Donnerstag, 14. April 2022

(Tageszeitliches) Nassschneeproblem und abnehmendes Altschneeproblem

Schneedecke wird feuchter

Mit dem nächtlichen Wolkenaufzug vom 14.04. auf den 15.04. kühlt die Schneedecke während der Nacht nicht mehr ab. Insbesondere in Schattenhängen in einem Höhenband um etwa 2300m dringt die Feuchtigkeit nun vermehrt auch in tiefere, bisher noch trockene Schichten ein. Dadurch verliert die Schneedecke an Festigkeit. Die Wahrscheinlichkeit von feuchten bzw. nassen Rutschen, primär ausgelöst durch Wintersportler, vereinzelt auch spontan steigt dadurch an.


Die Kurve der Oberflächentemperatur verflacht zusehends. Der Taupunkt steigt erstmals sogar über 0°C an. Dies spricht für eine rasche Durchnässung der Schneedecke am Profilstandort.


Selbst auf 3000m haben wir es am 14.04. spätabends mit einer oberflächig feuchten Schneedecke am Profilstandort (Gletscherskigebiet Sölden) zu tun.
Selbst auf 3000m haben wir es am 14.04. spätabends mit einer oberflächig feuchten Schneedecke am Profilstandort (Gletscherskigebiet Sölden) zu tun.

Vorsicht v.a. auch dort, wo diffuser Strahlungseinfluss lokal zu intensivem Energieeintrag und somit vermehrten Schmelzprozessen führt. Fest steht, dass die Schneequalität aktuell leidet.
 

Risse in der Schneedecke als Vorboten möglicher Gleitschneelawinen (Foto: 12.04.2022)
Risse in der Schneedecke als Vorboten möglicher Gleitschneelawinen. Bei weiterem Nässeeintrag steigt die Wahrscheinlichkeit eines Abgangs. (Foto: 12.04.2022)


Abnehmendes Altschneeproblem

Im letzten Blogeintrag wiesen wir auf die Entwicklung oberflächennaher Schwachschichten oberhalb etwa 2600m hin. Dieses Problem hat sich inzwischen weiter zurückgebildet. Betroffen ist aktuell wohl am ehesten noch der Sektor WNW über N bis ONO. Vorsicht v.a. in sehr steilen bis extrem steilen Hängen, wo sich während der vergangenen Woche mehr Triebschnee abgelagert hat. Es handelt sich um ein schwierig einzuschätzendes Problem. Hilfreich ist ein Blick in die Schneedecke bis in den Bereich der eingefärbten Saharastaubschicht von Mitte März.



Bei Schneedeckenuntersuchungen konzentrieren wir uns vermehrt auf oberflächennahen Schichten bis zur Saharastaubschicht, die am Bild gut zu erkennen ist. Dort haben sich in jüngerer Vergangenheit teilweise Schwachschichten gebildet. Vereinzelt sind diese bösartig und somit noch störanfällig. Stubaier Alpen (Foto: 12.04.2022)
Bei Schneedeckenuntersuchungen konzentrieren wir uns aktuell vermehrt auf oberflächennahen Schichten bis zur Saharastaubschicht, die am Bild gut zu erkennen ist. Dort haben sich in jüngerer Vergangenheit teilweise Schwachschichten gebildet. Vereinzelt sind diese bösartig und somit noch störanfällig. Stubaier Alpen (Foto: 12.04.2022)

  

Der Pfeil zeigt auf die mit Saharastaub eingefärbte Schicht. Man erkennt darunter eine weichere Schicht aus kantigen Kristallen. (Mancherorts hat sich oberhalb der Saharastaubschicht eine dünne Schicht aus kantigen Kristallen gebildet.)  Oberflächennah findet man recht häufig auch Graupel. 


Das Foto gehört zu obigem Profil: Oberer Pfeil zeigt auf eine Graupelschicht, der untere auf die Saharastaubschicht von Mitte März. Die Brüche waren unvollständig. (Foto: 14.04.2022)
Das Foto gehört zu obigem Profil: Oberer Pfeil zeigt auf eine Graupelschicht, der untere auf die Saharastaubschicht von Mitte März. Die initiierten Brüche waren am Profilstandort unvollständig. (Foto: 14.04.2022)



Neuschneeprognose von Freitag, 08.04. bis Sonntag, 10.04.2022. Während dieser Niederschläge lagerte sich vielerorts eine zum Teil auch recht ausgeprägte Schicht aus Graupelkörnern ab.
Neuschneeprognose von Freitag, 08.04. bis Sonntag, 10.04.2022. Während dieser Niederschläge lagerte sich vielerorts eine zum Teil auch recht ausgeprägte Schicht aus Graupelkörnern ab. 

Kürzliche Lawinenabgänge ausschließlich auf oberflächennahen Schwachschichten


Hier noch ein paar Bilder von kürzlich gemeldeten Lawinenabgängen in Tirol. Allen gemein sind oberflächennahe Schwachschichten aufgrund gm.4 (kalt auf warm) oder gm.9 (Graupel).


Westliche Liebenerspitze, 3200m, SW (Foto: 10.04.2022)
Westliche Liebenerspitze, Ötztaler Alpen, 3200m, SW (Foto: 10.04.2022)



Kammnahes Schneebrett Wildebene; 2600m, N (Foto: 11.04.2022)
Kammnahes Schneebrett Wildebene im Arlberggebiet; 2570m, NW (Foto: 11.04.2022)



Schneebrettlawine vom 12.04. im Bereich der Knotenspitze in den Nördlichen Stubaier Alpen.
Schneebrettlawine vom 12.04. im Bereich der Knotenspitze in den Nördlichen Stubaier Alpen. 2800m Nord.


Drei spontane Schneebrettlawinen vom 12.04. am Marzellkamm in den Ötztaler Alpen, 2930m-3050m, NO (Foto: 13.04.2022)
Drei spontane Schneebrettlawinen vom 12.04. am Marzellkamm in den Ötztaler Alpen, 2930m-3050m, NO (Foto: 13.04.2022)

Wie gehts weiter? 

Im Norden mehr Wolken und etwas Niederschlag, im südlichen Osttirol eher trocken. So präsentiert sich in etwa die Prognose der ZAMG-Wetterdienststelle bis Ostersonntag, 16.04. Es wird wieder kühler. Am Ostermontag soll es mit den Temperaturen dann wieder aufwärts gehen.

Sollte es irgendwo etwas mehr schneien, ist spätestens mit den ersten Auflockerungen mit zahlreichen Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände zu rechnen. Ansonsten stellen sich ab dem Wochenende zusehends wieder Frühjahrsverhältnisse mit einem Tagesgang der Lawinengefahr ein. Voraussichtlich überwiegen dann in Summe recht günstige Verhältnisse.


Abfahrtsgenuss im Gschnitztal (Foto: 12.04.2022)
Abfahrtsgenuss im Gschnitztal (Foto: 12.04.2022)


Montag, 11. April 2022

Vieles spricht für Gefahrenmuster 4 (kalt auf warm) in großen Höhen

Nach Schneefällen störanfällige Schwachschicht höchstwahrscheinlich aufgrund von gm.4


Schwachschicht aufgrund von gm.4 (kalt auf warm)

In unserem letzten Blogeintrag wiesen wir beim beschriebenen "(kleinen) Triebschneeproblem in großen Höhen" u.a. auf die mögliche Entwicklung von Gefahrenmuster "kalt auf warm" (gm.4) hin. Damals am 07.04. hatten wir noch keine Informationen über die Entwicklung einer bösartigen Schwachschicht. Inzwischen häufen sich jedoch Meldungen über Schneebrettlawinen auf einer oberflächennahen Schwachschicht in großen Höhen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte es sich dabei um eine Schwachschicht aufgrund des Gefahrenmusters gm.4 handeln.

Aufgrund der uns aktuell zugrundeliegenden Informationen grenzen wir die Problembereiche aufgrund gm.4 grob folgendermaßen ein:

  • Neuschneereiche Regionen, insbesondere Silvretta, Arlberggebiet, Karwendel, Regionen entlang des Alpenhauptkammes und das nördliche Osttirol
  • Schattenhänge zwischen etwa 2600m-2800m
  • Sonnenhänge oberhalb etwa 2800m, vermehrt wohl oberhalb etwa 3000m

Anhand der Monatsgrafik der Station Pitztaler Gletscher erkennt man nicht nur den Beginn der Niederschläge ab dem 31.03., sondern auch folgende Temperatursprünge samt kürzlich kräftigem Windeinfluss.
Anhand der Monatsgrafik der Station Pitztaler Gletscher erkennt man nicht nur den Beginn der Niederschläge ab dem 31.03., sondern auch folgende Temperatursprünge samt kürzlich kräftigem Windeinfluss.


Schwachschicht aufgrund von gm.9 (eingeschneiter Graupel)

Denkbar sind allerdings auch lokal massivere Graupeleinlagerungen, die von den kürzlich entstandenen Triebschneepaketen überlagert sind. Graupel entsteht bevorzugt aufgrund schauerartiger Niederschläge und wird naturgemäß in allen Expositionen gleichermaßen abgelagert. Graupelniederschläge wurden während der vergangenen Niederschlagsereignisse immer wieder beobachtet. Ähnlich wie bei gm.4 gehen wir davon aus, dass Problembereiche von etwa 2600m aufwärts vorhanden sind. 

Einige Rückmeldungen über Lawinenabgänge

Lawinenabgänge wurden uns u.a. von der Wildebene und dem Albonakopf in der Arlbergregion, vom Felderkogel in den Ötztaler Alpen, vom Großglockner in der Glocknergruppe und vom Großen Geiger (SW, 3200m) in der Venedigergruppe gemeldet. Zudem ging heute am 11.04. eine Meldung über großflächige Setzungsgeräusche in der Venedigergruppe oberhalb von etwa 3000m ein.



Anhand der Webcam vom Lucknerhaus lassen sich kürzlich abgegangene spontane Schneebrettlawinen erkennen. Untere Lawine hat sich heute am 11.04. um die Mittagszeit gelöst. SW, 3360m (c) foto-webcam.eu  



Lawinenabgang Felderkogel. Die Lawine wurde fernausgelöst. Nord: 2700m-2750m (Foto: 10.04.2022)
Lawinenabgang Felderkogel. Die Lawine wurde fernausgelöst. Nord, 2700m-2750m (Foto: (c) Hugo Reindl, 10.04.2022)


Nächste Tage noch erhöhte Vorsicht

Mit den zu erwartenden warmen Temperaturen und der Strahlung kann die Schneedecke kurzfristig geschwächt und die Auslösebereitschaft von Schneebrettlawinen erhöht werden. Wir gehen davon aus, dass die Schwachschicht kurz nach deren Durchfeuchtung / Durchnässung nicht mehr zu stören sein wird. Somit wird das Problem schattseitig etwas länger andauern. Dies hängt unmittelbar von der weiteren Wetterentwicklung (u.a. auch diffuse Strahlung) ab und kann aktuell zeitlich nicht genau eingegrenzt werden. WintersportlerInnen mit großer Erfahrung in der Lawinenbeurteilung können allerdings recht einfach mit Schneedecken- und Stabilitätsuntersuchungen ein mögliches Problem erkennen und entsprechend reagieren. Natürlich sind wir über entsprechende Rückmeldungen direkt an lawine@tirol.gv.at besonders dankbar! 

Donnerstag, 7. April 2022

Aprilwetter führt zu wechselnden Schnee- und Lawinenverhältnissen

Es ist wechselhaft

Die erste Aprilwoche gestaltete sich wechselhaft. Anfangs gebietsweise doch beachtliche Schneemengen bei meist wenig, lokal jedoch auch starkem Windeinfluss. Dies bei kalten Temperaturen. Dann immer wieder sonnige Abschnitte, die von Regen bis etwa 2000m hinauf abgelöst wurden. Letzteres war v.a. in Nordtirol der Fall. Temperaturanstieg.


Am vergangenen Wochenende musste man mancherorts ganz nett Spurarbeit leisten. Rieserfernergruppe. (Foto: 02.04.2022)
Am vergangenen Wochenende musste man mancherorts ganz nett Spurarbeit leisten. Rieserfernergruppe. (Foto: 02.04.2022)


72h-Schneedifferenz, 03.04.2022. In der Höhe schneite es teilweise bis etwa 50cm. 


"Pulveralarm" in den Tuxer Alpen. Im sehr steilen bis extrem steilen Gelände konnten in den neuschneereichen Regionen recht leicht Lockerschneelawinen ausgelöst werden. (sluff-Management war mitunter angesagt.) (Foto: 03.04.2022)
"Pulveralarm" in den Tuxer Alpen. Im sehr steilen bis extrem steilen Gelände konnten in den neuschneereichen Regionen recht leicht Lockerschneelawinen ausgelöst werden. (sluff-Management war mitunter angesagt.) (Foto: 03.04.2022)


Anfangs noch richtig kalt, dann wärmer werdend. Immer wieder Niederschlag und spätestens ab dem 07.04. kräftiger Windeinfluss auf den Bergen.
Anfangs noch richtig kalt, dann wärmer werdend. Immer wieder Niederschlag und spätestens ab dem 07.04. kräftiger Windeinfluss auf den Bergen.


Eine der wenigen windigen Standorte am 03.04. (Südliches Osttirol)
Eine der wenigen richtig windigen Standorte am 03.04. (Südliches Osttirol)


Keine gravierenden Lawinenprobleme

Lockerschneelawinen

Die Hauptgefahr bestand in Form von Lockerschneelawinen (unmittelbar) nach Neuschneefällen. (Diffuser) Strahlungseinfluss war für deren Auslösung genauso förderlich wie der Impuls durch WintersportlerInnen. Die Lockerschneelawinen waren meist klein, teilweise auch mittelgroß.


Lockerschneelawinen am Karnischen Kamm (Foto: 06.04.2022)
Lockerschneelawinen am Karnischen Kamm (Foto: 06.04.2022)


Lockerschneelawinen am Schrankogel in den Stubaier Alpen (Foto: 04.04.2022)
Lockerschneelawinen am Schrankogel in den Stubaier Alpen (Foto: 04.04.2022)


Eine von einem Wintersportler ausgelöste Lockerschneelawine (Foto: 04.04.2022)
Eine von einem Wintersportler ausgelöste Lockerschneelawine (Foto: 04.04.2022)


Gleitschneerutsche und -lawinen in den neuschneereichen Regionen

Dort, wo es auf bereits aperen, steilen Wiesenhängen viel schneite, beobachtete man vermehrt Gleitschneerutsche. Vereinzelt waren diese auch etwas größer. Inzwischen hat die Aktivität wieder deutlich nachgelassen.


Auf Wiesenhängen abgleitender Schnee. Tuxer Alpen (Foto: 02.04.2022)
Auf Wiesenhängen abgleitender Schnee. Tuxer Alpen (Foto: 02.04.2022)

 
(Kleines) Triebschneeproblem in großen Höhen

Trotz des ab 07.04.2022 stark zunehmenden Windes kann davon ausgegangen werden, dass der verfrachtete Schnee nur in großen Höhen ein gewisses Problem darstellt. Mit der Seehöhe steigt auf alle Fälle die Störanfälligkeit dieser Triebschneepakete. Als mögliche Schwachschicht kommt am ehesten Graupel in Frage, der sich am 06.04. während schauerartiger Niederschläge in Nordtirol abgelagert hat. Mitunter kann im hochalpinen Gelände auch noch lockerer Neuschnee (am ehesten jener vom 07.04.) eine Schwachschicht bilden. Gefahrenbereiche liegen v.a. hinter Geländekanten im sehr steilen Gelände. Eine mögliche Entwicklung, die wir zusätzlich im Auge hatten gilt dem Gefahrenmuster "kalt auf warm" (gm.4). Ab dem 31.03. hätte sich zwischen der ehemals feuchten Altschneeoberfläche und dem kalten Neuschneepaket in einem gewissen Höhen- und Expositionsband eine mögliche Schwachschicht bilden können. Uns sind aktuell jedoch keine besorgniserregenden Entwicklungen bekannt.  


Schneeverfrachtung auf 3000m und darüber in den Stubaier Alpen


Knapp unterhalb der Schneeoberfläche lagert mancherorts eine ausgeprägte Graupelschicht. Stubaier Alpen (Foto: 07.04.2022)
Knapp unterhalb der Schneeoberfläche lagert mancherorts eine ausgeprägte Graupelschicht. Stubaier Alpen (Foto: 07.04.2022)


Kleinräumig konnten Triebschneepakete auf Graupel gestört werden. Stubaier Gletscher. (Foto: 07.04.2022)
Kleinräumig konnten Triebschneepakete auf Graupel gestört werden. Stubaier Gletscher. (Foto: 07.04.2022)


Wie gehts weiter? 

Die ZAMG-Wetterdienststelle meldet für Freitag, 08.04. und Samstag, 09.04. weiterhing wechselhaftes Wetter mit Niederschlag. Es soll wieder deutlich kälter werden. Die anfängliche Schneefallgrenze wird von etwa 2000m auf unter 1000m fallen. Markant ist und bleibt starker bis stürmischer Wind auf den Bergen. Das Triebschneeproblem wird in den Vordergrund rücken und sollte v.a. in größeren Höhen beachtet werden. Zudem ist nach den Schneefällen mit (diffusem) Strahlungseinfluss wieder mit Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände zu rechnen.


Stürmischer Wind auf den Bergen. Im Norden noch intensiver als im Süden...
Stürmischer Wind auf den Bergen. Im Norden noch stärker als im Süden...


72h-Neuschneeprognose ab 07.04.2022

Donnerstag, 31. März 2022

Auf den Bergen wird es wieder winterlich

Einer der trockensten März-Monate liegt hinter uns - nun meldet sich der Winter zurück

Mit den heute am 31.03. beginnenden Niederschlägen ist es sich gerade nicht für den trockensten März der Messgeschichte ausgegangen. Für Innsbruck war es jedoch der sonnigste März seit es Aufzeichnungen gibt. Damit ist es nun vorbei. Der April mit dem bekannt wechselhaften Wettercharakter scheint pünktlich vorstellig zu werden. In Tirol setzt heute überall Niederschlag ein, der anfangs in mittleren Höhenlagen noch als Regen, sukzessive während der kommenden Tage aber bis in Tallagen als Schnee fallen wird. Auf den Bergen soll es bis Sonntag, 03.04. gebietsweise um 50cm, lokal mitunter auch mehr schneien. Die anfängliche Süd- bis Südwestströmung wird von einer Strömung aus nördlicher Richtung abgelöst. Der Wind weht tendenziell eher schwächer. Die Wetterlage erinnert an Situationen, die typisch für das Frühjahr sind: Aufgrund der vermehrt konvektiven Niederschlagstätigkeit wird es lokal zu größeren Schneehöhenunterschieden, aber auch zu einem teilweise recht markanten Anstieg der Neuschneehöhe mit der Seehöhe kommen.


72h-Neuschneesumme bis Sonntag, 02.04.2022
72h-Neuschneesumme bis Sonntag, 03.04.2022


Ende der Trockenperiode: Am 30.03. setzte im südlichen Osttirol Niederschlag ein. Die Temperatur geht nun deutlich zurück.
Ende der Trockenperiode: Am 30.03. setzte im südlichen Osttirol Niederschlag ein. Die Temperatur geht nun deutlich zurück.


Die Lawinengefahr steigt nach einer langen Phase mit günstigen Verhältnissen (etwas) an

Während des März dominierten mit einer kurzen Unterbrechung (Mitte März mit einem ausgeprägten Frühjahrs-Lawinenzyklus) günstige Verhältnisse bei häufig geringer Lawinengefahr.

Vor Schneefällen machen wir uns immer besonders intensiv Gedanken über den Aufbau der Altschneedecke sowie der Altschneeoberfläche, Beides hat nämlich unmittelbaren Einfluss auf die zukünftige Lawinengefahr. Aktuell sind die Ausgangsbedingungen gut: Die Altschneedecke ist im ganzen Land stabil, die Altschneeoberfläche häufig unregelmäßig.


Schneedeckenuntersuchung gemeinsam mit Lawinenhundeführer in Kühtai in den Nördlichen Stubaier Alpen. (Foto: 29.03.2022)
Schneedeckenuntersuchung gemeinsam mit Lawinenhundeführer in Kühtai in den Nördlichen Stubaier Alpen. (Foto: 29.03.2022)

 
Unregelmäßige Altschneeoberfläche. Silvretta. (Foto: 25.03.2022)
Unregelmäßige Altschneeoberfläche. Silvretta. (Foto: 25.03.2022)


Außergewöhnlich rau und unregelmäßig: Büßerschnee im sehr steilen besonnten Gelände. Liebenerspitze - Ötztaler Alpen. (Foto: 26.03.2022)
Außergewöhnlich rau und unregelmäßig: Büßerschnee im sehr steilen besonnten Gelände. Liebenerspitze - Ötztaler Alpen. (Foto: 26.03.2022)

Aufgrund dieser Ausgangsbedingungen, aber auch aufgrund der windschwachen Verhältnisse während des vorhergesagten Schneefalls wird die Lawinengefahr nur langsam ansteigen. Problembereiche müssen sich erst innerhalb des Neuschneepakets entwickeln. Vorstellbar sind vorerst folgende Szenarien:
  • In den neuschneereicheren Gebieten, dort wo Wind doch über Verfrachtungsstärke weht, können sich frische Triebschneepakete bilden. Als Schwachschicht kommt anfangs unter weniger Windeinfluss gefallener Neuschnee in Frage. Vorsicht in sehr steilen, windabgewandten, vornehmlich wohl kammnahen Hängen.
  • Lockerschneelawinen im extrem steilen Gelände: Vermehrt zu beobachten in neuschneereichen, windschwachen Gebieten dann, wenn die Sonne zum Vorschein kommt. Dies wird voraussichtlich erst am kommenden Montag, 04.04. der Fall sein.
  • Schneebrettlawinen in neuschneereichen, windschwachen Gebieten, dann, wenn die Sonne zum Vorschein kommt. Durch Strahlungseinfluss wird die Schneeoberfläche gebunden. Dadurch entsteht ein Brett. Die Schwachschicht ist der darunter befindliche, noch lockere Pulverschnee. Es handelt sich um ein nur sehr kurzfristiges Problem, das sich allerdings recht rasch (auch bereits bei diffusem Strahlungseinfluss) ausbilden kann.
  • Gleitschneelawinen: Sehr vereinzelt kann im Bereich von bereits bestehenden Rissen die Schneedecke auf steilen, glatten Flächen abgleiten. Zusätzlich sind eher kleine Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen in den neuschneereichen Gebieten auf zuvor bereits ausgeaperten Wiesenflächen vorstellbar.


Risse in der Schneedecke als Zeichen für eine Gleitbewegung der Schneedecke. Griesner Alm - Wilder Kaiser (Foto: 28.03.2022)
Risse in der Schneedecke als Zeichen für eine Gleitbewegung der Schneedecke. Griesner Alm - Wilder Kaiser (Foto: 28.03.2022)


Eingekreist: Potentielles Gleitschneeproblem. Gamskopf. Westliche Kitzbüheler Alpen (Foto: 27.03.2022)
Eingekreist: Potentielles Gleitschneeproblem. Gamskopf. Westliche Kitzbüheler Alpen (Foto: 27.03.2022)


Außergewöhnlich: Unterdurchschnittliche Schneehöhen

Bei unseren langjährigen Beobachterstationen sieht man sehr eindrucksvoll, dass für die Jahreszeit zu wenig Schnee liegt. Teilweise liegen wir sogar im Nahbereich des bisher gemessenen Minimums (und das bei Messreihen von 60 Jahren.)

Obere Grafik: Bisherige Schneehöhenmaxima, - minima und -mittelwert inkl. aktueller Gesamtschneehöhe des Winters 2021-22. Untere Grafik: Rote Balken zeigen Neuschneezuwächse.
Obere Grafik: Bisherige Schneehöhenmaxima, - minima und -mittelwert inkl. aktueller Gesamtschneehöhe des Winters 2021-22. Untere Grafik: Rote Balken zeigen Neuschneezuwächse. 


Extreme Trockenheit in besonntem Gelände. Venedigergruppe. (Foto: 28.03.2022)
Extreme Trockenheit in besonntem Gelände. Venedigergruppe. (Foto: 28.03.2022)


Blick von der Kraspespitze in den Nördlichen Stubaier Alpen in Richtung Norden. (Foto: 27.03.2022)
Blick vom Zwieselbacher Rosskogel in den Nördlichen Stubaier Alpen in Richtung Norden. (Foto: 27.03.2022)


Skipiste im Nordtiroler Unterland (Foto: 28.03.2022)
Skipiste im Nordtiroler Unterland (Foto: 28.03.2022)

Dienstag, 22. März 2022

Günstige Verhältnisse mit einem (nur leichten) tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr (aktualisiert am 24.03.2022)

Nach Nassschneezyklus nun günstige Verhältnisse 


Nach einer lawinenaktiven Zeit bis inklusive Sonntag, den 20.03.2022 hat sich die Lawinensituation beruhigt. Aufgrund der sehr trockenen Luftmasse beobachtet man aktuell eine sehr gute Ausstrahlung der Schneedecke während der Nachtstunden, aber auch eine verlangsamte Aufweichung der Schneeoberfläche während des Tages in sehr steilen Sonnenhängen.


Seit Wochenbeginn strömte immer trockenere Luft ein. Die Schneeoberflächentemperatur unterliegt inzwischen einem deutlichen Tagesgang. In der Früh ist die Schneeoberfläche hart gefroren und weicht während des Tages (langsam) auf.


Aus extrem steilen Sonnenhängen können v.a. ab den Nachmittagsstunden mitunter noch kleine Lockerschneelawinen ausgelöst werden. Ebenso sind vereinzelt Gleitschneerutsche und -lawinen auf steilen Wiesenhängen bzw. Felsplatten möglich. Wir raten deshalb, sich möglichst nicht unterhalb von Gleitschneemäulern in der Schneedecke aufzuhalten.


Die Schneedecke gleitet auf glattem Untergrund. Venedigergruppe. (Foto: 23.03.2022)
Die Schneedecke gleitet auf glattem Untergrund. Venedigergruppe. (Foto: 23.03.2022)


Große Gleitschneelawine auf der Südseite der Nockspitze in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 23.03.2022)
Große Gleitschneelawine auf der Südseite der Nockspitze in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 23.03.2022)


Absturzgefahr auf der hart gefrorenen Schneedecke beachten


Aktuell überwiegt die Absturzgefahr auf der in den Morgen- und Vormittagsstunden hart gefrorenen Schneedecke die Lawinengefahr. Harscheisen, mitunter Steigeisen und Pickel sind geeignete Mittel, um sicherer unterwegs zu sein.

Bei guter Tourenplanung wird man aktuell mit tollem Firn in steilen Sonnenhängen belohnt.


Traumhaftes Wetter und überwiegend günstige Verhältnisse laden zu Wintersportaktivitäten ein. Pitztal (Foto: 22.03.2022)
Traumhaftes Wetter und überwiegend günstige Verhältnisse laden zu Wintersportaktivitäten ein. Pitztal (Foto: 22.03.2022)

 

Auf den Pisten findet man traumhafte Verhältnisse vor. Stubaier Gletscher. (Foto: 22.03.2022)
Auf den Pisten findet man traumhafte Verhältnisse vor. Stubaier Gletscher. (Foto: 22.03.2022)


Was fällt noch auf...


Auf den Gletschern liegt aktuell eher unterdurchschnittlich viel Schnee. Trotz der hochalpin massiv vom Wind geprägten Schneeoberfläche sollte die Spaltensturzgefahr deshalb nicht außer Acht gelassen werden.


Gletscherspalten und Seracbrüche als mögliche hochalpine Gefahren (Foto: 23.03.2022)
Gletscherspalten und Seracbrüche als mögliche hochalpine Gefahren. Weißkugelgruppe (Foto: 23.03.2022)


Hochalpin: Harte, vom Wind geprägte Schneeoberfläche. Weißkugelgruppe (Foto: 23.03.2022)



Andere, mögliche Massenbewegungen... Weißkugelgruppe (Foto: 23.03.2022)
Andere, mögliche Massenbewegungen... Weißkugelgruppe (Foto: 23.03.2022)


An der oberen Geländekante erkennt man Wechten, die eine mögliche Bedrohung darstellen. Zudem typisch: Büßerschnee, eine filigrane Schneeoberflächenstruktur aufgrund der sehr trockenen Luftmasse und intensiven Sonneneinstrahlung. Venedigergruppe (Foto: 23.03.2022)
An der oberen Geländekante erkennt man Wechten, die eine mögliche Bedrohung darstellen. Zudem typisch: Büßerschnee, eine filigrane Schneeoberflächenstruktur aufgrund der sehr trockenen Luftmasse und intensiven Sonneneinstrahlung. Venedigergruppe (Foto: 23.03.2022)


Firnspiegel: Entsteht immer in Kombination mit intensiver Strahlung und (leichtem) Windeinfluss. Weißkugelgruppe (Foto: 22.03.2022)
Firnspiegel: Entsteht immer in Kombination mit intensiver Strahlung und (leichtem) Windeinfluss. Weißkugelgruppe (Foto: 22.03.2022)


Kurzer Rückblick

Wie schon anfangs erwähnt, hatten wir es bis Sonntag, den 20.03.2022 mit einem ausgeprägten Nassschneezyklus zu tun. Einer der damaligen Lawinenabgänge war insofern besonders, weil eine Skiroute sowie ein Pistenbereich davon betroffen waren. Es handelte sich um zwei unabhängig voneinander ausgelöste nasse Schneebrettlawinen am 18.03.2002 unterhalb des Zwölferkopfes in der Samnaungruppe. Einige Personen wurden von den Lawinen erfasst, konnten jedoch unverletzt entkommen. Nach einer aufwändigen Suchaktion stand am späten Abend fest, dass keine weiteren Personen von den Lawinenabgängen betroffen waren.


Einsatzkräfte auf der Lawine (c) Landeswarnzentrale Tirol
Einsatzkräfte auf der Lawine Zwölferkopf  (c) Landeswarnzentrale Tirol


Lawinenabgänge vom 18.03.2022 unterhalb des Zwölferkopfes. Die Pfeile zeigen jeweils die Einfahrtsspuren. (Foto: 19.03.2022)
Lawinenabgänge vom 18.03.2022 unterhalb des Zwölferkopfes. Die Pfeile zeigen jeweils die Einfahrtsspuren. (Foto: 19.03.2022)