Mittwoch, 7. Februar 2018

Wind bildete neue Triebschneeansammlungen – zusätzlich Gleitschnee- und Lockerschneelawinen beachten

Unverändert bleibt die Lawinengefahr im Wesentlichen vom Windeinfluss der vergangenen Tage abhängig. Da der Wind speziell entlang des Alpenhauptkammes, in den typischen Föhnschneisen und in großen Höhen zugelegt hat, sind Gefahrenstellen inzwischen verbreiteter anzutreffen.

Einer der windexponiertesten Standorte der vergangenen Tage – der Patscherkofel. Der Wind lag deutlich über Verfrachtungsstärke. Lockerer Pulverschnee wurde umfangreich verfrachtet.

Noch vor wenigen Tagen lag dort überall lockerer Pulverschnee. Südliche Stubaier Alpen (Foto: 06.02.2018)

Der Windeinfluss kann gut anhand von Windzeichen erkannt werden. Südliche Stubaier Alpen (Foto: 06.02.2018)

Als Schwachschicht für frischen Triebschnee dient weiterhin v.a. lockerer Pulverschnee. Vereinzelt kann dieser auch auf Oberflächenreif abgelagert worden sein. In beiden Fällen muss vorerst im Steilgelände von einer erhöhten Störanfälligkeit ausgegangen werden.

Kürzlich abgegangen Schneebrettlawinen im Südlichen Osttirol. Großer Kinigat (Foto: 05.02.2018)

Weiterhin gilt, dass in windberuhigten Gebieten von durchwegs stabilen Verhältnissen mit gutem Pulverschnee ausgegangen werden kann.

Unterwegs im Südlichen Osttirol, Laserz. Neben windberuhigten, sicheren Stellen, gab es dort auch windbeeinflusste Bereiche, die – wie uns mitgeteilt wurde – konsequent gemieden wurden. (Foto: 04.02.2018)

Interessant erscheint auch, die erhöhte Gefahr von Lockerschneelawinen. Speziell dort, wo sich oberflächennah ein Harschdeckel befindet, ist die Reichweite von Lockerschneelawinen erhöht. Dadurch steigt auch die Gefahr, mitgerissen zu werden. Es bedarf eines sogenannten „sluff-managements" im sehr steilen bis extrem steilen Gelände.

Lockerschneelawine unterhalb des Brandjochkreuzes in den Westlichen Nordalpen. Eine Person wurde von einer Lockerschneelawine erfasst, konnte jedoch ausfahren (Foto: 05.02.2018)

Übersichtsbild über zwei Lockerschneelawinen mit Personenbeteiligung (linke Lawine: Brandjochkreuz, rechte Lawine: Langer Sattel) auf der Nordkette. In Bildmitte erkennt man eine frische Gleitschneelawine (Foto: 05.02.2018)

Gleitschneelawinen bleiben weiterhin eine Gefahr.

Ältere und frische Gleitschneelawinen im Außerfern (Foto: 03.02.2018)

Sonntag, 4. Februar 2018

Pulverschnee neben frischen, zum Teil sehr störanfälligen Triebschneepaketen

Der Wind als Baumeister der Lawinen bestimmt derzeit im Wesentlichen die Lawinengefahr. Am meisten gearbeitet hat der Wind in Osttirol sowie allgemein in größeren Höhen.

Wetterstation Eselrücken in den Osttiroler Tauern, eine jener Stationen, wo es während der vergangenen Tage am meisten geschneit hat. Zudem wehte dort vergleichsweise auch der Wind am kräftigsten

Zu verfrachten gibt es derzeit den kürzlich gefallenen, häufig sehr lockeren Pulverschnee. Da die Altschneedecke durchwegs gut aufgebaut ist, braucht man sich derzeit somit v.a. nur auf kürzlich gebildeten, meist jedoch recht störanfälligen Triebschnee konzentrieren. Wer Windzeichen richtig interpretieren kann sollte diese Gefahrenbereiche leicht erkennen und ihnen im Steilgelände entsprechend ausweichen können.

Windeinfluss in der Region Südliches Osttirol (Foto: 03.02.2018)

Wichtig erscheint auch, dass es in Summe während der vergangenen Tage in Tirol meist windschwach war, sodass vielerorts günstige Verhältnisse bei gutem Pulverschnee dominieren.


Unterwegs im Außerfern bei bestem Pulverschnee ohne Windeinfluss (Foto: 03.02.2018)

Noch ein kurzer Exkurs zur Auswahl der Gefahrenstufe:


Wichtige Parameter zur Auswahl einer Gefahrenstufe sind neben der Schneedeckenstabilität, der Auslösewahrscheinlichkeit von Lawinen, den zu erwartenden Lawinen (Art, Größe, Anzahl) immer auch die Verbreitung der Gefahrenstellen innerhalb einer Region:

Wir konzentrieren uns derzeit auf zwei Problembereiche: Frischer Triebschnee und Gleitschnee.

Frischer Triebschnee lässt sich derzeit in ganz Tirol leicht durch geringe Belastung stören. In Nordtirol sind diese Gefahrenbereiche innerhalb einer Region jedoch nicht allzu verbreitet, weshalb oberhalb etwa 2000m (häufig liegt dieser Höhenbereich lokal gesehen noch höher) Stufe 2 gewählt wurde. In Osttirol hingegen sind die Gefahrenbereiche wegen der größeren Neuschneemengen und des vergleichsweise stärkeren Windeinflusses verbreiteter, die zu erwartenden Anrissmächtigkeiten von Lawinen größer, sodass dort Stufe 3 gewählt wurde. Wesentlich ist also, unabhängig von der Gefahrenstufe, Ausschau nach frischen Triebschneepaketen zu halten und diesen im Steilgelände vorerst konsequent auszuweichen.

Gleitschnee: Letzte Woche beobachteten wir wegen der fortschreitenden Durchnässung der Schneedecke eine erhöhte Gleitschneeaktivität. Inzwischen geht die Bereitschaft des Abgleitens von Schnee auf steilen Wiesenhängen gefühlsmäßig etwas zurück. Dennoch: Das Gleitschneeproblem wird uns den Winter über erhalten bleiben. Wir empfehlen unverändert, Bereiche unterhalb von Gleitschneerissen möglichst zu meiden. Vorsicht auch in den schneereichen Regionen: Dort sind Gleitschneerisse mitunter – ähnlich wie Gletscherspalten – von Schneebrücken überdeckt, sodass die Gefahr besteht, in Gleitschneerisse zu stürzen.

Ausblick: An der Situation ändert sich vorerst kaum etwas. Laut Auskunft der ZAMG-Wetterdienststelle soll es bis auf Weiteres nur wenig schneien. Wir erwarten überwiegend günstige Verhältnisse.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Frischen Triebschnee in Schattenhängen sowie im kammnahen, sehr steilen Gelände beachten – Gleitschneelawinen bleiben ein Thema!

Heute am 01.02. hat es in ganz Tirol zu schneien, in tiefen Lagen zu regnen begonnen. Häufig ist der Regen inzwischen in Schnee übergangen. Der Wind weht über Verfrachtungsstärke. Am meisten bemerkbar macht sich der Tauernwind in Osttirol.

Nach einigen Schönwettertagen hat es heute am 01.02.2018 in Tirol wieder zu schneien begonnen.

Schneehöhenzuwachs seit 01.02.2018 morgens

Wie schon im letzten Blogeintrag erwähnt, hängt die Lawinengefahr wesentlich von der Beschaffenheit der Altschneeoberfläche ab. Dort, wo sich Triebschnee auf einer lockeren, aufbauend umgewandelten Schneeoberfläche ablagert, muss am ehesten davon ausgegangen werden, dass Schneebretter ausgelöst werden können. Dies ist derzeit v.a. in steilen Schattenhängen oberhalb der Waldgrenze denkbar. Typisches Gelände sind windgeschützte Mulden. Meist handelt es sich jedoch um kleinräumige „Nester". Nur vereinzelt konnte Oberflächenreif beobachtet werden, der teilweise durch den kurzfristig recht starken Wind seit gestern, dem 31.01. mitunter wieder zerstört wurde.

Oberflächenreif im hinteren Ötztal (Foto: 31.01.2018)

Gleitschneelawinen bleiben trotz der nun wieder im Sinken begriffenen Temperaturen weiterhin ein Thema. Dies hat damit zu tun, weil sich dieser Temperaturrückgang aufgrund der guten Isolierfähigkeit der Schneedecke am Boden nicht bemerkbar macht. Fazit: Auf Grasböden bleibt die Schneedecke am Boden feucht bzw. nass. Die Reibung ist dadurch vermindert. Gleitschneelawinen können jederzeit – auch während der Nachtstunden bei kalten Temperaturen – abgehen.

Lawinenkegel einer Gleitschneelawine im Bereich einer Lawinengalerie im Defereggental (Foto: 01.02.2018)

Mittwoch, 31. Januar 2018

Überwiegend günstige Situation - Frühjahrsähnliche Verhältnisse – Gleitschneelawinen bilden das Hauptproblem

Wir pendeln derzeit gerade zwischen geringer und mäßiger Lawinengefahr.


Mäßig ist die Gefahr trotz einer verbreitet stabilen Schneedecke v.a. aufgrund des vorherrschenden Gleitschneeproblems. Gleitschneelawinen wurden während der vergangenen Tage wieder gehäuft beobachtet. Dies hat wohl mit dem vermehrten Eindringen von Wasser bis zum Boden zu tun, was die Reibung vermindert und die Gleitbewegung erhöht. (Mäßig ist die Gefahr auch aufgrund des zu erwartenden tageszeitlichen Festigkeitsverlusts. Nasse Lockerschneelawinen sind da das Hauptthema).

Gleitschneelawine während des Abgangs, Hintertux, Zillertaler Alpen (Foto: 30.01.2018)

Gleitschneelawine und Gleitschneeriss in den Kalkkögeln, Nördliche Stubaier Alpen. Übrigens beobachtet man Gleitschneelawinen während der Jahre häufig an denselben Stellen. (Foto: 27.01.2018)

Besonders ausgeprägt u.a. im Außerfern (Foto: 28.01.2018)

Zum Teil auch „Kunstwerke", Außerfern (Foto: 29.01.2018)


Alte, überschneite Bereiche mit Gleitschneeaktivität neben neuen Rissen, Nockspitze, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 28.01.2018)

Nicht abschätzbar, ob und wann sich eine Gleitschneelawine löst. Deshalb: Bereiche unterhalb solcher Risse meiden! (Foto: 29.01.2018)

Es wurde schon kurz erwähnt: Die Schneedecke ist überwiegend stabil und verliert im Tagesverlauf durch den Temperatur- und Strahlungseinfluss etwas an Festigkeit.

Nasse Lockerschneelawinen im extrem steilen Gelände, Südliche Stubaier Alpen (Foto: 29.01.2018)

Relevante Schwachschichten gibt es kaum: Stabilitätstests zeigen derzeit am ehesten noch vereinzelte Problembereiche im schattigen, sehr steilen Gelände im Bereich von schneearmen Stellen in einem Höhenband zwischen etwa 1900m und 2200m. Dort ist mit Pech durch große Belastung eine Störung einer kantigen Schwachschicht angrenzend an Regenkrusten, die sich Anfang Jänner gebildet haben im sehr bis extrem steilen Gelände noch denkbar.

Schneeprofil samt Stabilitätstest auf 1930m, Nord in den Tuxer Alpen. Pfeil zeigt auf mögliche Schwachschicht im Bereich einer Regenkruste (Foto: 30.01.2018)

Ein auf den Kopf gestelltes Schneepaket zeigt verklebte, aufbauend umgewandelte Kristalle über einer gut gesetzten Schneeschicht aus Punktkorn. Bei einem Stabilitätstest konnte hier (2800m, Sektor SW in den Südlichen Stubaier Alpen) kein Bruch erzeugt werden (Foto: 29.01.2018)

Die gute Stabilität zeigt sich auch daran, dass während der vergangenen Tage bei bestem Wetter kein Schneebrettabgang gemeldet wurde und zudem inzwischen sehr steil gefahren wird.

Steilabfahrt im Karwendel und dies bei überwiegend gutem Firn! (Foto: 29.01.2018)

Auf dem Foto erkennt man eine Spur im extrem steilen Gelände. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 29.01.2018)

Extrem steil wird auch in Osttirol gefahren (Foto: 29.01.2018)

Die Schneequalität variiert weiterhin: In sehr steilem, besonnten Gelände in zumindest mittleren Höhenlagen dominiert ein tragfähiger Harschdeckel, während des Tages dann Firn, später Sulz. Ansonsten trifft man unverändert recht häufig auf Bruchharsch, in größeren Höhen auf eine vom Wind beeinflusste Schneeoberfläche. Mancherorts konnte inzwischen wieder etwas Oberflächenreif samt beginnender aufbauender Umwandlung in Schattenhängen beobachtet werden. Auch Firnspiegel wurden gesichtet (dünne Schmelzkruste auf der Schneeoberfläche, die durch die Kombination von Schmelzprozess und Abkühlung durch Wind entsteht).

Eine vom Wind beeinflusste Schneedecke im hochalpinen Gelände (Foto: 29.01.2018)

„Noppenpulver" (Foto: 29.01.2018)

Firnspiegel (Foto: 30.01.2018)

Freitag, 26. Januar 2018

Umfangreiche Schneedeckenuntersuchungen bestätigen die zunehmende Besserung der Situation

Gestern am 26.01. führten wir im schneereichen Südwesten des Landes mit Unterstützung des Bundesheerhubschraubers  umfangreiche Schneedeckenuntersuchungen durch. Das Ergebnis in Kürze: Die Schneedecke hat sich weiträumig gut stabilisiert. Setzungsgeräusche sind kaum mehr wahrnehmbar. Vereinzelt gibt es dazu noch Rückmeldungen in einem Höhenbereich zwischen etwa 1800m und 2200m in relativ flachem Gelände. Dies hat mit kantigen Kristallen im Bereich der am 04.01. entstandenen Regenkrusten zu tun. Eine Bruchfortpflanzung in steileres Gelände erscheint inzwischen eher unwahrscheinlich. Details zu Profilen findet man, wie immer hier:
Schneedeckenuntersuchung im hinteren Kaunertal (Foto: 26.01.2018)
Eines unserer Schneeprofile vom 25.01. auf 2790m, W am Eingang des Kaunertals. Bei Stabilitätstests konnten hier nur mehr Teilbrüche erzeugt werden – ein gutes Zeichen.
Mit Unterstützung des Bundesheers konnten wir uns an neuralgischen Stellen aussetzen lassen (Foto: 25.01.2018)
Was allgemein auffällt: Die Schneequalität lässt derzeit eher zu wünschen übrig. Häufig findet man Bruchharsch – dünne Schmelzkrusten im besonnten, Windkrusten im schattigen Gelände.
Man kann sich wieder auf Skitouren freuen – Wermutstropfen: mitunter schlechte Schneequalität. (Foto: 25.01.2018)
Skitourengeher sollten sich am Wochenende v.a. auf zwei mögliche Problembereiche konzentrieren: Frische, meist eher kleinräumige Triebschneepakete in größeren Höhen. Vermehrt findet man solche Gefahrenstellen im sehr steilen, kammnahen, schattigen Gelände.
Weiters bleibt uns das Gleitschneeproblem in tiefen und mittleren Höhenlagen auf steilen Wiesenhängen erhalten.
Unsere Empfehlung: Möglichst nicht im Bereich von Gleitschneemäulern und Gleitschneelawinen aufhalten (Foto: 24.01.2018)