Samstag, 5. Dezember 2015

Rückblick November und Anfang Dezember 2015

Hochdruckeinfluss mit ruhigem und für die Jahreszeit sehr mildem Herbstwetter dominierte das Wettergeschehen in der ersten Monatshälfte.
 
Schönes Herbstwetter im hinteren Ötztal (Foto: 30.11.2015)
 
Ein ähnliches Bild aus den Nördlichen Stubaier Alpen (Blick Richtung Zischgeles) am 14.11.2015
 
Zwei kleine Störungen um den 14.11. und 17.11. brachten nur geringe Niederschlagsmengen mit Regen bis teilweise 2500 m hinauf. Nach Störungsdurchgang setzte sich dann wieder das sonnige und milde Wetter fort.
 
Der Schnee vom Oktober schmolz bis zum 20.11. dahin. Im Norden des Landes blieben in großen Höhen schattseitig Schneereste, meist bestehend aus harten Schmelzkrusten übrig (Westliche Nordalpen).
 
Einschneidend war dann eine ab dem 20.11. herannahende Kaltfront. Anfangs regnete es dabei noch bis ca. 2400m hinauf. In der Nacht vom 20.11. auf den 21.11. sorgte jedoch der Zustrom von polarer Kaltluft für ein Absinken der Schneefallgrenze bis teilweise in die Tallagen.
 
Temperaturkarte der ZAMG vom 20.11.2015 zeigt noch die vorherrschende warme Luftmasse…
 
Ein ganz anderes Bild am Folgetag, dem 21.11. mit dem Eindringen polarer Kaltluft
 
Besonders im Westen des Landes kamen mit bis zu 50cm Neuschnee in höheren Lagen beachtliche Neuschneesummen zusammen, während es im Osten des Landes meist zwischen 5 und 10cm waren. Zusätzlich wehte in der Höhe kurzfristig stürmischer Wind.
 
Repräsentativ für den Westen des Landes sind die Daten der Wetterstation Hahnenkamm in Reutte, wo beachtliche Neuschneesummen zusammenkamen. Der rasche Wechsel von Regen zu Schneefall machte auch einigen Windsensoren in Tirol zu schaffen, die kurzfristig durch Eisbehang ausfielen.
 
Blick auf die Nordkette (Westliche Nordalpen) nach den Schneefällen (Foto: 23.11.2015)
 
Eine verschneite Landschaft in den Tuxer Alpen (Foto: 23.11.2015)
 
Die Kaltluft kam den Liftgebieten wie gerufen, weil ab dann der Betrieb von Schneekanonen überall möglich war. Dies spiegelte sich auch im Landesstromverbrauch wieder, welcher laut TIWAG am 24.11. mit 23,63 GWh einen historischen Tageshöchstwert erreichte. Zurückzuführen war dieser neben der großen Kälte v.a. auch auf den flächendeckenden Einsatz von Schneekanonen.
 
Schneekanonen im Einsatz; Südliche Stubaier Alpen (Foto: 28.11.2015)
 
Die kalte Luft förderte aber auch die Bildung von Oberflächenreif (vermehrt in Kaltluftseen in Talbereichen).


Oberflächenreif im Pitztal (Foto: 24.11.2015)
 
Zusätzlich machte sich bei Schneedeckenuntersuchungen auch die Bildung von kantigen Kristallen unterhalb von dünnen Schmelzkrusten vermehrt schattseitig oberhalb etwa 2600m bemerkbar.
 
Bei Schneedeckenuntersuchungen zeigten sich bereits dünne, mitunter heikle Schwachschichten. Unterhalb des Pitztaler Jöchls in den Südlichen Stubaier Alpen (Foto: 25.11.2015)
 
Bis Ende des Monats befand sich Tirol dann in einer WNW Strömung mit Störungseinflüssen, während es in Ost- und Südtirol sonniger und niederschlagsärmer war.
 
Das Arlberggebiet war Ende des Monats niederschlagsmäßig begünstigt. Für Skitouren benötigte man jedoch auch dort häufig noch „Steinski“. Im Hintergrund Gleitschneemäuler. (Foto: 27.11.2015)
 
Bei einem Lawinenabgang am Pfaffenferner diente der vorhin noch lockere, bereits oberflächig auch etwas aufbauend umgewandelte Neuschnee als Schwachschicht für darüber gelagerten (im Auslösebereich harten) Triebschnee.


Ab dem 30.11 setzte sich dann zunehmend milde Atlantikluft durch, die mäßig feuchte Luftmassen nach Tirol brachte. Im Westen des Landes regnete es dabei kurzfristig bis ca. 2300m (lokal auch höher). Die südlichen und östlichen Landesteile blieben hingegen wieder weiterhin eher trocken.
 
Ein Bild vom Karnischen Kamm am 29.11.2015. Zu wenig Schnee zum Skitourengehen.
 
Weiterhin findet man in Tirol selten eine zusammenhängende Schneedecke, die gut für Skitouren wäre. Dies ist am ehesten in hochalpinen, vergletscherten Bereichen der Fall, wo allerdings auf die Spaltensturzgefahr zu achten ist.
 
Einzig ganz im Westen des Landes, so z.B. in Teilen des Arlberggebiets hat sich teilweise bereits durch Strahlungsnächte (bis zum 05.12.) eine harte Schneeoberfläche gebildet, die tagsüber auffirnt.
 
Allgemein gilt derzeit, dass die Schneedecke sehr unregelmäßig verteilt und vom Wind stark beeinflusst ist. Aufzupassen ist v.a. auf harte Triebschneepakete in großen Höhen, die teilweise im Bereich von dünnen, kantigen Schichten, welche sich wiederum im Nahbereich dünner Krusten gebildet haben, zu stören sind. Hingegen sollte Triebschnee auf vormals lockerem Pulverschnee kaum mehr auszulösen sein. Gefahrenbereiche findet man dabei v.a. in großen Höhen.
 
Die Gefahr geht derzeit am ehesten von harten Triebschneepaketen in großen Höhen in sehr steilem Gelände aus. Stubaier Gletscher (Foto: 02.12.2015)
 
Der November und Anfang Dezember im Überblick. Deutlich zu sehen ist auch die letzthin stürmische Periode.
 

Samstag, 28. November 2015

Triebschnee auf dünnen Schwachschichten im hochalpinen Gelände beachten!

Wir sind gerade dabei, uns ein möglichst umfassendes Bild über den Schneedeckenaufbau in Tirol zu verschaffen. Noch sind die Informationen zwar spärlich, allerdings lassen sich mögliche Problembereiche bereits grob eingrenzen. Eine mögliche Lawinengefahr ist derzeit v.a. in den westlichen Regionen Nordtirols sowie in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes von den Zillertaler Alpen westwärts zu beachten. Betroffen ist v.a. sehr steiles Gelände oberhalb etwa 2600m vermehrt im Sektor WNW über N bis ONO. Dort findet man innerhalb der Altschneedecke mitunter dünne Krusten, unter denen sich wiederum bereits recht ausgeprägte kantige Kristalle gebildet haben. Stabilitätstests zeigen eine erhöhte Störanfälligkeit. Bestätigt wird dies auch durch das vermehrte Auftreten von Setzungsgeräuschen, welche wir in einem Höhenbereich um 2800m beobachten konnten. Diese Schwachschicht kann mitunter auch oberhalb von 3000m in flacherem, südexponiertem Gelände vorhanden sein. Weiteres ist zu beachten, dass der vor einer Woche gefallene Neuschnee der Kälte ausgesetzt war, dadurch immer noch locker ist und inzwischen von neuerlichen Schneefällen überlagert wurde. Wir gehen dort allerdings von einer nur kurzfristigen Störanfälligkeit der Schneedecke in windexponierten Bereichen aus. Aufgrund der noch geringen Schneemächtigkeit und einer noch kaum zusammenhängenden Altschneedecke ist eine mögliche Lawinengefahr meist nur in eingeweihten, sehr steilen Rinnen und Mulden sowie in Kammnähe, aber auch auf Gletschern zu beachten. Dort liegt auf den erwähnten Schwachschichten meist genügend Schnee, sodass Spannungen aufgebaut und Schneebrettlawinen bereits durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden können. Generell gilt, dass die Tourenmöglichkeiten derzeit aufgrund der Schneelage noch stark eingeschränkt sind. Es ist insbesondere auch auf die Verletzungsgefahr durch Steinkontakt, aber auch auf die Spaltengefahr auf Gletschern zu achten.

Samstag, 21. November 2015

Kurzfristig Lawinengefahr im Westen des Landes beachten

Eine Kaltfront brachte im Westen Nordtirols in hohen Lagen 30-50cm Neuschnee, gegen Osten nahm dieser rasch ab. Begleitet war der Schneefall von stürmischem Wind und sinkenden Temperaturen. In hohen Lagen ist deshalb auf frische, kurzfristig störanfällige Triebschneeansammlungen im sehr steilen Gelände zu achten. Anzahl und Verbreitung nehmen dabei mit zunehmender Seehöhe zu. Mit etwas Erfahrung sind diese Gefahrenstellen derzeit gut zu erkennen.
Dort, wo es auf steilen Wiesenhängen mehr geschneit hat, sollte auch auf mögliches Abgleiten des Schnees am Boden geachtet werden.
Hochalpin (oberhalb etwa 3000m) und schattseitig kann zudem im westlichen Teil des Alpenhauptkammes frischer Triebschnee im sehr steilen Gelände auf einer bodennahen Schwachschicht ausgelöst werden.
In Kürze erscheint hier eine detaillierte Analyse der derzeitigen Situation.

Freitag, 20. November 2015

Rückblick Oktober 2015

Anfang des Monats war Nordtirol durch ruhiges Herbstwetter mit viel Sonnenschein und Föhn geprägt, während südlich des Hauptkammes hochnebelartige Bewölkung und leichter Niederschlag dominierte. Dieser zweiteilige Wettercharakter wurde von wechselhaftem, mildem Wetter abgelöst. Zwischen dem 15.10. und 19.10. brachte dann ein stationäres Tiefdrucksystem den, zumindest in den Gletscherskigebieten, heiß ersehnten Neuschnee. Die Schneefallgrenze lag damals zwischen etwa 900m und 1200m. Wintersportler mussten damals kurzfristig auf frische, leicht erkennbare Triebschneepakete in großen Höhen, dies v.a. in kammnahen, sehr steilen Hängen achten. Auf steilen, verschneiten Wiesenhängen beobachtete man hingegen vermehrt Gleitschneelawinen, insbesondere auch in Osttirol.
 
Blick ins Virgental am 19.10.2015 zeigt zahlreiche Gleitschneeanrisse bzw. –lawinen.
 
Die für den weiteren Winterverlauf bedeutenden Schneefälle von Mitte Oktober am Beispiel des Pitztaler Gletschers.
 
Ab dem 20.10. setzte sich dann sonniges, anfangs noch kühles, dann überdurchschnittlich mildes Herbstwetter (mit einer kurzen Unterbrechung um den 28.10.) durch. Der Schnee schmolz bis auf hochalpine Bereiche (über etwa 3000m) sowie hoch gelegene Schattenhänge vielfach dahin.
 
Blick von der Nordkette oberhalb von Innsbruck Richtung Süden nach den Schneefällen.
 
Blick von der Nordkette oberhalb von Innsbruck Richtung Süden Ende Oktober.
 
Der Oktober im Überblick am Beispiel der Station Falkaunsalpe in den Nördlichen Stubaier Alpen. Bedeutsam ist v.a. der Schneefall Mitte Oktober.
 

Rückblick September 2015

Der September lag meteorologisch im Durchschnitt. Einzig die Temperaturschwankungen waren beachtlich. Während Anfang September zum Teil Temperaturmaxima seit Messbeginn verzeichnet wurden, rasselten die Temperaturen mit einer Kaltfront, die in der Nacht vom 22.09. auf den 23.09. über Tirol gezogen ist, in den Keller. Der Nebeneffekt waren bis zu 50cm Neuschnee auf Tirols Bergen mit Schwerpunkt in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes. Die Schneefallgrenze lag dabei zwischen 1200m und 1500m.
 
Schneehöhenverteilung nach Durchzug der Kaltfront
Der September im Überblick am Beispiel der Wetterstation Tuxerjoch in den Zillertaler Alpen. Bei der Schneehöhe ist die Kurve ab dem 23.09. relevant.
 
 
Ende September verlief dann recht sonnig und führte - der Jahreszeit entsprechend - zu einem raschen Abschmelzen der Schneedecke.
 
 
Eine Woche nach dem Neuschneefall…