Freitag, 3. März 2023

Meist günstige Lawinenverhältnisse - vielerorts wenig Schnee - Gefahrenmuster "kalt auf warm" mancherorts in Entwicklung

Kurz vorweg

Seit gestern, 01.03.2023 haben wir in Tirol die Lawinengefahr als gering eingestuft. Wir gehen nur mehr von wenigen Gefahrenstellen aus, wo Lawinen ausgelöst werden können. Am ehesten sind Schattenhänge in größeren Höhen davon betroffen. Dennoch, wir beobachten gerade die Entwicklung einer möglichen Schwachschicht aufgrund des Gefahrenmustern "kalt auf warm" (gm.4). Vereinzelt könnte diese während der kommenden Tage doch auch zu einem Problem werden. Wir sind ganz fest am Graben und Recherchieren, wo Problembereiche auftreten könnten. In diesem Blogbeitrag findet sich u.a. auch unser letztgültiger Wissensstand über gm.4.


Endlich Schnee - v.a. im Norden und Osten des Landes

Die vergangene Woche war geprägt von anfänglichen Schneefällen. Betroffen waren v.a. der Norden und der Osten des Landes, wo es meist zwischen 30-50cm schneite. Richtung Süden nahm die Neuschneemenge deutlich ab. Aufgrund der tiefen Temperatur war der Schnee recht locker. Wind führte zu entsprechenden Schneeverfrachtungen. Wir hatten es verbreitet mit einem Neuschneeproblem zu tun (Die Gefahrenstellen waren von außen oftmals nicht zu erkennen). In den niederschlagsärmeren Regionen überwog hingegen ein Triebschneeproblem  (Triebschneepakete konnten im Gelände erkannt und diesen ausgewichen werden.). Während der vergangenen Tage dominierte dann im Norden schönes Wetter, während der Süden eher wolkenverhangen war. Etwas Schnee fiel im Süden vom 01.03. auf den 02.03.2023. Meist waren es dort zwischen 5-10cm.


72h-Neuschneesumme zwischen Freitag, den 24.02. Montag, den 27.02.2023
72h-Neuschneesumme zwischen Freitag, den 24.02. Montag, den 27.02.2023



Etwas Schnee im Süden: 24h-Neuschneesumme zwischen 01.03. und 02.03.2023
Etwas Schnee im Süden: 24h-Neuschneesumme zwischen 01.03. und 02.03.2023


Eine schöne Winterlandschaft nach den Schneefällen ab dem 24.02.2023. Dennoch: Bei der Abfahrt muss man immer noch auf möglichen Steinkontakt achten - Zentrale Lechtaler Alpen (Foto: 28.02.2023)
Eine schöne Winterlandschaft nach den Schneefällen ab dem 24.02.2023. Dennoch: Bei der Abfahrt muss man immer noch auf möglichen Steinkontakt achten - Zentrale Lechtaler Alpen (Foto: 28.02.2023)



Toller Pulverschnee in den Westlichen Kitzbüheler Alpen (Foto: 28.02.2023)
Toller Pulverschnee in den Westlichen Kitzbüheler Alpen (Foto: 28.02.2023)


Nach den Schneefällen beobachtete man vermehrt Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände. Schneebrettlawinen waren meist klein und brachen innerhalb des Neuschnees (kalter, lockerer Schnee , der von frischem Triebschnee überlagert war). Zudem kam der Schnee auf steilen Wiesenhängen mancherorts zum Rutschen.


Lockerschneelawinen in den Westlichen Lechtaler Alpen (Foto: 01.03.2023)
Lockerschneelawinen in den Westlichen Lechtaler Alpen (Foto: 01.03.2023)


Kleine spontane Schneebrettlawine, vermutlich vom 26.02. in der Grieskogelgruppe (Foto: 02.03.2023)
Kleine spontane Schneebrettlawine, vermutlich vom 26.02. in der Grieskogelgruppe (Foto: 02.03.2023)



Gleitschneerutsche in den Östlichen Lechtaler Alpen (Foto: 28.02.2023)
Gleitschneerutsche in den Östlichen Lechtaler Alpen (Foto: 28.02.2023)


Gefahrenmuster "kalt auf warm" (gm.4)

Das Gefahrenmuster "kalt auf warm" kann immer dann auftreten, wenn eine anfänglich feuchte bzw. nasse Schneeoberfläche von kaltem Schnee überlagert wird. Durch den großen Temperaturunterschied auf kleinem Raum kann sich verzögert eine kantig aufgebaute Schwachschicht ausbilden. Aktuell sehen  wir, dass mancherorts diese Entwicklung im Gange ist. Bedeutsam ist dieser Prozess aktuell nur in den kürzlich neuschneereichen Regionen im Norden und Osten des Landes. Dort ist zusätzlich zu einer möglicherweise ausgebildeten Schwachschicht auch ein entsprechendes Brett vorhanden. Heute am 02.03. langten bei uns zwei Meldungen über Setzungsgeräusche ein, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf diesen Prozess zurückzuführen sind (Regionen Kalkkögel und Sellrainer Berge). Gm.4 kann auch auf einen Lawinenabgang in den Kalkkögeln, vermutlich vom 28.02. nachmittags oder 01.03. vormittags zutreffen.


Voraussetzungen für "kalt auf warm": Ellipse: Feuchte Schneeoberfläche. Danach Schneefall und fallende Temperaturen
Voraussetzungen für "kalt auf warm": Ellipse: Feuchte Schneeoberfläche. Danach Schneefall und fallende Temperaturen


Aktuelle Abschätzung für eine Eingrenzung von "kalt auf warm"

Aktuell gibt es vergleichsweise zur Befahrung des Geländes nur sehr wenige Rückmeldungen über ein mögliches Problem mit "kalt auf warm". Wir stützen uns neben den bei uns eingelangten Rückmeldungen auch auf eigene Geländeerkundungen sowie die uns zur Verfügung stehenden Schneeprofile.

Die Ausbildung einer möglicherweise bösartigen Schwachschicht könnte unseres Erachtens aktuell am ehesten in folgenden Bereichen stattgefunden haben bzw. noch stattfinden: 
  • Nord zwischen etwa 2100m-2300m
  • Ost / Nordost sowie West und Nordwest: 2100m-2500m
  • Süd 2500m aufwärts

Wir bitten um eure Mithilfe

Wir haben schon sämtliche unserer Beobachter damit beauftragt, während der kommenden Tage auf diese Entwicklung innerhalb der Schneedecke zu achten und uns entsprechend zu informieren. Je umfassender diese Informationen sind, desto klarer unser Bild. Deshalb wenden wir uns an all jene von euch, die gerne mal einen Blick in die Schneedecke werden. Uns interessiert, ob sich im Bereich jener Schmelzkruste, die vergangene Woche entstanden ist, kantige Kristalle gebildet haben. Noch besser sind natürlich Ergebnisse von Stabilitätstests, wie z.B. vom relativ rasch durchzuführenden ECT. Wir freuen uns über entsprechende Rückmeldungen via mail an lawine@tirol.gv.at 


Ein Blick in die Schneedecke hilft, die Entwicklung von gm.4 besser einzuschätzen - Venedigergruppe (Foto: 01.03.2023)
Ein Blick in die Schneedecke hilft, die Entwicklung von gm.4 besser einzuschätzen - Venedigergruppe (Foto: 01.03.2023)


Schneebrettlawine mit einer Einfahrtsspur eines Snowboarders (oberer Anrissbereich zwischen den Felsen) auf 2300m Nord. (Foto: 01.03.2023)
Schneebrettlawine mit einer Einfahrtsspur eines Snowboarders (im oberer Anrissbereich zwischen den Felsen) auf 2300m Nord. (Foto: 01.03.2023)


Vergleichsfoto zu obigem Foto: Am 28.02. nachmittags war an dieser Stelle nur eine querende Spur zu sehen. Die Lawine war noch nicht abgegangen. (Foto: 28.02.2023)
Vergleichsfoto zu obigem Foto: Am 28.02. nachmittags war an dieser Stelle nur eine querende Spur zu sehen. Die Lawine war noch nicht abgegangen. (Foto: 28.02.2023)


Der Pfeil zeigt auf eine dünne kantige Schicht unterhalb einer dünnen Schmelzkruste. Der Stabilitätstest zeigte hier stabile Verhältnisse. Dies kann allerdings auch mit der lockeren Schneeauflage zu tun haben. Nord, 1940m
Der Pfeil zeigt auf eine dünne kantige Schicht unterhalb einer dünnen Schmelzkruste. Der Stabilitätstest zeigte hier stabile Verhältnisse. Dies kann allerdings auch mit der lockeren Schneeauflage zu tun haben. Nord, 1940m


Auf 2720m NW in der Venedigergruppe findet man zwar auch kantige Kristalle unter einer dünnen Schmelzkruste, allerdings dürfte diese nichts mit gm.4 zu tun haben. Vielmehr dürfte es sich hier um vormaligen "Noppenpulver" handeln.
Auf 2720m NW in der Venedigergruppe findet man zwar auch kantige Kristalle unter einer dünnen Schmelzkruste, allerdings dürfte diese nichts mit gm.4 zu tun haben. Vielmehr dürfte es sich hier um vormaligen "Noppenpulver" handeln.



An diesem schneearmen Bereich dürften sich die kantigen Kristalle schon länger zurück gebildet haben. Zusätzlicher Effekt von gm.4 nicht ausgeschlossen. Dennoch: Nur Teilbrüche, allerdings auch kein gutes Brett darüber.
An diesem schneearmen Bereich dürften sich die kantigen Kristalle schon länger zurück gebildet haben. Zusätzlicher Effekt von gm.4 nicht ausgeschlossen. Dennoch: Nur Teilbrüche, allerdings auch kein gutes Brett darüber.



Teilbrüche unterhalb der oberflächennahen Schmelzkruste. West, ca. 1750m
Teilbrüche unterhalb der oberflächennahen Schmelzkruste. West, ca. 1750m


Sonstiges

Es gibt noch weitere interessante Beobachtungen. Während der vergangenen Tage hatten wir recht gute Voraussetzungen für die Bildung von Oberflächenreif - einerseits aufgrund von Nebel (vermehrt im Süden), andererseits durch thermische Luftströmungen ("Nigg"-Effekt).


Wärmere Luft steigt auf. Wolken streifen über die Gipfel. Gute Voraussetzungen für den "Nigg"-Effekt. Venedigergruppe (Foto: 01.03.2023)
Wärmere Luft steigt auf. Wolken streifen über die Gipfel. Gute Voraussetzungen für den "Nigg"-Effekt. Venedigergruppe (Foto: 01.03.2023)


Kammnaher Oberflächenreif in der Samnaungruppe auf ca. 2500m (Foto: 02.03.2023)
Kammnaher Oberflächenreif ("Nigg"-Effekt) in der Samnaungruppe auf ca. 2500m (Foto: 02.03.2023)


Weiterhin wenig Schnee

Die GeoSphere-Wetterdienststelle (vormals ZAMG) meldet in einer Aussendung, dass der heurige Winter sehr mild war. Im Tiefland handelte es sich um den sechstwärmsten Winter der Messgeschichte, auf den Bergen liegt er auf Platz 12. Der Westen Österreichs war zudem um 15-60% trockener als im Durchschnitt. Beides - das sehr milde Wetter und die geringen Niederschlagssummen - sind für die unterdurchschnittlichen Schneemengen verantwortlich.

Keine Seltenheit bei Skitouren im heurigen Winter: Zumindest während kurzer Passagen müssen die Skier getragen werden. (Foto: 02.03.2023)
Keine Seltenheit bei Skitouren im heurigen Winter: Zumindest während kurzer Passagen müssen die Skier getragen werden. (Foto: 02.03.2023)


Untypisch für diese Jahreszeit: Schneelage in den Zentralen Stubaier Alpen (Foto: 24.02.2023)
Untypisch für diese Jahreszeit: Schneelage in den Zentralen Stubaier Alpen (Foto: 24.02.2023)


Wie geht es weiter?

Wir behalten primär gm.4 im Auge. Dies kann unter Umständen zu einem Anstieg der Lawinengefahr in den unlängst neuschneereicheren Regionen führen.

Freitag, 24. Februar 2023

Viel zu wenig Schnee für die Jahreszeit - Altschneeproblem v.a. sehr steil, kammnah, schattseitig - kleines Triebschneeproblem am Wochenende

Kurz vorweg

Die Niederschlagsarmut dieses Winters zeigt sich eindrucksvoll in der Schneebedeckung. Für die Jahreszeit liegt weiterhin viel zu wenig Schnee, nicht nur bei uns, sondern in weiten Teilen der Alpen. Sh. auch Blogeintrag der Schweizer KollegInnen.

Die Lawinengefahr ist v.a. noch im Bereich des Alpenhauptkammes und etwas nördlich davon oberhalb etwa 2200m mäßig. Das hat mit vereinzelten Gefahrenstellen zu tun, wo WintersportlerInnen immer noch Lawinen auslösen können. Sh. dazu unseren letzten Blogeintrag.

Am Wochenende kommt etwas Neuschnee dazu. Die Lawinengefahr steigt regionsweise etwas an. Oberhalb etwa der Waldgrenze sollte auf frische Triebschneepakete geachtet werden.


(Viel zu) wenig Schnee

Für die kommenden Tage ist zwar etwas Schnee in Sicht, dennoch, an der Schneearmut ändert sich daran kaum etwas. Eindrucksvoll lässt sich die geringe Schneehöhe u.a. am Vergleich von Webcam-Bildern oder anhand langjähriger Aufzeichnungen von unseren Beobachtern zeigen:


Die Grafik zeigt die von unseren Beobachtern auf der Nordkette gemessenen Schneehöhen seit 1973. Oberer Bereich: bisherige Maxima - Unterer Bereich: bisherige Minima - Graue Linie: Mittelwert - Linie in magenta: Schneehöhe des Winters
Die Grafik zeigt die von unseren Beobachtern auf der Nordkette gemessenen Schneehöhen seit 1973. Oberer Bereich: bisherige Maxima - Unterer Bereich: bisherige Minima - Graue Linie: Mittelwert - Linie in magenta: Schneehöhe des Winters 


Schneehöhe auf der Seegrube oberhalb von Innsbruck mit Blick ins Wipptal (22.02.2023)
Schneehöhe auf der Seegrube oberhalb von Innsbruck mit Blick ins Wipptal (22.02.2023)


Vergleichsfoto vom 21.02.2019
Vergleichsfoto vom 21.02.2019


Ähnlich in weiten Teilen Tirols: An Sonnenhängen findet man bis in größere Höhen kaum mehr eine zusammenhängende Schneedecke (Foto: 21.02.2023; (c) Stefan Zangerl)
Ähnlich in weiten Teilen Tirols: An Sonnenhängen findet man bis in größere Höhen kaum mehr eine zusammenhängende Schneedecke (Foto: 21.02.2023; (c) Stefan Zangerl)


Die Schneearmut macht sich auch auf den Gletschern bemerkbar, wo für die Jahreszeit eine überdurchschnittlich hohe Spaltensturzgefahr besteht - Gurgler Gruppe. (Foto: 21.02.2023)
Die Schneearmut macht sich auch auf den Gletschern bemerkbar, wo für die Jahreszeit eine überdurchschnittlich hohe Spaltensturzgefahr besteht - Gurgler Gruppe. (Foto: 21.02.2023)


Vereinzelt Altschneeproblem v.a. kammnah, schattseitig, sehr steil

Inzwischen dominieren in Bezug auf die Lawinengefahr recht günstige Bedingungen. Allerdings findet man immer noch vereinzelte Gefahrenstellen, wo man Schneebrettlawinen auslösen kann. Diese Stellen sind vermehrt im schattigen, kammnahen, sehr steilen Gelände oberhalb etwa 2200m anzutreffen. Bevorzugt werden Lawinen dort ausgelöst, wo den Winter über wenig Wintersportler unterwegs waren. Bevorzugt sind es Übergangsbereiche von wenig zu viel Schnee. Weitere Infos dazu sh. vergangenen Blogeintrag.


Schneeprofil im Bereich einer kürzlich von Wintersportlern ausgelösten Schneebrettlawine in den Nördlichen Zillertaler Alpen (21.02.2023)
Schneeprofil im Bereich einer kürzlich von Wintersportlern ausgelösten Schneebrettlawine in den Nördlichen Zillertaler Alpen. Altschneeproblem. (21.02.2023)


Ausblick: Neuschnee führt zu kleinem Triebschneeproblem

Die Geosphere Austria Wetterdienststelle sagt für die kommenden Tage Neuschnee voraus. Meist sollen es in der Höhe um 20cm, gebietsweise bis zu 40cm sein. Begleitet wird der Neuschneefall von kräftigem Wind, hauptsächlich aus westlicher Richtung.


72h Neuschneeprognose 24.02.-26.02.2023
72h Neuschneeprognose 24.02.-26.02.2023

Daraus ergibt sich oberhalb der Waldgrenze ein meist kleines Triebschneeproblem, welches in den Hauptniederschlagsgebieten etwas ausgeprägter sein wird. Vorsicht v.a. in windabgewandten, sehr steilen Hängen hinter Geländekanten.

Neu- und Triebschnee lagern auf einer recht unterschiedlich beschaffenen Schneeoberfläche: 
  • Mehr oder weniger tragfähige Schmelzkrusten in besonnten Steilhängen bzw. in Schattenhängen bis in mittlere Höhenlagen hinauf
  • Noppenpulver in windberuhigten, schattigen Lagen bzw. in großen Höhen in windberuhigtem, flachen Gelände
  • Von kürzlichen Nassschneerutschen beeinflusste Schneeoberfläche
  • Stark vom Wind geprägte Schneeoberfläche in höheren Lagen
Neu- und Triebschnee sollten sich meist recht gut mit der Altschneeoberfläche verbinden. Am vergleichsweise ungünstigsten ist die Verbindung dort, wo bis zum Schneefall noch lockerer Noppenpulver anzutreffen ist.


Tragfähige Schmelzkruste im besonnten Gelände in den Alpeiner Bergen (Foto: 16.02.2023)
Tragfähige Schmelzkruste im besonnten Gelände in den Alpeiner Bergen (Foto: 16.02.2023)


Noppenpulver in der Silvretta (Foto: 21.02.2023)
Noppenpulver in der Silvretta (Foto: 21.02.2023)



Eine von kleinen Nassschneerutschen beeinflusste Schneeoberfläche. Östliches Karwendel (Foto: 22.02.2023)
Eine von kleinen Nassschneerutschen beeinflusste Schneeoberfläche. Östliches Karwendel (Foto: 22.02.2023)


Wie vom Fotografen dieses Bildes treffend geschildert: Der Wind lag am vergangenen Wochenende "über Steinverfrachtungsstärke" Region Sellrain-Alpeiner Berge (Foto: 19.02.2023)
Wie vom Fotografen dieses Bildes treffend geschildert: Der Wind lag am vergangenen Wochenende "über Steinverfrachtungsstärke" Region Sellrain-Alpeiner Berge (Foto: 19.02.2023)


Station Nachtweide - Palinkopf in der Silvretta: Windig wars am vergangenen Wochenende. Freitag, 17.02. und Samstag, 18.02. noch vermehrte Durchfeuchtung und dadurch etwas erhöhte Nassschneeaktivität. In Summe etwas wechselhaft mit auch sehr sonnigen Phasen. Die Temperatur geht nun langsam zurück.
Station Nachtweide - Palinkopf in der Silvretta: Windig wars am vergangenen Wochenende. Freitag, 17.02. und Samstag, 18.02. noch vermehrte Durchfeuchtung und dadurch etwas erhöhte Nassschneeaktivität. In Summe etwas wechselhaft mit auch sehr sonnigen Phasen. Die Temperatur geht nun langsam zurück.


Niederschlags- und Windprognose samt Entwicklung der Schneefallgrenze für eine der prognostiziert niederschlagsstärksten Regionen, den Zentralen Kitzbüheler Alpen.
Niederschlags- und Windprognose samt Entwicklung der Schneefallgrenze für eine der prognostiziert niederschlagsstärksten Regionen, den Zentralen Kitzbüheler Alpen.


Temperaturprognose für die kommenden Tage. Es wird kälter, ab Wochenbeginn steigen die Temperaturen wieder.
Temperaturprognose für die kommenden Tage. Es wird kälter, ab Wochenbeginn steigen die Temperaturen wieder.


Kurzfristig Lockerschneelawinen nach den Schneefällen

Nach Ende der vorhergesagten Schneefälle und entsprechender Sonneneinstrahlung wird man aus extrem steilem Gelände rasch zahlreiche Lockerschneelawinen beobachten können. Ganz vereinzelt sind in den Hauptniederschlagsgebieten auch kleine spontane Schneebrettlawinen denkbar. Dies v.a. an sehr steilen Hängen mit frischem Triebschnee bei massiver Sonneneinstrahlung und Erwärmung. Beide Gefahrenmomente sollten ebenso rasch wieder abnehmen.

Mittwoch, 22. Februar 2023

Immer noch heimtückisch - Altschneeproblem

Kurz vorweg: 

Das schon über sehr lange Zeit anhaltende Altschneeproblem ist vereinzelt immer noch für Lawinenauslösungen bedeutsam. Das zeigten einige Lawinenabgänge der vergangenen Woche, bei denen Personen beteiligt waren. 

  • Mittwoch, 15.02.2023: Negativlawine Gstreinjöchl, Ridnaungruppe
  • Donnerstag, 16.02.2023: Negativlawine Pfaffenbichl, Westliche Tuxer Alpen
  • Samstag, 18.02.2023: Zwei Negativlawinen Hohe Warte (Schmirn), Nördliche Zillertaler Alpen
  • Samstag, 18.02.2023: 1 Person verletzt, Hohe Warte (Schmirn), Nördliche Zillertaler Alpen
  • Sonntag, 19.02.2023: Negativlawine Gammerspitze, Nördliche Zillertaler Alpen
  • Sonntag, 19.02.2023: 1 Person verletzt, Geraer Hütte, Nördliche Zillertaler Alpen
  • Dienstag, 21.02.2023: Negativlawine Hohe Warte (Schmirn), Nördliche Zillertaler Alpen
Auffallend ist die Häufung der über die Leitstelle gemeldeten Lawinenabgänge in der Region der Nördlichen Zillertaler Alpen - vier davon im Bereich der Hohen Warte. Die Lawinen lösten sich in einem Höhenband zwischen etwa 2200m und 2600m, vermehrt im Nordsektor. Gefährdet sind wohl teilweise auch noch der West- und Ostsektor. Die Lawinen wurden alle an Übergangsbereichen von wenig zu viel Schnee im sehr steilen bis extrem steilen Gelände ausgelöst.


Gefahrenstellen dort, wo es im Verhältnis am besten zum Skifahren geht

Heimtückisch an der aktuellen Situation ist u.a. auch die Tatsache, dass die Gefahrenstellen dort anzutreffen sind, wo es aktuell noch am besten zum Skifahren geht. In windberuhigten Bereichen findet man in diesem Höhenband und Hangausrichtung häufig "Noppenpulver", also einen gut zu fahrenden, aufbauend umgewandelten, lockeren Schnee. Darunter existiert an den betroffenen Stellen noch das "Brett" von den letzten Niederschlägen Anfang Februar. Man bricht also nicht, wie es häufig bereits der Fall ist, bis zum Boden durch.

Heimtückisch deshalb, weil wenige Gefahrenstellen und von außen nicht zu erkennen

In weiten Teilen Tirols werden aktuell ähnlich steile Hänge in den betroffenen Höhen- und Hangausrichtungen befahren, ohne dass Lawinen ausgelöst werden. Das spricht dafür, dass in Summe die Gefahrenstellen nicht mehr allzu häufig anzutreffen sind. Dennoch, und das erscheint uns wichtig, die in der Schneedecke verborgenen Schwachschichten können unter ungünstigen Voraussetzungen immer noch von Wintersportlern gestört werden. Dies ist umso eher der Fall, je steiler das Gelände und je weniger befahren es über den gesamten Winter war. Vorsicht auch: Gelände, welches erst nach den Schneefällen von Anfang Februar verspurt wurde, ist ebenso gefährdet. (Spuren sagen also nichts aus, dass es sicherer wäre. Wenns blöd läuft, findet man dennoch einen "hot spot".)


Lawinenabgänge Hohe Warte: violett: Anfang Februar; magenta: Lawinen vom 18.02. (die längste davon war jene mit der verletzten Person) rot: Lawine vom 21.02.2023; 2500m, NO (Foto: 21.02.2023)
Lawinenabgänge Hohe Warte: violett: Anfang Februar; magenta: Lawinen vom 18.02. (die längste davon war jene mit der verletzten Person. Sie kam im unteren Bereich der Lawine zu liegen.) rot: Lawine vom 21.02.2023; 2500m, NO (Foto: 21.02.2023)


Lawinenabgänge Gampesspitze (links) und Gammerspitze (rechts) jeweils mit Personenbeteiligung, jeweils unverletzt, 2500m, Nord (Foto: 21.02.2023)
Lawinenabgänge Gampesspitze (links) und Gammerspitze (rechts) jeweils mit Personenbeteiligung, jeweils unverletzt, 2500m, Nord (Foto: 21.02.2023)


Lawine unterhalb der Geraer Hütte: 2200m, West. (Anpassung 22.02.2023 15:45 Uhr: Die Lawine teilte sich in  zwei Arme. Eine Person wurde links, die andere rechts mitgerissen.) (Foto: 21.02.2023)
Lawine unterhalb der Geraer Hütte: 2200m, West. (Anpassung 22.02.2023 15:45 Uhr: Die Lawine teilte sich in  zwei Arme. Eine Person wurde links, die andere rechts mitgerissen.) (Foto: 21.02.2023)



Bezeichnendes Profil für noch vorhandene Problembereiche: Oberflächennah ist das Brett gerade noch ausreichend ausgeprägt (90-70cm); darunter die noch störanfälligen Schwachschichten. Hohe Warte, 2460m, NO, 35° (Weitere Profile, wie immer unter www.lawis.at
Bezeichnendes Profil für noch vorhandene Problembereiche: Oberflächennah ist das Brett gerade noch ausreichend ausgeprägt (90-70cm); darunter die noch störanfälligen Schwachschichten. Hohe Warte, 2460m, NO, 35° (Weitere Profile, wie immer unter www.lawis.at 

Donnerstag, 16. Februar 2023

Meist recht günstige Verhältnisse - Mancherorts leichter Festigkeitsverlust durch Wärme und Strahlung

Kurz vorweg: Gefahrenstellen v.a. im bisher wenig verspurten, schattigen, sehr steilen Gelände

Während der vergangenen Tage erhielten wir von der Leitstelle Tirol nur mehr vereinzelte Meldungen von Lawinenabgängen mit Personenbeteiligung (waren ohne Personenschäden). Auch weisen  die meisten Schneedeckenuntersuchungen auf eine inzwischen eher spannungsarme Schneedecke hin. Somit kann man aktuell von einer recht überschaubaren Anzahl an Gefahrenstellen im Gelände ausgehen, wo man Schneebrettlawinen noch auslösen kann. Am ehesten scheint dies im schattigen, sehr steilen, den Winter über wenig verspurten Gelände der Fall zu sein. In Sonnenhängen gehen wir von sehr vereinzelten Gefahrenstellen für trocken Schneebrettlawinen in einem schmalen Höhenband um 2500m aus.


Sonnenhänge bei Durchfeuchtung aufmerksam beobachten

Die vergangenen Tage waren von einem leichten tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr geprägt. Aus extrem steilem, besonnten Gelände beobachteten wir einzelne feuchte Lockerschneerutsche. Etwas gehäuft traten auch Gleitschneerutschte und kleine Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen auf. 



Die roten Pfeile zeigen auf kürzlich abgegangene Lockerschneerutsche. Die blaue Ellipse umrahmt einen Gleitschneerutsch, die Ellipse in magenta zeigt eine ca. 10 Tage alte Schneebrettlawine. Westliche Tuxer Alpen. (Foto: Hubert Gogl, 15.02.2023)
Die roten Pfeile zeigen auf kürzlich abgegangene Lockerschneerutsche. Die blaue Ellipse umrahmt einen Gleitschneerutsch, die Ellipse in magenta zeigt eine ca. 10 Tage alte Schneebrettlawine. Westliche Tuxer Alpen. (Foto: Hubert Gogl, 15.02.2023) 



Gleitschneemäuler in den Östlichen Lechtaler Alpen (Foto: 15.02.2023)
Gleitschneemäuler in den Östlichen Lechtaler Alpen (Foto: 15.02.2023)

Firn

Nach klaren Nächten bildete sich in sehr steilen Sonnenhängen zumindest in mittleren Höhenlagen ein tragfähiger Harschdeckel. Wegen der trockenen Luft verzögerte sich dessen Aufweichung. Bei guter Zeiteinteilung war Abfahrtsgenuss bei Firn angesagt. Das Wetter wird nun unbeständiger, Firn wird seltener anzutreffen sein.


Firnabfahrt in den  Östlichen Lechtaler Alpen (Foto: 15.02.2023)
Firnabfahrt in den  Östlichen Lechtaler Alpen (Foto: 15.02.2023)


Noppenpulver in Schattenhängen

Abseits der Sonnenhänge trifft man in wenig windbeeinflussten Bereichen eine locker aufgebaute, etwas gekräuselte Schneeoberfläche. Im Volksmund sagt man dazu auch "Noppenpulver", der gut zu fahren ist. (Vorsicht v.a. auf "sharks", also versteckte Steine unter der Schneeoberfläche.)


Im Noppenpulver lassen sich schöne Schwünge ziehen (Foto: 12.02.2023)
Im Noppenpulver lassen sich schöne Schwünge ziehen. (Foto: 12.02.2023)

 
Wetterentwicklung

Das Wetter wird laut Geosphere Austria (vormals ZAMG) ab jetzt wieder wechselhafter und die Luft etwas feuchter. Die nächtliche Abstrahlung wird dadurch eingeschränkt sein. Aufgrund vermehrter Abschattung während des Tages soll der Energieeintrag in die Schneedecke dann allerdings auch eher wieder eingeschränkt sein, außer es kommt die Sonne vermehrt zum Vorschein. Dann kann aufgrund der erhöhten Luftfeuchtigkeit und der Wärmestrahlung der Energieeintrag in die Schneedecke wieder erhöht sein. Man sollte deshalb eine dadurch bedingte, fortschreitende Durchfeuchtung der Schneedecke im Auge behalten. Dringt Wasser nämlich erstmals bis zur (aktuell häufig verkrusteten) kantigen Schwachschicht in etwa im Mittelteil der Schneedecke, führt das zu einem Festigkeitsverlust und zu erhöhter Auslösebereitschaft von Schneebrettlawinen. Beschleunigt wird der Prozess natürlich auch aufgrund der für die Jahreszeit sehr gering mächtigen Schneedecke. 


Ergänzende Infos


Immer noch liegt für die Jahreszeit vielerorts viel zu wenig Schnee. Die obere Grafik zeigt die bisher gemessenen Maxima und Minima, sowie den Mittelwert seit 1960. Magenta: Aktueller Winter
Immer noch liegt für die Jahreszeit vielerorts viel zu wenig Schnee. Die obere Grafik zeigt die bisher gemessenen Maxima und Minima, sowie den Mittelwert seit 1960. Magenta: Aktueller Winter



Das Wetter der vergangenen Woche: Kurze Eintrübung ab Samstag, 11.02. nachmittags, sonst meist prächtig schönes Winterwetter. Temperatur geht wieder leicht zurück
Das Wetter der vergangenen Woche: Kurze Eintrübung ab Samstag, 11.02. nachmittags, sonst meist prächtig schönes Winterwetter. Temperatur geht wieder leicht zurück



Temperaturkurven bei Schneeprofilen geben Aufschluss über die Temperaturreserven der Schneedecke. Je näher bei 0°C, desto rascher kann eindringendes Wasser in tiefere Schichten eindringen und die Schneedecke schwächen.
Temperaturkurven bei Schneeprofilen geben Aufschluss über die Temperaturreserven der Schneedecke. Je näher bei 0°C, desto rascher kann eindringendes Wasser in tiefere Schichten eindringen und die Schneedecke schwächen.

Montag, 13. Februar 2023

Stellenweise Altschneeproblem - (Leichter) tageszeitlicher Anstieg der Lawinengefahr durch warme Temperaturen und Sonneneinstrahlung

Kurz vorweg: Zum Altschneeproblem gesellt sich oberflächiger Festigkeitsverlust im Tagesverlauf

Das für Lawinenabgänge der vergangenen Wochen vorhandene Altschneeproblem bleibt oberhalb etwa 2000m aufrecht. Inzwischen hat die Anzahl an Gefahrenstellen, wo Schneebrettlawinen ausgelöst werden können, deutlich abgenommen. Lawinen lassen sich v.a. noch im sehr steilen Gelände an Übergangsbereichen von wenig zu viel Schnee auslösen. Seid auch noch im bisher unverspurten, sehr steilen Gelände etwas zurückhaltend.

Hinzu kommt aktuell die zunehmende Durchfeuchtung der Schneedecke während des Tages. In sehr steilen bis extrem steilen besonnten Hängen kann die Schneedecke dadurch an Festigkeit verlieren.  Bei guter Zeiteinteilung wird man zumindest in mittleren Höhenlagen zunehmend mit gutem Firn belohnt.


Festigkeitsverlust der Schneedecke durch warme Temperaturen und Sonneneinstrahlung

Das Prachtwetter mit warmen Temperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung bewirkt im Tagesverlauf eine zumindest oberflächennahe Durchfeuchtung der Schneedecke. In schneearmen Bereichen geht die Durchfeuchtung relativ gesehen tiefer in die Schneedecke ein. Eindringendes Wasser in die Schneedecke bewirkt einen Festigkeitsverlust. Dazu muss der zuvor über Nacht gebildete (teilweise schon tragfähige) Harschdeckel aufgeweicht werden.

Es sind vier Szenarien denkbar: (Nachtrag vom 13.02.2023 11:20 Uhr in kursiv)
  • Aus extrem steilem Gelände lösen sich feuchte bzw. nasse Lockerschneelawinen.
  • Diese Lockerschneelawinen belasten die Schneedecke in deren Sturzbahn so sehr, dass in Folge  Schneebrettlawinen ausgelöst werden.
  • Wasser dringt bis zu der für das Altschneeproblem bedeutsamen, kantigen Schwachschicht (unterhalb einer dünnen Schmelzkruste) ein. Dadurch verliert die Schwachschicht an Festigkeit. Die Auslösewahrscheinlichkeit von Schneebrettlawinen steigt dadurch. Dieses Szenario wird wohl v.a. für schneearme Hänge in extrem steilen SSO über S bis SSW-Hängen in mittleren Höhenlagen bedeutsam sein.
  • Vermehrter Abgang von Gleitschneelawinen auf steilen, sonnenexponierten Grashängen

Die aktuelle Situation


Steigende Temperaturen. Steigende Schneeoberflächentemperaturen mit entsprechendem Tagesgang.
Steigende Temperaturen. Steigende Schneeoberflächentemperaturen mit entsprechendem Tagesgang.  


Die Kurve der Schneeoberflächentemperatur wird bei den Stationen langsam "flacher", was zumindest erhöhte Aufmerksamkeit in Richtung zunehmender Durchfeuchtung der Schneedecke verlangt. 

Lawinenabgang Kellerjoch am 12.02.2023

Gestern am 12.02.2023 meldete die Leitstelle Tirol einen Lawinenabgang im Bereich des Kellerjochs in Richtung Naunzalm. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass Personen verschüttet waren, wurde eine Suchaktion gestartet. Durch Nachlawinen war die Suche erschwert. Schlussendlich konnte Entwarnung gegeben werden. Niemand war unter den Schneemassen verschüttet.

Interessant für uns ist die genauere Analyse dieses Lawinenabgangs, denn eine spontane Schneebrettlawinen hätten wir mit den uns zur Verfügung stehenden Informationen nicht erwartet. Aber, wie so oft, lässt sich alles erklären, und hier liegt die Tücke wieder einmal im Detail. Bereits am Samstag führte der nachmittägliche Wolkenaufzug zu einer massiveren Anfeuchtung der Schneedecke. Wir gingen davon aus, dass zumindest die 2.Nachthälft klar verlaufen würde, was insbesondere im Unterland nicht der Fall war. Im Unfallgebiet war die Nacht sogar durchwegs wolkenverhangen mit nur kleine Lücken. Somit war die Voraussetzung der nächtlichen Ausstrahlung und Verfestigung der bereits oberflächig angefeuchteten Schneedecke gebietsweise nicht gegeben. Wärmeeintrag und Sonneneinstrahlung führten somit zu einer bereits weitreichenderen Durchfeuchtung der Schneedecke, als angedacht. (Im Vergleich dazu haben wir heute am 13.02.2023 eine bessere Ausgangsposition aufgrund der durchwegs klaren Nacht und sehr guten Ausstrahlung im ganzen Land.)


Lawinenabgänge Kellerjoch vom 12.02.2023. Extrem steil südseitig. Anrissgebeit um 2100m.
Lawinenabgänge Kellerjoch vom 12.02.2023. Extrem steil südseitig. Anrissgebiet um 2100m.



Webcambild Bremerhütte Richtung Osten. Samstag nachmittags, als die Wolkendecke kurzfristig am dichtesten war. Gebietsweise bildete sich aufgrund dieser Wolkenbedeckung übrigens an der Schneeoberfläche eine dünne Eislamelle (v.a. oberhalb etwa 2500m), während der Nacht vom 11.02. auf den 12.02. zusätlich auch noch Oberflächenreif.
Webcambild Bremerhütte Richtung Osten, Samstag nachmittags, als die Wolkendecke kurzfristig am dichtesten war. Gebietsweise bildete sich aufgrund dieser Wolkenbedeckung übrigens an der Schneeoberfläche eine dünne Eislamelle (v.a. oberhalb etwa 2500m), während der Nacht vom 11.02. auf den 12.02. zusätzlich auch noch Oberflächenreif. 


Fazit

Achtet bitte während der kommenden Tage auf die Durchfeuchtung. Richtig gut einschätzen kann man dies wirklich nur immer vor Ort. 
Sonst: Dort, wo sich über Nacht ein guter tragfähiger Harschdeckel entwickelt hat, sollte man einerseits auf die mögliche Absturzgefahr im Steilgelände achten, andererseits kann man bei guter Planung bereits guten Firn genießen! 


Eines der möglichen Szenarien für die kommenden Tage: Lockerschneelawine löst Schneebrettlawine aus. (Foto: 12.02.2023)
Eines der möglichen Szenarien für die kommenden Tage: Lockerschneelawine löst Schneebrettlawine aus. (Foto: 12.02.2023)


Und hier noch die Temperaturentwicklung für die kommenden Tage:


Die Lufttemperatur ist einer der Faktoren für die Durchfeuchtung. Die Luftfeuchtigkeit und Strahlung sind weitere, sehr wichtige Parameter. Gerade die Luftfeuchtigkeit soll ja nochmals deutlich geringer werden, was die Durchfeuchtung etwas verlangsamen wird.
Die Lufttemperatur ist einer der Faktoren für die Durchfeuchtung. Die Luftfeuchtigkeit und Strahlung sind weitere, sehr wichtige Parameter. Gerade die Luftfeuchtigkeit soll ja nochmals deutlich geringer werden, was die Durchfeuchtung etwas verlangsamen wird.