Sonntag, 12. Januar 2014

Tödlicher Lawinenunfall auf der Ruderhofspitze am 11.01.2014

Am späten Nachmittag des 11.01.2014 löste ein Paar aus Deutschland knapp unterhalb des Gipfels der Ruderhofspitze im Stubaital ein großes Schneebrett aus. Beide wurden mitgerissen. Die Frau hatte Glück und wurde vor einem Felsabbruch "ausgespuckt". Sie blieb unverletzt. Der Mann wurde über die Felsen mitgerissen. Bei einbrechender Dunkelheit sowie starkem Höhenwind wurde die Frau noch ausgeflogen. Die Suche nach dem Mann konnte erst am 12.01. in der Früh gestartet werden.

Aufgrund eines aus dem Schnee herausragenden Fußes wurde der Mann am 12.01. gegen Mittag gefunden.

Gemeinsam mit einem unserer Beobachter sowie der Alpinpolizei führten wir heute die Erhebungen durch. Kurzes Fazit: Frischer Triebschnee im Gipfelbereich war die primäre Ursache der Lawinenauslösung. Durch diese Zusatzbelastung löste sich in Folge ein großes Schneebrett in tieferen Schichten. Lawinenanriss meist um 1m, teilweise auch höher. Als sekundäre Gleitfläche spielten kantige Kristalle unterhalb eines Schmelzharschdeckels eine Rolle.

Das Problem gab es nur im Gipfelbereich. Sämtliche darunter durchgeführte Stabilitätsuntersuchungen zeigten in dieser Exposition eine durchwegs stabile Schneedecke.

Nähere Details mit Fotos und Profilen folgen morgen, vermutlich schon vor 07:30 Uhr.

Kommentare:

  1. Frage an die Experten hier: Auch wenn jetzt seit ein paar Tagen recht sichere Verhältnisse herrschen, aber die Ruderhofspitze als Skitour wäre mir momentan schon allein aufgrund der Jahreszeit nie im Leben eingefallen. Jetzt lese ich hier, dass abgesehen vom Gipfelbereich eigentlich alles stabil gewesen wäre? Heißt das, Ruderhofspitze Mitte Jänner bei halbwegs sicheren Verhältnissen prinzipiell machbar?

    Abgesehen davon glaube ich ja nicht, dass die Schneequalität in dieser Exposition gut ist.

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    1. Zur Schneequalität: wir waren mal am 29.1. und hatten Pulver ganz runter. Wenn es kalt genug ist, offenbar kein Problem... ist ja auch nicht ganz niedrig der Berg ;-)

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  2. Naja, es gibt eigentlich kaum Gipfel, die im Winter nicht gemacht werden.

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  3. Für mich wird die Südabfahrt von Ruderhof für immer KEINE Tour fürn Hochwinter sein ... auch wenn aktuell "oberflächlich" betrachtet weiträumig Frühjahrsverhältnisse herrschen.
    Leider geht die Tendenz dazu immer früher in Hochregionen vorzudringen.
    Sei's nun aus Gründen des sportlichen Erlebens oder schlicht und ergreifend aufgrund mangelnder Erfahrung .... ich kann das nicht in diesem Fall beurteilen.
    Allerdings läßt ein Eintreffen am Gipfel um 16:30 (nur noch ne gute Stunde bis Sonnenuntergang) eher auf mangelnde Erfahrung schliessen.
    Die Definition und Einhaltung eines zeitlichen Fixpunkts zum Abbruch der Tour unterblieb ganz offensichtlich.
    Das nun ausgerechnet wohl ein sog. Hotspot erwischt wurde ist tragisches Pech.
    Ich vermute, dass den beiden angesichts der sehr fortgeschrittenen Zeit langsam ihre Situation (es wird dunkel und wir müssen runter kommen) bewusst wurde und ggf. Eile aufkam .... der Beginn des schicksalgeprägten weiteren Ablauf ...

    Sehr interessant wär noch der Punkt bzgl. des Status des LVS-Geräts des Getöteten.
    Klar, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, verstarb er schon während des Abgang über zighundert Meter, so dass LVS in diesem Fall als nice-to-have eingestuft werden darf.
    Doch: war es wirklich im Sendemodus, sprich eingeschaltet, beim Abgang oder lag eine technische Fehlfunktion vor?

    Schade um jedes Leben, das am Berg zurück bleibt.

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