Sonntag, 6. Februar 2022

Unfallanalysen der tödlichen Lawinenunfälle Fließer Berg (04.02.2022) / Breiteggspitze (04.02.2022) / Gammerspitze (05.02.2022)

Innerhalb von zwei Tagen kamen bei drei Lawinenunfällen 8 Personen ums Leben. Es handelte sich dabei um einen Lawinenunfall beim Fließer Berg in der Samnaungruppe (5 Tote), um einen Lawinenunfall bei der Breiteggspitze in den Westlichen Kitzbüheler Alpen (2 Tote) und um einen Lawinenunfall bei der Gammerspitze im Schmirntal in den Nördlichen Zillertaler Alpen (1 Toter). Wir konnten heute gemeinsam mit Unterstützung der Alpinpolizei alle drei Lawinenunfälle analysieren. Vorweg: Allen Lawinenunfällen liegt ein Altschneeproblem mit persistenten Schwachschichten im Nahbereich der bis zum 30.01. vorhandenen Altschneeoberfläche zugrunde.


Lawinenunfall Fließer Berg am 04.02.2022 (5 Todesopfer)

Eine Gruppe von 6 Personen befand sich in der Abfahrt in mäßig steilem, kupierten Gelände innerhalb einer Mulde östlich des Fließer Bergs. Dabei hielten sie einen großzügigen Abstand ein. Im Bereich einer Verflachung bemerkte der vorausfahrende Wintersportler, dass sich orographisch rechts eine große Schneebrettlawine löste. Die Beteiligten versuchten durch Schussflucht der Lawine zu entkommen, was niemanden gelang. Alle Personen wurden total verschüttet. Einer Person gelang es, ihren Kopf und eine Hand frei zu bewegen und in Folge die Rettungskette via Handy in Gang zu bringen. Diese Person war die einzige, die den Lawinenabgang überlebte.


Große Schneebrettlawine unterhalb des Fließer Bergs. Die Pfeile symbolisieren die Abfahrtsrichtung. Die roten Kreise zeigen die ungefähren Verschüttungsstellen der getöteten Personen, der blaue Kreis jene der überlebenden Person. (Foto: 05.02.2022)
Große Schneebrettlawine unterhalb des Fließer Bergs. Die Pfeile symbolisieren die Abfahrtsrichtung. Die roten Kreise zeigen die ungefähren Verschüttungsstellen der getöteten Personen, der blaue Kreis jene der überlebenden Person. (Foto: 05.02.2022)


In den eingekreisten Bereichen erkennt man die Abfahrtsspuren. In etwa am Fotostandort dürfte die oberhalb abgehende Lawine bemerkt worden sein (Foto: 05.02.2022)
In den eingekreisten Bereichen erkennt man die Abfahrtsspuren. In etwa am Fotostandort dürfte die oberhalb der Gruppe abgehende Lawine bemerkt worden sein (Foto: 05.02.2022)


Der mächtige Lawinenkegel. Der Pfeil zeigt auf eine Verflachung, die in etwa dem Fotostandort des oberen Bildes entspricht. (Foto: 05.02.2022)
Der mächtige Lawinenkegel. Der Pfeil zeigt auf eine Verflachung, die in etwa dem Fotostandort des oberen Bildes entspricht. (Foto: 05.02.2022)



Blick vom Lawinenkegel in Richtung Fließer Alpe (Foto: 05.02.2022)
Blick vom Lawinenkegel in Richtung Fließer Alpe (Foto: 05.02.2022)


Wir haben an zwei Stellen Schneeprofile gegraben und Stabilitätsuntersuchungen durchgeführt. Die Schwachschicht bestand jeweils aus kantigen Kristallen, welche zwischen dünnen Krusten eingebettet waren. Dieser "Krusten-Sandwich" erklärt auch die so großflächige Bruchfortpflanzung. Es kann davon ausgegangen werden, dass das Schneebrett zuerst in jener Geländekammer abgegangen ist, welches sich oberhalb der bereits erwähnten Verflachung befindet. Dann erfolgte die Bruchausbreitung jeweils seitlich versetzt.


Schneeprofil orographisch links der untersten Lawinenablagerung in 10° geneigtem Gelände auf 2080m, Ost. Gut zu erkennen die Schwachschicht aus kantigen Kristallen, die zwischen zwei Schmelzkrusten eingebettet ist. Darüber lagert der Schnee, der seit 31.01. gefallen ist. Hohe Störanfälligkeit!
Schneeprofil orographisch links der untersten Lawinenablagerung in 10° geneigtem Gelände auf 2080m, Ost. Gut zu erkennen die Schwachschicht aus kantigen Kristallen, die zwischen zwei Schmelzkrusten eingebettet ist. Darüber lagert der Schnee, der seit 31.01. gefallen ist. Hohe Störanfälligkeit!



Ähnliches Profil im Nahbereich der Verflachung in 24° geneigtem Gelände auf 2230m, Ost. Selbe Schwachschicht. Vergleichsweise geringere Störanfälligkeit als bei dem Profil in flacherem Gelände.
Ähnliches Profil im Nahbereich der Verflachung in 24° geneigtem Gelände auf 2230m, Ost. Selbe Schwachschicht. Vergleichsweise geringere Störanfälligkeit als bei dem Profil in flacherem Gelände. 


Schneeprofilstandort 2080m. Der Pfeil zeigt auf die Schwachschicht. Farbunterschied zwischen Neuschneepaket (mattes weiß) und Altschnee (dünkler).
Schneeprofilstandort 2080m. Der Pfeil zeigt auf die Schwachschicht. Farbunterschied zwischen Neuschneepaket (mattes weiß) und Altschnee (dünkler).

Der Vergleich der beiden jeweils orographisch links der Lawinenablagerung aufgenommenen Profile zeigt, dass jenes Profil, welches in flacherem Gelände derselben Exposition aufgenommen wurde störanfälliger war, als jenes in steilerem Gelände. Dies erklärt sich aus der dickeren Schmelzkruste, die über der kantigen Schicht durch vermehrten Strahlungseinfluss in steilerem Gelände gebildet wurde.

Es handelt sich somit um ein diffiziles Altschneeproblem, welches stark von der Exposition, Höhenlage und Neigung abhängig ist.

 
Lawinenunfall Breiteggspitze am 04.02.2022 (2 Todesopfer)

Nachdem ein Ehepaar am 04.02.2022 den Gipfel der Breiteggspitze in den Westlichen Kitzbüheler Alpen erreicht hatte, fuhr es südlich des Gipfels in einen extrem steilen, teilweise bewaldeten, Richtung Westen ausgerichteten Hang ein. Dabei löste sich eine Schneebrettlawine, von der beide Personen total verschüttet wurden. Nach einer Vermisstenmeldung konnten die zwei Personen während einer nächtlichen Suchaktion nur mehr tot geborgen werden.


Schneebrettlawine Breiteggspitze (magenta) inkl. Einfahrtsspur (Pfeil). Bei der in blau markierten Lawine dürfte es um eine Sekundärlawine handeln. (Foto: 05.02.2022)
Schneebrettlawine Breiteggspitze (magenta) inkl. Einfahrtsspur (Pfeil). Bei der in blau markierten Lawine dürfte es sich um eine Sekundärlawine handeln. (Foto: 05.02.2022) 


Der extrem steile Unfallhang. Bild vom Lawinenanriss. Pfeil zeigt die Einfahrtsspur. (Foto: 05.02.2022)
Der extrem steile Unfallhang. Bild vom Lawinenanriss. Pfeil zeigt die Einfahrtsspur. Übergang von wenig zu viel Schnee (Foto: 05.02.2022)


Lawinenhang samt Verschüttungsstelle (Foto: 05.02.2022)
Lawinenhang samt Verschüttungsstelle (Foto: 05.02.2022)


Die am Lawinenanriss aufgenommenen Schneeprofile zeigen alle dasselbe Bild: Die Schwachschicht bestand aus kantigen Kristallen unterhalb einer dünnen Schmelzkruste. Darüber lagerte das Neuschneepaket der vergangenen Niederschlagsperiode. 


Die für den Lawinenabgang bedeutsame Schwachschicht liegt bei der in etwa horizontal ausgerichteten Schneesäge. Rechts davon erkennt man gut die Kruste. Eine weitere Kruste befindet sich darunter. (Foto: 05.02.2022)
Die für den Lawinenabgang bedeutsame Schwachschicht liegt bei der in etwa horizontal ausgerichteten Schneesäge. Rechts davon erkennt man gut die Kruste. Eine weitere Kruste befindet sich darunter. (Foto: 05.02.2022) 


Lawinenunfall Gammerspitze am 05.02.2022 (1 Todesopfer)

Eine 5-köpfige Tourengruppe befand sich im Aufstieg in Richtung Gammerspitze in den Nördlichen Zillertaler Alpen. Der Aufstieg führte durch lichtes, sehr steiles Waldgelände. Plötzlich löste sich weit oberhalb von ihnen - wohl durch Fernauslösung - eine große Schneebrettlawine. Alle Personen wurden von der Lawine mitgerissen und verschüttet. Die Bilanz: Eine Person überlebte den Lawinenabgang nicht, zwei weitere Personen wurden verletzt.


Die Lawine löste sich weit oberhalb der Gruppe im schattigen, extrem steilen Gelände. (Foto: 05.02.2022)
Die Lawine löste sich weit oberhalb der Gruppe im schattigen, extrem steilen Gelände. (Foto: 05.02.2022)

 
Beim Lawinenanriss im extrem steilen Gelände. (Foto: 05.02.2022)
Am Lawinenanriss. (Foto: 05.02.2022)


Lawinensturzbahn (Foto: 05.02.2022)
Lawinensturzbahn (Foto: 05.02.2022)



Verschüttungsstelle der getöteten Person (Foto: 05.02.2022)
Auffindeort einer verletzten Person (Foto: 05.02.2022)


Die so großflächige Bruchfortpflanzung lässt sich nur durch eine entsprechend flächig gleichmäßig vorhandene Schwachschicht samt einem ebenso gleichmäßig vorhandenen "Brett" erklären. Die Unfallregion zählt zu einer der neuschneereicheren Regionen während der vergangenen Niederschlagsperiode. Somit muss aufgrund der Kombination aus viel Neuschnee, starkem Windeinfluss und Erwärmung während der zweiten Niederschlagsstaffel von einem gut ausgebildeten Brett ausgegangen werden. Als Schwachschicht konnten auch wieder kantige Kristalle unterhalb einer Schmelzkruste identifiziert werden. Noch ausständige Schneeprofile der Unfalllawinen findet man demnächst hier:  

Samstag, 5. Februar 2022

Weiterer Lawinenunfall bei der Breiteggspitze in den Westlichen Kitzbüheler Alpen forderte 2 Todesopfer

Nach einer Vermisstenmeldung samt einem nächtlichen, aufwändigen Sucheinsatz wurde kurz nach Mitternacht des 05.02. ein Lawinenabgang etwas südlich der Breiteggspitze in den Westlichen Kitzbüheler Alpen entdeckt. Zwei Personen wurden daraufhin mittels LVS-Gerät geortet. Sie konnten nur mehr tot aus der Lawine ausgegraben werden.

Die Lawine löste sich in einem extrem steilen Richtung WNW ausgerichteten, kammnahen Hang auf etwa 1850m Seehöhe. Die Skitourengeher befanden sich in der Abfahrt, als die Schneebrettlawine abging. Auch bei diesem tödlichen Lawinenunfall werden wir gemeinsam mit der Alpinpolizei die Unfallanalyse durchführen und möglichst zeitnah darüber in einem weiteren Blogeintrag berichten.


Eingekreist das Unfallgelände südlich der Breiteggspitze in den Westlichen Kitzbüheler Alpen. (c) tiris

Freitag, 4. Februar 2022

Weitere Lawinenabgänge in Tirol - Tödliches Lawinenunglück im Bereich der Fließer Stieralpe / Samnaungruppe mit 5 Todesopfern

Auch am heutigen 04.02.2022 wurden uns von der Leitstelle Tirol zahlreiche Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung gemeldet. Bei einem Lawinenabgang in der Samnaungruppe im Nahbereich der Fließer Stieralpe wurden 5 Personen getötet. Bei weiteren Lawinenabgängen bei der Steinalm bei Aurach in Kitzbühel sowie im Rettenbachtal in Sölden wurden Personen zum Teil schwer verletzt.

Lawinenunfall Fließer Stieralpe 

Der Lawinenunfall ereignete sich bei der Abfahrt einer Gruppe von Skifahrern, die von der Silvretta Skiarena kommend nach Spiss gelangen wollten. Es handelte sich um eine große Schneebrettlawine. Das der Lawine zugrunde liegende Lawinenproblem war ein kombiniertes Neu- und Altschneeproblem. Nähere Details zum Unfall werden wir morgen gemeinsam mit der Alpinpolizei erheben und diese möglichst zeitnah in einem weiteren Blogeintrag publizieren.


Überblicksfoto der Unglückslawine Fließer Berg. Magenta: Unglückslawine. Blau: Weitere Schneebrettlawine (Foto: 04.02.2022 (c) Alpinpolizei)
Überblicksfoto der Unglückslawine Fließer Berg. Magenta: Unglückslawine. Blau: Weitere Schneebrettlawine (Foto: 04.02.2022 (c) Alpinpolizei)

 
Grober Bereich der Unglückslawine östlich des Fließer Bergs (c) tiris

Vorsicht: Gebietsweise kombiniertes Neu- und Altschneeproblem

Eine grobe Analyse der bisherigen Lawinenereignisse ergab folgendes Bild: Während der kürzlichen Schneefall- und Sturmperiode waren häufig Schwachschichten im Bereich der ehemaligen Altschneeoberfläche sowie innerhalb des Neuschneepakets entscheidend für Lawinenabgänge. Nicht selten handelte es sich bei letzteren um massivere Graupeleinlagerungen. Inzwischen verlagert sich das Problem mehr und mehr in Richtung der Schwachschichten im Bereich der vorigen Altschneeoberfläche. Wie in dem am 27.01.2022 publizierten Blogeintrag erwähnt, hatten wir es da immer wieder mit Krusten und darunter befindlichen kantigen Kristallen zu tun. Diese Schwachschichten sind zum Teil recht zusammenhängend und führen entsprechend zu großflächigen Schneebrettlawinen (Altschneeproblem). Gehäuft trifft man darauf im schattigen Gelände von Waldlichtungen und vom Waldgrenzbereich bis teilweise 2700m aufwärts. Vom Nahbereich der Unfallregion (Westlicher Hauptkamm) wissen wir zudem von Schneedeckenuntersuchungen, dass die Altschneedecke häufig vollkommen aufbauend umgewandelt und somit recht locker war.

Donnerstag, 3. Februar 2022

Zahlreiche Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung!

Außerordentlich viel Lawinenmeldungen seitens der Leitstelle Tirol!

Alles andere als alltäglich war der heutige 03.02.2022 in Bezug auf Lawinenereignisse, die uns von der Leitstelle Tirol gemeldet wurden. In Summe waren es 26 (!):

09:56 Uhr: Lawine Skigebiet Rohrberg / Zell/Ziller (Verschüttete unbekannt)
10:01 Uhr: Lawine Skigebiet Horberg / Schwendau (Verschüttete unbekannt)
10:06 Uhr: Negativlawine Adler Lounge / Kals am Großglockner
10:21 Uhr: Negativlawine Hochsinnalm / Weerberg
10:27 Uhr: Negativlawine Kreuzjochbahn / Fulpmes
10:53 Uhr: Lawine Rodelbahn Gaislachkogel / Sölden (1 verschüttete Person)
11:16 Uhr: Negativlawine Rettenbachalm / Sölden
11:21 Uhr: Lawine Kleiner Rettenstein / Kirchberg (Annahme: 1 verschüttete Person)
11:31 Uhr: Negativlawine Lansergrabenlawine /Lans
11:31 Uhr: Lawine Sonnenspitze - Schartenkogellift / Tulfes (1 verletzte Person)
12:13 Uhr: Negativlawine Speicherbecken Gaisbergbach / Sölden
12:58 Uhr: Negativlawine Joelspitze / Alpbach
13:01 Uhr: Negativlawine Fimbatal / Ischgl
13:10 Uhr: Lawine Roßköpfe / Ötz (1 verschüttete Person)
13:24 Uhr: Lawine Grüblspitze / Tux (1 verschüttete Person)
13:25 Uhr: Negativlawine Tscheyeck / Nauders
13:42 Uhr: Negativlawine Hohe Aifner Spitze / Kaunerberg
14:07 Uhr: Lawine Muttenkopf / St. Leonhard im Pitztal (1 verletzte Person)
14:27 Uhr: Negativlawine Sennjoch / Telfes
14:32 Uhr: Lawine Ochsenkopf / Fendels (1 verschüttete Person)
14:43 Uhr: Lawine Plangger / Fendels (Verschüttete unbekannt)
15:07 Uhr: Negativlawine Plattachbahn / Sölden
15:15 Uhr: Negativlawine Übungsklettersteig Kreuzjoch / Telfes
15:50 Uhr: Negativlawine Saile (Nockspitze) / Götzens
16:45 Uhr: Lawine Verlängerter Steilhang Venet / Zams (Verschüttete unbekannt)
18:03 Uhr: Negativlawine Widdersbergsattel / Axams

Dabei dürften unserem aktuellem Wissensstand zufolge 2 Personen verletzt worden sein.


Lawinenabgang Sonnenspitze / Tulfes. Einfahrtsspur und Verschüttungsstelle. Nord, 40-45°, 2060m (Foto: 03.02.2022)
Lawinenabgang Sonnenspitze / Tulfes. Einfahrtsspur und Verschüttungsstelle. Nord, 40-45°, 2060m Person wurde durch Kameradenrettung ausgegraben. Sie war zu diesem Zeitpunkt bereits bewusstlos. (Foto: 03.02.2022)


Schneeprofil zum Lawinenunfall Sonnenspitze. Der Bruch erfolgte unterhalb einer dünnen Schmelzkruste auf einer Schwachschicht aus kantigen Kristallen (c) Alpinpolizei
Schneeprofil zum Lawinenunfall Sonnenspitze. Der Bruch erfolgte unterhalb einer dünnen Schmelzkruste auf einer Schwachschicht aus kantigen Kristallen (c) Alpinpolizei



Lawinenabgang im freien Skigelände Skigebiet Sölden. Person war total verschüttet und konnte durch einen aus dem Schnee herausragenden Arm rasch vom Kollegen befreit werden. (Foto: 03.02.2022)
Lawinenabgang im freien Skigelände Skigebiet Sölden. Eine Person wurde total verschüttet und konnte durch einen aus dem Schnee herausragenden Arm rasch vom Kollegen unverletzt befreit werden. (Foto: 03.02.2022)


Schneeprofil zum Lawinenabgang freies Skigelände Skigebiet Sölden. Der Pfeil zeigt auf die für den Abgang relevante Schwachschicht aus kantigen Kristallen unterhalb einer dünnen Schmelzkruste. 2200m, 37°m Ost (c) Tobias Holzknecht
Schneeprofil zum Lawinenabgang freies Skigelände Skigebiet Sölden. Der Pfeil zeigt auf die für den Abgang relevante Schwachschicht aus kantigen Kristallen unterhalb einer dünnen Schmelzkruste. 2200m, 37°m Ost (c) Tobias Holzknecht


Lawinenabgang Horberg. Der Pfeil zeigt die Einfahrtsspur in die Lawine (Foto: (c) Alois Sötckl, 03.02.2022)
Lawinenabgang Horberg. Der Pfeil zeigt die Einfahrtsspur in die Lawine (Foto: (c) Alois Sötckl, 03.02.2022)


Lawinenabgang Kleiner Rettenstein. Aufwändige Suchaktion. Man ging lange Zeit von einer verschütteten Person aus. Schlussendlich stellte sich heraus, dass niemand von der Lawine erfasst wurde. (Foto: 03.02.2022)
Lawinenabgang Kleiner Rettenstein. Aufwändige Suchaktion. Man ging lange Zeit von einer verschütteten Person aus. Schlussendlich stellte sich heraus, dass niemand von der Lawine erfasst wurde. (Foto: 03.02.2022)


Zahlreiche spontane Lawinenabgänge insbesondere am 02.02.2022


Schneebrettlawine Gallreideschrofen im Gschnitztal, die während der Schneefall- und Sturmperiode am 02.02.2022 spontan abgegangen ist (Foto: 03.02.2022)
Schneebrettlawine Gallreideschrofen im Gschnitztal, die während der Schneefall- und Sturmperiode am 02.02.2022 spontan abgegangen ist (Foto: 03.02.2022)


Spontanes, kammnahes Schneebrett in den Osttiroler Tauern vom 02.02.2022 (Foto: 03.02.2022)
Spontanes, kammnahes Schneebrett in den Osttiroler Tauern vom 02.02.2022 (Foto: 03.02.2022)


Schneebrettlawine, die vermutlich durch den Impuls der Sonneneinstrahlung am 03.02. spontan abgegangen ist. Nockspitze / Stubaier Alpen (Anmerkung vom 05.02.: Die Lawine dürfte nach weiteren Recherchen doch NICHT durch die Sonneneinstrahlung ausgelöst, sondern am 02.02. spontan abgegangen sein. (Foto: 03.02.2022)
Schneebrettlawine, die vermutlich durch den Impuls der Sonneneinstrahlung am 03.02. spontan abgegangen ist. Nockspitze / Stubaier Alpen (Anmerkung vom 05.02.: Die Lawine dürfte nach weiteren Recherchen doch NICHT durch die Sonneneinstrahlung ausgelöst, sondern am 02.02. spontan abgegangen sein. (Foto: 03.02.2022) 


Häufig sehr gute Sprengerfolge

Unsere Erfahrung hat uns nicht getäuscht: Die Kombination aus viel Neuschnee, Wind und steigenden Temperaturen während der zweiten Niederschlagsstaffel führte dazu, dass großflächig umspannende und spannungsgeladene "Bretter" entstanden sind. Diese konnten heute in weiten Teilen Tirols häufig mit sehr guten Erfolgen gesprengt werden. Die Lawinen waren vereinzelt sehr groß.



Lawinensprengung oberhalb des Skigebiets Schlick 2000 in den Kalkkögeln. (Foto: 03.02.2022)
Lawinensprengung oberhalb des Skigebiets Schlick 2000 in den Kalkkögeln. (Foto: 03.02.2022)


Lawinensprengung im Kühtai - Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 03.02.2022)
Lawinensprengung im Kühtai - Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 03.02.2022)


Kurzer Rückblick auf die Niederschlagsperiode

Wie schon erwähnt, waren die Prognosen der ZAMG-Wetterdienststelle sehr gut. Nordtirol und das nördliche Osttirol haben zwischen Montag, 31.01. und Mittwoch, 02.02. verbreitet viel Schnee abbekommen. 

72h-Differenz der Gesamtschneehöhe. In Staulagen kamen lokal etwas mehr als 200cm Neuschnee zusammen!
72h-Differenz der Gesamtschneehöhe. In Staulagen kamen lokal etwas mehr als 200cm Neuschnee zusammen!


Spitzenreiter war die Alplhütte nördlich von Telfs. Zwischen 31.01. und 02.02. nachts wurden dort etwas mehr als 250mm Niederschlag gemessen!
Spitzenreiter war die Alplhütte nördlich von Telfs. Zwischen 31.01. und 02.02. nachts wurden dort etwas mehr als 250mm Niederschlag gemessen!


Typische Wetterstationsgrafik für die niederschlagsreichen Regionen: Neuschnee kam in zwei Staffeln. Starker bis stürmischer Wind samt ansteigenden Temperaturen. Ulmerhütte / Arlbergregion
Typische Wetterstationsgrafik für die niederschlagsreichen Regionen: Neuschnee kam in zwei Staffeln. Starker bis stürmischer Wind samt ansteigenden Temperaturen. Ulmerhütte / Arlbergregion


Vorerst teilweise noch heikle Lawinensituation für Wintersportler

Zwar konnten wir für morgen, 04.02. die Gefahrenstufe von "groß" auf "erheblich" zurückstufen, dennoch haben wir es gebietsweise noch mit einer heiklen Lawinensituation für Wintersportler zu tun. Problematisch sind und bleiben vorerst noch dünne Schwachschichten im Bereich der Altschneeoberfläche vor den vergangenen Schneefällen. Vermehrt findet man diese in tendenziell eher windberuhigten Schattenhängen von Waldlichtungen aufwärts, aber auch in Sonnenhängen in größeren Höhen. Hingegen sollten die im Neuschneepaket vorhandenen Schwachschichten - speziell in Form von ausgeprägten Graupelschichten - während der kommenden Tage kaum mehr zu stören sein.


Unterwegs im mäßig steilen, besonnten Gelände. Hier konnte man am 03.02. sicher und genussvoll unterwegs sein. Leider leidet die Schneequalität durch die Sonneneinstrahlung zunehmend.
Unterwegs im mäßig steilen, besonnten Gelände. Hier konnte man am 03.02. sicher und genussvoll unterwegs sein. Leider leidet die Schneequalität durch die Sonneneinstrahlung zunehmend. 


In den neuschneereichen Regionen wird man auf Grashängen wieder vermehrt Gleitschneelawinen und -rutsche beobachten können. Gschnitztal (03.02.2022)
In den neuschneereichen Regionen wird man auf Grashängen wieder vermehrt Gleitschneelawinen und -rutsche beobachten können. Gschnitztal (03.02.2022)

Mittwoch, 2. Februar 2022

Unfallträchtige Lawinensituation!

Zahlreiche Gefahrenstellen führen zu einer unfallträchtigen Lawinensituation

Wie von der ZAMG-Wetterdienststelle vorhergesagt gabs in weiten Teilen Tirols viel Neuschnee, viel Wind und von Dienstag, 01.02.2022 auf Mittwoch, 02.02.2002 zusätzlich steigende Temperaturen. Die Lawinengefahr ist aktuell in Nordtirol sowie im nördlichen Osttirol oberhalb der Waldgrenze groß, darunter erheblich. Gefahrenstellen sind zahlreich. Man findet diese nicht nur oberhalb der Waldgrenze sondern auch im lichten Waldbereich. Zudem lassen sich Lawinen vermehrt auch in pistennahen Bereichen von WintersportlerInnen auslösen. 


Erhöhte Störanfälligkeit der Schneedecke auch im Bereich von Böschungen bzw. Waldlichtungen. Weißkugelgruppe (Foto: 02.02.2022)
Erhöhte Störanfälligkeit der Schneedecke auch im Bereich von Böschungen bzw. Waldlichtungen. Weißkugelgruppe (Foto: 02.02.2022)


Schneebrettlawine im lichten Waldbereich. Lawinenverbauungen sind übrigens nicht als Schutz vor Skifahrerlawinen gebaut worden. Nördliche Zillertaler Alpen (Foto: 02.02.2022)
Schneebrettlawine im lichten Waldbereich. Lawinenverbauungen sind übrigens nicht als Schutz vor Skifahrerlawinen gebaut worden. Nördliche Zillertaler Alpen (Foto: 02.02.2022)


Weitere Details zur aktuellen Situation bzw. zur weiteren Entwicklung werden morgen Donnerstag, 03.02.2022 am Abend in einem neuen Blogeintrag veröffentlicht werden.