Donnerstag, 8. Dezember 2022

Schwache Schneedecke und einige Lawinenabgänge - Start des täglichen EUREGIO-Lawinenreports ab 09.12.2022

 Vorsicht: Oberhalb etwa 2200m gebietsweise erhebliche Lawinengefahr! 


In den schneereicheren Regionen - dazu zählen insbesondere die Regionen entlang des Alpenhauptkammes - haben wir es bereits mit einer recht ungünstigen Lawinensituation zu tun. Die Gefahr ist dort oberhalb etwa 2200m erheblich. Dies bestätigen nicht nur Stabilitätsuntersuchungen, sondern auch einige Lawinenabgänge, bei denen Personen beteiligt waren. Sämtliche Lawinenabgänge sind bisher ohne Folgen geblieben. Der Lawinengefahr liegt ein Altschneeproblem mit zumindest einer ausgeprägten Schwachschicht aus lockeren, häufig kantigen Kristallen zu Grunde. Die Schwachschicht(en) sind vermehrt in Schattenhängen anzutreffen. Mit zunehmender Seehöhe findet man diese in allen Hangrichtungen.


Schneeprofil in der Verwallgruppe vom 07.12.2022 auf ca. 2311m, NW, 38°. Abfolge von weichen und harten Schichten. Stabilitätstests produzieren häufig glatte Brüche bei geringer Belastung.
Schneeprofil in der Verwallgruppe vom 07.12.2022 auf ca. 2300m, NW, 38°. Abfolge von weichen und harten Schichten. Stabilitätstests produzieren häufig glatte Brüche bei geringer Belastung.


Während der vergangenen Woche wurden auch spontane Schneebrettlawinen beobachtet. Am vergleichsweise größten waren diese in der Gurgler Gruppe. Diese Lawine löste sich aufgrund der zunehmenden Belastung durch verfrachteten Schnee. (Foto: 06.12.2022)
Während der vergangenen Woche wurden auch spontane Schneebrettlawinen beobachtet. Am vergleichsweise größten waren diese in der vergleichsweise niederschlagsreichsten Gurgler Gruppe. Diese Lawine löste sich aufgrund der zunehmenden Belastung durch verfrachteten Schnee. (Foto: 06.12.2022)


Spontane Lawinen mit geringer Anrissmächtigkeit in den Lienzer Dolomiten. Im Kammbereich erkennt man Schneefahnen. (Foto: 06.12.2022)
Spontane Lawinen mit geringer Anrissmächtigkeit in den Lienzer Dolomiten. Im Kammbereich erkennt man Schneefahnen. (Foto: 06.12.2022)


Einer von mehreren Lawinenabgängen im freien Gelände im Nahbereich des Skigebietes Stubaier Gletscher. Am Foto erkennt man eine von der Lawine mitgerissene Person, die ihren Airbag ausgelöst hatte. (Foto. 23.11.2022)
Einer von mehreren Lawinenabgängen im freien Gelände im Nahbereich des Skigebietes Stubaier Gletscher. Am Foto erkennt man eine von der Lawine mitgerissene Person, die ihren Airbag ausgelöst hat. (Foto. 23.11.2022)


Lawinenauslösung durch zwei Skifahrer im Bereich der Fernau Bergstation am Stubaier Gletscher aus. (Foto: 06.12.2022)
Lawinenauslösung durch zwei Skifahrer im Bereich der Fernau Bergstation am Stubaier Gletscher. (Foto: 06.12.2022)


Lawinenauslösung Hochtennboden im Nahbereich des Skigebietes Axamer Lizum am 06.12.2022
Lawinenauslösung Hochtennboden im Nahbereich des Skigebietes Axamer Lizum am 06.12.2022


Im Außerfern konnten aufgrund der Durchfeuchtung der Schneedecke bis etwa 2000m hinauf zahlreiche Gleitschneerutsche beobachtet werden. (Foto: 27.11.2022)
Im Außerfern konnten aufgrund der Durchfeuchtung der Schneedecke bis etwa 2000m hinauf zahlreiche Gleitschneerutsche beobachtet werden. (Foto: 27.11.2022) 


Kurzer Wetterrückblick

Ausschlaggebend für die kürzlichen Lawinenauslösungen waren weniger die Neuschneemengen, sondern der starke Windeinfluss aus wechselnden Richtungen. Erst so konnten sich mächtigere Triebschneepakete als Voraussetzung für Schneebrettlawinen bilden. 




Am meisten Niederschlag ist im Bereich des Timmelsjochs gefallen.
Am meisten Niederschlag ist im Bereich des Timmeljochs gefallen.


Oberhalb von Nebeldecken bzw. während klarer Nächte bildete sich vielerorts Oberflächenreif
Oberhalb von Nebeldecken bzw. während klarer Nächte bildete sich vielerorts Oberflächenreif


Ebenso aufzupassen: Verletzungsgefahr durch Steine, hochalpin: Spaltensturzgefahr

Täglicher EUREGIO-Lawinenreport startet ab dem 09.12.2022 

Am kommenden Freitag, 09.12. werden wir um 17:00 Uhr unseren ersten EUREGIO-Lawinenreport für diese Saison verfassen. Ab dann wird der Report wieder täglich als topaktuelle Basis für eine gute Entscheidungsfindung im winterlichen Gelände zur Verfügung stehen.

Samstag, 3. Dezember 2022

Vorsicht: Frische, (teilweise sehr) störanfällige Triebschneepakete durch starken Windeinfluss!

Gefahrenstellen nehmen mit Wind zu!

Der Anfang dieser Woche (28.11. auf 29.11.) bei wenig Wind gefallene, lockere Schnee, wird aktuell durch stürmischen Wind aus südlicher Richtung umfangreich verfrachtet. Dies führt zu einem Anstieg der Lawinengefahr! Das Problem stellen frische Triebschneeansammlungen dar. 

Schneedeckenuntersuchungen und Beobachtungen im Gelände bestätigen, eine zum Teil sehr hohe Störanfälligkeit der Schneedecke. Die Gefahrenstellen liegen im eingewehten Steilgelände oberhalb der Waldgrenze, anfangs vermehrt im schattigen Gelände, in größeren Höhen in allen Expositionen. Bei entsprechender Sicht sind Gefahrenbereiche leicht zu erkennen. Lawinen sind meist klein, teilweise mittelgroß. Die Anrissmächtigkeit ist meist (noch) gering, hinter Geländekanten mitunter auch schon etwas mächtiger.

Schwache Schneedecke und Verletzungsgefahr durch Steinkontakt

Es liegt häufig wenig Schnee. Man trifft vermehrt auf eine schwache Schneedecke mit dünnen lockeren Schichten zwischen dünnen Krusten. Zudem lagert frischer Triebschnee meist auf lockerem, kalten Neuschnee - einer aktuell sehr störanfälligen Schwachschicht!

Die Bedingungen für Skitouren abseits bereits geöffneter Pisten sind somit aus zweierlei Gründen schlecht: Es liegt vielfach wenig Schnee (Verletzungsgefahr durch Steine!). Dort, wo mehr Schnee liegt - also v.a. in eingewehten Bereichen - findet man vermehrt Gefahrenbereiche mit einer zum Teil (sehr) störanfälligen Schneedecke [Schwachschicht(en) samt darüber gelagertem Brett).

Unsere Botschaft an die Wintersportler: Weicht (frischen) Triebschneeansammlungen im Steilgelände konsequent aus! Trotz wenig Schnees herrschen zum Teil bereits recht ungünstige Verhältnisse! 

Hier noch ein paar Eindrücke zur Situation:


Kleines Schneebrett. Bergeralm. Stubaier Alpen (Foto: 03.12.2022) (c) Martin Mühlegger
Kleines Schneebrett. Bergeralm. Stubaier Alpen (Foto: 03.12.2022) (c) Martin Mühlegger


Auf den Bergen weht z.T. stürmischer Wind. Der Anfang der Woche, bei wenig Wind gefallene Pulverschnee wird massiv verfrachtet.
Auf den Bergen weht z.T. stürmischer Wind. Der Anfang der Woche, bei wenig Wind gefallene Pulverschnee wird massiv verfrachtet.



Schneeverfrachtung im südlichen Osttirol (Foto: 02.12.2022)
Schneeverfrachtung im südlichen Osttirol (Foto: 02.12.2022)



"Krustensandwich" in den Deferegger Bergen (Foto: 26.11.2022)
"Krustensandwich" in den Deferegger Bergen (Foto: 26.11.2022)


Fernauslösung vom 25.11. in der verhältnismäßig schneereichen Glocknergruppe. (Foto: 25.11.2022)
Fernauslösung vom 25.11. in der verhältnismäßig schneereichen Glocknergruppe. (Foto: 25.11.2022) 

Häufig noch zu wenig Schnee zum Skifahren im freien Gelände. Lampsenspitze (Foto: 27.11.2022)
Häufig noch zu wenig Schnee zum Skifahren im freien Gelände. Lampsenspitze (Foto: 27.11.2022)


Dienstag, 22. November 2022

Wintersportler aufgepasst! In der Höhe können Lawinen gebietsweise leicht ausgelöst werden!

Eine Kaltfront bringt Schnee!

Nach einem anfangs warmen, dann wechselhaften November schneit es gerade in weiten Teilen Tirols bis in tiefe Lagen. Der Schneefall wird heute am 22.11. am kräftigsten ausfallen und morgen überall abklingen. Laut ZAMG-Wetterdienststelle liegen die Hauptniederschlagsgebiete in den Tuxer- und Zillertaler Alpen sowie dem nördlichen und südlichen Osttirol. Dort soll es in der Höhe um 40cm  schneien, in den südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen bis 30cm, sonst meist um 20cm.


48h-Neuschneeprognose. Die Hauptniederschlagsgebiete liegen im (Süd-)Osten des Landes


Der Wind hat von südlichen Richtungen auf W-NW gedreht und ist meist mäßig, nimmt aber während der kommenden Tage in der Höhe deutlich zu. Die Hauptwindrichtung bleibt W-NW. 


Windprognose für Mittwoch, 23.11. 20:00 Uhr
Windprognose für Mittwoch, 23.11. 20:00 Uhr


Erhebliche Lawinengefahr in der Höhe


Die Kombination aus Schnee, Wind und dem aktuellen Schneedeckenaufbau führt zu einem deutlichen Anstieg der Lawinengefahr. In der Höhe - dort wo sich eine zusammenhängende Schneedecke halten konnte - muss von erheblicher Lawinengefahr ausgegangen werden. Am vergleichsweise ungünstigsten  sind die Bedingungen in den neuschneereichen Regionen. Die Gefahr nimmt mit zunehmender Seehöhe zu. Schattenhänge sind tendenziell gefährdeter. Sonnenhänge sind v.a. in Kammnähe sowie allgemein in hochalpinem Gelände kritisch zu beurteilen. 


Ein Blick zurück: Wechselhaftes Wetter mit wiederkehrenden Niederschlägen, teilweise auch in Form von Regen.
Ein Blick zurück: Wechselhaftes Wetter mit wiederkehrenden Niederschlägen, teilweise auch in Form von Regen.


Die Schneedecke

Die Schneedecke ist ein Abbild des Wettergeschehens. Entsprechend findet man dort eine Abfolge von Krusten und weicheren Schichten. Letztere sind häufig aus lockeren, kantigen Kristallen, teilweise sogar aus Schwimmschnee aufgebaut. Sie  stellen eine ernst zu nehmende Schwachschicht für das nun darüber gelagerte, vom Wind beeinflusste Schneepaket dar. Die Belastung eines Wintersportlers kann ausreichen, um die Schwachschicht zu stören und Schneebretter auszulösen.


Schneeprofil in der Gurgler Gruppe vom 19.11.2022. 3065m, NW, 34° Mögliche Schwachschichten befinden sich in Oberflächennähe
Schneeprofil in der Gurgler Gruppe vom 19.11.2022. 3065m, NW, 34° Mögliche Schwachschichten befinden sich in Oberflächennähe


Schneeprofil in der Weißkugelgruppe vom 21.11.2022. 3050m, SO, 33°. In großen Höhen findet man auch im besonnten Gelände zumindest eine mögliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen.
Schneeprofil in der Weißkugelgruppe vom 21.11.2022. 3050m, SO, 33°. In großen Höhen findet man auch im besonnten Gelände zumindest eine mögliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen. 


Sehr hilfreich für die Abschätzung, ob vor diesen Schneefällen bereits eine zusammenhängende Schneedecke vorhanden war, sind Bilder von Webkameras. Hier eine kleine Auswahl, wie die Schneelage so war. Mehr Info u.a. auf foto-webcam.eu.   


Blick ins Tuxertal, einem der bisher schneereichsten Gebiete Tirols. Foto vom 15.11.2022
Blick ins Tuxertal, einem der bisher schneereichsten Gebiete Tirols. Foto vom 15.11.2022


Hochalpines Gelände von 2800m aufwärts in der Weißkugelgruppe
Hochalpines Gelände von 2800m aufwärts in der Weißkugelgruppe

Nördliches Osttirol. Südhänge waren bis in große Höhen aper.
Nördliches Osttirol. Südhänge waren bis in große Höhen aper. 


In den Lienzer Dolomiten und am Karnischen Kamm lag vor den Schneefällen schattseitig bereits Schnee. Unseren Infos nach ist dieser oberflächig verkrustet, darunter häufig locker.
In den Lienzer Dolomiten und am Karnischen Kamm lag vor den Schneefällen schattseitig bereits Schnee. Unseren Infos nach ist dieser oberflächig verkrustet, darunter häufig locker.


Appell

Häufig findet man in der Höhe zumindest eine bösartige Schwachschicht, darüber nun vermehrt ein gut gebundenes (Neu-)Schneepaket, somit die "idealen" Voraussetzungen für ein Schneebrett. Aufgrund der nicht allzu mächtigen Überdeckung der Schwachschicht lässt sich diese aktuell recht leicht von Wintersportlern stören. Deshalb: Seid im Gebirge bitte überlegt und zurückhaltend unterwegs!

Übrigens wird man kurzfristig in den neuschneereichen Regionen auf Wiesenhängen vermehrt Gleitschneerutsche beobachten können. Zudem werden Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände abgehen.

Samstag, 5. November 2022

Im hochalpinen Gelände auf frische Triebschneepakete achten - zudem Lockerschnee- und Gleitschneerutsche

Kaltfront brachte Schnee, am meisten in den Nördlichen Zillertaler Alpen

Während der vergangenen 24 Stunden fiel in ganz Tirol Niederschlag, oberhalb etwa 1200m in Form von Schnee. Das Niederschlagsmaximum wurde in den Nördlichen Zillertaler Alpen mit lokal bis zu 40mm gemessen. Verbreitet waren es 10-20mm. Dies entspricht in etwa 10-20cm Neuschnee. In der Höhe wehte zum Teil kräftiger Wind, anfangs aus dem Südsektor, dann aus dem Nordsektor.


Neuschneezuwachs der Kaltfront vom 04.11.2022
Neuschneezuwachs der Kaltfront vom 04.11.2022


Ein ähnliches Bild zeigt die Karte der 24h-Niederschlagssumme (04.11. auf 05.11. 08:00 Uhr) von Hydro Online.
Ein ähnliches Bild zeigt die Karte der 24h-Niederschlagssumme (04.11. auf 05.11. 08:00 Uhr) von Hydro Online.


Nördliche Zillertaler Alpen vor Eintreffen der Kaltfront
Nördliche Zillertaler Alpen vor Eintreffen der Kaltfront



Nördliche Zillertaler Alpen nach Eintreffen der Kaltfront - wohl nur ein kurzer winterlicher Eindruck
Nördliche Zillertaler Alpen nach Eintreffen der Kaltfront - wohl nur ein kurzer winterlicher Eindruck...


Auswirkungen des Schneefalls auf die Lawinengefahr

Eine mögliche Lawinengefahr ist vermehrt in den neuschneereichen Regionen zu beachten. Die Hauptgefahr geht von frischen Triebschneepaketen im schattigen, sehr steilen Gelände, und zwar von etwa 2800m aufwärts, aus. Der Triebschnee lagert dort mitunter auf einer während des Oktobers entstandenen oberflächennahen Schwachschicht aus kantigen Kristallen. Aktuell ist von kleinen bis mittelgroßen Schneebrettlawinen auszugehen. Diese können vereinzelt durch die Belastung von Wintersportlern ausgelöst werden. Vermehrt ist dies wohl im unmittelbaren Kammbereich sowie hinter steilen Geländekanten möglich. Aufgrund der Wetterprognose, die von einer Wetterbesserung und steigenden Temperaturen ausgeht, kann von einer raschen Setzung des Neuschnees und einer raschen Abnahme dieser Gefahr ausgegangen werden.

Zudem wird man an diesem Wochenende vermehrt kleine Lockerschneerutsche aus extrem steilem Gelände sowie kleine Gleitschneerutsche auf steilen Wiesenhängen beobachten können.


Rückblick


Wetter

Laut ZAMG haben wir auf den Bergen gerade den wärmsten Oktober der Messgeschichte erlebt. Die Messreihe geht auf das Jahr 1853 zurück.



Der Oktober 2022 war außergewöhnlich warm...
Der Oktober 2022 war außergewöhnlich warm...


Rückschau bis Anfang Oktober: Ein sonniger, außergewöhnlich warmer und eher niederschlagsarmer Oktober liegt hinter uns. Niederschlag fiel oftmals bis in großen Höhen in Form von Regen. Aktuell erkennt man den Temperaturrückgang aufgrund der Kaltfront samt Schneefall und Winddrehung.
Rückschau bis Anfang Oktober: Ein sonniger, außergewöhnlich warmer und eher niederschlagsarmer Oktober liegt hinter uns. Niederschlag fiel oftmals bis in großen Höhen in Form von Regen. Aktuell erkennt man den Temperaturrückgang aufgrund der Kaltfront samt Schneefall und Winddrehung.


Schneedecke

Vor Eintreffen der Kaltfront vom 04.11. fand man schattig eine mehr oder weniger zusammenhängende Schneedecke meist von etwa 2800m aufwärts, südseitig nur im hochalpinen, vergletscherten Gelände. Aktuell wissen wir wenig über den Zustand dieser Altschneedecke, gehen aber davon aus, dass sich häufig an deren Schneeoberfläche eine Harschkruste ausgebildet hat. Im besonnten hochalpinen Gelände wird es sich um eine tragfähige Schicht handeln, im schattigen Gelände wird diese brüchig sein. Im schattigen Gelände erwarten wir unterhalb dieser oberflächigen Kruste eine während des Oktobers ausgebildete lockere Schicht aus kantigen Kristallen. Diese Schicht sehen wir derzeit als einzige, mitunter bedeutsame Schwachschicht für Schneebrettlawinen an.


Schneeprofil vom 16.10.2022, 3170m, NO, 20° am Daunferner in den Zentralen Stubaier Alpen. Der Pfeil zeigt auf eine mögliche Schwachschicht unterhalb einer dünnen Kruste. (c) Lukas Ruetz
Schneeprofil vom 16.10.2022, 3170m, NO, 20° am Daunferner in den Zentralen Stubaier Alpen. Der Pfeil zeigt auf eine mögliche Schwachschicht unterhalb einer dünnen Kruste. (c) Lukas Ruetz



Blick vom Kaunertaler Gletscher Richtung Süden. Ausgangssituation vom 03.11.. Eine mehr oder weniger zusammenhängende Schneedecke gibt es nur in großen Höhen, vermehrt im schattigen Gelände.
Blick vom Kaunertaler Gletscher Richtung Süden. Ausgangssituation vom 03.11.. Eine mehr oder weniger zusammenhängende Schneedecke gibt es nur in großen Höhen, vermehrt im schattigen Gelände.


Der nächste Blogeintrag wird wieder bei einer markanten Änderung der Schnee- und Lawinensituation publiziert werden.

Sonntag, 2. Oktober 2022

In großen Höhen kurzfristig auf mögliche Lawinengefahr achten - Auf Gletschern besteht nach Schneefällen erhöhte Spaltensturzgefahr!

In großen Höhen: Kleinräumige Triebschneepakete, Lockerschneelawinen und Gleitschneerutsche auf Wiesenhängen beachten


Kühle zweite Septemberhälfte bringt Schnee in großen Höhen


Nach einer sommerlichen und zu warmen ersten Septemberhälfte, war die zweite Septemberhälfte trüb, regnerisch und kühl. Dabei fiel in großen Höhen unter durchwegs kräftigem Windeinfluss häufig Schnee, teilweise in Form von Graupelkörnern.


Die zweite Septemberhälfte erinnerte etwas an den April. Wechselhaft, kühl. Hier ein Blick über Innsbruck Richtung Nordkette (Foto: 27.09.2022)
Die zweite Septemberhälfte erinnerte etwas an den April. Wechselhaft, kühl. Hier ein Blick über Innsbruck Richtung Nordkette (Foto: 27.09.2022)



Aktuell liegen wir in einer Nordwestströmung. Die Schneefallgrenze ist deutlich gestiegen und hat sich zwischen etwa 2600m und 2700m eingependelt. Entsprechend nimmt die Schneehöhe darunter ab, darüber zu.


Erste Septemberhälfte warm, zweite kalt samt Neuschneezuwachs. Kräftiger Wind während der Niederschlagsereignisse. Pitztaler Gletscher
Erste Septemberhälfte warm, zweite kalt samt Neuschneezuwachs. Kräftiger Wind während der Niederschlagsereignisse. Pitztaler Gletscher


In großen Höhen liegt ausreichend Schnee für den Saisonstart der Gletscherskigebiete.
In großen Höhen liegt ausreichend Schnee für den Saisonstart der Gletscherskigebiete.



72h-Neuschneedifferenz. Im Nordwesten witterungsbedingte Schneehöhenabnahme.
72h-Neuschneedifferenz. Im Nordwesten witterungsbedingte Schneehöhenabnahme.



Am meisten Niederschlag fiel während der vergangenen Woche in den typischen Staulagen im Nordwesten des Landes. Aktuell regnet es am Galzig oberhalb von St. Anton. Schnee fällt nur in den Gipfelregionen, darunter schmilzt der vorhin abgelagerte Schnee dahin...
Am meisten Niederschlag fiel während der vergangenen Woche in den typischen Staulagen im Nordwesten des Landes. Aktuell regnet es am Galzig oberhalb von St. Anton. Schnee fällt nur in den Gipfelregionen, darunter schmilzt der vorhin abgelagerte Schnee dahin...


Morgen am 03.10.2022 lässt die Nordwestströmung bei sinkenden Temperaturen nach. Es fällt dann nur mehr wenig Schnee. Danach setzt sich Hochdruckwetter mit steigenden Temperaturen und viel Sonnenschein durch.

Kurzfristig sind meist kleine Lawinen ein Thema...

In großen Höhen, dort wo es während der vergangenen Tage mehr geschneit hat, sollte man kurzfristig auf eine mögliche Lawinengefahr achten. Vorstellbar sind aktuell v.a. kleine Triebschneepakete im kammnahen, windabgewandten, sehr steilen, hochalpinen Gelände. Vorsicht insbesondere auf eine mögliche Mitreiß- und Absturzgefahr. Sobald nach den Neuschneefällen die Sonne zum Vorschein kommt und die Temperaturen steigen, wird man zudem zahlreiche Lockerschneerutsche beobachten können. In den wenigen hochgelegenen Bereichen mit steilen Wiesenhängen und entsprechend Neuschnee kann zudem die Schneedecke auf dem glatten Untergrund abgleiten. Wie gesagt, es handelt sich um ein kurzfristiges Problem. Sonne und warme Temperaturen werden rasch zu einer Stabilisierung (bzw. auch zunehmendem Abschmelzen) der Schneedecke führen.


Erhöhte Spaltensturzgefahr!

Die Gletscher hatten (wieder einmal) ein schwieriges Jahr hinter sich. Nach einem schneearmen Winter mit viel Saharastaub und einem extrem warmen Sommer waren auch die Schmelzraten außergewöhnlich. So schmolz beispielsweise auf der Pasterze unterhalb des Großglockners zwei- bis viermal so viel Eis dahin, wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Eisdicke nahm dabei laut ZAMG selbst schon oberhalb 3000m um -3,7, ab, weiter unten noch viel mehr (!).


Massive Massenverluste auf der Pasterze...
Massive Massenverluste auf der Pasterze...



Zahlreiche offene bzw. wenig überdeckte Gletscherspalten... (11.08.2022)
Zahlreiche offene bzw. wenig überdeckte Gletscherspalten... (11.08.2022)


Nun sind einige der Gletscherspalten überschneit bzw. überweht! Dies bedingt eine z.T. große Spaltensturzgefahr! (Foto: 28.09.2022)
Nun sind einige der Gletscherspalten überschneit bzw. überweht! Dies bedingt eine z.T. große Spaltensturzgefahr! (Foto: 28.09.2022)


Klar, dass dadurch viele Spalten frei gelegt wurden bzw. diese mitunter eine nur mehr geringe Altschneeüberdeckung haben. Mit dem - wie schon erwähnt - unter meist starkem Windeinfluss gefallenen Septemberschnee konnten sich mancherorts dünne, gefährliche Schneebrücken bilden. Diese halten NICHT dem Gewicht von Wintersportlern stand! 

Speziell aufgrund des zu erwartenden, erhöhten Personenaufkommens im Bereich der Gletscherskigebiete möchten wir eindringlich auf dieses Problem hinweisen. Außerhalb des gesicherten Gebietes sollte man im vergletscherten Gelände nur mit entsprechender Erfahrung und Ausrüstung unterwegs sein.


Der nächste Blogeintrag erfolgt, wenn es die Schnee- und Lawinensituation in Tirols Bergen wieder erforderlich macht. Inzwischen wünscht das Team des LWD Tirol einen angenehmen Herbst!