Montag, 7. Dezember 2020

Wintersportler aufgepasst - Altschneeproblem in den vergleichsweise neuschneeärmeren Regionen!

Vorab ein kurzer Appell an alle Wintersportler


Ganz bewusst möchten wir den Fokus zu Beginn dieses Blogeintrags auf die neuschneeärmeren Regionen Nordtirols richten. Dort sollten Wintersportler nämlich auf ein mögliches, schwierig einzuschätzendes Altschneeproblem achten. Das Altschneeproblem ist überall dort vorhanden, wo vor den vergangenen Schneefällen bereits Schnee gelegen ist. Betroffen ist bevorzugt Steilgelände im Sektor WNW über N bis ONO oberhalb der Waldgrenze, in großen Höhen (meist zwischen etwa 2500m und 2800m aufwärts) dann vermehrt auch Gelände der übrigen Hangausrichtungen. Wumm-Geräusche beim Betreten der Schneedecke weisen derzeit eindrucksvoll und unmissverständlich auf diese Problem hin. Auch Fernauslösungen aus flachem Gelände sind prinzipiell denkbar.

In den besonders neuschneereichen Regionen hingegen erscheint eine Störung dieser Schwachschichten aufgrund der dicken Schneeauflage inzwischen als eher unwahrscheinlich. Vorstellbar ist dies derzeit nur mehr an windbeeinflussten, schneearmen Stellen.

Ebenso zu bedenken: Skigebiete sind aktuell nicht in Betrieb und deshalb Pisten als freies Skigelände zu betrachten.

Schneereichtum im Süden


Extrem außergewöhnliche Tage liegen hinter uns. Soviel Niederschlag hat es in einigen Orten Tirols seit Messbeginn in so kurzer Zeit noch nie gegeben. Neuerlich kommt zwischen 08.12. und 09.12. im Süden Schnee dazu. Laut ZAMG-Wetterdienststelle sollen es meist zwischen etwa 40cm und 80cm mit abnehmender Tendenz Richtung Norden sein.


Rekordhalter der Niederschlagssummen in Osttirol: Porzehütte am Karnischen Kamm


Prognostizierter Neuschneezuwachs vom 08.12. auf den 09.12.2020


Die Kombination aus neuerlichem Schneezuwachs im Süden samt stärkerem Südostwind wird primär zu einem oberflächennahen, jedoch durchwegs ernst zu nehmenden Triebschneeproblem führen. Ein Bruch in lockeren Altschneeschichten aufgrund der weiteren Zusatzbelastung ist aufgrund der bereits guten Setzung und Stabilisierung des sehr mächtigen Neuschneepakets hingegen eher unwahrscheinlich.


Impressionen zur aktuellen Situation

Gleitschneelawinen


Zunehmende Gleitschneeaktivität auf steilen Wiesenhängen. (Anfangs verzögerte der gefrorene Boden zum Zeitpunkt des Einschneiens das Auftreten von Gleitschneelawinen. Regeneinfluss vom 05.12. auf den 06.12. begünstigte hingegen wieder das Abgleiten der Schneemassen.)

 
Sehr viel Schnee nicht nur in Osttirol, sondern auch in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 07.12.2020 von Peter Raich)


Der stürmische Wind hinterließ seine Spuren. Defereggental (Foto: 07.02.2020)


Beschädigte Stromleitungen werden unter, teils widrigen Bedingungen repariert. Defereggental  (Foto: 07.12.2020)


Den nächsten Blogeintrag gibts spätestens am Donnerstag, 10.12.2020.

Sonntag, 6. Dezember 2020

Sehr große Lawinengefahr in Osttirol

In Osttirol hat sich inzwischen aufgrund der außergewöhnlichen Neuschneemengen samt Windeinfluss und Regen eine gefährliche Lawinensituation ausgebildet. Inzwischen wurde von uns dort die höchste Gefahrenstufe, also sehr große Lawinengefahr ausgegeben.


Update vom 06.12.2020 08:00 Uhr: In der EUREGIO herrscht regionsweise sehr große Lawinengefahr


Auf den Bergen hat es dort verbreitet zwischen 150cm und 200cm geschneit - ganz im Süden waren es bis zu 250cm! Heute am 06.12. kommt neuerlich eine gewitterartige Niederschlagsstaffel aus Süden daher. Die ZAMG-Wetterdienststelle rechnet in Osttirol mit weiteren 100-120cm Neuschnee, welcher bei sehr hoher Intensität fallen wird. (Laut ZAMG-Wetterdienststelle werden die Niederschlagssummen dieses Ereignisses u.a. in Lienz einen Rekordwert darstellen. In der seit 1880 bestehenden Messreihe wird der im November 1966 gemessene, bisherige Maximalwert von 245mm auf alle Fälle überschritten werden!)


Auf der Karte erkennt man die Niederschlagsverteilung in Tirol. Je weiter südlich, desto intensiver waren die Niederschläge. Rechts: Spitzenreiter bei den Niederschlagssummen war das südliche Osttirol. (Porzehütte)


Schadlawinen

Im Virgental löste sich gestern abends, 05.12. nördlich von Hinterbichl eine Lawine, die ein Wirtschaftsgebäude sowie ein Haus erreichte und Sachschäden nach sich zog. Heute am 06.12. erreichte uns eine Meldung über eine Schadlawine im Defereggental, wo ebenso Häuser betroffen waren. Personen kamen nicht zu Schaden. Nähere Infos dazu hier: 

Vermutlich gibt es weitere Schäden aufgrund von Lawinenabgängen. Die schlechten Sichtverhältnisse und die umfangreichen Sperren lassen derzeit allerdings kein umfassendes Bild zu. 

Extrem große Lawinen v.a. aus sehr hoch gelegenen Einzugsgebieten

Am meisten Sorge bereiten uns derzeit sehr hohe Einzugsgebiete, wo vor den Schneefällen bereits eine mehr oder weniger zusammenhängende Schneedecke vorhanden war. Dort können nämlich durch die weitere Zusatzbelastung des prognostizierten Neuschnees Brüche im Altschnee entstehen und dadurch die gesamte Schneedecke als Schneebrettlawine abgehen. Besonders betroffen davon ist schattiges Steilgelände oberhalb etwa 2400m sowie sonniges Steilgelände oberhalb etwa 3000m. 

Aber auch in tieferen Gebieten (typischerweise jedoch oberhalb der Waldgrenze) können weiterhin Schneebrettlawinen von selbst abgehen. Dies hat v.a. mit den vorhergesagten gewitterartigen Niederschlägen zu tun, während derer sich z.B. Graupelschichten einlagern und eine mögliche Schwachschicht bilden können. Ebenso bewirkt der gerade eingetretene leichte Temperaturrückgang, dass der gefallene Schnee wieder lockerer wird. Somit kommt auch dieser (speziell bei sich ändernden Windverhältnissen) als mögliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen in Betracht.

Kurz: Bei einem komplexen Zusammenspiel aus verschiedensten, nicht 100% abschätzbaren Einflussparametern gibt es Potential für weitere, auch schadenbringende Schneebrettlawinen. Deren Auslösebereitschaft wird ab den Abendstunden mit Abklingen der Niederschläge, langsam sinkenden Temperaturen und nachlassendem Wind rasch abnehmen. 

Gleitschneelawinen

Aktuell ein großes Thema auf Grashängen unterhalb etwa 2600m sind zudem Gleitschneelawinen. Einige unserer Beobachter berichteten bereits über entsprechende Abgänge sowie Risse in der Schneedecke und Gleitschneemäuler, welche mögliche Lawinenabgänge ankündigen.

Situation in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes

Auch in den Zentralalpen ist die Situation derzeit angespannt. Dort kommen laut ZAMG-Wetterdienststelle heute am 06.12. nochmals 40-70cm Schnee zusammen. Die Gefahr wurde dort als groß eingestuft. Weitere Infos dazu im heutigen Lawinenreport. 

Wie geht es weiter?

Während der kommenden Tage werden Gleitschneelawinen abgehen, vermehrt in den neuschneereichen und regenbeeinflussten Gebieten. Erfahrungsgemäß nimmt deren Anzahl dann von Tag zu Tag stetig ab. Deren Abgangszeitpunkt bleibt allerdings unberechenbar.

Abgesehen vom Gleitschneeproblem wird die Lawinengefahr allgemein rasch zurückgehen. Man wird sich dann v.a. auf oberflächennahe Lawinenprobleme konzentrieren müssen, die verhältnismäßig leicht einzuschätzen sein werden. Im niederschlagsärmeren Norden des Landes bleibt hingegen vorerst ein Altschneeproblem im Nordsektor oberhalb der Waldgrenze aufrecht.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Die Kombination aus sehr viel Neuschnee und Sturm lassen die Lawinengefahr im Süden des Landes ab 05.12.2020 auf groß ansteigen

Sehr große Neuschneemengen, Sturm und variierende Schneefallgrenze

Die bisherigen Vorhersagen der ZAMG-Wetterdienststelle bestätigen sich: Im Süden des Landes wird es intensiv schneien. In Osttirol geht man derzeit in Tallagen verbreitet von 50cm (bei bedeutsamen Regenanteil), ansonsten typischerweise um 100 cm aus. Im Oberen Gailtal/Lesachtal sind laut Modellen 100-150 cm, auf den Bergen 150-200cm, in den Karnischen Alpen auch bis 250cm Neuschnee zu erwarten. In den Regionen entlang des Alpenhauptkammes sollen in Tallagen ca. 60cm Schnee, auf den Bergen 100-150cm (Bereich Timmelsjoch bis 200cm) fallen.

 

72h-Neuschneeprognose Donnerstag, 03.12. 07:00 bis Sonntag, 06.12. 07:00 Uhr

 

Zudem wird es auf den Bergen stürmisch.

 

Windprognose für Freitag, 04.12.2020 22:00 Uhr. Der Wind weht aus südlicher Richtung

 

Verschärfend dazu kommt noch, dass die Schneefallgrenze in kurzer Zeit stark variieren kann. Dies hängt mit der Luftschichtung zusammen, die über eine große Höhendifferenz nahe um die 0°C Temperatur hat.

 

Niederschlags- und Windprognose für das südliche Osttirol. Außergewöhnlich sind die sehr hohen Intensitäten über einen längeren Zeitraum. Dort, wo es durchgehend intensiven Niederschlag gibt, ist die Wahrscheinlichkeit von Schneefall bis in Tallagen deutlich höher als bei niederer Intensität. (Regengrenze laut ZAMG-Wetterdienststelle dann um 1500m und ev. darüber möglich.)


Aktuelle Schneedecken-Analyse

Wichtig erscheint vor solchen Ereignissen immer eine möglichst exakte Analyse des Schneedeckenaufbaus sowie ein Rückblick auf das kürzliche Wettergeschehen:

Nach dem letzten markanten Schneefall mit der Kaltfront vom Donnerstag, 19.11.2020 auf Freitag, 20.11.2020 herrschte meist mildes, trockenes und sonniges Bergwetter. Letzten Sonntag, 29.11. drang dann kalte, feuchte Luft in tiefen Lagen ein. Dadurch bildete sich in weiten Teilen Tirols kurzfristig Hochnebel. Darüber blieb es wolkenlos. Zwischen Dienstag, 1.12. und heute Donnerstag, 03.12. schneite es in Tirol verbreitet 5-20cm mit Schwerpunkt in den südlichen Regionen. Dieser Neuschnee liegt schattseitig oberhalb der Waldgrenze meist auf einer bereits mehr oder weniger zusammenhängenden Schneedecke. In besonnten Hängen fiel dieser bis in größere Höhen (meist um 2500m) häufig auf aperen Boden.

Impressionen zur höhen- und expositionsabhgängigen Schneeverteilung


Blick von der Adlersruhe Richtung Süden. Das Bild stammt vom vergangenen Sonntag, 29.11. In den Tallagen erkennt man den oben beschriebenen Nebel.

 

Bezeichnend: Südseitig aper, schattseitig Altschnee, Hochtennscharte (Foto: 30.11.2020)

 

Schneebedeckung schattseitig im Defereggental (Foto: 01.12.2020)

 

Hier ein Bild vom südlichen Osttirol. Oberhalb der Waldgrenze liegt eine zusammenhängende Schneedecke (Foto: 01.12.2020)


 Neuschnee fällt zumindest schattseitig oberhalb der Waldgrenze auf eine meist ungünstig aufgebaute Altschneedecke

 

Unsere Schneedeckenuntersuchungen, aber auch unsere Modellanalysen zeigen eines ganz deutlich: Aufgrund des unbeständigen Oktobers und des schönen, trockenen Novembers bildeten sich innerhalb der Schneedecke viele Krusten, die sich häufig mit weicheren Schichten abwechseln. Dies trifft v.a. für schattiges Gelände oberhalb der Waldgrenze, hochalpin (also oberhalb etwa 3000m) zum Teil auch für besonntes Gelände zu. Schauen wir uns dazu einige Profile im Detail an:


Abfolge von Krusten und weicheren Schichten ("Krusten-Sandwich"), Gurgler Gruppe (Südliche Ötztaler Alpen), 2670m, NW, 30°, Aufnahmedatum: 27.11.2020 (c) LWD Tirol


Kürzlicher Neuschnee, danach Abfolge von Krusten und aufbauend umgewandelten Kristallen, Pitztaler Gletscher (Weißkugelgruppe), 2840m, N, 32°, Aufnahmedatum: 03.02.2020 (c) Markus Kogler


Ein Bruch konnte hier hochalpin, südseitig unterhalb einer dünnen Kruste initialisiert werden, Tiefenbachferner (Weißkugelgruppe), 3270m, S, 30°, Aufnahmedatum: 24.11.2020. (c) LWD Tirol


Interessant an diesem im flachen, eher kammnahen Gelände aufgenommenen Profil sind die dünnen Schichten eingeschneiten Oberflächenreifs, die sich durch den Nigg-Effekt gebildet haben, Wurmkogel (Gurgler Gruppe), 2920m, Aufnahmedatum: 27.11.2020 (c) LWD Tirol


Stabiler Unterbau, für Neu- und Triebschnee störanfälliger Oberbau der Schneedecke. Profil in Grenznähe zu Tirol in den Allgäuer Alpen (Ifen, Hahnenköpfle), 2100m, NO, 24°, Aufnahmedatum: 03.12.2020 (c) LK Kleinwalsertal


Schneedeckensimulation mit Hilfe der Daten der Wetterstation Eselrücken im Virgental. Links: Schneehöhenverlauf samt Schichtung. Der Schneehöhenanstieg ab 03.12. 19:00 Uhr stellt eine Prognose des Schneedeckenaufbaus für die kommenden Tage dar. Rechts: Aktuelle Simulation für 03.12.2020 19:00 Uhr. Diese zeigt den Schneedeckenaufbau für einen 38° steilen Nordhang. Gut zu erkennen ist wiederum die Abfolge von ausgeprägten Krusten und lockeren Schichten.


Typisch für die aktuelle Situation: Schneeoberfläche locker, dann folgt eine Kruste, darunter wieder locker, dann wieder Kruste... An diesem Foto vom 27.11. fehlt noch der kürzlich gefallene, lockere Pulverschnee (Foto: 27.11.2020)


Bild aus dem südlichen Osttirol vom 02.12.2020 auf 1500m. Aufbauend umgewandelte Schneedecke


Auswirkungen auf die Lawinengefahr

Eines ist fix: Die Lawinengefahr wird mit der Intensivierung der Niederschläge samt Wind und langsam ansteigenden Temperaturen rasch und markant ansteigen! Der umfangreich gebildete Triebschee wird sich zumindest schattseitig oberhalb der Waldgrenze nur schlecht mit der lockeren Schneeoberfläche verbinden. Zudem nimmt die Belastung der Schneedecke im Laufe der Schneefälle stetig zu, sodass Brüche innerhalb der Altschneedecke immer wahrscheinlicher werden.

Gehen wir von den vorhergesagten Neuschneemengen aus, so wird die Größe der Lawinen im Laufe der Schneefälle auch stetig zunehmen. Wir rechnen ab Samstag mit größeren spontanen Schneebrettlawinen. Vermehrt betroffen ist eindeutig schattiges Gelände. In den besonders niederschlagsreichen Regionen sind auch Szenarien vorstellbar, dass sich während der Schneefälle (v.a. durch sich ändernden Windeinfluss bzw. durch die Einlagerung von Graupel) eventuell Schwachschichten bilden, die Schneebrettlawinen auch in anderen Expositionen möglich erscheinen lassen.

Dazu kommt noch die Gefährdung durch Gleitschneelawinen auf Wiesenhängen. Deren Abgangswahrscheinlichkeit wird durch eventuellen Regeneinfluss begünstigt.

Auch nicht zu unterschätzen: Die Gefahr umstürzender Bäume aufgrund der Schneeauflast.

Weiter im Norden, dort wo es weniger schneien wird, gilt zumindest für Wintersportler, dass Triebschneeansammlungen im schattigen Gelände oberhalb der Waldgrenze sehr leicht zu stören sein werden. Außerdem können auch dort Schneebretter von selbst abgehen. Diese werden allerdings eher nur mittelgroß werden.


Ruhe vor dem Sturm: Beginnender Föhneinfluss am Alpenhauptkamm. Südliche Ötztaler Alpen (Foto: 03.12.2020)







Dienstag, 1. Dezember 2020

Ab Freitag, den 04.12. viel Schnee im Süden samt markantem Anstieg der Lawinengefahr!

November noch sehr mild und niederschlagsarm

Der November 2020 geht mit einigen Superlativen zu Ende: Laut ZAMG-Wetterdienststelle handelte es sich um einen der zehn trockensten, auf den Bergen um den drittwärmsten und einen der fünf sonnigsten November der Messgeschichte. 

Dezemberstart - Viel Neuschnee im Süden

Mit dem Schönwetter ist es ab heute, dem 01.12.2020 bis auf Weiteres vorbei. Vorerst dominiert zwar nur eine schwache Kaltfront das Wettergeschehen in Tirol. Ab dem 04.12.2020 erreicht uns aber ein kräftiges Tiefdrucksystem aus Süden und bringt in den südlichen Landesteilen viel Neuschnee. Aktuell ist laut ZAMG-Wetterdienststelle im Osttiroler Raum von 50-70cm in Tallagen und 120-180cm auf den Bergen die Rede. Entlang des Alpenhauptkammes sollen es bis zu den Ötztaler Alpen bis 50cm in Tallagen und 100-150cm auf den Bergen werden.

 


Viel Neuschnee bedingt markanten Anstieg der Lawinengefahr

Mit den Neuschneefällen rechnen wir in tieferen Lagen vermehrt mit Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen, zudem auch mit Baumbrüchen aufgrund der Schneeauflast. In größeren Höhen hingegen werden aus steilen Schattenhängen vermehrt spontane Schneebretter abgehen.

Nähere Infos dazu in einem weiteren Blogeintrag am Donnerstag, dem 03.12.2020, jenem Datum, ab dem wir mit der täglichen Erstellung des Lawinenreports beginnen werden.


Samstag, 21. November 2020

Kleinräumige Triebschneepakete im Hochgebirge - Absturzgefahr auf harten Schneefeldern

Vorab das Wichtigste: Kräftiger Wind bildet in großen Höhen meist kleinräumige, teilweise störanfällige Triebschneepakete - Vorsicht v.a. in steilen Schattenhängen

Eine Kaltfront brachte vom 19.11. auf den 20.11.2020 oberhalb etwa 1000m meist 10cm-20cm Neuschnee, lokal auch etwas mehr.


Neuschnee vom 19.11. auf den 20.11.2020

In den Hauptniederschlagsgebieten entlang des Alpenhauptkammes weht zudem zum Teil recht kräftiger Wind, sodass der Neuschnee verfrachtet wird.

Beachtenswert ist der seit Einzug der Kaltfront kräftige Wind aus nördlichen Richtungen. Die Station Eselrücken befindet sich in den Osttiroler Tauern.Bildunterschrift hinzufügen

Frische Triebschneepakete stellen v.a. in schattigen Steilhängen ein Problem dar. Dies hat mit der Beschaffenheit oberflächennaher Schichten vor den letzten Schneefällen zu tun. Häufig findet man dort nämlich eine Abfolge von dünnen weichen Schichten und härteren Krusten.


Profil vom 18.11.2020, N, 2530m, 35°, Pirchkogel in den Stubaier Alpen. Die oberste bereits aufgebaute Schicht stammt von den Schneefällen vom 16.11.2020. Die Kruste darunter bildete sich am 03. und 04.11. während kurzen Regens bzw. nachfolgend feuchter Luft aus. Während der langen Schönwetterperiode ab 05.11. konnte sich unter der dünnen Kruste eine weitere lockere Schicht aus kantigen Kristallen samt Schwimmschnee bilden. Bei Überlagerung mit entsprechend Triebschnee bilden diese oberflächennahe Schichten relevante Schwachschichten.

In kammnahen Nordhängen konnte man überdies während der langen November-Schönwetterperiode den Nigg-Effekt beobachten: In einem teils 50-100 Höhenmeter dicken Band bildete sich Oberflächenreif. Dort, wo der Wind zu Beginn der letzten Niederschläge nicht so durchgegriffen hat (und dadurch diese Schwachschicht zerstört hat), ist auch hier Vorsicht geboten.

Oberflächenreifbildung durch den Nigg-Effekt: Zwieselbacher Rosskogel, Stubaier Alpen (Foto: 15.11.2020)

In besonnten Hängen hingegen war die Schneeoberfläche meist hart und stabil. Dort ist derzeit einzig lockerer, überwehter frischer Pulverschnee als mögliche Schwachschicht für die frisch gebildeten Triebschneepakete - und dies nur in größeren Höhen und sehr kurzfristig (also heute am 21.11.2020) vorstellbar. Zudem werden mit der Sonneneinstrahlung einige kleine Lockerschneelawinen zu beobachten sein.

Stabile Schneedecke in besonnten Hängen am 18.11.2020 auf ca. 2700m (Zillertaler Alpen)

Gefahr durch überschneite Eisgallen

Eine für Wanderer / Wintersportler in schneebedeckten Gebieten nicht zu unterschätzende Gefahr geht derzeit auch von überschneiten und dadurch nicht sichtbaren Eisgallen aus. Bei abschüssigem Gelände besteht hier Absturzgefahr.

Eisgalle im Wildlahnertal (Foto: 18.11.2020)


Kurzer Wetterrückblick seit dem letzten Blogeintrag von Ende Oktober

Der Oktober endete in Summe ja als ein zu feuchter, kühler und zu trüber Monat mit viel Neuschnee auf den Bergen um den Nationalfeiertag. Nachfolgend bescherte uns der November v.a. mildes und meist sonniges Wetter mit kurzen Störungen (03.11/04.11.  / 12.11. / 16.11.2020).

Die schwarzen Kreise markieren Kaltfronten, Anfang November etablierte sich dann eine stabile Hochdruckphase. Danach immer wieder windig.

Beginn der Schönwetterperiode im November. Nebel und feuchte Luftmassen ziehen ab. Damals bildete sich aufgrund hochreichender, oberflächennaher Durchfeuchtung ein meist tragfähiger Harschdeckel, der in Folge immer dünner wurde.

Den nächsten Blogeintrag gibts bei einer gravierenden Änderung der Situation!