Dienstag, 2. Februar 2016

Nach einer kritischen Lawinensituation mit Regen, Schnee und Sturm vorläufige Beruhigung der Situation

Die Prognosen der ZAMG-Wetterdienststelle haben perfekt gepasst. Der Wechsel aus einer Kalt- und Warmfront brachte zwischen Samstag, dem 30.01. nachts bis Montag, dem 01.02. morgens zum Teil beachtliche Neuschneemengen. Leider war es unterhalb etwa 2000m (lokal bis knapp 2400m) häufig auch Regen. 


Besonders eindrucksvoll erkennt man den Wetterverlauf an den Wetterstationen:

Am 30.01. in der Nacht begann es auf der Jöchlspitze im Außerfern zu schneien. Am Sonntag nachmittags stiegen die Temperaturen an. Aus Schnee wurde Regen. Die Gesamtschneehöhe sank durch den Regeneintrag in dieser Höhenlage fast wieder auf Ausgangsniveau. Gestern am 01.02. drang dann im Tagesverlauf etwas trockenere Luft ein. Die nasse Schneeoberfläche begann zu frieren. Ein dünner Schmelzharschdeckel war die Folge.

Spitzenreiter bei den Niederschlägen war das östliche Unterland. In Kössen wurden während der vergangenen Niederschlagsperiode 120mm Regen gemessen!

Massiver Regen im nordöstlichen Unterland

Diese Wetterperiode wirkte sich klarerweise massiv auf die Lawinensituation aus. Am Sonntag wurde die Lawinengefahr in weiten Teilen Tirols als groß beurteilt. Am Montag, dem 01.02. gingen wir in der Früh davon aus, dass die spontane Lawinenaktivität mit Ende der Niederschläge großteils beendet war, weshalb wir uns für die Ausgabe einer kritischen Stufe 3 entschieden. 

Spontane Schneebrettlawine unterhalb der Freihut in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 01.02.2016)

Zum Teil sehr gute Sprengerfolge im südwestlichen Teil der Ötztaler Alpen, bei denen v.a. im Nordsektor mittelgroße bis große Lawinen auf dem schwachen Altschneefundament ausgelöst wurden, wiesen auf alle Fälle auf eine kurzfristig noch hohe Störanfälligkeit der Schneedecke hin. In mittleren Höhenlagen waren Sprengerfolge hingegen meist mäßig.
Was aufgefallen ist, waren dann auch vermehrte nasse Lockerschneelawinen aus besonntem, vom Regen beeinflusstem Gelände.

Lockerschneelawine vom Hafelekar, Westliche Nordalpen (Foto: 01.02.2016)

Eine Besonderheit gab es im regenreichen, schneearmen Unterland: Schlammlawinen, anstelle von Schneelawinen.
Die Schneeoberfläche wurde – wie schon erwähnt – unterhalb von 2200m massiv vom Regen beeinflusst.

Typische Schneeformation nach massivem Regenfall. Beispiel: Seegrube, Westliche Nordalpen (Foto: 01.02.2016)
Bereits am Nachmittag des 01.02. beobachtete man häufig die Bildung eines Bruchharschdeckels, einerseits durch sinkende Luftfeuchtigkeit, andererseits durch Windeinfluss (Foto: 01.02.2016)

Hochalpin gab es zudem teilweise noch ein Triebschneeproblem.

Lawinenabgang im Variantenbereich des Stubaier Gletschers. Person unverletzt (Foto: 01.02.2016)

Nun soll es deutlich kälter werden. Das Altschneeproblem wird weiter abnehmen.
Allerdings muss man mit neuerlichen Schneefällen v.a. auf ein Triebschneeproblem achten.

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