Donnerstag, 9. Februar 2012

Die Anzahl der Gefahrenstellen nimmt zu - frische Triebschneeansammlungen sind allgemein leicht zu stören!

Während der  vergangenen Tage hat sich die bisher allgemein sehr günstige Lawinensituation  durch vermehrten Windeinfluss doch verschärft. Dies hängt damit zusammen, weil  die Altschneeoberfläche länger der Kälte ausgesetzt war und sich nun zu  lockeren, kantigen Kristallen umgewandelt hat. Ebenso findet sich dort immer  wieder Oberflächenreif (auch in größeren Höhen). Kantige Kristalle sowie  Oberflächenreif gelten als ideale Gleitflächen für Schneebrettlawinen, die nun  immer häufiger von frischem Triebschnee überlagert und somit störanfällig  sind.

 

Der Wind ist lokal recht unterschiedlich und hat v.a. am  07.02. im Tagesverlauf deutlich zugelegt.

 

 

 

Die Devise  heißt nun also: Ausschau nach frischen Triebschneeansammlungen halten und diesen  im Steilgelände ausweichen!

 

Der Wind als Baumeister der Lawinen hat mancherorts  ganze Arbeit geleistet (Osttiroler Tauern, 06.02.2012)

 

Typische  Gefahrenzeichen, wie Rissbildungen oder Setzungsgeräusche, aber auch meist noch  kleine spontane Rutsche bzw. Lawinen weisen ebenso auf die erhöhte  Störanfälligkeit der Schneedecke hin. Vorsicht: Auch harte, frische  Triebschneeansammlungen sind leicht zu stören!

 

Risse in der Schneedecke als eindeutiger Gefahrenhinweis  (Westliche Nordalpen, 06.02.2012)

 

Die Schneedecke steht in windbeeinflussten Gebieten  häufig unter Spannung - Nördliche Stubaier Alpen (05.02.2012)

 

Nicht  verwunderlich, dass sich seit dem vergangenen Wochenende wieder die Meldungen  über Lawinenereignisse mit Personenbeteiligung häufen. Am 04.02. starben zwei  Tourengeher auf der Südtiroler Seite des Staller Sattels, nachdem sie im  kammnahen, extrem steilen Gelände bei der Abfahrt eine Schneebrettlawine  auslösten. Unterhalb des Valdafourkopfes in den Südlichen Ötztaler Alpen lösten  Freerider am 05.02. eine Schneebrettlawine aus. Die Personen wurden verschüttet,  blieben jedoch unverletzt.

 

Während des Lawineneinsatzes unterhalb des  Valdafourkopfes (Südliche Ötztaler Alpen, 05.02.2012)

 

In  Osttiroler gingen am 06.02. ein Lawinenabgang unterhalb des Peischlachtörls, am  08.02. im Bereich der Weißeneckscharte sowie auf der Südseite des Fiegerhorns  glimpflich aus. Am 07.02. wird ein Wanderer unterhalb der Amberger Hütte von  einer kleinen Lawine erfasst und getötet (sh. demnächst erscheinenden  Blogeintrag!). In Bschlabs verlegte eine kleine Schneebrettlawine in der Nacht  vom 08.02. auf den 09.02. die Straße. Immer wieder beobachtet man auch, dass  Gämsen mitunter Rutsche bzw. Lawinen auslösen...

 

Osttiroler Tauern (06.02.2012)

 

Eine Gämse löst ein Schneebrett aus. Südliche Ötztaler  Alpen (08.02.2012)

 

Wichtig zu  erwähnen: Es gibt immer noch viele Bereiche, in denen kein Wind im Spiel war.  Dort herrschen weiterhin günstige Bedingungen bei tollem Pulverschnee!

 

V.a. unterhalb der Waldgrenze, jedoch auch noch darüber  dominieren in windberuhigten Bereichen weiterhin gute Verhältnisse (Tuxer Alpen,  07.02.2012)

 

Weiterhin  ein Thema bleiben trotz der eisigen Temperaturen Gleitschneelawinen. In den  besonders schneereichen Regionen mit vielen Grashängen (dazu zählen derzeit v.a.  die Regionen Silvretta-Samnaun, Arlberg-Außerfern, Nordalpen, Kitzbüheler Alpen)  haben sich zum Teil riesige Risse aufgetan. Die Schneedecke ist dort unverändert  in Bewegung und kann jederzeit als Lawinen abgehen. Wir raten deshalb  unverändert, Bereiche unterhalb von Gleitschneemäulern möglichst zu meiden.  Aufpassen sollte man zudem auch darauf, dass man bei der Abfahrt nicht in solche  Risse stürzt. Mancherorts gleicht die vielfach aufgerissene Schneedecke derzeit  ja fast schon Gletschern…

 

Die mächtige Schneedecke isoliert gut und ist deshalb  auf Grashängen am Boden häufig feucht. Schnee gleitet deshalb trotz der eisigen  Temperaturen unverändert Richtung Tal...(Arlberg, 05.02.2012)

 

Ein riesiges Gleitschneemaul (Tuxer Alpen,  05.02.2012)

 

Zu erwähnen  ist auch noch, dass das südliche Osttirol zwischen dem 06.02. und 08.02. meist  um 20cm, lokal bis zu 30cm Neuschnee bekommen hat.

 


Endlich gibt es auch im südlichen Osttirol(zumindest für  die Optik) etwas Neuschnee...

 

Derzeit  bekommen wir auch recht zahlreiche Rückmeldungen von Wintersportlern, denen  Stufe 3 oberhalb der Waldgrenze als zu kritisch erscheint. Hier muss gesagt  werden, dass inzwischen aufgrund der vermehrten Windtätigkeit auf Tirols Bergen  die Anzahl an Gefahrenstellen innerhalb einer Region (!) doch so zugenommen hat,  dass trotz der meist noch geringmächtigen und eher kleinräumig anzutreffenden  Gefahrenstellen diese Stufe aufgrund der hohen Auslösewahrscheinlichkeit  gerechtfertigt ist. Ganz klar, wie auch schon oben erwähnt, wenn kein Wind im  Spiel war, findet man auch oberhalb der Waldgrenze immer noch super  Verhältnisse!

 


Ein zum Teil abrupter Sprung der Gefahrenstufe von 1 auf  3. Stufe 2 in den Südlichen Ötztaler Alpen wegen vermehrter  Triebschneeansammlungen unterhalb der Waldgrenze, in den Regionen R4, R1 und R2  wegen der größeren Gefahr durch  Gleitschneelawinen

 

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