Donnerstag, 28. Januar 2021

Warmfront mit Schnee und stürmischem Wind führen zu einem markanten Anstieg der Lawinengefahr - Spontane Lawinen sind zu erwarten!

Das Wichtigste vorab: Heute am 28.01.2021 steigt die Gefahr im Tagesverlauf markant an. Große Lawinengefahr!


Eine atlantische Warmfront bestimmt seit gestern, 27.01. unser Wetter- und in Folge auch Lawinengeschehen. Am meisten Niederschlag erwarten wir in den westlichen und zum Teil auch nördlichen Landesteilen Nordtirols. Die ZAMG-Wetterdienststelle sagt für den heutigen 28.01. in den Hauptniederschlagsgebieten Neuschneesummen zwischen 40-60cm, lokal auch mehr, voraus. Mit dem Niederschlag geht eine stete Erwärmung samt zunehmend stürmischem Wind einher.


72h-Neuschneeprognose seit 27.01. 07:00 Uhr


Windprognose für heute, 28.01. 16:00 Uhr - Auf den Bergen wirds stürmisch!

Aktuelles Wettergeschehen bei der Jamtalhütte in der Silvretta: Schneefall bei steigenden Temperaturen. Der Neuschnee seit gestern ist trocken bei zum Teil noch kalten Temperaturen gefallen.

Diese Kombination, gepaart mit dem aktuellen Schneedeckenaufbau, ist ein Garant für zahlreiche spontane Schneebrettlawinen. Entsprechend haben wir für heute, 28.01.2021 die Lawinengefahr in weiten Teilen Nordtirols unter Berücksichtigung eines Tagesgangs als groß eingestuft.


Gefahrenstufenkarte für den 28.01.2021 - Tageszeitlicher Anstieg der Gefahr!


Mit der Erwärmung samt Regen werden in tiefen und mittleren Lagen zudem vermehrt Gleit- und Nassschneelawinen abgehen. Exponierte Verkehrswege können auch dadurch gefährdet sein.

Durchfeuchtung und zusätzliche Schneeauflast fördern das Abgleiten des Schnees auf steilen, glatten Flächen, wie hier am Bild auf Wiesenhängen. Defereggental (Foto: 24.01.2021)

Ein Blick zurück zum besseren Verständnis der aktuellen Situation


Kurzer Wetterrückblick


Die vergangene Woche war wieder einmal turbulent und sehr wechselhaft. Der Südföhn wurde in der Nacht von Freitag, 22.01. auf Samstag, 23.01. von einer Kaltfront abgelöst. Der Schwerpunkt der Niederschläge lag damals (wieder einmal) ganz im Süden.


72h Differenz der Schneehöhe: 22.01.-25.01.2021

Am Montag, 25.01. sorgten feuchte und kalte Luftmassen aus Nordwest für Schneefall mit Niederschlagsschwerpunkt in den Nordstaulagen. 

48h Differenz der Schneehöhe: 25.01.-27.01.2021

Nun ist gerade die Warmfront im Anmarsch, die in Folge von weiteren Kalt- und Warmfronten (weniger intensiv) abgelöst werden wird. 


Ein Blick in die Schneedecke


Entscheidend für die aktuelle Lawinensituation ist insbesondere der an der Schneeoberfläche lockere, noch kalte Pulverschnee. Durch die heute am 28.01. weiteren Niederschläge samt steigenden Temperaturen und Wind werden sich die oberflächennahen Schichten zunehmend binden. Es entstehen großflächig "Bretter", die mit dem noch kalten Pulverschnee eine sehr schlechte Bindung eingehen werden. In Folge werden spontan zahlreiche Schneebrettlawinen auf dem lockeren Pulver abgehen, können (und werden häufig) in Folge durch deren Belastung in tiefer liegenden Schwachschichten Brüche initiieren. Lawinen können dadurch in den Hauptniederschlagsgebieten vereinzelt auch sehr groß werden. Für die sekundären Brüche sprechen v.a. die im ganzen Land durchgeführten Stabilitätsuntersuchungen während der vergangenen zwei Wochen. Brüche konnten sich dort häufig bei mittleren Belastungen gut fortpflanzen - eine der Grundvoraussetzungen für Schneebrettlawinen.


Schneedeckenuntersuchung am 27.01. - Hafelekar - Nordalpen. Die Schneeoberfläche ist vielerorts locker, innerhalb der Schneedecke findet man weichere, störanfällige Schwachschichten.



Rutschblocktest während eines Kommissionskurses im Defereggental (c) LK Defereggen
 

Ein typisches Bild: Lockerer Schneeoberfläche, im Mittelteil der Schneedecke Schwachschicht aus kantigen Kristallen (stammend von der Kälteperiode bis Mitte Jänner). NO, 2120m

Ähnliche Situation in Sonnenhängen: S, 2240m



Lawinengeschehen während der vergangenen Woche




Lawinenabgang Poverer Jöchl vom 22.01.2021 - Tuxer Alpen. Großflächige Schwachschichten von der Kälteperiode


Spontane Lawinen nach den Schneefällen ab dem 22.01. - südseitig - Deferegger Berge


Ein ähnliches Bild wie oben aus der Schobergruppe (Foto: 24.01.2021)



Lawinenauslösung im Waldgrenzbereich. Niedererberg (Foto: 25.01.2021)


Spontane Schneebrettlawine, die sich zu einer Staublawine entwickelte. Glocknergruppe (c) foto-webcam