über den Sommer bestehen blieben, und zudem Schnee von Ende August und Mitte September liegen blieb, könnten ansonsten noch kleinräumige Triebschneepakete auslösbar sein. Aber auch dieses Szenario sollte die Ausnahme bilden und zudem auch nur sehr kurzfristig Bestand haben. Bei einem möglichen Lawinenabgang überwiegt derzeit eindeutig die Absturzgefahr.


Sinne für winterliche Gefahren schärfen

Dennoch: Nun beginnt die Zeit, ab der man die Sinne für eine mögliche Lawinengefahr bzw. für andere alpine Gefahren, wie die frühwinterliche Spaltensturzgefahr oder Steinkontakt beim Skifahren schärfen sollte. Denn: Immer wieder passieren bereits um diese Jahreszeit die ersten, für viele Personen unerwarteten Unfälle. Ein Beispiel eines frühwinterlichen Lawinenunfalls findet sich u.a. hier. 

Aktuell haben wir noch keine detaillierten Infos über die Beschaffenheit der im vergletscherten Bereich teilweise vorhandenen Altschneedecke. Wir gehen aber davon aus, dass sich dort noch kaum signifikante Schwachschichten ausbilden konnten. Wir stützen uns aktuell auf den Wetterverlauf seit Ende August und Prozessdenken. Hier ein kleiner Exkurs:


Der Gletscherrückgang hält an. Einige Altschneefelder vom vergangenen Winter. Hinteres Jamtal (Foto: 26.08.2021)
Der Gletscherrückgang hält an. Einige Altschneefelder vom vergangenen Winter. Hinteres Jamtal (Foto: 26.08.2021)


Wetterverlauf am Beispiel der Station Pitztaler Gletscher: Relevante Schneefälle gabs v.a. Ende August, um den 20.09. und während der vergangenen Tage. Am meisten Schnee fiel Ende August mit Spitzenwerten von knapp 100cm Neuschnee entlang des Alpenhauptkammes v.a. in Osttirol.
Wetterverlauf am Beispiel der Station Pitztaler Gletscher: Relevante Schneefälle gabs v.a. Ende August, um den 20.09. und während der vergangenen Tage. Am meisten Schnee fiel Ende August mit Spitzenwerten von knapp 100cm Neuschnee entlang des Alpenhauptkammes v.a. in Osttirol.


Valsertal in den Zillertaler Alpen: Zusammenhängende Altschneefelder samt Schneeresten seit Ende August nur im Bereich von Gletscherresten bzw. Lawinenablagerungen vom vergangenen Winter.
Valsertal in den Zillertaler Alpen: Zusammenhängende Altschneefelder samt Schneeresten seit Ende August nur im Bereich von Gletscherresten bzw. Lawinenablagerungen vom vergangenen Winter. (Foto: 01.10.2021)


Nun gilt es - nicht nur für uns Lawinenprognostiker - uns wieder intensiv mit der faszinierenden Materie Schnee auseinanderzusetzen. Gerade jetzt im Frühwinter dominieren nämlich oftmals recht ausgeprägte Temperaturgegensätze innerhalb und außerhalb der Schneedecke (u.a. hochreichender Regen, der von Schnee abgelöst wird). Temperaturgegensätze fördern Umwandlungsprozesse, aufgrund derer Schwachschichten entstehen können. Fällt darauf wiederum Schnee (oft unter Windeinfluss) kann dieser Mix die Zutaten für die ersten Schneebrettlawinen der Saison darstellen.

Die nächste Aktualisierung des Blogs erfolgt bei gravierenden Änderungen der Schnee- und Lawinensituation in Tirols Bergen. Bis dann eine schöne, unfallfreie Zeit in den Bergen!

Freitag, 28. Mai 2021

Unverändert winterlich im Hochgebirge - Lawinen bleiben ein Thema...

Kühlster Frühling seit zumindest 25 Jahren - weiterhin viel Schnee auf den Bergen


Die ZAMG-Wetterdienststelle informierte unlängst, dass es sich heuer um den kühlsten Frühling seit zumindest 25 Jahren handelt. Ähnlich kühl war es laut ZAMG-Wetterdienststelle nur in den Jahren 1996 und 1991, deutlich kühler 1987.

Das Ergebnis sieht man auf den Bergen: In großen Höhen ist es winterlich. Mögliche  Lawinenprobleme betreffen aufgrund der unterdurchschnittlichen Temperaturen unverändert v.a. oberflächennahe Schichten. Details dazu findet man im vergangenen Blogeintrag. Am schwierigsten einzuschätzen bleiben somit die mögliche Ausbildung der Gefahrenmuster "kalt auf warm" (gm.4), sowie "eingeschneiter Graupel" (gm.9). Wir gehen davon aus, dass diese Gefahrenmuster tendenziell eher in hochalpinen Bereichen (über etwa 3000m) bedeutsam sind. Eine höhere Wahrscheinlichkeit für gm.4 gibt es dabei in besonnten, sehr steilen Hängen. 

Hilfreich für die Beurteilung der Lawinengefahr erscheinen insbesondere auch aufgrund unserer aktuell nur wenigen Schneedeckeninformationen selbst durchgeführte oberflächennahe Stabilitätstests.   


Hier ein paar Impressionen zur Situation anhand aktueller Bilder


Schneebrettlawine in der Großvenediger-Region auf ca. 3200m SW. Oberflächennaher Anriss. Gefahrenmuster gm.4 bzw. gm.9 als wahrscheinlichste Ursache. (Foto: 26.05.2021)
Schneebrettlawine in der Großvenediger-Region auf ca. 3200m SW. Oberflächennaher Anriss. Gefahrenmuster gm.4 bzw. gm.9 als wahrscheinlichste Ursache. (Foto: 26.05.2021)



Ablagerung einer nicht mehr ganz frischen Schneebrettlawine in der Großvenediger-Region Nord 2600m. Kurzfristiger Wärmeeintrag als möglicher Auslöser (Foto: 21.05.2021)
Ablagerung einer nicht mehr ganz frischen Schneebrettlawine in der Großvenediger-Region Nord 2600m. Kurzfristiger Wärmeeintrag als möglicher Auslöser (Foto: 21.05.2021)


Wohl am häufigsten zu beobachten und am vergleichsweise leichtesten einzuschätzen: Lockerschneelawinen unmittelbar nach Neuschneefällen. (Foto: 26.05.2021)
Wohl am häufigsten zu beobachten und am vergleichsweise leichtesten einzuschätzen: Lockerschneelawinen unmittelbar nach Neuschneefällen. (Foto: 26.05.2021)



Lockerschneelawinen lösen sich meist spontan, lassen sich im extrem steilen Gelände aber auch sehr leicht durch Wintersportler auslösen. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 23.05.2021)
Lockerschneelawinen lösen sich meist spontan, lassen sich im extrem steilen Gelände aber auch sehr leicht durch Wintersportler auslösen. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 23.05.2021) 



Frischer Triebschnee in großen Höhen. Aufgrund der kalten Temperaturen zumindest kurzfristig ein Thema, vermehrt in kammnahen, sehr steilen Hängen. Großvenediger-Region. (Foto: 26.05.2021)
Frischer Triebschnee in großen Höhen. Aufgrund der kalten Temperaturen zumindest kurzfristig ein Thema, vermehrt in kammnahen, sehr steilen Hängen. Großvenediger-Region. (Foto: 26.05.2021)



Vorsicht vor Wechten. Interessant an diesem Foto u.a. auch eingelagerter Saharastaub (Foto: 21.05.2021)
Vorsicht vor Wechten. Interessant an diesem Foto u.a. auch eingelagerter Saharastaub (Foto: 21.05.2021)


Imposante Lawinenablagerung samt aufwändiger Schneeräumung im nördlichen Osttirol (Foto: 26.05.2021)
Imposante Lawinenablagerung samt aufwändiger Schneeräumung im nördlichen Osttirol (Foto: 26.05.2021)




Kein alltäglicher Anblick für Ende Mai. Sattes grün in den Tälern, zum Teil noch tief winterlich auf den Bergen. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 21.05.2021)
Kein alltäglicher Anblick für Ende Mai. Sattes grün in den Tälern, zum Teil noch tief winterlich auf den Bergen. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 21.05.2021)



Die Wetterstationsgrafik am Pitztaler Gletscher bestätigt unseren Wettereindruck: Sehr wechselhaft, auf den Bergen kalt, windig und viel Schnee.
Die Wetterstationsgrafik am Pitztaler Gletscher bestätigt unseren Wettereindruck: Sehr wechselhaft, auf den Bergen kalt, windig und viel Schnee. 



Wetter bleibt wechselhaft - Lawinengefahr bleibt ein Thema


Der heutige Freitag, 28.05.2021 glänzt mit freundlichem Wettercharakter. Allerdings bleibt uns die zu kühle und wechselhafte Witterung während der kommenden Tage erhalten. 


Vergleichsweise viel Sonne gibt es nur heute am 28.05.2021... (c) ZAMG-Wetterdienststelle
Vergleichsweise viel Sonne gibt es nur heute am 28.05.2021... (c) ZAMG-Wetterdienststelle


Somit heißt es trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit weiterhin auf eine mögliche Lawinengefahr im Hochgebirge zu achten.


Aktualisierung des Blogeintrags: (28.05.2021 - 07:00 Uhr):


Die oben angeführte Information zum Wetter bezog sich noch auf den gestrigen Wetterbericht der ZAMG-Wetterdienststelle - der heutige war noch nicht veröffentlicht. Hier ein Auszug aus dem letztgültigen Wetterbericht der ZAMG-Wetterdienststelle vom 28.05.2021 07:00 Uhr:  

"Hinter einer Kaltfront wird heute in Tirol Zwischenhocheinfluss wetterbestimmend. Am Wochenende kommt eine Nordströmung auf und ein Höhentief zieht von der Ostsee nach Ungarn. Tirol wird von mäßig feuchter Luft beeinflusst, was vor allem in den östlichen Bereichen für wolkenreiches Wetter sorgt. Nach Westen zu bleibt schwacher Hochdruckeinfluss wetterbestimmend. Kommende Woche dann Hochdruckrandlage. Es sollte ab Sonntag in eine mehrtägig trockene Wetterphase übergehen, die kommende Woche in frühsommerlichen Temperaturen gipfelt."

Wir erwarten somit vermehrt klassische Frühjahrsverhältnisse mit einem tageszeitlichen Gang der Lawinengefahr...

Die nächste Aktualisierung des Blogs erfolgt bei wesentlichen Änderungen der aktuellen Lawinensituation.

Donnerstag, 20. Mai 2021

Im Hochgebirge ist es weiterhin winterlich - Lawinengefahr sollte beachtet werden

Gebietsweise noch viel Schnee auf den Bergen


Während einer zu kühlen und sehr wechselhaften Zeit nimmt die Schneehöhe in hochalpinen Lagen weiter zu. Dort herrschen unverändert recht winterliche Verhältnisse. Dies passt auch mit den Aussagen der ZAMG-Wetterdienststelle zusammen, die angibt, dass der Frühling zuletzt in den Jahren 1996 und 1991 ähnlich kühl war wie heuer.


Gesamtschneehöhe in Tirol (Stand: 20.05.2021)


Monatsrückblick der Station am Pitztaler Gletscher. Gut zu erkennen die zu kühle Wetterphase mit häufig Niederschlag, zum Teil auch kräftigem Wind. Die aktuelle Gesamtschneehöhe ist während des vergangenen Monats vergleichsweise am höchsten.



Schneelage am 18.05.2021 im Tuxertal


Vergleichsbild vor einem Jahr am 18.05.2020


Schneelage am 07.05.2021 in der Axamer Lizum


Vergleichsbild vor einem Jahr am 09.05.2020



Neuschnee am 15.05.2021 am Stubaier Gletscher


Lawinengefahr sollte unverändert beachtet werden


Obwohl wir aktuell nur sehr wenig Informationen über den Schneedeckenaufbau in großen Höhen haben, gehen wir aktuell v.a. von oberflächennäheren Problemen aus. Dazu zählen:


  • Triebschneeproblem: 
    • v.a. in hochalpinen, vermehrt kammnahen Lagen; bevorzugt während bzw. unmittelbar nach Niederschlägen
  • Neuschneeproblem: 
    • Graupel: Wir wissen von gebietsweise massiveren Graupeleinlagerungen in oberflächennahen Schichten. Eine dicke, von Triebschnee überlagerte Graupelschicht kann mitunter eine Schwachschicht für Schneebrettlawinen darstellen. 
    • Nasse Lockerschneelawinen unmittelbar nach bzw. während der Schneefälle durch (diffusen) Strahlungseinfluss samt Temperaturanstieg. Dieses Problem tritt auch in tieferen Lagen auf, dort wo es viel geschneit hat.
  • Altschneeproblem: 
    • Der ständige Wechsel von Neuschnee, Kälte, Anfeuchtung der Schneedecke v.a. durch  (diffusen) Strahlungseinfluss birgt hohes Potential für die Ausbildung des Gefahrenmusters "kalt auf warm" (gm.4). Wir gehen davon aus, dass dieses Problem vermehrt oberhalb von 3000m in allen Expositionen in oberflächennäheren Schichten vorhanden sein kann. Es handelt sich um ein sehr schwierig einzuschätzendes und heimtückisches Problem. Hilfreich ist einzig ein rascher Blick in die Schneedecke samt Stabilitätstest, der dazu näher Aufschluss bringen kann. Beachte dazu u.a. auch den letzten Blogeintrag.


Zahlreiche spontane nasse Lockerschneelawinen auf der Nordkette oberhalb von Innsbruck aufgrund von (diffusem) Strahlungseinfluss. (Foto: 20.05.2021)


Eine Schwächung der Schneedecke in bodennahen Schichten aufgrund von Wassereintrag ist aktuell kein Thema. Dies war letztmals um den 09.05. der Fall. Damals sind uns einzelne Schneebrettlawinen schattseitig in Höhenbereiche zwischen etwa 2500m und 2700m gemeldet worden.


Lawinenabgang Riepenwand-Schlicker Seespitze in den Nördlichen Stubaier Alpen auf ca. 2500m NW vermutlich um den 09.05.2021


Von den Südtiroler KollegInnen wurden wir gestern überdies über einen tödlichen Lawinenunfall auf der Königsspitze auf 3700m informiert. Infos dazu gibts u.a. hier:


Es steht ein wechselhaftes Pfingstwochenende bevor


Morgen, Freitag, 21.05. bringt eine Warmfront wärmere, aber wolkenreiche Atlantikluft heran. Auf den Bergen ist es v.a. im Bereich des Alpenhauptkammes zum Teil sogar stürmisch. Am Samstag, 22.05. folgt eine Kaltfront. Die Schneefallgrenze soll um 1600m liegen. Der Niederschlagsschwerpunkt liegt am Hauptkamm östlich vom Ötztal. Es kann lokal bis etwa 40cm Schnee fallen. Die Luftmasse bleibt danach labil und kühl, das Wetter ähnlich wie wir es schon gewöhnt sind: Wechselhaft! Für die Lawinengefahr gilt oben Erwähntes.



 72h- Neuschneeprognose



Es gibt auch Lichtblicke, dass der Frühling langsam, aber stetig Einzug hält...



Dienstag, 11. Mai 2021

Föhn bricht zusammen - Neuschnee und Wind führen zu einem Anstieg der Lawinengefahr

Der Winter will kein Ende nehmen...


Während der vergangenen Tage blies auf den Bergen kräftiger Süd-Föhn. Heute am 11.05. bricht der Föhn zusammen. Im Süden des Landes hat bereits Niederschlag eingesetzt. Im Norden wird dies mit Eindringen einer Kaltfront aus Westen während der Abend- bzw. Nachtstunden der Fall sein. 


Windspitzen knapp unter 150km/h am Patscherkofel
Windspitzen knapp unter 150km/h am Patscherkofel


Niederschlagskarte 11.05. 15:00 Uhr. Im Süden hat mancherorts bereits Niederschlag eingesetzt. "Hot spot" aktuell das Timmelsjoch


Anfänglich soll es noch auf etwa 2500m hinauf regnen. Die Schneefallgrenze wird sich dann mit der Kaltfront zwischen etwa 1500m und 2000m einpendeln (im Norden tiefer als im Süden).



48h-Neuschnee-Vorhersage


Lawinengefahr steigt


Einiges an Neuschnee, zusammen mit Wind, wird die Lawinengefahr ansteigen lassen. Wir rechnen im hochalpinen Gelände in den neuschneereichen Gebieten mit teilweise größeren spontanen Lawinenabgängen. Diese Aussage stützt sich aktuell auf eine Rückmeldung einer großflächigen, oberflächennahen Schneebrettlawine im Bereich der Östlichen Simonyspitze in der Venedigergruppe sowie aufgrund von Prozessdenken. 



Spontaner Lawinenabgang bei der Östlichen Simonyspitze (Foto: 09.05.2021)


Wir gehen davon aus, dass sich hochalpin mancherorts eine oberflächennahe Schwachschicht aufgrund des Gefahrenmuster "kalt auf warm" (gm.4) gebildet hat. Bei entsprechender Zusatzbelastung durch den Neuschnee ist davon auszugehen, dass Schneebretter auch großflächiger von selbst abgehen können. Zudem werden frische Triebschneepakete in großen Höhen kurzfristig mitunter durch Wintersportler zu stören sein (Schwachschicht ev. überwehter Pulver bzw. Graupel). Vermehrt werden solche Gefahrenstellen im kammnahen, sehr steilen Gelände anzutreffen sein.



Rasche Aktivierung des Neuschnees bei (diffuser) Strahlung


Neuschnee um diese Jahreszeit reagiert extrem rasch auf Wärme- und Strahlungseinfluss. Spätestens ab Donnerstag, wenn es zumindest lokal aufzulockern beginnen wird, erwarten wir einen raschen Festigkeitsverlust des Neuschnees. Einerseits werden zahlreiche Lockerschneelawinen aus extrem steilen Gelände zu beobachten sein. Andererseits sind durch den Wärmeimpuls aber auch spontane Schneebrettlawinen denkbar. Lockerschnee- wie auch Schneebrettlawinen können in Folge in der Sturzbahn zum Teil auch die durchnässte Schneedecke mitreißen.


Spontane Schneebrettlawinen vom 10.05.2021 aufgrund fortschreitender Durchnässung der Schneedecke in Schattenhängen. Höhenbereich um 2500m


Zurückhaltung und Erfahrung


Wir erwarten also eine Situation, während der Wintersportler über gute Erfahrung in der Lawinenbeurteilung verfügen und eher defensiv unterwegs sein sollten. Zudem Vorsicht unterhalb von hochgelegenen und steilen Einzugsgebieten im Bereich von kanalisierten Lawinenbahnen. Dort können Lawinen mitunter auch in tiefere Höhenlagen vorstoßen und z.B. Wanderwege oder Forststraßen gefährden.