Samstag, 9. Januar 2016

Aufgrund von unterdurchschnittlichen Schneehöhen meist schlechte Tourenbedingungen. Zum Teil hohe Auslösebereitschaft von Triebschnee auf lockerem Altschnee. Demnächst winterlichere Verhältnisse mit einem Gefahrenanstieg in Sicht.

Das wechselhafte Wetter mit meist geringen Neuschneemengen, teilweise Wind und Auflockerungen hält an.

Gut zu erkennen das ständige Auf und Ab bei sämtlichen Wetterparametern am Beispiel der Wetterstation Kühtai in den Nördlichen Stubaier Alpen.

Immer wieder ein ähnliches Bild in weiten Teilen Tirols: Am Vormittag meist noch Sonnenschein, im Tagesverlauf Eintrübung; Gamsbergspitze, Silvretta-Samnaun (Foto: 07.01.2016)

Die Tourenmöglichkeiten sowie die Abfahrtsmöglichkeiten im Variantengelände bleiben eingeschränkt.

Skitragen gehört bei vielen Touren noch dazu. Tonigenkogel, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 06.01.2016)

Günstig wirkt sich bei der Schneelage auch grasiger Untergrund aus. Figer Horn, Osttiroler Tauern (Foto: 08.01.2016)

Im Osten des Landes (Kitzbüheler Alpen, Östliche Nordalpen, südliches Osttirol) sind diese praktisch nicht möglich.

Blick vom Golzentipp in Richtung Lienzer Dolomiten, Südliches Osttirol (Foto: 06.01.2016)

Meist empfiehlt es sich, „Steinski“ zu verwenden. Entsprechend aufpassen sollte man deshalb auch auf eine erhöhte Verletzungsgefahr im freien Gelände aufgrund versteckter oder aus der Schneedecke herausragender Steine.

Nicht zu unterschätzen ist allerdings auch eine mögliche Lawinengefahr. Das Hauptproblem stellt dabei kürzlich entstandener Triebschnee auf lockerem, aufbauend umgewandeltem Altschnee dar.

Am 07.01. kam am Nachmittag vielerorts kräftiger Wind auf, der einiges an Schnee, nicht nur jenen aus den Schneekanonen, verfrachtete. Im Vordergrund erkennt man auch Schneebrettlawinen mit geringer Anrisshöhe. Skigebiet See, Region Silvretta-Samnaun (Foto: 07.01.2016)

Als Schwachschicht für mögliche Schneebrettlawinen kommt unmittelbar während und kurz nach Schneefällen immer wieder auch lockerer Pulverschnee in Frage, der von Triebschnee überlagert wurde.

Am Foto erkennt man zwei mögliche Problembereiche innerhalb der (meist noch gering mächtigen) Schneedecke: Dort, wo die Stockspitze hinzeigt, befindet sich eine dünne Schicht aus lockerem Pulverschnee. Darüber lagert härterer Triebschnee. Dort, wo der Handschuh liegt, erkennt man eine ausgeprägte Schicht aus lockeren, aufbauend umgewandelten, kantigen Kristallen. Beide Schichten kommen derzeit als Gleitflächen für Schneebrettlawinen in Frage. Meist sind es allerdings bodennahe Schwachschichten aus aufbauend umgewandelten Kristallen.

Sämtliche Stabilitätsuntersuchungen der letzten Zeit zeigen, dass die Auslösebereitschaft meist recht hoch ist. (Im Westen des Landes hat sich die Situation unterhalb etwa 2200m inzwischen durch den Warmwettereinfluss samt Regen vom 07.01. auf den 08.01. bis etwa 1800m etwas gebessert.). Allgegenwärtig bleiben Rissbildungen und Setzungsgeräusche, vereinzelt beobachtet man auch Fernauslösungen im freien Gelände.

Rissbildungen weisen auf einen schlechten Schneedeckenaufbau hin. Schlick, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 08.01.2016)

Leider zeigen uns die Schneeprofile auch, dass sich in besonnten Hängen seit Silvester zum Teil recht ausgeprägte kantige Schwachschichten gebildet haben. Derzeit stellen sie wegen der meist noch fehlenden Schneeauflage kein Problem dar, müssen jedoch mit den zu erwartenden Schneefällen im Auge behalten werden. Hochalpin (oberhalb etwa 3000m) findet man in besonnten Hängen zudem unterhalb von Schmelzkrusten (die sich bis Silvester gebildet haben) mitunter störanfällige kantige Schichten.

Südhang in den Nördlichen Stubaier Alpen. Bis Silvester war es dort aper. Am Boden hat sich seither eine Schicht aus kantigen Kristallen gebildet. (Foto: 08.01.2016)

Nun stellt sich natürlich die berechtigte Frage, wie man bei solchen Verhältnissen eine halbwegs vernünftige Gefahreneinschätzung treffen soll: einerseits kann man (mit Ausnahme des äußersten Westens) nur sehr eingeschränkt unterwegs sein, andererseits ist die Schneedecke eher ungünstig aufgebaut. Die erhöhte Auslösewahrscheinlichkeit und die Verbreitung von Gefahrenstellen (v.a. in Rinnen, Mulden und in Kammnähe) spricht (mit Ausnahme des Osten des Landes) eigentlich für erhebliche Gefahr oberhalb etwa 2000m. Wegen der meist geringen Mächtigkeit von Triebschneepaketen (dies trifft nicht für den äußersten Westen des Landes zu) geben wir derzeit jedoch in den meisten Regionen mäßige Gefahr, unterhalb etwa 2000m verbreitet geringe Gefahr aus, weil die Größe möglicher Lawinen auch als Kriterium für die Ausgabe einer Gefahrenstufe herangezogen wird.


Inzwischen hatten einige Personen bei Lawinenauslösungen auch schon Glück, so nördlich des Albonagrates (auf Vorarlberger Boden), wo ein Schwedischer Variantenfahrer nach einem Sprung über eine Wechte im sehr steilen nordseitigen Gelände am 06.01.2016 ein Schneebrett auslöste. Er wurde total verschüttet, konnte jedoch rasch ausgegraben werden und die Fahrt selbständig fortsetzen.

Blick vom Hubschrauber auf den Lawinenanriss unterhalb des Albonagrates vom 06.01.2016 im Arlberggebiet

Wie geht es weiter? Laut ZAMG-Wetterdienststelle sollen sich spätestens vom 11.01. auf den 12.01. winterlichere Verhältnisse mit Schneefall, Wind und tieferen Temperaturen einstellen. Wir rechnen mit einem raschen Gefahrenanstieg dort, wo derzeit Schnee liegt. Auf den vorhandenen Schwachschichten wird ab dann eine mächtigere (Trieb-)Schneeauflage vorhanden sein, sodass Spannungen vermehrt übertragen werden können. Nicht nur spontane Lawinen, auch vermehrte Lawinenereignisse mit Personenbeteiligung sind fast schon vorprogrammiert.

Demnächst ein vermehrtes Thema: Schneebrettlawinen, die auf lockerem Altschnee ausgelöst werden. Burgstall, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 08.01.2016)

Mittwoch, 6. Januar 2016

Trotz unterdurchschnittlicher Schneehöhen sollte die Lawinengefahr nicht unterschätzt werden. Triebschneepakete sind schattseitig zum Teil leicht zu stören. Im Arlberggebiet derzeit oberhalb etwa 2000m erhebliche Lawinengefahr.

Seit Beginn des neuen Jahres hat sich das Wetter umgestellt. Es ist wechselhaft. Immer wieder hat es geschneit, am meisten im Westen des Landes und dort speziell in der Arlbergregion, wo seit dem 03.01. bis zu 50cm zusammengekommen sind.

Schneefall zwischen dem 03.01. und 05.01. in Tirol. Man erkennt das West-Ostgefälle

Zusätzlich wehte bis gestern auf den Bergen mancherorts zum Teil recht kräftiger Wind. Oberhalb der Waldgrenze haben sich deshalb frische Triebschneepakete gebildet, die umfangreichsten im Westen des Landes.


Der Wetterverlauf der vergangenen Woche am Beispiel der Station Ulmerhütte im Arlberggebiet: Aufzug der ersten Störung in der Silvesternacht. Ab dem 03.01. schneite es dann anhaltender bei teilweise kräftigem, drehenden Wind. Zum Dreikönigstag hin Wetterbesserung.

Entscheidend für eine mögliche Lawinengefahr ist derzeit die Existenz möglicher Schwachschichten innerhalb der Schneedecke und dazu gilt es, sich folgende Fragen zu stellen:
Wo hat sich vor den kürzlichen Schneefällen eine Altschneedecke halten können?
Wie war diese beschaffen?
Kommt Neuschnee als Schwachschichte auch in Frage?

Neben den Erläuterungen in den vorigen Blogeinträgen zu dem bisher besonders schneearmen und überdurchschnittlich warmen Winter sollen einige Fotos die Situation bis Neujahr verdeutlichen:

Südseitig war es bis in hochalpine Regionen aper. Einzelne Schneebänder, die sich gehalten haben, waren bis ca. 3000m hinauf meist bis zum Boden hin hart. (Blick auf die Hohe Munde in den Westlichen Nordalpen; Foto: 24.12.2015)

Schattseitig war es bis zumindest der Waldgrenze hinauf häufig aper, Oberhalb der Waldgrenze bis in hochalpine Lagen fand man eine meist nur kleinräumig zusammenhängende Altschneedecke. Diese wurde während der extrem langen Schönwetterperiode aufbauend umgewandelt und besteht in windgeschützten Lagen aus lockeren, kantigen Kristallen, mitunter auch aus Schwimmschnee. Mit zunehmender Seehöhe nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass sich an der Oberfläche harte Windkrusten gebildet haben, die teilweise auch tragend sind. (Blick vom Inntal Richtung Nördliche Stubaier Alpen; Foto: 26.12.2015)

Unterhalb etwa 2000m war die Altschneedecke schattseitig teilweise vereist (Halltal; Westliche Nordalpen; Foto: 31.12.2015)

Am gefährlichsten ist es derzeit dort, wo sich Triebschnee auf lockerem Altschnee abgelagert hat oder wo sich an der Altschneeoberfläche eine nur dünne Windkruste gebildet hat (unter der kantige Kristalle zu finden sind). Dies ist vermehrt in Höhenbereichen zwischen etwa 2200m und 2800m in schattigen Steilhängen der Fall. Oberhalb etwa 3300m ist eine ähnliche Situation auch in besonnten Hängen vorzufinden (unter dünnen Schmelz-Windkrusten findet man ebenso recht lockere Schichten). Triebschneepakete sind dort wegen der schlechten Verbindung zum Altschnee meist sehr leicht zu stören.
Aufgrund der – mit Ausnahme des Arlberggebietes – geringen Mächtigkeit und noch nicht allzu flächigen Verbreitung solcher Triebschneepakete wurde die Lawinengefahr mit Ausnahme des Arlberggebietes (wo erhebliche Gefahr oberhalb etwa 2000m ausgegeben wurde) im Westen des Landes als mäßig eingestuft. Dennoch sollte überall darauf geachtet werden, dass Triebschneepakete auf lockerem Altschnee bereits durch geringe Belastung gestört werden können. Die erhöhte Störanfälligkeit bestätigen Rückmeldungen über gute Sprengerfolge z.B. im Arlberggebiet oder in den Südlichen Ötztaler Alpen, aber auch Setzungsgeräusche, Rissbildungen und sogar Fernauslösungen.

Triebschnee ist dort leicht zu stören, wo darunter lockerer Altschnee vorhanden ist. Silvrette, Fimbatal (Foto: 04.01.2016)

Fernauslösung am Felderjöchl in den Südlichen Ötztaler Alpen auf ca. 2800m (Foto: 05.01.2016)

Im Arlberggebiet kommt zudem kurzfristig auch der Neuschnee als Schwachschicht in Frage. Dies v.a. kammnah, dort, wo zu Beginn des Neuschneefalls vom 03.01. noch kein Wind geweht hat und sich dieser erst während des Schneefalls intensiviert hat. Triebschnee lagert dann auf lockerem Neuschnee und kann im sehr steilen Gelände kurzfristig auch in besonnten Hängen in großen Höhen gestört werden. Dieses Triebschneeproblem ist nur von kurzer Dauer und sollte morgen am 07.01. kaum mehr vorhanden sein.

Die vereiste Altschneeoberfläche unterhalb etwa 2000m sollte derzeit ebenso kaum ein Problem für den darüber gelagerten Neuschnee darstellen, wenn dann kann es zu kleinräumigem Abrutschen des Neuschnees kommen.

Die gute Botschaft seitens der ZAMG-Wetterdienststelle. Das wechselhafte Wetter geht weiter. Die Chancen auf winterlichere Verhältnisse steigen also, auch wenn vorerst noch keine ergiebigen Neuschneemengen in Sicht sind.

Nicht nur unwirtliche Wetterverhältnisse auf der Lampsenspitze im Sellrain. Man sollte derzeit Skier verwenden,um die es einem nicht schade ist. (Foto: 05.01.2016)

Auf Schneesuche im Villgratental (Foto: 05.01.2016)

Dennoch: Im Verlauf der kommenden Woche könnten lohnende Skitouren und Variantenfahrten nicht nur im äußersten Westen des Landes möglich werden. Was bleiben wird ist leider eine zum Teil störanfällige Altschneedecke in Schattenhängen, ein Relikt aus der langen Schönwetterperiode…

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Unverändert geringe Lawinengefahr bei unterdurchschnittlichen Schneehöhen. Der Dezember endet laut ZAMG auf den Bergen als wärmster Dezember der Messgeschichte.

Am Ende des Jahres 2015 herrscht weiterhin geringe Lawinengefahr. Die Schneehöhen sind für die Jahreszeit deutlich unterdurchschnittlich. In tiefen und mittleren Höhenlagen aller Expositionen sowie in sehr steilen besonnten Hängen bis in hohe Lagen hinauf ist es meist aper.
 
Dennoch: Man findet Schnee zum Skifahren. Einerseits trifft dies für die  Kunstschneepisten zu, die teilweise bis in die Täler reichen.
 
„Wandern wie im Sommer und Skifahren wie im Winter!?!“ Kitzbüheler Alpen (Foto: 26.12.2015)
 
Andererseits wird man v.a. in hohen Lagen und hier insbesondere in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes sowie im äußersten Westen Nordtirols fündig.
 
Winterlicher Eindruck in den Südlichen Ötztaler Alpen, Bereich Weißseespitze (Foto: 28.12.2015)
 
Blick vom Rosskogel in Richtung Innsbruck und Inntal (Foto: 29.12.2015)
 
Einsame Spuren in der Venedigergruppe (Foto: 25.12.2015)
 
Die Schneedecke ist derzeit spannungsarm.
In schattigen Bereichen findet man vielfach zumindest oberflächennah kantige, lockere Kristalle, an der Schneeoberfläche nicht selten windbeeinflusste Schichten, welche in größeren Höhen häufig tragfähig sind.
Sonnseitig hingegen ähneln die Verhältnisse dort, wo Schnee liegt, dem Frühjahr. Firn im Tagesverlauf, eine harte Schneeoberfläche aufgrund der nächtlichen Ausstrahlung bis in die Vormittagsstunden hinein. Einzig hochalpin überwiegen sonnseitig nicht tragfähige Schmelzharschdeckel, unter denen sich meist recht ausgeprägte, lockere Schichten aus kantigen Kristallen gebildet haben.
 
Bei Stabilitätsuntersuchungen kann man derzeit kaum Brüche initiieren. Wenn dies der Fall ist, dann brechen Schichten sehr unregelmäßig, was als gutes Zeichen zu werten ist. (Weißseespitze, Südliche Ötztaler Alpen). Foto: 28.12.2015
 
Schneeoberfläche auf ca. 3400m südwestseitig, 40 Grad. Man erkennt eine dünne Schmelzkruste, darunter eine Schicht aus lockeren Kristallen. (Foto: 28.12.2015)
 
Hochalpin ist die Schneeoberfläche häufig vom Wind geprägt. Südliche Ötzaler Alpen (Foto: 28.12.2015)
 
„Stau“ an der Zuckerhütl-Nordwand in den Südlichen Stubaier Alpen (Foto: 28.12.2015)
 
Geringe Gefahr heißt nicht, dass gar nichts passieren kann. Allerdings findet man derzeit nur ganz wenige Gefahrenstellen, an denen Lawinenauslösungen denkbar sind. Am ehesten trifft dies für extrem steiles, schattiges Gelände zu, wo ältere, meist harte und kleinräumige Triebschneepakete typischerweise durch große Belastung gestört werden können. Aufgrund des lange anhaltenden Schönwetters haben sich unterhalb solcher harten Schichten teilweise Schwimmschneenester gebildet, die als mögliche Gleitfläche dienen können.
 
Ein Schneebrett unterhalb der Warenkarscharte in den Südlichen Stubaier Alpen (Foto: 27.12.2015)
 
Der Dezember 2015 endet laut Thomas Wostal von der ZAMG folgendermaßen: „Sonnigster und viertwärmster Dezember der Messgeschichte. Auf den Bergen sogar neuer Temperaturrekord. Trockenster Dezember seit 1865. In vielen Gemeinden Feuerwerkverbot wegen der Gefahr von Waldbränden.“
 
Für das neue Jahr 2016 bescheinigt die ZAMG Bewegung im Wetterverlauf. Anfangs sind die Niederschlagsmengen zwar noch so bescheiden, dass sich an der günstigen Lawinensituation nichts ändert. Allerdings darf man gespannt den weiteren Wetterverlauf verfolgen. Zumindest am Sonntag soll im Westen des Landes erstmals wieder merkbarer Neuschnee dazukommen. Danach bleibt es wechselhaft.
 
Vom Team des LWD wünschen wir auf diesem Weg nur das Allerbeste für das kommende Jahr, endlich etwas Schnee und möglichst keine Bekanntschaft mit Lawinen!

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Weiterhin dürftige Schneelage – geringe Lawinengefahr

Das stabile Hochdruckwetter mit überdurchschnittlichen Temperaturen setzt der ohnedies bereits geringmächtigen Schneedecke weiter zu. Es gibt unverändert nur wenige Bereiche, wo Skitourengehen Spaß macht. Dies trifft derzeit am ehesten für  hochalpine Regionen entlang des Alpenhauptkammes zu.
 
Unterdurchschnittliche Schneehöhen in Tirol
 
Nach den Schneefällen vom 17.12., als kurzfristig kleine Lockerschneerutsche und Triebschneeansammlungen zu beachten waren, findet man inzwischen kaum mehr Gefahrenstellen, an denen Lawinenauslösungen denkbar sind. Am ehesten ist dies oberhalb etwa 2800m in extrem steilen, schattigen Rinnen denkbar, wo harte, alte Triebschneepakete auf einem lockeren Fundament gestört werden könnten.
 
Um den 17.12. schaute es in hohen Lagen kurzfristig winterlich aus. Rosskogel (Foto: 17.12.2015)
 
Die Hauptgefahr geht derzeit jedoch eindeutig von einer möglichen Verletzungsgefahr durch Steine aus, die entweder von Schnee überdeckt sind oder aber aus der Schneedecke herausragen.
 
Aufstiegsspur zum Rietzer Grießkogel in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 22.12.2015)
 
Im vergletscherten Gelände überwiegt hingegen die Spaltensturzgefahr gegenüber einer möglichen Lawinengefahr.
 
Osttiroler Tauern (Foto: 14.12.2015)
 
Mitunter heißt es derzeit, länger Ski zu tragen, bis man beim begehrten Schnee angelangt ist…
 
Aufstieg Richtung Gaislachkogel in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 19.12.2015)
 
Unterwegs in den Osttiroler Tauern (Foto: 20.12.2015)
 
Während man in tiefen Lagen weiterhin ausschließlich auf künstlichen Schnee angewiesen ist, findet man in den Gletscherskigebieten auch genügend Naturschnee.
 
Hintertuxer Gletscher (Foto: 13.12.2015)
 
Die Bedingungen ändern sich vorerst nicht. Wir warten weiterhin auf den heiß ersehnten Schneefall. Ab dann starten wir auch mit der täglichen Berichterstattung zur Schnee- und Lawinensituation.
 

Dienstag, 8. Dezember 2015

Kurze Infos zur aktuellen Situation

Es gibt derzeit nur wenige Bereiche in Tirol, in denen man (halbwegs) vernünftig auf Skitour unterwegs sein kann. Dazu zählt der äußerste Westen Nordtirols sowie hochalpine Bereiche. Darunter versteht man Höhenlagen oberhalb etwa 3000m. Die Schneedecke ist dort stark vom Wind geprägt, weshalb es skifahrerisch meist kein Hochgenuss ist. Im vergletscherten Gelände geht die Hauptgefahr derzeit von einer möglichen Spaltensturzgefahr aus.
 
Im hochalpinen Gelände sollte v.a. auf die Spaltensturzgefahr geachtet werden.
 
Dennoch, auch eine mögliche Lawinengefahr ist nicht ganz außer Acht zu lassen. Die Anfang Dezember gebildeten, harten und kurzfristig auf einer lockeren Neuschneeschicht abgelagerten, recht spröden Schneebretter dürften sich zwar inzwischen in den meisten Fällen gut stabilisiert haben.
 
Unterhalb einer harten Schneeoberfläche fand man am 02.12. noch eine dünne, lockere leicht aufbauend umgewandelte Neuschneeschicht. Eine Störung dieser Schicht dürfte inzwischen eher unwahrscheinlich sein.
 
Dennoch kommt inzwischen vermehrt die aufbauende Umwandlung unterhalb dieser Krusten zum Tragen. Einige Rückmeldungen über Setzungsgeräusche im hochalpinen Gelände sind ein Indiz dafür. Ebenso wurde uns über einen glücklich verlaufenden Lawinenabgang im Bereich der Vorderen Karlesspitze im Nahbereich des Kaunertaler Gletscherskigebietes berichtet. Als Schwachschicht dienten laut Schilderungen kantige, lockere Kristalle.
 
Lawinenabgang während des Aufstiegs Richtung Vordere Karlesspitze. Die Lawine wurde knapp unterhalb des Grates ausgelöst. (Foto: 04.12.2015)



Oberflächennah beobachtet man derzeit zudem ganz im Westen des Landes sehr kleinräumige, zudem gering mächtige und überdies leicht zu erkennende Triebschneepakete im schattigen Gelände. Interessant dabei ist wiederum die rasche aufbauende Umwandlung des geringen Neuschneezuwachses vom 04.12. auf den 05.12.2015.
 
Ein dünner „Flaum“ von Neuschnee lagerte sich vom 04.12. auf den 05.12. ab.
 
Höhe Störanfälligkeit, jedoch zu kleinräumig und zu wenig ausgeprägt, als dass es eine ernst zu nehmende Gefahr darstellen würde: Kürzlich gebildeter Triebschnee oberhalb von kürzlich gefallenem und leicht aufbauend umgewandeltem Neuschnee. Arlberg, Muggengrat, (05.12.2015)
 
Im Westen beobachtet man auch Gleitschneerisse bzw. –lawinen. Oft ist die Schneehöhe zu gering, dennoch findet man vereinzelte Gefahrenbereiche.
 
Am Schluss noch eine Besonderheit der derzeitigen Situation. Im Westen herrschen teilweise von der Schneedeckenbeschaffenheit Frühjahrsverhältnisse mit Firn (Sulzschnee) im besonnten Steilgelände, während im schattigen Gelände mitunter noch Pulverschnee anzutreffen ist.
 
Harte Schneeoberfläche in besonnten Hängen, teilweise Pulver im schattigen Gelände. Im Hintergrund Gleitschneerisse. Arlberg, Zürser Täli, (Foto: 05.12.2015)
 
Übrigens: Wer Interesse an Schneeprofilen hat: Die findet man hier: