Freitag, 19. März 2021

Haufenwolken und Sonneneinstrahlung begünstigen eine rasche oberflächige Anfeuchtung - Vermehrt auf Lockerschneelawinen achten!

Ergänzend zum gestrigen Blogeintrag:

 

Lockerschneelawinen beachten


In weiten Teilen Tirols beginnen sich gerade bergnah Haufenwolken zu bilden. Dadurch wird der Einfluss der diffusen Sonnenstrahlung verstärkt, die Schneeoberfläche - trotz der für die Jahreszeit unterdurchschnittlichen Temperaturen - rasch oberflächig angefeuchtet. Dies begünstigt aktuell die Abgangsbereitschaft von Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände. 

Gerade in den schneereichen Regionen Tirols kann davon eine durchwegs zu beachtende Gefährdung für Wintersportler ausgehen.


In der Früh noch wolkenlos, nun - kurz vor 09:00 Uhr - beginnen sich Haufenwolken zu bilden. Rasch wird dort die Gefahr von Lockerschneelawinen zunehmen. Mieminger Gebirge (Foto: 19.03.2021)

Donnerstag, 18. März 2021

Kürzlicher Triebschnee bildet die Hauptgefahr - dieser ist zum Teil überschneit und dadurch schwierig zu erkennen!

Oberflächennahen Triebschnee beachten


Oberhalb etwa 2000m herrscht aktuell (19.03.) erhebliche Lawinengefahr. Dies hat mit den kürzlich gebildeten Triebschneeansammlungen zu tun. Diese können im sehr steilen Gelände mitunter durch geringe Belastung gestört werden. Betroffen sind alle Expositionen. Erschwert wird die Gefahrenbeurteilung teilweise durch eine Pulverschneeauflage, da die letzten Schneefälle bei vergleichsweise weniger Wind gefallen sind. Erschwert kann die Einschätzung während der kommenden Tage auch durch kurzfristig schlechte Sichtverhältnisse sein.


Bezeichnend für die vergangenen Tage in weiten Teilen Nordtirols sowie im nördlichen Osttirol: Schneefall, Wind und schlechte Sicht. Mieminger Gebirge (Foto: 17.03.2021)


Aprilhaftes Wetter - sowohl positiv als auch negativ für die Lawinengefahr


Gerade beobachten wir auch ein interessantes Zusammenspiel aus unbeständigem Wetter mit teils kräftigen Schnee- bzw. Graupelschauern sowie Aufhellungen samt intensivem (diffusem) Strahlungseinfluss. Letzterer wirkt sich sowohl positiv als auch gebietsweise negativ auf die Lawinengefahr aus. Positiv ist der Einfluss v.a. in mittleren Höhenlagen sowie in den etwas neuschneeärmeren Regionen. Dort verbinden sich mögliche Schwachschichten innerhalb des Neuschneepakets rasch miteinander. In den neuschneereicheren Regionen sowie in größeren Höhen kann Strahlungseinfluss jedoch kurzfristig zu einer besseren Bindung oberflächennaher Schichten und dadurch zu einer erhöhten Auslösebereitschaft von Schneebrettlawinen führen. 


Aprilwetter im März: Im Vordergrund schneit es, im Hintergrund kommt die Sonne zum Vorschein. Der Strahlungseinfluss ist trotz der für die Jahreszeit zu tiefen Temperaturen intensiv. Inntal (Foto: 18.03.2021)



Einer der "hot spots" des Neuschneezuwachses in Tirol: Die Seegrube oberhalb von Innsbruck. Inzwischen "übertrifft" der Setzungsprozess der Schneedecke den Neuschneezuwachs.


Kürzliche Schneedeckenuntersuchungen 


Wie schon im vergangenen Blogeintrag erwähnt, konzentrieren wir uns aktuell auf oberflächennahe Schwachschichten. Am heimtückischsten sind dünne Schichten aus kantigen Kristallen angrenzend an dünnen Schmelzkrusten, die sich während der kürzlichen, wechselhaften Witterungsperiode gebildet haben. (vergleiche dazu auch unsere Grafik zum "Krusten-Sandwich". 


Schneedeckenuntersuchung in den Tuxer Alpen. Im Hintergrund eine fernausgelöste Schneebrettlawine vom 17.03.2021 (Foto: 18.03.2021)



Profil, welches beim oben angezeigten Lawinenanriss aufgenommen wurde. "Krustensandwich" Ost, 2140m, 40°


Spontane Schneebrettlawinen - vermutlich im Bereich dieser Schichten - konnten während der vergangenen Tage im Sektor O-S-W v.a. in einem Höhenbereich zwischen etwa 2500m und 2800m beobachten werden.


Kurzfristig zu beachten sind zudem noch lockere, von Triebschnee überlagerte Neuschneeschichten v.a. noch in größeren Höhen, vermehrt in schattigen Hängen. Darunter fallen u.a. auch dickere Graupelschichten.

Graupel war ein häufiger Begleiter der kürzlichen Schneefälle (Foto; 18.03.2021)



Filzige Kristalle als Schwachschicht zwischen dünnen Krusten. Kürzlich waren diese vermehrt noch für Setzungsgeräusche verantwortlich, inzwischen v.a. noch oberhalb etwa 2500m zu beachten. 2350m, Nord; Ötztaler Alpen


Südliches Osttirol günstiger


In Zentralosttirol sowie im südlichen Osttirol gabs vergleichsweise wenig Niederschlag. Hier sind v.a. kleinräumige, vergleichsweise zu den nördlicheren Regionen deutlich besser zu erkennende Triebschneepakete zu beachten.


Unterwegs am Bergerkogel in Zentralosttirol. Weniger Neuschnee, geringmächtigere Triebschneepakete. (Foto:; 16.03.2021)


Pulverschnee


Ganz klar lockt der viele Neuschnee zum "powdern".  Ein, auch strahlungsbedingt eher kurzfristiges Vergnügen. Dazu muss es nicht immer sehr steil sein...


Pulververgnügen in den Tuxer Alpen (Foto: 18.03.2021)

Dienstag, 16. März 2021

Gebietsweise große Lawinengefahr!

Gebietsweise viel Neuschnee und Wind - große Lawinengefahr!


Während der vergangenen Tage schneite es in weiten Teilen Tirol mit Schwerpunkt im Nordwesten des Landes. Seit Sonntag, 14.03. sind dort in der Höhe um 100cm, lokal auch mehr Neuschnee gefallen. Zudem wehte - bei für die Jahreszeit zu kühlen Temperaturen - starker Wind. Alles zusammen eine Kombination, die für einen deutlichen Gefahrenanstieg gesorgt hat. Wir beurteilten die Lawinengefahr aktuell von der Silvretta über die Lechtaler Alpen bis zum Karwendel sowie im nördlichen Osttirol oberhalb der Waldgrenze als groß. 


72h-Differenz der Schneehöhe. Am meisten hat es im Norden und Nordwesten sowie im nördlichen Osttirol geschneit. (Im südlichen Ötztal handelt es sich um einen Fehlwert.)



Ab Sonntag, 14.03. durchgehend Schneefall, zeitweise starker, teils stürmischer Wind. Die Tage zuvor: Wechselhaft. Station Jöchelspitze (Region Allgäuer Alpen)



Spitzenreiter beim Niederschlag (recht klassisch für diese Wetterlage) Station Alplhütte im Mieminger Gebirge (Hydrographie Tirol)


Während der kommenden zwei Tage kommt weiterer Neuschnee dazu. Die Niederschlagsverteilung ähnelt jener der kürzlichen Neuschneefälle.


48h Neuschneeprognose (Dienstag, 16.03. 07:00 Uhr bis Donnerstag, 18.03. 07:00 Uhr)



Problembereiche in oberflächennahen Schichten


Wie schon im letzten Blogeintrag erwähnt, findet man mögliche Schwachschichten für Schneebrettlawinen aktuell in oberflächennahen Schichten. Einerseits handelt es sich dabei um oberflächennahe Schichten im Bereich der kürzlich eingeschneiten Altschneeoberfläche, andererseits aber auch um mögliche Schwachschichten innerhalb des Neuschneepakets.


Mögliche Schwachschichten im Bereich der Altschneeoberfläche



Blau: Bereiche mit einem "Krusten-Sandwich" aufgrund des wechselhaften Wetters ab Freitag, 05.03.. Mögliche Schwachschichten im Altschnee finden sich dort zwischen den Krusten.
Orange: Bereiche mit älterem, lockeren Pulverschnee als mögliche Schwachschicht



Schneeprofil 2440m, SO, 23°; Weißkugelgruppe: relevant: oberflächennahe Schichten: oberster Strich: Kruste, darunter dünne Schicht aus lockeren, kantigen Formen. (Profil vom 12.03.2021) 



Mögliche Schwachschichten innerhalb des Neuschneepakets


Lockerer Pulverschnee bzw. massive Graupeleinlagerungen können, sobald von Triebschnee überlagert, ebenso eine Schwachschicht für Schneebretter bilden. Vorstellbar ist z.B., dass sich während einer kurzen windberuhigten Phase (zu sehen z.B. an der oberen Stationsgrafik Jöchelspitze) lockerer Neuschnee ablagert, der in Folge bei weiterem Schneefall und zunehmendem Windeinfluss von Triebschnee überlagert wird. Deto vorstellbar: Massive Graupeleinlagerung während des Schneefalls. Beide Schwachschichten sind von relativ kurzer Dauer, während der kommenden Tag aber auf alle Fällen noch beachtenswert. 


In weiten Teilen Tirols zu beobachten: Graupel im Neuschnee. Erst dort, wo dieser massiv abgelagert wurde, stellt er ein Problem als Schwachschicht dar. Mieminger Gebirge (Foto: 15.03.2021) 



Aktuell in der Höhe ein großes Thema: Massiver Windeinfluss führt zu umfangreichen Schneeverfrachtungen. Nördliches Osttirol (Foto: 14.03.2021)



In den neuschneereichen Regionen in tieferen Lagen vermehrt Gleitschnee beachten


In tieferen Lagen war es in Sonnenhängen bereits häufig bis zumindest in mittlere Lagen hinauf aper. Dort muss in den Hauptniederschlagsgebieten vermehrt mit Gleitschneelawinen gerechnet werden.


Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände


Nun, im Frühjahr ist die Strahlung bereits sehr intensiv. Sobald die Sonne vermehrt zum Vorschein kommt (auch diffus), wird die Schneeoberfläche rasch feucht. Wir erwarten dann vermehrt Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände. 


Defensives Verhalten erscheint angebracht


Aktuell haben wir noch wenig Informationen aus dem Gelände. Wir gehen davon aus, dass sich doch einige, auch größere Schneebrettlawinen während der Schneefallperiode spontan lösen. Wintersportler sollten auf alle Fälle in den niederschlagsreichen Regionen sehr defensiv unterwegs sein. Allgemein gilt: Frischen Triebschnee im Steilgelände vorerst möglichst meiden. Ein Update zur Situation gibt es spätestens am kommenden Donnerstag, 18.03.2021.


Am Schluss noch eine Bitte


Wir führen gerade eine sehr erfolgversprechende Nutzerumfrage durch, um unsere Produkte zukünftig weiter verbessern zu können. Wir sind sehr dankbar für eure Unterstützung! Für all jene, die daran Interesse haben und noch nicht teilgenommen haben: Hier gehts zur Umfrage:







Freitag, 12. März 2021

Mit Neuschnee und Wind frischen Triebschnee beachten

Wetterrückblick samt kurzer Vorschau

Die vergangene Woche war wechselhaft. Eine Kaltfront aus Nordwest brachte von Donnerstag, 04.03. auf Freitag, 05.03. in Nordtirol sowie im nördlichen Osttirol verbreitet 10-15cm Schnee. Bemerkenswert waren lokale Ausreißer, u.a. in den Zentralen Lechtaler Alpen sowie in der Venedigergruppe, wo in der Höhe zwischen 30 und 50cm Neuschnee registriert wurden. 



Niederschlag vom 04.03. auf den 05.03. Einer der "Ausreißer": Die höher gelegene Niederschlagsstation auf der Rudolfshütte im Grenzgebiet Osttirol/Salzburg



Während der restlichen Woche wechselten sich dann Sonne, Wolken und etwas Niederschlag bei eher gedämpften Temperaturen ab.


Wechselhaft... Nun legt der Wind in der Höhe deutlich zu. Eine Kaltfront ist gerade im Anmarsch.


(Diffuser) Strahlungseinfluss, insbesondere auch am Donnerstag, 11.03.2021 feuchtete die Schneeoberfläche an. In Sonnenhängen war dies zumindest bis 2500m, in reinen Nordhängen bis zumindest 2000m hinauf der Fall.


In der unteren Kachel werden Lufttemperatur (rot), Taupunkt (blau) und Schneeoberflächentemperatur dargestellt. Heute am 11.03. wurde die Schneeoberfläche bei stark steigendem Taupunkt feucht.


Nun, am Donnerstag, 11.03. abends zieht eine Kaltfront rasch über Tirol. Der Niederschlagsschwerpunkt liegt im Arlberggebiet. Dort sollen bis zu 20cm Schnee fallen. Am Samstag ist laut ZAMG-Wetterdienststelle Zwischenhocheinfluss angesagt, bevor es am Sonntag, 14.03. ab den Nachmittagsstunden  bis Dienstag, 16.03. mit Schneefall und stürmischen Verhältnissen auf den Bergen winterlich werden soll.


Neuschneeprognose für die kommenden 72 Stunden (ab. 11.03. abends)



Neuschneevorhersage: Erste kleine Staffel ab Donnerstag abends, zweite Staffel ab Sonntag, 14.03.


Konzentration auf oberflächennahe Schwachschichten - frischer Triebschnee bildet das Hauptproblem


Während der vergangenen Woche musste man v.a. auf frische Triebschneepakete achten. Dort, wo diese auf lockerem Pulver zu liegen kamen, waren sie störanfällig, wobei die Störanfälligkeit mit der Seehöhe zunahm. Meist waren sie klein und gut zu erkennen. Entsprechend wurden uns wohl auch nur (drei) Negativlawinen gemeldet.


Unterwegs im Außerfern. Mit der Höhe zunehmender Windeinfluss. Im Steilgelände war damals entsprechend aufzupassen (Foto: 06.03.2021)

 
Für die kommenden Tage ändert sich an diesem Grundproblem wenig. Wiederum wird man sich v.a. auf frischen Triebschnee konzentrieren müssen. Als mögliche Schwachschicht kommt vermehrt der aktuelle Neuschnee in Frage, dies wohl nur dort, wo bis zum neuerlichen Einschneien am Sonntag, 14.03. kaum Strahlungseinfluss wirkt.



Eine bis gestern, 10.03 oberflächennah noch trockene, lockere Schneeoberfläche wurde heute am 11.03. durch diffusen Strahlungseinfluss und warme Temperaturen angefeuchtet. Nord, 1950m, 35 Grad. Vorerst gut so. Zu beachten ist allerdings mögliches Potential für gm.4 (kalt auf warm) bei kälterer Schneeauflage. Wir werden die Entwicklung im Auge behalten.



Oberflächennah wechseln härtere und weichere Schichten ab. Bei massiverer Schneeauflage könnte es hier ev. zu Brüchen innerhalb der Schneedecke kommen, insbesondere in größeren Höhen, vermehrt schattseitig.



Schneedeckenuntersuchung in der Silvretta. Der Pfeil kennzeichnet die von Anfang Februar stammende Saharastaubschicht. Mögliche Problembereiche innerhalb der Schneedecke v.a. von hier aufwärts. (Foto: 09.03.2021)



Nigg-Effekt (kammnaher Oberflächenreif) am Hirzer in den Westlichen Tuxer Alpen. Starker Windeinfluss am 11.03. wird diese potentielle Schwachschicht inzwischen häufig wohl schon verfrachtet und somit mechanisch zerstört haben.


Ähnlich wie wir es bereits heute am 11.03. in den Westlichen Tuxer Alpen beobachten konnten, werden auch in näherer Zukunft aus extrem steilem Gelände vermehrt Lockerschneelawinen zu beobachten sein. Dies insbesondere während Niederschlagspausen, dann, wenn die Schneeoberfläche durch diffusen Strahlungseinfluss sowie wärmere Temperaturen feucht wird.


Wichtig erscheint wohl, frischen Triebschneepaketen im Steilgelände vorerst mal auszuweichen!

Donnerstag, 4. März 2021

Viel besser hätte es nicht sein können - nun kommt etwas Schnee samt Wind - im Norden frischen Triebschnee beachten

Während der vergangenen Woche günstige Lawinensituation


Die vergangene Woche stand im Zeichen einer günstigen Lawinensituation mit häufig geringer Lawinengefahr und somit nur wenigen Gefahrenstellen. Dies hatte v.a. mit einer recht stabilen Hochdruckwetterlage zu tun. Die Luft war zeitweise außergewöhnlich trocken, die Temperatur meist etwas gedämpfter als die Woche zuvor, die Nächte großteils sternenklar. Dadurch konnte sich die, während des Tages an Sonnenhängen oberflächig aufgeweichte Schneedecke sehr gut verfestigen. Es bildete sich ein von Tag zu Tag dicker werdender, tragfähiger Harschdeckel. Das Hauptproblem während des vormittags war deshalb eine mögliche Absturzgefahr auf steilen, hart gefrorenen Hängen und nicht die Lawinengefahr. Selbst am Nachmittag weichte die Schneedecke meist nicht mehr tiefgründig auf - wohl einer der Gründe, dass uns während der vergangenen Woche nur ein einziger Lawinenabgang gemeldet wurde - und das war eine Gleitschneelawine in den Nordalpen.


Sternenklare Nacht im Glocknergebiet



Eine (fast) makellose Woche liegt hinter uns. Einzig eine schwache Kaltfront streifte Nordtirol am Samstag, 27.02. Danach erkennt man das Eindringen außergewöhnlich trockener Luftmassen. Perfekte nächtliche Ausstrahlung.



Die grünen Punkte zeigen Niederschlag am 27.02.2021. Betroffen war der Norden. Meist waren es nur wenige Millimeter.



"Firn" - korrekt Sulzschnee zum "Abwinken". So wird es allen, die vergangene Woche für Wintersportaktivitäten nutzen konnten, in Erinnerung bleiben. Außerfern (Foto: 02.03.2021)



Nicht alltäglich - ein so massiver Harschdeckel - allerdings nur in tieferen Lagen



Auch hier am Foto. Knapp vor 13:00 Uhr im sehr steilen südexponierten Gelände auf 2450m: Oberflächig etwas aufgeweicht, darunter ein massiver Schmelzharschdeckel bei einem lockeren, feuchten Fundament 



Nur mehr ganz vereinzelt Gleitschneelawinen

Nach einem für die Jahreszeit außergewöhnlich ausgeprägten Lawinenzyklus bis zum 25.02.2021 - darunter waren auch sehr viele Gleitschneelawinen - konnte man die letzte Woche so gut wie keine Lawinen mehr beobachten. Dies passt sehr gut mit unseren langjährigen  Beobachtungen nach erhöhter spontaner Lawinenaktivität bei ebensolcher, folgender Wetterlage überein.


 
In rot eingezeichnet: Gleitschneemaul auf der Nordkette (02.03.2021)



Etwas später: Eine Gleitschneelawine (Foto: 02.03.2021)



Fortschreitende Ausaperung in Sonnenhängen durch Strahlungs- und Wärmeeinfluss, aber auch durch bereits abgegangene Lawinen. Navistal, Westliche Tuxer Alpen (Foto: 27.02.2021)



Eine Kaltfront bringt am Freitag, 05.03. im Norden etwas Schnee und Wind aus nördlichen Richtungen


Im Norden des Landes ist für morgen, Freitag, 05.03. eine Kaltfront vorhergesagt. Ganz im Norden sollen 10-20cm, lokal bis zu 30cm Schnee fallen. Begleitet wird der Schneefall von Wind über Verfrachtungsstärke aus nördlichen Richtungen. Die Neuschneemenge nimmt gegen Süden hin ab.



Vom Neuschnee betroffen ist v.a. Nordtirol und das nördlichste Osttirol


Klar, muss man sich mit dem Neuschnee Gedanken machen, worauf dieser zu liegen kommen wird.
  • Sonnseitig ist es meist ein harter Schmelzharschdeckel. Dort kommt deshalb einzig lockerer, überwehter Neuschnee als mögliche Schwachschicht für kleine Schneebrettlawinen in Frage.

  • Schattseitig hingegen findet man aktuell in windberuhigten Hängen oberhalb etwa 2000m teilweise eine dünne Schicht aufbauend umgewandelten Schnees bzw. hat sich diese Schicht unterhalb einer dünne Kruste gebildet. An schneearmen Stellen ist diese Schicht ausgeprägter. Dort findet man mitunter örtlich begrenzte "Schwimmschneenester". Schattig gibt es also gebietsweise Potential für mögliche Schwachschichten für frische Triebschneepakete. Die Gefahrenstellen werden allerdings überschaubar und zudem für den erfahrenen Wintersportler leicht zu erkennen sein.



In Nordtirol - wie hier am Arlberg - trübt es gerade ein.



Unter einem dünnen Winddeckel haben sich kantige Kristalle gebildet. Nur bei großer Auflast könnte diese Schicht zu einem Problem werden.



An diesem Profil in der Silvretta erkennt man kantige Kristalle an der Schneeoberfläche. Nord, 2330m. Frischer Triebschnee würde hier nur schlecht verbunden sein.



Am Wochenende im Norden Lockerschneelawinen


Neuschnee reagiert gerade im Frühling sehr rasch auf Strahlungs- und Wärmeimpulse. Deshalb sollte man ab Samstag, 06.03. - wenn die Sonne zum Vorschein kommen wird - im extrem steilen Gelände zudem auf spontane Lockerschneerutsche und Lockerschneelawinen achten. 


Im Süden weiterhin kaum Gefahrenstellen


Im Süden des Landes sowie im Norden abseits frischer Triebschneepakete überwiegen also weiterhin günstige Verhältnisse.



In vielen Teilen Osttirols liegt für die Jahreszeit immer noch überdurchschnittlich viel (kompakter) Schnee (Foto: 28.02.2021)


Vereinzelt sind dort weiterhin Gleitschneelawinen möglich: Bereiche unterhalb von Gleitschneerissen deshalb unverändert meiden. Weiterhin besteht auch Absturzgefahr auf der harten Schneeoberfläche. Dies auch in den Gebieten mit Neuschnee, wo nur wenig Neuschnee die pickelharte Schneeoberfläche überlagert.

Ganz am Schluss ergänzend zu letztem Blogeintrag ein weiterer Hinweis einer möglichen alpinen Gefahr. Wir haben diesen Hinweis von einem Wintersportler bekommen, der letzte Woche Glück hatte, nicht von einem herabfallenden Stein äsender Gämsen erschlagen worden zu sein...



Gämsen im extrem steilen Gelände. Äsend und dabei Steine lostretend... Nordkette (02.03.2021)