Dienstag, 20. März 2018

Lokal recht unterschiedlicher Neuschneezuwachs

Wir beobachten gerade einen gebietsweise sehr unterschiedlichen Schneehöhenzuwachs. Markant dabei ist auch die zum Teil deutliche Schneehöhenzunahme mit der Seehöhe. Dies ist ein für das Frühjahr typisches Phänomen und ist vergleichbar mit gewitterartigen Niederschlägen, wie wir sie vom Sommer her kennen.

Selbst ein Blick auf unsere Schneehöhenkarten, die die Differenz der Gesamtschneehöhe während der vergangenen 72 Stunden anzeigt, verrät dieses Phänomen nicht detailgetreu genug. Dies hat damit zu tun, weil die meisten Schneestationen in einem Höhenbereich um 2000m platziert sind. Hochalpin, also oberhalb etwa 3000m, ist die Dichte an Stationen sehr gering. Konkret: Aus den Ötztaler und Stubaier Alpen wurden uns hochalpin Neuschneezuwächse von 40-70cm gemeldet. Aufgrund der niedrigen Temperaturen und des meist geringen Windeinflusses handelt es sich häufig um lockeren Schnee. Sobald die Strahlung durchkommt, wird sich dieser Schnee jedoch rasch setzen. Vorsicht: Der Setzungsprozess geht auch mit einer zunehmenden Bindung des Neuschnees einher. Dies ist gerade in Hinblick mit den oberflächennah vorhandenen, kantigen Schwachschichten innerhalb der Schneedecke zu beachten. (sh. Blog.): Zu den Schwachschichten gibt es nun das Brett und dadurch mögliche Schneebrettlawinen.


Sonntag, 18. März 2018

Lawinenunglück im Bereich des Hinterbergkofels in Zentralosttirol

Am späten Vormittag löste sich im Bereich des Hinterbergkofels (Staller Sattel) eine Schneebrettlawine, die mehrere Personen mitriss. Eine der Personen kam dabei ums Leben.
Der Lawinenanriss befindet sich in einem 35-40 Grad steilen, nach Norden ausgerichteten, kammnahen Hang in einer Seehöhe von etwa 2600m. Der Anriss soll bis etwa 50cm betragen haben. Laut Information eines Bergretters handelte es sich um eine große Gruppe. Diese befand sich im Aufstieg. Während des Unglücks herrschten sehr schlechte Sichtverhältnisse.
Detaillierte Schneedeckenuntersuchungen erfolgen, sobald es das Wetter zulässt.

Samstag, 17. März 2018

Gebietsweise oberflächennahes Altschneeproblem

Wir beobachten derzeit die Bildung zumindest einer kantigen, lockeren Schicht im Bereich von oberflächennah eingelagerter Schmelzkrusten. Bedeutsam scheint dies v.a. im schattigen Gelände zwischen etwa 2100m und 2400m, im W- und O-exponierten Gelände oberhalb etwa 2600m und im südexponierten Gelände oberhalb etwa 2900m zu sein.

Aufgrund der geringen Schneeauflage auf dieser Schicht (sonnseitig sind es häufig 2 Schichten), handelt es sich oftmals noch gar nicht um ein „Altschneeproblem“. Es wird allerdings überall dort zum Problem, wo sich z.B. durch kürzlichen Windeinfluss mehr Schnee darüber abgelagert hat.

Schneeprofil 2880m, Süd, 32 Grad; Zischgeles, Nördliche Stubaier Alpen vom 16.03. zeigt mögliche, oberflächennahe Schwachschichten

Mittwoch, 14. März 2018

Das Frühjahr machte sich erstmals bemerkbar – mit den Temperaturen geht es ab dem Wochenende wieder abwärts


Mit beginnendem Südföhn-Einfluss ab dem 08.03. begannen die Temperaturen zu steigen. Zeitweise regnete es bis maximal 2300m hinauf. Ebenso legte der Wind in der Höhe deutlich zu.
 
Interessant zu verfolgen ist derzeit v.a. die Schneeoberflächentemperatur bei tiefer gelegenen Stationen, wie hier auf 1935m bei der Muttekopfhütte. Man erkennt die zunehmende Durchfeuchtung der Schneedecke, die während der vergangenen Tage in diesen Höhenlagen inzwischen häufig schon isotherm geworden ist.

Bei der Station Patscherkofel erkennt man gut den Föhneinfluss: zunehmender Wind, steigende Temperaturen.

Die Schneedecke wurde dadurch in tiefen und mittleren Höhenlagen erstmals während dieses Winters massiver durchfeuchtet bzw. gar durchnässt und entsprechend geschwächt. Lawinenabgänge waren die Folge. Es handelte sich dabei entweder um Lockerschnee- oder Gleitschneelawinen. Dies hatte auch damit zu tun, weil in diesen Höhen markante Schwachschichten innerhalb der Schneedecke fehlen.

Lockerschneelawinen lösten sich vermehrt im Bereich von extrem steilem, bewaldeten Gelände. Einige davon erreichten auch sehr exponierte Straßen. Die höchste Aktivität von Lockerschneelawinen wurde zwischen dem 11.03. nachmittags sowie dem 12.03. abends beobachtet.

Lawinenabgang bei der Seewand im Lienzer Becken (Foto: 12.03.2018)

 
Regen und warme Temperaturen förderten die Lawinenaktivität am 12.03.

  Lawinenablagerungen im hinteren Zillertal (Foto: 13.03.2018)

Lawinenauslösung im Waldbereich in Zentralosttirol (Foto: 13.03.2018)

Markant war auch die wieder auflebende Gleitschneelawinenaktivität.

Gleitschneelawine auf der Nordkette (Foto: 12.03.2018)

  Frische Gleitschneelawine in den Osttiroler Tauern (Foto: 13.03.2018)

Das Triebschneeproblem verlagerte sich von Tag zu Tag langsam in größere Höhen. Diffuse Sonneneinstrahlung und warme Temperaturen führten doch zu einer recht raschen Stabilisierung. Derzeit gehen wir davon aus, dass Triebschnee erst oberhalb etwa 2400m zu stören sein sollte.

Kammnah konnten kleine Schneebretter aufgrund von frischem Triebschnee beobachtet werden. Zentralosttirol (13.03.2018)

Spontanes Schneebrett in einem offensichtlich vom Wind beeinflussten Schattenhang (Foto: 12.03.2018)

Die Lawinengefahr ist inzwischen überwiegend mäßig mit möglichem, leichten tageszeitlichen Anstieg. Mit den zum Wochenende hin prognostizierten winterlichen Temperaturen wird sich die derzeit durchfeuchtete Schneedecke wieder stabilisieren. Gleitschneelawinen stellen jedoch weiterhin eine mögliche Gefahr dar. Triebschnee sollte v.a. in größeren Höhen beachtet werden. (Nachtrag vom 15.03.: 06:30 Uhr: Gefahrenstellen werden mit dem starken Föhneinfluss während des 15.03. verbreiteter. Vermehrt aufpassen heißt es in Schattenhängen, beginnend von etwa 2200m aufwärts sowie allgemein im kammnahen sehr steilen Gelände.) Zudem ist speziell in sehr steilen W- und O-exponierten Hängen oberhalb etwa 2800m auf ein mögliches, oberflächennahes Altschneeproblem zu achten: Unterhalb einer dünnen Schmelzkruste könnten dort kantige Kristalle als Schwachschicht für Schneebrettlawinen eine Rolle spielen.

Freitag, 9. März 2018

Oberflächennahen Triebschnee beachten – Zunahme an Gefahrenstellen durch Südföhn – Temperaturanstieg fördert die Durchfeuchtung in tieferen Lagen

Am 07.03. und 08.03. beobachteten wir in Tirol relativ viele Lawinenabgänge geringer Größe. Die Ursache lag in den Schneefällen seit dem 06.03.,  dem zunehmenden Windeinfluss sowie der Existenz oberflächennaher Schwachschichten.

An der Karte erkennt man nicht den teilweise beobachteten, recht markanten Anstieg der Schneehöhe mit der Seehöhe. Lokal schneite es im 3000m-Niveau um 40cm.

Mancherorts mehr Neuschnee in größeren Höhen, wie hier in den Stubaier Alpen (Foto: 08.03.2018)

Eine wechselhafte Woche liegt hinter uns. Markant sind derzeit der zunehmende Windeinfluss sowie der Temperaturanstieg

Unterwegs in den Tuxer Alpen bei während des Tages stärker werdendem Windeinfluss. Die am rechten Bildrand abgebildete Aufstiegsspur wurde bereits großteils zugeweht. (Foto: 08.03.2018)

Schneefahnen in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 08.03.2018)

Die dadurch entstandenen Triebschneepakete waren meist recht störanfällig. Diese konnten sowohl schattseitig, als auch sonnseitig ausgelöst werden. Als Schwachschicht kamen einerseits in allen Expositionen lockerer, überwehter Pulverschnee, andererseits v.a. im schattigen Gelände die während der letzten Kältephase aufbauend umgewandelte Schicht aus lockeren, meist kantigen Kristallen in Frage. Letztere Schicht findet man in höheren, besonnten Lagen allerdings auch unterhalb einer dünnen Schmelzkruste.

Sonnseitig hat sich dieser Triebschnee mit der darunter liegenden Schicht aus lockerem Pulverschnee durch den Strahlungseinfluss am 08.03. wieder gut verbunden. Einzig in großen Höhen, dort wo es mehr geschneit hat bzw. mächtige Triebschneepakete abgelagert wurden, kann die erwähnte kantige Schicht unterhalb der Schmelzkruste mitunter im besonnten Gelände noch störanfällig sein.

Trockener Rutsch, der durch eine Gämse im besonnten Steilgelände während der Morgenstunden des 08.03. auf etwa 2200m ausgelöst wurde. Triebschnee auf lockerem Pulverschnee, darunter eine Schmelzkruste. (Foto: 08.03.2018)

Während des Tages wurde die Schneedecke oberflächig zunehmend durchfeuchtet. Eine Person löste beim Queren des Hanges diesen feuchten Rutsch aus. Galtjoch, Außerfern (Foto: 08.03.2018)

Es wurden uns einige Lawinenabgänge gemeldet, bei denen Personen beteiligt waren, die meisten im schattigen Gelände. Bei zwei Lawinenabgängen wurden die Personen ca. 300m mitgerissen, einmal am Gaißhorn bei Tannheim im Außerfern, einmal im Hörndlinger Graben in den Kitzbüheler Alpen. Die Personen blieben unverletzt.

Lawinenabgang Hörndlinger Graben in den Kitzbüheler Alpen. Eine von zwei Personen wurde ca. 300m mitgerissen. (Foto: 08.03.2018)

Lawinenabgang Hörndlinger Graben. Man erkennt die Einfahrtsspur und den Lawinenanriss. Die zweite Person fuhr in Folge seitlich versetzt der Lawine ab. (Foto: 08.03.2018)

Eine von mehreren Lawinenabgängen mit geringer Anrissmächtigkeit. Hier im Skigebiet Obergurgl-Hochgurgl (Foto: 08.03.2018)

Spontane Lawinen vom 07.03. in den Südlichen Stubaier Alpen (Foto: 08.03.2018)

Die größte uns bekannte Lawinenablagerung von einer spontanen Lawine vom 07.03.: Stillup, Zillertaler Alpen. Ein kurzfristiger Temperaturanstieg während der Niederschläge förderte am 07.03. die spontane Lawinenaktivität. (Foto: 08.03.2018)

Es folgt ein kurzer Blick auf einige Schneeprofile der vergangenen Tage, die man auch hier findet.

Schneeprofil vom 08.03.2018 Schwarzbrunn, Tuxer Alpen: NO, 1750m. Unterhalb einer dünnen Schmelzkruste lagern kantige Kristalle, die sich während der langen Kälteperiode gebildet haben. Spätestens oberhalb etwa 2000m verschwindet diese Schmelzkruste. Dann findet man „nur" mehr kantige Kristalle, die  überschneit, bzw. überweht sind. Die kantigen Kristalle bilden die Schwachschicht.

Schneeprofil vom 08.03.2018 Rosenjoch, Tuxer Alpen: N, 2540m: Die kantige Schwachschicht von der Kälteperiode findet man hier unter einem Winddeckel, der vom Föhn des vergangenen Wochenendes herrührt

Im besonnten Gelände findet man verbreitet eingelagerte Schmelzkrusten. Deren Dicke nimmt mit der Seehöhe allgemein ab, hängt aber wesentlich auch von der Neigung ab. Problembereiche findet man am ehesten noch in oberflächennahen Schichten in größeren Höhen. Dort sind an diese Schmelzkrusten angrenzende kantige Schichten zum Teil noch locker und somit störanfällig.

Schneeprofil auf ca. 2800m im südexponierten Gelände, 30 Grad an einer windexponierten, schneearmen Stelle in den Südlichen Stubaier Alpen. Kantige Kristalle unterhalb einer Schmelzkruste. Innerhalb dieser kantigen Schicht erkennt man auch kleine, gefrorene Schmelzkanäle, die stabilisierend wirken, bei großer Belastung, insbesondere großer Schneeauflast jedoch unverändert gestört werden können. (Foto. 08.03.2018)

Profil auf 2640m, Süd. 30 Grad vom 08.03., Stubaier Alpen. Die problematischste Schwachschicht bilden die kantigen Kristalle unterhalb der obersten Schmelzkruste und zwar dann, wenn diese von mächtigeren Schneepaketen überlagert würde.

Für das Wochenende raten wir deshalb, Triebschneepakete allgemein im schattigen Gelände sowie in besonnten Hängen in größeren  Höhen möglichst zu meiden.
Verschärfend kommen der an Stärke zunehmende Föhneinfluss sowie die am Sonntag im Süden zunehmenden Niederschläge zu. Wir rechnen dann durchwegs auch mit spontanen Lawinenabgängen.

Weiters zu beachten: Die Schneedecke wird durch die warmen Temperaturen derzeit unterhalb etwa 2000m feucht und dadurch geschwächt. Das Nassschneeproblem nimmt mit den steigenden Temperaturen weiter zu. U.a. kann auch die Gleitschneeaktivität wieder zunehmen.