Dienstag, 7. November 2017

Die Windtätigkeit bestimmt zurzeit einen wesentlichen Teil der Lawinengefahr in größeren Höhen. Frischen Triebschnee beachten!

Bei den Neuschneefällen vom 05.11. auf den 06.11. war meist wenig Wind im Spiel, was für die Lawinengefahr prinzipiell positiv zu werten war.

Inzwischen erkennt man bei einigen Wetterstationen eine Windzunahme bzw. konstanten Wind aus südöstlicher Richtung, welcher über Verfrachtungsstärke liegt. Dies wirkt sich auf die Lawinengefahr aus. Der in der Höhe noch lockere Pulverschnee wird dadurch verfrachtet. Es bildet sich frischer Triebschnee, der in großen Höhen in windabgewandten, sehr steilen Bereichen bereits durch geringe Belastung ausgelöst werden kann. Bevorzugte Gefahrenbereiche befinden sich in Kammnähe sowie hinter Geländekanten.

Als Schwachschicht dient wohl zum allergrößten Teil lockerer, überwehter Pulverschnee. Brüche im Altschnee (sh. letzter Blogeintrag) erscheinen hochalpin und schattseitig in großen Höhen prinzipiell denkbar, jedoch deutlich unwahrscheinlicher.

Ein indifferentes Windbild…

Windzunahme und Richtungsänderung bei der Wetterstation Elferspitze in den Stubaier Alpen

Schneepräparierung am Stubaier Gletscher bei gemessenen 92cm Neuschnee… (Foto: 06.11.2017)

Montag, 6. November 2017

Bis zu 100cm Neuschnee entlang des Alpenhauptkammes und in Osttirol – Hauptgefahr: Frischer Triebschnee in großen Höhen

Kurz vorab:
Der spätherbstliche Wintereinbruch in den Bergen verlangt eine Schärfung der Sinne für eine mögliche Lawinengefahr. In großen Höhen sollte auf frischen Triebschnee geachtet werden. Aus felsigem Gelände können Lockerschneelawinen abgehen. Dort, wo es viel geschneit hat, kann Schnee auf steilen Wiesenhängen abrutschen.

Weitere Infos im Detail:
Eine Kaltfront brachte vom 05.11. auf den 06.11. die von der ZAMG-Wetterdienststelle vorhergesagten Neuschneesummen.

Neuschnee im südlichen Osttirol. (Foto: 06.11.2017)

Am meisten schneite es in den Ötztaler, Stubaier und Zillertaler Alpen sowie in Osttirol. Dort waren es 50cm-80cm, hochalpin (also oberhalb etwa 3000m) lokal sogar bis zu 100cm.


Einen guten Überblick über die Niederschlagsverteilung in Tirol gibt auch die Karte von Hydro Online mit Höchstwerten des gemessenen Niederschlags im südlichen Osttirol.

24-Stunden-Niederschlag zwischen dem 05.11. und 06.11. 08:30 Uhr.

Anhand der automatischen Wetterstationen erkennt man zudem, wie rasch der starke Süd-Föhneinfluss von der kalten N-Strömung abgelöst wurde. Bezeichnend ist auch der abrupte Rückgang des Winds mit Beginn des Neuschneefalls.

Ein Lehrbeispiel für Meteorologen: Mit Zusammenbruch des Föhns beginnt es zu schneien. Der Wind dreht und wird deutlich schwächer.

Was bedeutet das alles für die Lawinengefahr? Um diese Frage besser beantworten zu können, muss kurz ausgeholt werden. Wichtig erscheint die Beantwortung von drei Fragen: Wo ist vor den Schneefällen bereits zusammenhängend Schnee gelegen? Wie war die Altschneedecke beschaffen? Gibt es in den neuschneereichen Gebieten glatte Grashänge?

Die Frage 1, „Wo ist vor den Schneefällen bereits zusammenhängend Schnee gelegen?", lässt sich am besten mit Webcam-Bildern beantworten, die im Folgenden beginnend von den niederschlagsreichsten zu den niederschlagsärmeren Regionen dargestellt werden.

Webcambild Südliches Osttirol (Foto: 04.11.2017; foto-webcam.eu)

Webcambild Zillertaler Alpen (Foto: 04.11.2017; foto-webcam.eu)

Blick vom Stubaier Gletscher ins Stubaital (Foto: 04.11.2017)

Blick vom Pendling in Richtung Kaisergebirge (Foto: 04.11.2017)

Blick von der Zugspitze Richtung Süden (Foto: 04.11.2017)

Blick vom Nebelhorn in Bayern Richtung Südosten (Arlberg-Außerfern) Foto: (04.11.2017; foto-webcam.eu)

Eine zusammenhängende Schneedecke war prinzipiell nur schattseitig bzw. hochalpin  in allen Expositionen vorhanden. Schattseitig begann diese in den Tuxer- und Zillertaler Alpen bereits ab ca. 2100m, ansonsten meist zwischen etwa 2300m bis 2800m.

Frage 2, „Wie war die Altschneedecke beschaffen?" beschränkt sich noch auf relativ wenige Schneeprofilauswertungen. Am ungünstigsten scheint diese hochalpin bzw. schattseitig oberhalb etwa 2800m aufgebaut zu sein. Dort findet man bereits eine Abfolge von Krusten und aufbauend umgewandelten Kristallen.

Das Schneeprofil auf der Weißseespitze im Kaunertal auf 3470m, NO vom 31.10.2017 zeigt eine Abfolge von Krusten und weicheren, aufbauend umgewandelten Schichten. Beim Stabilitätstest konnte an diesem Standort nur ein Teilbruch erzeugt werden.

Frage 3, „Gibt es in den neuschneereichen Gebieten glatte Grashänge?" muss mit Ja beantwortet werden. Gerade im Spätherbst beobachtet man nach intensiven Schneefällen gehäuft so genannte Gleitschneerutsche. Dies hat auch damit zu tun, weil der Boden noch warm ist und die Schneedecke darauf besser abgleiten kann, als dies auf gefrorenem Boden möglich wäre.

Montag, 30. Oktober 2017

Nach Sturm und Schneefall frischen Triebschnee in großen Höhen beachten

Das gestern am 29.10. über Tirol gezogene Sturmtief wirkt sich auch auf die Lawinengefahr in großen Höhen aus. Dort findet man neue Triebschneepakete, die im sehr steilen Gelände durch Wintersportler ausgelöst werden können. Mit etwas Erfahrung in der Lawinenbeurteilung lassen sich diese Gefahrenstellen meist recht gut erkennen.

Zur Information für Freerider in den Gletscherskigebieten: Am 28.10. wurden wir über zwei Lawinenauslösungen mit Personenbeteiligung am Pitztaler Gletscher im Bereich des Brunnenkogels informiert. Die Personen blieben unverletzt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte es sich um frische Triebschneeansammlungen gehandelt haben, welche sich ab dem 27.10. gebildet haben.

Unsere Messstationen zeigten gestern am 29.10. verbreitet starken bis stürmischen Wind.

An oberen Karte des Hydrographischen Dienstes erkennt man den 24-stündigen Niederschlag: Stand 29.10., 16:35 Uhr.

Die nächste Aktualisierung erfolgt wiederum bei einer deutlichen Änderung der Situation.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Gletscherskigebiete freuen sich über gute Schneebedingungen

Das Wetter seit dem letzten Blogeintrag lässt sich so zusammenfassen: Der restliche September bis einschließlich Anfang Oktober verliefen vorwiegend trüb und wechselhaft mit regelmäßigen Schneefällen in der Höhe und kurzen warmen Schönwetterphasen.
 
Zwischen dem 10.10. und 21.10.2017 stellte sich stabiles Hochdruckwetter ein, das am 22.10. neuerlich von einer Kaltfront samt Schnee abgelöst wurde. Um den Nationalfeiertag dominiert wieder Sonnenschein. Dann wird’s voraussichtlich länger wieder kühl und wechselhaft.
 
Die Wetterstation am Pitztaler Gletscher zeigt im Detail, was sich während des vergangenen Monats abgespielt hat: Viel Niederschlag, wechselhaft samt einer markanten Schönwetterphase im Oktober.
 
Schneefall der vergangenen Neuschneefälle
 
Von dieser relativ niederschlagsreichen Zeit haben die Gletscherskigebiete profitiert, die sich über regen Zustrom freuen.
 
Blick auf den Pitztaler Gletscher (Foto: 24.10.2017)
 
Informationen über die Beschaffenheit der Schneedecke sind noch spärlich.
 
Aufbauende Umwandlung im Bereich von Krusten wurde schattseitig von ca. 2500m aufwärts beobachtet. Während des vergangenen Schneefalls hatte sich auch etwas Graupel eingelagert. Wir gehen auch aufgrund der Gesamtschneelage dennoch nicht von größeren Lawinenproblemen aus. Am ehesten wird der Wintersportler, der sich im ungesicherten, sehr steilen Gelände aufhält, auf frischen Triebschnee während und unmittelbar nach Schneefällen achten müssen. 
 
Die Schönwetterperiode förderte aufbauende Umwandlungsprozesse des liegen gebliebenen Schnees, dies schattseitig in größeren Höhen und in allen Expositionen hochalpin. (Foto: Schlick, 15.10.2017)
 
Eine nächste Aktualisierung erfolgt bei einer gravierenden Änderung der Situation.
 

Montag, 18. September 2017

Herbstlicher Wintergruß auf den Bergen

Der meteorologische Sommer (Juni bis August) war laut ZAMG der drittwärmste seit Messbeginn im Jahr 1767. Wärmer waren nur der Sommer 2003 sowie der Sommer 2015. Dies hatte Auswirkungen auf die Gletscher, die massiv dahinschmolzen.
 
Den Gletschern ging es heuer wieder einmal an die Substanz. (Stubaier Alpen), Foto: 29.08.2017
 
Seit Ende August bzw. seit Beginn des meteorologischen Herbst herrscht in Tirol hingegen eine kühle, wechselhafte und niederschlagsreiche Witterung vor. Die Schneefallgrenze sank immer wieder bis etwa Waldgrenzniveau. Am 12.09. verirrten sich die ersten Flocken in Osttirol kurzfristig sogar bis in Talbereiche. Der Jahreszeit entsprechend schmolz der Schnee in mittleren und hohen Lagen rasch dahin. schattseitig und hochalpin sammelte sich dennoch bereits einiges an Schnee an.
 
Die Daten der Wetterstation am Pitztaler Gletscher zeigen eindrucksvoll das seit Anfang September sehr wechselhafte Wetter. Der Niederschlag fiel sowohl in Form von Schnee, als auch Regen. Föhn Mitte September
 
Pitztaler Gletscher am 31.08.2017
 
Pitztaler Gletscher am 18.09.2017
 
Die Gletscherskigebiete stehen somit in den Startlöchern.
 
Schneedepots vom vergangenen Winter helfen, die Pisten in den Gletscherskigebieten rascher in Betrieb zu nehmen bzw. – wie im Vordergrund zu sehen – für den Weltcupauftakt in Sölden gerüstet zu sein.
 
Hier noch ein paar Impressionen…
 
Im Inntal grün, auf den Bergen bereits weiß (Foto: 04.09.2017)
 
Am Vortag waren diese Wiesen im Defereggental noch angezuckert (Foto: 13.09.2017)
 
Bei Wanderungen im Gebirge stampft man mitunter bereits im Schnee. Blick von der Serles ins Wipptal (Foto: 15.09.2017)
 
Schnee bringt zwangsweise auch die Möglichkeit von Lawinenabgängen mit sich. Allerdings ist die Gefahr derzeit gering.
 
Prinzipiell sollte bei Schneefällen um diese Jahreszeit v.a. auf Lockerschneerutsche aus felsigem Gelände geachtet werden. Während intensiver Schneefälle samt starkem Windeinfluss und kalten Temperaturen kann sich in großen Höhen auch ein frisches Triebschneeproblem ausbilden. Gefahrenstellen findet man dann am ehesten im kammnahen, windabgewandten und sehr steilen Gelände. Aufgrund der doch noch relativ starken Sonneneinstrahlung und der wärmeren Temperaturen stabilisiert sich die Schneedecke um diese Jahreszeit rasch.
 
Die nächste Aktualisierung erfolgt bei einer deutlichen Änderung der Bedingungen. Noch hoffen wir auf einen schönen Altweibersommer…