![]() |
| Schneefahnen am Hauptkamm (Foto: LWD Tirol, 11.12.2020) |
Samstag, 12. Dezember 2020
Frischer Triebschnee lagert gebietsweise auf Oberflächenreif - dadurch hohe Störanfälligkeit frischer Triebschneepakete!
Donnerstag, 10. Dezember 2020
Gleitschneelawinen in den neuschneereichen Regionen, gebietsweise Altschneeproblem
Gleitschneeproblem auf Wiesenhängen – Vorsicht vor Dachlawinen
Konzentrieren wir uns gleich auf die neuschneereichen Gebiete des Landes. Dort hat es – wie schon in vergangenen Blogeinträgen hingewiesen – seit Freitag, 04.12., Rekordmengen geschneit.
![]() |
| Rekordmengen an Niederschlag in Lienz (Messreihe seit 1880) |
![]() |
| Seit Gründung des Lawinenwarndienstes Tirol im Jahr 1960 wurden in Obertilliach um diese Jahreszeit noch nie solche Schneemengen gemessen. |
Inzwischen beobachten wir eine gute Setzung der Schneedecke. Diese bedingt eine weitere Verdichtung der Schneedecke und eine Stabilisierung innerhalb des Schneepakets. Spontane Schneebrettlawinen sind dort deshalb fast ausgeschlossen.
Allerdings kann das gesamte Schneepaket auf steilem, glattem Untergrund abgleiten. Bevorzugt passiert dies auf Wiesenhängen. Ebenso beobachtet man es aber auf steilen Felsplatten oder z.B. auf glatten Hausdächern. (Also: Vorsicht auch vor Dachlawinen!).
![]() |
| Gleitschneelawinen im Defereggental (Foto: 09.12.2020) |
![]() |
| Ablagerung einer Dachlawine in St.Jakob i.Def. (Foto: 07.12.2020) |
![]() |
| Gleitschneelawine verschüttete Straße im Ortsteil Leiten im Südlichen Osttirol (Foto: 10.12.2020) |
Das Problem bei den Gleitschneelawinen: Gleitschneelawinen können nicht gesprengt werden. Deren Abgangszeitpunkt ist nicht einschätzbar.
![]() |
| Lawinenverbauungen unterbinden die Gleitbewegung, Defereggental (Foto: 07.12.2020) |
Altschneeproblem weiter im Norden
![]() |
| Spontaner Lawinenabgang Schindlergrat, Arlberggebiet. Schwachschicht bestand aus Oberflächenreif (Foto: 07.12.2020) |
![]() |
| Lawinenabgang Warther Horn Grenznähe Tirol / Vorarlberg. Lawine wurde von Wintersportler ausgelöst. Teilverschüttung, unverletzt (Foto: 07.12.2020) |
![]() |
| Lawinenabgang bodennah, Zusatzbelastung durch Triebschnee, Patscherkofel bei Innsbruck (Foto: 08.12.2020) |
![]() |
| Profil vom Sechszeiger im Pitztal. Gut zu erkennen die Schwachschicht. Überlagerndes Trieb- und Neuschneepaket nicht allzu mächtig - deshalb hohe Störanfälligkeit durch Wintersportler; NO, 2330m |
Spannend auch die Analyse mittels eines Schneedeckensimulationsprogrammes, bei dem die Störanfälligkeit durch Skifahrer in einem fiktiven 38° steilen Hang berechnet wird: Das Ergebnis: Derzeit noch hohe Störanfälligkeit mit leicht abnehmender Tendenz.
![]() |
| Schneedeckensimulation Station Rotwandwiesen, Alpenhauptkamm, Südtirol, Der Pfeil zeigt auf die aufbauend umgewandelte Schwachschicht: rot: gute Bruchfortpflanzung orange: langsam abnehmend |
Kurzfristig Gefahr durch Lockerschneelawinen
In den besonders neuschneereichen Regionen beobachtete man während der vergangenen Tage zum Teil auch etwas größere Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände. Ausgelöst wurden diese insbesondere durch externe Impulse (wie z.B. von Bäumen herabfallendem Schnee). Diese Gefährdung nimmt mit fortschreitender Setzung nun rasch ab.
![]() |
| Ablagerung einer Lockerschneelawine Zirmbachalm (Foto: 08.12.2020) |
Weitere Impressionen der vergangenen Woche
![]() |
| Eingeschneites Auto oberhalb von Lienz (Foto. 07.12.2020) |
![]() |
| Lawinenabgang über Galerie Felbertauern (Foto: 09.12.2020) |
![]() |
| Leidtragende: Wildtiere, St. Sigmund (Foto: 08.12.2020) |
![]() |
| Reh wurde aus tiefem Schnee befreit und wird nun zur Wildfütterung gebracht, St. Sigmund (Foto: 08.12.2020) |
![]() |
| Neuerlich (nach 2018 und 2019): Zahlreiche umgestürzte Bäume in Osttirol (Foto: 09.12.2020) |
Montag, 7. Dezember 2020
Wintersportler aufgepasst - Altschneeproblem in den vergleichsweise neuschneeärmeren Regionen!
Vorab ein kurzer Appell an alle Wintersportler
Ganz bewusst möchten wir den Fokus zu Beginn dieses Blogeintrags auf die neuschneeärmeren Regionen Nordtirols richten. Dort sollten Wintersportler nämlich auf ein mögliches, schwierig einzuschätzendes Altschneeproblem achten. Das Altschneeproblem ist überall dort vorhanden, wo vor den vergangenen Schneefällen bereits Schnee gelegen ist. Betroffen ist bevorzugt Steilgelände im Sektor WNW über N bis ONO oberhalb der Waldgrenze, in großen Höhen (meist zwischen etwa 2500m und 2800m aufwärts) dann vermehrt auch Gelände der übrigen Hangausrichtungen. Wumm-Geräusche beim Betreten der Schneedecke weisen derzeit eindrucksvoll und unmissverständlich auf diese Problem hin. Auch Fernauslösungen aus flachem Gelände sind prinzipiell denkbar.
In den besonders neuschneereichen Regionen hingegen erscheint eine Störung dieser Schwachschichten aufgrund der dicken Schneeauflage inzwischen als eher unwahrscheinlich. Vorstellbar ist dies derzeit nur mehr an windbeeinflussten, schneearmen Stellen.
Ebenso zu bedenken: Skigebiete sind aktuell nicht in Betrieb und deshalb Pisten als freies Skigelände zu betrachten.
Schneereichtum im Süden
Extrem außergewöhnliche Tage liegen hinter uns. Soviel Niederschlag hat es in einigen Orten Tirols seit Messbeginn in so kurzer Zeit noch nie gegeben. Neuerlich kommt zwischen 08.12. und 09.12. im Süden Schnee dazu. Laut ZAMG-Wetterdienststelle sollen es meist zwischen etwa 40cm und 80cm mit abnehmender Tendenz Richtung Norden sein.
![]() |
| Rekordhalter der Niederschlagssummen in Osttirol: Porzehütte am Karnischen Kamm |
![]() |
| Prognostizierter Neuschneezuwachs vom 08.12. auf den 09.12.2020 |
Die Kombination aus neuerlichem Schneezuwachs im Süden samt stärkerem Südostwind wird primär zu einem oberflächennahen, jedoch durchwegs ernst zu nehmenden Triebschneeproblem führen. Ein Bruch in lockeren Altschneeschichten aufgrund der weiteren Zusatzbelastung ist aufgrund der bereits guten Setzung und Stabilisierung des sehr mächtigen Neuschneepakets hingegen eher unwahrscheinlich.
![]() |
| Sehr viel Schnee nicht nur in Osttirol, sondern auch in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 07.12.2020 von Peter Raich) |
![]() |
| Der stürmische Wind hinterließ seine Spuren. Defereggental (Foto: 07.02.2020) |
![]() |
| Beschädigte Stromleitungen werden unter, teils widrigen Bedingungen repariert. Defereggental (Foto: 07.12.2020) |
Sonntag, 6. Dezember 2020
Sehr große Lawinengefahr in Osttirol
![]() |
| Update vom 06.12.2020 08:00 Uhr: In der EUREGIO herrscht regionsweise sehr große Lawinengefahr |
Schadlawinen
Donnerstag, 3. Dezember 2020
Die Kombination aus sehr viel Neuschnee und Sturm lassen die Lawinengefahr im Süden des Landes ab 05.12.2020 auf groß ansteigen
Sehr große Neuschneemengen, Sturm und variierende Schneefallgrenze
Die bisherigen Vorhersagen der ZAMG-Wetterdienststelle bestätigen sich: Im Süden des Landes wird es intensiv schneien. In Osttirol geht man derzeit in Tallagen verbreitet von 50cm (bei bedeutsamen Regenanteil), ansonsten typischerweise um 100 cm aus. Im Oberen Gailtal/Lesachtal sind laut Modellen 100-150 cm, auf den Bergen 150-200cm, in den Karnischen Alpen auch bis 250cm Neuschnee zu erwarten. In den Regionen entlang des Alpenhauptkammes sollen in Tallagen ca. 60cm Schnee, auf den Bergen 100-150cm (Bereich Timmelsjoch bis 200cm) fallen.
![]() |
| 72h-Neuschneeprognose Donnerstag, 03.12. 07:00 bis Sonntag, 06.12. 07:00 Uhr |
Zudem wird es auf den Bergen stürmisch.
![]() |
| Windprognose für Freitag, 04.12.2020 22:00 Uhr. Der Wind weht aus südlicher Richtung |
Verschärfend dazu kommt noch, dass die Schneefallgrenze in kurzer Zeit stark variieren kann. Dies hängt mit der Luftschichtung zusammen, die über eine große Höhendifferenz nahe um die 0°C Temperatur hat.
Aktuelle Schneedecken-Analyse
Wichtig erscheint vor solchen Ereignissen immer eine möglichst exakte Analyse des Schneedeckenaufbaus sowie ein Rückblick auf das kürzliche Wettergeschehen:
Nach dem letzten markanten Schneefall mit der Kaltfront vom Donnerstag, 19.11.2020 auf Freitag, 20.11.2020 herrschte meist mildes, trockenes und sonniges Bergwetter. Letzten Sonntag, 29.11. drang dann kalte, feuchte Luft in tiefen Lagen ein. Dadurch bildete sich in weiten Teilen Tirols kurzfristig Hochnebel. Darüber blieb es wolkenlos. Zwischen Dienstag, 1.12. und heute Donnerstag, 03.12. schneite es in Tirol verbreitet 5-20cm mit Schwerpunkt in den südlichen Regionen. Dieser Neuschnee liegt schattseitig oberhalb der Waldgrenze meist auf einer bereits mehr oder weniger zusammenhängenden Schneedecke. In besonnten Hängen fiel dieser bis in größere Höhen (meist um 2500m) häufig auf aperen Boden.
Impressionen zur höhen- und expositionsabhgängigen Schneeverteilung
![]() |
| Blick von der Adlersruhe Richtung Süden. Das Bild stammt vom vergangenen Sonntag, 29.11. In den Tallagen erkennt man den oben beschriebenen Nebel. |

Bezeichnend: Südseitig aper, schattseitig Altschnee, Hochtennscharte (Foto: 30.11.2020)

Schneebedeckung schattseitig im Defereggental (Foto: 01.12.2020)

Hier ein Bild vom südlichen Osttirol. Oberhalb der Waldgrenze liegt eine zusammenhängende Schneedecke (Foto: 01.12.2020)
Neuschnee fällt zumindest schattseitig oberhalb der Waldgrenze auf eine meist ungünstig aufgebaute Altschneedecke
Unsere Schneedeckenuntersuchungen, aber auch unsere Modellanalysen zeigen eines ganz deutlich: Aufgrund des unbeständigen Oktobers und des schönen, trockenen Novembers bildeten sich innerhalb der Schneedecke viele Krusten, die sich häufig mit weicheren Schichten abwechseln. Dies trifft v.a. für schattiges Gelände oberhalb der Waldgrenze, hochalpin (also oberhalb etwa 3000m) zum Teil auch für besonntes Gelände zu. Schauen wir uns dazu einige Profile im Detail an:
![]() |
| Abfolge von Krusten und weicheren Schichten ("Krusten-Sandwich"), Gurgler Gruppe (Südliche Ötztaler Alpen), 2670m, NW, 30°, Aufnahmedatum: 27.11.2020 (c) LWD Tirol |
![]() |
| Kürzlicher Neuschnee, danach Abfolge von Krusten und aufbauend umgewandelten Kristallen, Pitztaler Gletscher (Weißkugelgruppe), 2840m, N, 32°, Aufnahmedatum: 03.02.2020 (c) Markus Kogler |
![]() |
| Ein Bruch konnte hier hochalpin, südseitig unterhalb einer dünnen Kruste initialisiert werden, Tiefenbachferner (Weißkugelgruppe), 3270m, S, 30°, Aufnahmedatum: 24.11.2020. (c) LWD Tirol |
![]() |
| Bild aus dem südlichen Osttirol vom 02.12.2020 auf 1500m. Aufbauend umgewandelte Schneedecke |
Auswirkungen auf die Lawinengefahr
Eines ist fix: Die Lawinengefahr wird mit der Intensivierung der Niederschläge samt Wind und langsam ansteigenden Temperaturen rasch und markant ansteigen! Der umfangreich gebildete Triebschee wird sich zumindest schattseitig oberhalb der Waldgrenze nur schlecht mit der lockeren Schneeoberfläche verbinden. Zudem nimmt die Belastung der Schneedecke im Laufe der Schneefälle stetig zu, sodass Brüche innerhalb der Altschneedecke immer wahrscheinlicher werden.
Gehen wir von den vorhergesagten Neuschneemengen aus, so wird die Größe der Lawinen im Laufe der Schneefälle auch stetig zunehmen. Wir rechnen ab Samstag mit größeren spontanen Schneebrettlawinen. Vermehrt betroffen ist eindeutig schattiges Gelände. In den besonders niederschlagsreichen Regionen sind auch Szenarien vorstellbar, dass sich während der Schneefälle (v.a. durch sich ändernden Windeinfluss bzw. durch die Einlagerung von Graupel) eventuell Schwachschichten bilden, die Schneebrettlawinen auch in anderen Expositionen möglich erscheinen lassen.
Dazu kommt noch die Gefährdung durch Gleitschneelawinen auf Wiesenhängen. Deren Abgangswahrscheinlichkeit wird durch eventuellen Regeneinfluss begünstigt.
Auch nicht zu unterschätzen: Die Gefahr umstürzender Bäume aufgrund der Schneeauflast.
Weiter im Norden, dort wo es weniger schneien wird, gilt zumindest für Wintersportler, dass Triebschneeansammlungen im schattigen Gelände oberhalb der Waldgrenze sehr leicht zu stören sein werden. Außerdem können auch dort Schneebretter von selbst abgehen. Diese werden allerdings eher nur mittelgroß werden.
![]() |
| Ruhe vor dem Sturm: Beginnender Föhneinfluss am Alpenhauptkamm. Südliche Ötztaler Alpen (Foto: 03.12.2020) |











































