Samstag, 17. März 2018

Gebietsweise oberflächennahes Altschneeproblem

Wir beobachten derzeit die Bildung zumindest einer kantigen, lockeren Schicht im Bereich von oberflächennah eingelagerter Schmelzkrusten. Bedeutsam scheint dies v.a. im schattigen Gelände zwischen etwa 2100m und 2400m, im W- und O-exponierten Gelände oberhalb etwa 2600m und im südexponierten Gelände oberhalb etwa 2900m zu sein.

Aufgrund der geringen Schneeauflage auf dieser Schicht (sonnseitig sind es häufig 2 Schichten), handelt es sich oftmals noch gar nicht um ein „Altschneeproblem“. Es wird allerdings überall dort zum Problem, wo sich z.B. durch kürzlichen Windeinfluss mehr Schnee darüber abgelagert hat.

Schneeprofil 2880m, Süd, 32 Grad; Zischgeles, Nördliche Stubaier Alpen vom 16.03. zeigt mögliche, oberflächennahe Schwachschichten

Mittwoch, 14. März 2018

Das Frühjahr machte sich erstmals bemerkbar – mit den Temperaturen geht es ab dem Wochenende wieder abwärts


Mit beginnendem Südföhn-Einfluss ab dem 08.03. begannen die Temperaturen zu steigen. Zeitweise regnete es bis maximal 2300m hinauf. Ebenso legte der Wind in der Höhe deutlich zu.
 
Interessant zu verfolgen ist derzeit v.a. die Schneeoberflächentemperatur bei tiefer gelegenen Stationen, wie hier auf 1935m bei der Muttekopfhütte. Man erkennt die zunehmende Durchfeuchtung der Schneedecke, die während der vergangenen Tage in diesen Höhenlagen inzwischen häufig schon isotherm geworden ist.

Bei der Station Patscherkofel erkennt man gut den Föhneinfluss: zunehmender Wind, steigende Temperaturen.

Die Schneedecke wurde dadurch in tiefen und mittleren Höhenlagen erstmals während dieses Winters massiver durchfeuchtet bzw. gar durchnässt und entsprechend geschwächt. Lawinenabgänge waren die Folge. Es handelte sich dabei entweder um Lockerschnee- oder Gleitschneelawinen. Dies hatte auch damit zu tun, weil in diesen Höhen markante Schwachschichten innerhalb der Schneedecke fehlen.

Lockerschneelawinen lösten sich vermehrt im Bereich von extrem steilem, bewaldeten Gelände. Einige davon erreichten auch sehr exponierte Straßen. Die höchste Aktivität von Lockerschneelawinen wurde zwischen dem 11.03. nachmittags sowie dem 12.03. abends beobachtet.

Lawinenabgang bei der Seewand im Lienzer Becken (Foto: 12.03.2018)

 
Regen und warme Temperaturen förderten die Lawinenaktivität am 12.03.

  Lawinenablagerungen im hinteren Zillertal (Foto: 13.03.2018)

Lawinenauslösung im Waldbereich in Zentralosttirol (Foto: 13.03.2018)

Markant war auch die wieder auflebende Gleitschneelawinenaktivität.

Gleitschneelawine auf der Nordkette (Foto: 12.03.2018)

  Frische Gleitschneelawine in den Osttiroler Tauern (Foto: 13.03.2018)

Das Triebschneeproblem verlagerte sich von Tag zu Tag langsam in größere Höhen. Diffuse Sonneneinstrahlung und warme Temperaturen führten doch zu einer recht raschen Stabilisierung. Derzeit gehen wir davon aus, dass Triebschnee erst oberhalb etwa 2400m zu stören sein sollte.

Kammnah konnten kleine Schneebretter aufgrund von frischem Triebschnee beobachtet werden. Zentralosttirol (13.03.2018)

Spontanes Schneebrett in einem offensichtlich vom Wind beeinflussten Schattenhang (Foto: 12.03.2018)

Die Lawinengefahr ist inzwischen überwiegend mäßig mit möglichem, leichten tageszeitlichen Anstieg. Mit den zum Wochenende hin prognostizierten winterlichen Temperaturen wird sich die derzeit durchfeuchtete Schneedecke wieder stabilisieren. Gleitschneelawinen stellen jedoch weiterhin eine mögliche Gefahr dar. Triebschnee sollte v.a. in größeren Höhen beachtet werden. (Nachtrag vom 15.03.: 06:30 Uhr: Gefahrenstellen werden mit dem starken Föhneinfluss während des 15.03. verbreiteter. Vermehrt aufpassen heißt es in Schattenhängen, beginnend von etwa 2200m aufwärts sowie allgemein im kammnahen sehr steilen Gelände.) Zudem ist speziell in sehr steilen W- und O-exponierten Hängen oberhalb etwa 2800m auf ein mögliches, oberflächennahes Altschneeproblem zu achten: Unterhalb einer dünnen Schmelzkruste könnten dort kantige Kristalle als Schwachschicht für Schneebrettlawinen eine Rolle spielen.

Freitag, 9. März 2018

Oberflächennahen Triebschnee beachten – Zunahme an Gefahrenstellen durch Südföhn – Temperaturanstieg fördert die Durchfeuchtung in tieferen Lagen

Am 07.03. und 08.03. beobachteten wir in Tirol relativ viele Lawinenabgänge geringer Größe. Die Ursache lag in den Schneefällen seit dem 06.03.,  dem zunehmenden Windeinfluss sowie der Existenz oberflächennaher Schwachschichten.

An der Karte erkennt man nicht den teilweise beobachteten, recht markanten Anstieg der Schneehöhe mit der Seehöhe. Lokal schneite es im 3000m-Niveau um 40cm.

Mancherorts mehr Neuschnee in größeren Höhen, wie hier in den Stubaier Alpen (Foto: 08.03.2018)

Eine wechselhafte Woche liegt hinter uns. Markant sind derzeit der zunehmende Windeinfluss sowie der Temperaturanstieg

Unterwegs in den Tuxer Alpen bei während des Tages stärker werdendem Windeinfluss. Die am rechten Bildrand abgebildete Aufstiegsspur wurde bereits großteils zugeweht. (Foto: 08.03.2018)

Schneefahnen in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 08.03.2018)

Die dadurch entstandenen Triebschneepakete waren meist recht störanfällig. Diese konnten sowohl schattseitig, als auch sonnseitig ausgelöst werden. Als Schwachschicht kamen einerseits in allen Expositionen lockerer, überwehter Pulverschnee, andererseits v.a. im schattigen Gelände die während der letzten Kältephase aufbauend umgewandelte Schicht aus lockeren, meist kantigen Kristallen in Frage. Letztere Schicht findet man in höheren, besonnten Lagen allerdings auch unterhalb einer dünnen Schmelzkruste.

Sonnseitig hat sich dieser Triebschnee mit der darunter liegenden Schicht aus lockerem Pulverschnee durch den Strahlungseinfluss am 08.03. wieder gut verbunden. Einzig in großen Höhen, dort wo es mehr geschneit hat bzw. mächtige Triebschneepakete abgelagert wurden, kann die erwähnte kantige Schicht unterhalb der Schmelzkruste mitunter im besonnten Gelände noch störanfällig sein.

Trockener Rutsch, der durch eine Gämse im besonnten Steilgelände während der Morgenstunden des 08.03. auf etwa 2200m ausgelöst wurde. Triebschnee auf lockerem Pulverschnee, darunter eine Schmelzkruste. (Foto: 08.03.2018)

Während des Tages wurde die Schneedecke oberflächig zunehmend durchfeuchtet. Eine Person löste beim Queren des Hanges diesen feuchten Rutsch aus. Galtjoch, Außerfern (Foto: 08.03.2018)

Es wurden uns einige Lawinenabgänge gemeldet, bei denen Personen beteiligt waren, die meisten im schattigen Gelände. Bei zwei Lawinenabgängen wurden die Personen ca. 300m mitgerissen, einmal am Gaißhorn bei Tannheim im Außerfern, einmal im Hörndlinger Graben in den Kitzbüheler Alpen. Die Personen blieben unverletzt.

Lawinenabgang Hörndlinger Graben in den Kitzbüheler Alpen. Eine von zwei Personen wurde ca. 300m mitgerissen. (Foto: 08.03.2018)

Lawinenabgang Hörndlinger Graben. Man erkennt die Einfahrtsspur und den Lawinenanriss. Die zweite Person fuhr in Folge seitlich versetzt der Lawine ab. (Foto: 08.03.2018)

Eine von mehreren Lawinenabgängen mit geringer Anrissmächtigkeit. Hier im Skigebiet Obergurgl-Hochgurgl (Foto: 08.03.2018)

Spontane Lawinen vom 07.03. in den Südlichen Stubaier Alpen (Foto: 08.03.2018)

Die größte uns bekannte Lawinenablagerung von einer spontanen Lawine vom 07.03.: Stillup, Zillertaler Alpen. Ein kurzfristiger Temperaturanstieg während der Niederschläge förderte am 07.03. die spontane Lawinenaktivität. (Foto: 08.03.2018)

Es folgt ein kurzer Blick auf einige Schneeprofile der vergangenen Tage, die man auch hier findet.

Schneeprofil vom 08.03.2018 Schwarzbrunn, Tuxer Alpen: NO, 1750m. Unterhalb einer dünnen Schmelzkruste lagern kantige Kristalle, die sich während der langen Kälteperiode gebildet haben. Spätestens oberhalb etwa 2000m verschwindet diese Schmelzkruste. Dann findet man „nur" mehr kantige Kristalle, die  überschneit, bzw. überweht sind. Die kantigen Kristalle bilden die Schwachschicht.

Schneeprofil vom 08.03.2018 Rosenjoch, Tuxer Alpen: N, 2540m: Die kantige Schwachschicht von der Kälteperiode findet man hier unter einem Winddeckel, der vom Föhn des vergangenen Wochenendes herrührt

Im besonnten Gelände findet man verbreitet eingelagerte Schmelzkrusten. Deren Dicke nimmt mit der Seehöhe allgemein ab, hängt aber wesentlich auch von der Neigung ab. Problembereiche findet man am ehesten noch in oberflächennahen Schichten in größeren Höhen. Dort sind an diese Schmelzkrusten angrenzende kantige Schichten zum Teil noch locker und somit störanfällig.

Schneeprofil auf ca. 2800m im südexponierten Gelände, 30 Grad an einer windexponierten, schneearmen Stelle in den Südlichen Stubaier Alpen. Kantige Kristalle unterhalb einer Schmelzkruste. Innerhalb dieser kantigen Schicht erkennt man auch kleine, gefrorene Schmelzkanäle, die stabilisierend wirken, bei großer Belastung, insbesondere großer Schneeauflast jedoch unverändert gestört werden können. (Foto. 08.03.2018)

Profil auf 2640m, Süd. 30 Grad vom 08.03., Stubaier Alpen. Die problematischste Schwachschicht bilden die kantigen Kristalle unterhalb der obersten Schmelzkruste und zwar dann, wenn diese von mächtigeren Schneepaketen überlagert würde.

Für das Wochenende raten wir deshalb, Triebschneepakete allgemein im schattigen Gelände sowie in besonnten Hängen in größeren  Höhen möglichst zu meiden.
Verschärfend kommen der an Stärke zunehmende Föhneinfluss sowie die am Sonntag im Süden zunehmenden Niederschläge zu. Wir rechnen dann durchwegs auch mit spontanen Lawinenabgängen.

Weiters zu beachten: Die Schneedecke wird durch die warmen Temperaturen derzeit unterhalb etwa 2000m feucht und dadurch geschwächt. Das Nassschneeproblem nimmt mit den steigenden Temperaturen weiter zu. U.a. kann auch die Gleitschneeaktivität wieder zunehmen.

Donnerstag, 1. März 2018

Außergewöhnlich kalte Tage gehen zu Ende – frischen Triebschnee beachten!

Polare Kaltluft hatte uns während der letzten Tage fest im Griff. Auf knapp 3300m am Breiten Grießkogel in den Nördlichen Stubaier Alpen wurde in der Nacht vom 26.02. auf den 27.02. mit -31,9 Grad eine der niedrigsten Temperaturen in Tirol gemessen. Am Brunnenkogel in den Südlichen Ötztaler Alpen waren es -32,4 Grad. Aus Aufzeichnungen der ZAMG-Wetterdienststelle geht hervor, dass tiefere Temperaturen im Jahr 1987 erreicht wurden.

Ein nicht alltägliches Bild bei der Wetterstation Breiter Grießkogel in den Nördlichen Stubaier Alpen:  Außergewöhnlicher Temperaturrückgang (blauer Pfeil, rote Linie). Extrem niedriger Taupunkt von -45 Grad während der Abendstunden des 25.02. (violette Linie) - ein Indiz für extrem trockene Luft. Nun steigt die Temperatur - anfangs auch in Abhängigkeit der Windrichtung (magenta Pfeil) - wieder an. Tendenz steigend (roter Pfeil).

Überall im Land war es extrem kalt!

Das Bild aus der Silvretta lässt die tiefen Temperaturen nur erahnen. (Foto: 26.02.2018)

Im Gelände musste man gut eingepackt sein (Foto: 27.02.2018)

Die kalten Temperaturen förderten in oberflächennahen Schichten die aufbauende Umwandlung der Schneedecke. Das heißt: Man findet dort derzeit häufig lockere kantige bzw. auch filzige Kristalle bzw. Oberflächenreif. Dies entweder an der Schneeoberfläche bzw. knapp darunter, dann meist unter Wind- bzw. Schmelzkrusten.

Oberflächenreif in den Tuxer Alpen (Foto: 24.02.2018)

Eingeschneiter Oberflächenreif in den Tuxer Alpen (Foto: 28.02.2018)

Diese Kristalle bilden eine ideale Schwachschicht für darüber gelagerten Triebschnee.

Nur wenige Zentimeter beträgt die Anrissmächtigkeit dieser Mini-Lawine – ein Indiz für die sehr hohe Störanfälligkeit der Schwachschicht. (Foto: 26.02.2018)

Rissbildung bei einem frischen Triebschneepaket in Osttirol (Foto: 26.02.2018)

Die Lawinengefahr wurde und wird ganz wesentlich vom Windeinfluss bestimmt. Der Wind wehte während der vergangenen Zeit sehr unterschiedlich – von windstill bis Wind deutlich über Verfrachtungsstärke konnte alles beobachtet werden. Meist waren die Triebschneepakete nur kleinräumig und geringmächtig. Großräumig gesehen fand man deshalb überwiegend recht gute Verhältnisse vor.

Unterwegs in den Osttiroler Tauern (Foto: 28.02.2018)

Dort, wo allerdings der Wind im Spiel war, beobachtete man immer wieder Lawinenabgänge.

Ein spontanes Schneebrett in der Silvretta aufgrund kürzlich verfrachteten Schnees (Foto: 27.02.2018)

Während der vergangenen Tage wurden wenige Auslösungen von Schneebrettlawinen durch Wintersportler gemeldet. Unserem Informationsstand zufolge gingen alle Ereignisse gut aus.

Lawinenabgang mit Personenbeteiligung unterhalb der Scheibenspitze in den Tuxer Alpen am 24.02.2018. Frischer Triebschnee bildete das Problem.

Das im vorigen Blogeintrag erwähnte Altschneeproblem insbesondere im Sektor Süd hat sich inzwischen in größere Höhen verlagert und dürfte nur mehr vereinzelt oberhalb etwa 2600m ein Thema sein. Dies hat wohl auch mit den sehr kalten Temperaturen zu tun. Das über der oberflächennahen, kantigen Schwachschicht lagernde Brett dürfte zunehmend aufbauend umgewandelt worden sein. Eine Bruchfortpflanzung wird dadurch unwahrscheinlicher.

Lawinenabgang mit Personenbeteiligung am 24.02.2018 unterhalb des Festkogels in den Südlichen Ötztaler Alpen. Oberflächennahes Altschneeproblem: Südwest, 2800m (Foto: 27.02.2018)

Spontanes Schneebrett in den Osttiroler Tauern; Oberflächennahes Altschneeproblem: Süd, 2700m (Foto: 26.02.2018)

Einen absoluten Ausreißer bildete ein spontaner Schneebrettabgang zwischen dem 22.02. und 23.02. unterhalb des Jochgrubenkopfes im Grenzbereich der Tuxer zu den  Zillertaler Alpen. Das Schneebrett erlangte beachtliche (und für uns unerwartete) Größe und brach schattseitig in einer kantigen Schwachschicht, welche sich im Bereich einer Regenkruste vom 04.01.2018 gebildet hatte. (Wir wussten über diese Schwachschicht in einem Höhenband zwischen etwa 1800m und 2300m Bescheid. Diese bildete sich aufgrund des Gefahrenmusters kalt auf warm aus und wurde ab dem 16.01. gemeinsam mit eingeschneitem Oberflächenreif aktiv. Nach der extrem neuschneereichen Wetterphase bis zum 22.01. deutete allerdings Vieles auf eine relativ rasche Entspannung dieses Problems hin. (Auch wurden uns danach keine derartigen Lawinenabgänge bekannt.)

Schneebrettlawine unterhalb des Jochgrubenkopfes (Foto: 24.02.2018)

Schneebrettlawine Jochgrubenkopf (Foto: 28.02.2018)

Wir erklären uns den Lawinenabgang durch eine Verkettung mehrerer Einflussfaktoren:

Wind aus dem Sektor NO führte zwischen dem 21.02. und dem 23.02. zu Schneeverfrachtungen. Im obersten Anrissbereich könnte der dadurch abgelagerte Triebschnee primär als kleines, spontanes Brett in einer oberflächennahen Schwachschicht (Wildschnee, Oberflächenreif) abgegangen sein. In Folge könnte diese Belastung zu einem Bruch in der kantigen Schicht unterhalb der Regenkruste vom 04.01. geführt haben. Mutmaßend gehen wir davon aus, dass die aufbauende Umwandlung unterhalb dieser Kruste an einer vermutlich schneearmen Stelle besonders weit vorangeschritten war (ev. kleines Schwimmschneenest unterhalb der Regenkruste), sodass ein Bruch innerhalb dieser Schwachschicht überhaupt erst möglich wurde. Erst dann war die Belastung auf die angrenzende kantige Schicht groß genug, sodass auch diese brechen konnte. Maßgebend für die Bruchfortpflanzung war wiederum die Schmelzkruste oberhalb dieser Schwachschicht.
Unwahrscheinlicher, jedoch prinzipiell auch denkbar ist ein unmittelbarer Bruch im Bereich eines solchen Schwimmschneenestes durch die Belastung des Triebschnees. Noch unwahrscheinlicher, aber ebenso nicht auszuschließen ist die Auslösung allein durch die fortschreitende Umwandlung der Schwachschicht wohl im Bereich einer schneearmen Stelle mit bereits sehr ausgeprägtem Schwimmschneenest.

Wetterstationsgrafik der relativ nahe gelegenen Station Rastkogel zeigt den Windeinfluss als mögliche Mitursache des Lawinenabgangs

Wir führten vor Ort Stabilitätsuntersuchungen durch. Brüche konnten an den von uns ausgewählten Stellen nur durch sehr große Belastung erzeugt werden. Eine Bruchfortpflanzung war dort jeweils nicht möglich.

Schneeprofil im Bereich des Lawinenanrisses auf 2195m; NO vom 28.02.2018. Die kantige Schicht unterhalb der Schmelzkruste war ausschlaggebend für den Lawinenabgang. Am Profilort konnte nur ein Teilbruch durch große Belastung erzeugt werden.

Wir gehen weiterhin davon aus, dass es sich bei diesem Lawinenabgang um einen absoluten Ausnahmefall handelte. Im Hinterkopf behalten kann man sich dennoch: In einem schmalen Höhenband zwischen etwa 1900m und maximal 2300m ist so etwas (Nachtrag vom 01.03. 20:20 Uhr: …im schattigen Gelände…) prinzipiell nicht auszuschließen.

Nun, am 01.03. stellt sich die Wetterlage um. Mit Südföhn dringen nicht nur wärmere Luftmassen nach Tirol, auch der Wind legt in der Höhe zu.

Das Gebot der Stunde lautet somit, die Sinne für frische Triebschneepakete zu schärfen und diesen möglichst auszuweichen.


Weitere Eindrücke der vergangenen Tage:

Zum Teil hartnäckiger Nebel am 24.02.. Nördliche Stubaier Alpen

Im Bereich des Nebels bildete sich Anraum, zum Teil wurde die Schneeoberfläche am 24.02. auch  angefeuchtet (Foto: 27.02.)

Oberhalb des Nebels wirkten Sonneneinstrahlung und warme Temperaturen. Die Schneeoberfläche wurde in besonnten Hängen feucht. Nachträglich bildete sich dort ein Harschdeckel, darunter beobachtete man während der Kältephase aufbauende Umwandlung. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 25.02.2018)


Die Schneedecke gleitet auf Dächern… Sulzalpe (Foto: 24.02.2018)

Die Schneedecke gleitet weiterhin trotz der kalten Temperaturen auf steilen Wiesenhängen. Am Weg zur Namloser Wetterspitze im Außerfern (Foto: 25.02.2018)